Ich möchte Corinna beipflichten. Die Frage ist, was versteht man unter einer Beziehung. Und die angesprochene romantische Vorstellung muss immer in einer Sackgasse enden. Jede Beziehung kommt an einen Punkt, in dem die Partner desillusioniert sind. Man merkt, dass der/die Andere anders ist, als man es sich vorstellt. Es gibt "Risse". Die Frage ist nun, wie man mit der Situation umgeht. Kann ich einen Riss als produktives Element sehen ? Dann nehme ich das als Chance wahr, meinen eigenen Horizont zu erweitern, meine eigene Position zu hinterfragen und neue Wege zu bestreiten. Hier beginnt ein sehr interessanter Teil der Beziehung. "Die Wahrheit beginnt zu zweit" heußt ein treffender Buchtitel von Lukas Möller.Romantische Vorstellungen, wie "Liebe muss alles ertragen", ist leider meist absolut keine gute und faire Einstellung
Ich kann aber auch darauf bestehen, dass meine Position "richtig" ist. Dann versuche ich den Partner zu zwingen, sich anders, nämlich mir gerecht, zu verhalten. Das ist eine Art "Vergewaltigung", denn der Partner soll etwas tun, was gegen seinen Willen ist. Das ist auf Dauer sehr ungesund. Risse vertiefen sich zu tiefen Gräben und können zum Bruch führen. Auch eine Beziehung, in der man sich aus dem Weg geht und vielleicht sogar eine scheinbare Harmonie lebt, ist eigentlich eine gebrochene Beziehung.
Auch hier steckt wieder ein Deal dahinter. Man kann darauf eingehen oder es lassen. Das ist meine Entscheidung. Die Dynamik, die ein solches Gespräch auslösen kann, ist gewaltig. Allein die Frage, was hinter einer solchen Forderung steckt, ist sehr spannend. Was bedeutet "Stärkung der Weiblichkeit", warum wird sie genau so eingefordert, gibt es keine andere Möglichkeit der Stärkung ? Die Forderung drückt eine Botschaft aus. Vermutlich nicht die, die vordergründig dahinter steckt. Ginge es wirklich um einen Liebhaber, hätte sie vermutlich schon einen.dafür darf ich mir in ähnlicher Intensität einen Liebhaber gönnen, der mich in meiner Weiblichkeit stärkt und begehrt und somit das Manko ausgleicht, welches durch eine CD- Partnerschaft für die Ehefrau entsteht....?
Wünsche und Forderungen in Beziehungen drücken Bedürfnisse aus, die in Beziehungen bearbeitet werden müssen. Meistens läuft das ohne viel Tamtam. Gibst Du mir, gebe ich Dir. Aber es gibt auch eine Ebene, die tiefer liegt, die an die eigene Substanz geht. Hier geht es nicht nur um Deals, sondern auch um die Veränderung des eigenen Horizonts, um Deals erst möglich zu machen. Wenn die Partnerin mit dem T* des Partners konfrontiert wird und es ihr schwer fällt, das nachzuvollziehen, ist ein solcher Punkt erreicht. Hier geht es um mehr, als nur die Frage, wann, wie und wo er er weibliche Kleidung tragen "darf". Hier geht es auch um die Frage, wie sie ihre eigene Weiblichkeit sieht, ob diese eine Veränderung bedarf und ob sie bereit ist, sich damit auseinander zu setzen. Das ist das Paradoxe in der Beziehung.
Er trägt durch seine Art zu ihrer Entwicklung bei, die sie sonst nie hätte machen können. Er ist das auslösende Element an dieser Stelle. Und das ist produktiv. Solche Irritationen sind in Beziehungen unverzichtbar. Sie führen zum einen zu einer Stärkung der eigenen Person und auch der Beziehung, wenn man solche Situationen meistert. David Schnarch (sehr empfehlenswert) nennt das "Differenzierung".