gerade im Herbst und in der Vorweihnachtszeit lodert bei mir immer wieder ganz verstärkt der Wunsch und das Bedürfnis auf, mich modisch aufzuleben. Und es tauchen auch diese Gedanken auf, woher die Bedürfnisse kommen und wohin sie einen führen.
Schon fast mein ganzes Leben begleiten sie mich nun. Als Kind war es der Wunsch, es meinen Schwestern gleich zu tun, und Röcke und Strumpfhose tragen zu dürfen, was ich dann auch tat, sogar mit Erlaubnis meiner Mutter. Im Laufe der Zeit verschwand dies immer mehr in der Heimlichkeit vor allem aus Schamgründen. Als Pupertierender kam dann diese Unzufriedenheit und das Gefühl falsch zu sein, nicht so leben zu dürfen, wie man möchte, und der Wunsch/Gedanke als Mädchen es viel besser zu haben, da man sich nicht mehr verstellen müsste. Internet gab es nicht, sprechen konnte ich darüber mit niemanden, daher musste ich alles mit mir selbst ausmachen, mit der Ergebnis, dass es verdrängt blieb.
Zu Beginn des Internets und dem somit möglichen Austausch mit anderen, wurde mir klar, dass ich nicht alleine bin, und ich fand auch den Mut mich als Mann etwas auszuleben, manchmal Röcke etc. in der Öffentlichkeit zu tragen. Aber im Großen und Ganzen blieb doch alles im Verborgenen, denn es war einfach nicht genug, denn es war nicht die komplette Bandbreitee, die man sich wünschte, angefangen beim Schminken bis Tragen von sämtlicher Kleidung, dem verführerrischen Auftritt, der nur den Frauen vorbehalten ist, und vieles mehr. Und so verdrängte man vieles.
Und jetzt im Herbst bricht es wieder hervor, und es stellen sich wieder diese Fragen.
Man liest hier im Forum, recherchiert im Internet, schaut sich bei Youtube diese Videos ein, die über HRTs berichten und Vorher-Nachher Bilder zeigen mit teils tollen Erfolgen, bei denen dann Frauen zu sehen sind, die in keinster Weise mehr an die Männer erinnern, die sie mal waren, und das ganz ohne feminisierende OPs. Und man denkt sich nur, das wäre es. Genau so würde ich auch leben wollen. An deren Stelle würde ich es genau so machen.
Nur dann kommt die Ernüchterung. So perfekt würde man nie aussehen, und vermutlich auch nicht mal halb so perfekt. Eigenes Gesicht und Körperbau machen dies unmöglich. Es wäre ein Aufwand erforderlich, der immens und auch riskant wäre, und ob jemals ein zufriedenstellendes Ergebnis zu erzielen wäre, ist mehr als zweifelhaft.
Ich bewundere die, die dennoch Risiken eingehen, um ihrem Traum näher zu kommen. Aber ich könnte es nicht, denn der Gedanke, danach genau so unperfekt oder noch unperfekter zu sein als jetzt (ok, was ist schon perfekt....) , macht mir Angst und hält mich davon ab. Denn optisch nicht komplett als Frau wahrgenommen zu werden und die Rolle eines Sonderlings einzunehmen, damit könnte ich nicht glücklich werden.
Insofern bleibt der Traum ein Traum...
Aber auch so kann man glücklich werden, es bleibt eben nur mehr bei diesem Spießrutenlauf...
Mich würden auch Eure Gedanken interessieren.
Grüße von der Biene