Jordanien - Ein Reisebericht
Jordanien - Ein Reisebericht

Crossdressing und selbst Erlebtes... Erdachtes
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Anke
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Jordanien „ Ein Reisebericht

Post 1 im Thema

Beitrag von Anke »

Hallo,

wie jedes Jahr im November verreisen meine Partnerin und ich an einen besonderen Ort. Nachdem wir im letzten Jahr in Nepal waren, stand dieses Jahr Jordanien auf dem Programm. Ja genau, das Jordanien auf der Arabischen Halbinsel, Nachbarstaat von Syrien und dem Irak. Im Vorfeld haben wir dementsprechend auch viel Stirnrunzeln und kritische Kommentare zu hören bekommen. Dementsprechend sind wir dann mit etwas gemischten Gefühlen hingeflogen. Hier könnt ihr lesen, wie es uns ergangen ist.

Samstag, 07.11.2015

Auf geht es mit dem Flieger von Stuttgart über Istanbul nach Amann. Aus praktischen Erwägungen trage ich seit langer Zeit mal wieder eine Hose, komisches Gefühl. Der Flug verläuft problemlos. Egal ob am Check In, bei der Sicherheitsüberprüfung oder Flugzeug (Turkish Airlines), alle sind höflich und freundlich zu mir.

Das ändert sich auch nicht nach der Landung in Amann. Im Vorfeld konnte ich nichts über Transsexualität in Jordanien in Erfahrung bringen. Allerdings, Homosexualität ist dort verboten, dementsprechend schwer haben es vermutlich auch Transsexuelle.

Aus diesem Grund reisen meine Frau, bzw. meine jetzt beste Freundin und ich auch als Schwägerinnen, die ihre Männer zu Hause gelassen haben. Wir haben Urlaub und die Welt verbessern wir dann an einem anderen Tag.

Sonntag, 08.11.2105

Um 8:30 geht es los. Für uns viel zu früh, da wir am Vorabend erst gegen 01:00 im Hotel waren. Doch die Reisegruppe ist nett, ebenso die Reiseleiterin, eine jordanische Frau, die in Berlin aufgewachsen ist und hervorragend deutsch spricht.

Wir schauen uns die Zitadelle in Amann und die Wüstenschlösser in der Umgebung an. Jordanien hat kulturell eine sehr bunte Vergangenheit, Römer, Griechen, Ummayiden oder Nabatäer sind nur ein paar Beispiele. Dementsprechend bekommen wir unterschiedlichstes zu sehen.

Wir erfahren sehr viel über Land und Leute, mir gefällt, was ich höre und erlebe. Interessant auch mal einen ganz anderen Blick auf den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern zu bekommen.

Der Tag endet am und im Toten Meer. Da das tote Meer ständig kleiner wird, liegen zwischen Hotel und Strand mittlerweile über 500 m und das Hotel bietet einen Shuttleservice an. Der Fahrer versucht mich anzubaggern und ich habe Mühe, ihn wieder los zu werden. Den Rückweg machen wir dann lieber zu Fuß.

Montag, 09.11.2015

Am nächsten Morgen geht es gleich weiter zum Berg Nebu. Für alle die es vergessen haben, von diesem Berg sah Moses das gelobte Land, starb und wurde von Gott begraben. Der Berg gehört einem christlichen Orden, der dort Ausgrabungen durchführt und die Anlage pflegt.

Mich hat der Ort auch deshalb berührt, weil er einen guten Blick nach Israel erlaubt. Jericho war trotz schlechter Sicht erkennbar, sehr nah und doch nicht einfach erreichbar, dazwischen nur die von Menschen gezogene Grenze. In solchen Momente frage ich mich immer, warum die Menschen nicht in Frieden miteinander leben können und sich auf diese Weise angrenzen müssen.

Nach einem kurzen Abstecher nach Madaba, der größten christlichen Stadt in Jordanien, wo es ein großes antikes Mosaik zu bestaunen gab, fuhren wir weiter zur gut erhaltenen Kreuzritterburg Karak. Auch hier interessante Geschichte aus dem Blickwinkel der Araber.

Der Tag endet in der Nabatäerstadt Petra. Petra bei Nacht ist ein unvergessliches Erlebnis. Das Schatzhaus, die berühmteste Fassade Petras, und der Weg dort hin beleuchtet von unzähligen Lampions auf dem Boden, dazu Musik der Beduinen. Auf eine Teppich vor dem Schatzhaus sitzend träume ich mich in die Zeit der Nabatäer.

Insgesamt bleibe ich an diesem Tag völlig unbehelligt. Meine anfänglichen diesbezüglichen Sorgen sind fast völlig verschwunden.

Dienstag, 10.11.2015

Die Rückkehr zum Schatzhaus und die Erkundung von Petra stehen auf dem Programm. Die Nabatäer, die in den Jahrhunderten um Christi Geburt dort gelebt und geherrscht haben, hatten eine sehr weit entwickelte Kultur, vor allem im Handel und in der Wasserversorgung. Frauen waren dort übrigens gleichberechtigt und nahmen wichtige gesellschaftliche Positionen ein. Die Stadt allein ist schon die Reise na ch Jordanien wert und ist völlig zu Recht eines der sieben neuen Weltwunder.

In der Stadt dürfen nur die Nachfahren der Beduinen, die dort bis in die achtziger Jahre gelebt haben, Geschäfte machen. Geschäfte bedeutet vor allem den Verkauf von Andenken, sowie Ritte auf Pferden, Eseln und Kamelen. Für die Beduinen scheine ich besonders attraktiv zu sein, vielleicht auf Grund meiner Größe. Jedenfalls wurde ich ständig mit Komplimenten bedacht. Aufdringlich wurde glücklicherweise niemand.

Mittwoch, 11.11.2015

Am letzten Tag unserer Rundreise ging es nach Wadi Rum. Wadi Rum ist eine wunderschöne Wüstenlandschaft im Süden Jordaniens. Berühmt geworden ist das Wadi Rum durch den Araberaufstand und Lawrence von Arabien. Große Teile des Films wurden auch dort gedreht.

Wüsten üben auf mich eine große Faszination aus und ich kann gut verstehen, dass Menschen dort trotz der Kargheit gerne leben. Wadi Rum hat mich besonders berührt und ich hätte dort gerne eine ganze Nacht verbracht.

Unsere Planung war leider anders, später ging es weiter nach Aqaba, wo wir noch ein paar Tage tauchen wollten.

12.-17.11.2015

Meine Partnerin und ich sind begeisterte Taucher, allerdings kam das in der letzten Zeit etwas zu kurz. Das war auch das erste Mal nach Beginn der Transition. Vorher haben mich die praktischen Probleme geschreckt und den damit verbundenen Stress wollte ich mir nicht antun.

Eigentlich sollte ich vor dem Urlaub mein neues Haarteil bekommen, das so fixiert ist, dass ich damit auch tauchen kann. Leider hat das nicht geklappt und ich stand vor dem Problem, wie ich damit ohne großes Aufsehen umgehe.

Dementsprechend sah ich dem ersten Tauchgang mit gemischten Gefühlen entgegen. Aber das Glück war auf meiner Seite. Von der Tauchbasis aus konnte man direkt lostauchen und die Basis hatte eine kleine Umkleide, was nicht immer der Fall ist. So konnte ich die Perücke gegen eine Tauchhaube tauschen und es konnte losgehen.

Wieder eine Hürde gemeistert und wieder etwas "zurück erobert". Ein schönes Gefühl.

Die Tauchgänge selbst waren sehr entspannt. Unser Guide, ein freundlicher junger Jordanier, kannte sich gut aus und agierte sehr professionell. Großfische gab es kaum, dafür wunderschöne Korallenriffe bei bester Sicht.

Von den Tauchgängen abgesehen waren die Tage von süßem Nichtstun bestimmt. Schön war für mich auch, dass meine Transsexualität von ein paar praktischen Problemen abgesehen, überhaupt keine Rolle spielte. Zu Hause wissen die Menschen in der Regel Bescheid. Hier wusste es keiner, von meiner Partnerin mal abgesehen. Überall wurde ich artig mit "Madam" angesprochen, weder mir noch meiner Partnerin sind irgendwelche Blicke aufgefallen.

18.11.2015

Nun stand für mich der Weiterflug nach Istanbul an. Ein paar Wochen vor dem Urlaub habe ich mich entschlossen, an meinen Augen die Schlupflider entfernen und ein paar weitere Feminisierungsmaßnahmen durchführen zu lassen. Dazu habe ich einen sehr guten Operateur in Istanbul ausfindig gemacht. Da unser Rückflug aus Jordanien sowieso einen Zwischenstopp in Istanbul vorsah, habe ich den Termin einfach drangehängt. Was ich dort erlebt habe, berichte ich in einem Folgepost.

Rückblickend möchte ich sagen, dass ich sehr froh bin, Jordanien besucht zu haben. Das Land ist sehr schön und die Menschen sind nett und freundlich. Sicherheitsprobleme gab es überhaupt keine und vor Anschlägen sind wir leider auch in Europa nicht mehr sicher, wie wir unlängst lernen mussten.

Liebe Grüße

Anke
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Jessie

Re: Jordanien „ Ein Reisebericht

Post 2 im Thema

Beitrag von Jessie »

Schöner Bericht.

Ich würde dort auch Urlaub machen wollen wenn sich die Gelegenheit bietet.
Magdalena
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Re: Jordanien „ Ein Reisebericht

Post 3 im Thema

Beitrag von Magdalena »

Hallo Anke,

es war sicher ein schöner Urlaub, so wie sich Dein Bericht liest. Da hast einige interessante Stätten besucht, die sicher sehenswert sind.

Viele Grüße Magdalena
Lebe jeden Tag.
Sabrina.P
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Re: Jordanien „ Ein Reisebericht

Post 4 im Thema

Beitrag von Sabrina.P »

Vielen Dank Anke, für den schönen Bericht! Muss ein schönes Land sein!
Liebe Grüsse
Sabrina
Annabelle-R.
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Re: Jordanien „ Ein Reisebericht

Post 5 im Thema

Beitrag von Annabelle-R. »

Hallo Anke,
schöne Idee, uns von Eurer Reise zu berichten, für mich immer interessant, weil ich selbst gerne etwas exotische Reiseziele habe.
(Istanbul habe ich vor wenigen Wochen mit meiner Freundin besucht)
Wie ist denn die Kleiderordnung in Jordanien, sind die Frauen eher züchtig oder freizügiger gekleidet ?

Liebe Grüße
Annabelle
Toleranz ist die Möglichkeit, dass der Andere Recht haben könnte
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Anke
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Re: Jordanien „ Ein Reisebericht

Post 6 im Thema

Beitrag von Anke »

Hallo,

mit meinem Posting wollte ich euch dieses schöne Land ein wenig näher bringen und Interesse wecken. Gerade im Kontext mit der aktuellen politischen Situation und der Diskussion um den Islam finde ich es wichtig, solche Länder zu besuchen, um sich ein etwas besseres Bild zu machen. Wenn ich etwas mehr Zeit habe, dann möchte ich mich auch näher mit dem Islam beschäftigen. Aus Unkenntnis verstehe ich vermutlich vieles nicht und tue mich oft schwer, mir eine Meinung zu bilden.

Zusätzlich ging es mir darum zu zeigen, dass es auch als Transfrau möglich ist, in ein solches Land zu reisen. Allerdings muss ich zugeben, dass ich das vor meiner Namensänderung nicht gemacht hätte. Die Grenzen für eine solche Reise sind mir durchaus bewusst.

@Annabelle
Die Frauen tragen fast ausnahmslos mindestens ein Kopftuch. Viele sind vollverschleiert. Als Touristin bist Du grundsätzlich frei, es wird allerdings angeraten keine kurzen Röcke oder Oberteile mit tiefen Ausschnitten zu tragen. Da meine Kleider und Röcke meist über dem Knie enden, bin ich für diese Reise auf Hosen umgestiegen.

In diesem Zusammenhang fand ich auch den Besuch des abendlichen Markts in Aqaba interessant. Unter anderem gab es dort einen Laden, in dem Dessous verkauft wurden. Einiges aus dem Angebot findest Du bei uns vor allem bei Beate Uhse. Das Angebot war auch von außen gut sichtbar, auch die zum Teil sehr aufreizenden Stücke. Und der Laden war mit vollverschleierten Frauen bevölkert, die mit großer Selbstverständlichkeit das Angebot prüften und einkauften. Ich muss gestehen, das hätte ich so nicht erwartet.

Liebe Grüße

Anke
Sentio ergo sum. - Ich fühle, also bin ich.

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Bianca D.
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Re: Jordanien „ Ein Reisebericht

Post 7 im Thema

Beitrag von Bianca D. »

Moin Anke,

danke für deinen schönen Bericht. Und Respekt vor dem Mut,in ein orientalisches Land zu reisen. Ich hätte das sicher nicht gemacht. Nicht wegen der aktuellen Situation sondern ganz allgemein der Einstellung gegenüber Homosexuellen und daher vermutlich aus TS. Ich hätte da einfach Angst,aufzufliegen und den Urlaub dann nicht mehr genießen zu können.

Frohe Weihnachten und liebe Grüße!

Bianca
Ick wees nüscht,kann nüscht,hab aba jede Menge Potenzial
katjaosna
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Re: Jordanien „ Ein Reisebericht

Post 8 im Thema

Beitrag von katjaosna »

Ich glaube, solche Reisen bringen einen wirklich weiter und es ist spannend hinter die Fassaden zu blicken und die Menschen kennenzulernen. Natürlich ist die Einstellung zu uns oft eine andere, aber wir sollten uns nicht immer so herablassend über andere Kulturen äußern, denn auch die deutsche, spießbürgerliche Landschaft ist gerade von Vorurteilen zerfressen. Finde es spannend Anke, dass muslimische Frauen unter ihre Outdoor-Kleidung vielleicht moderner und weiblicher sind als ich dachte ;-)

Ich bin mal in einer Autobahn-Raststätte mit einer Horder angetrunkener , junger BVB Fans zusammengestoßen. Wirklich ein Moment , wo mir das Herz in die Hose rutschte. Die Jungs waren freundlich und wir haben ungezwungen geredet - in einem Café in einem Kurort mit vielen älteren Herrschaften wird frau viel negativer betrachtet. Ich würde auch erst nach der Vornamensänderung in diese Länder reisen.
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