Das fehlende Puzzleteil
Das fehlende Puzzleteil - # 2

allgemeiner Austausch
biene38
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Re: Das fehlende Puzzleteil

Post 16 im Thema

Beitrag von biene38 »

Theresa hat geschrieben:Das finde relativ einfach zu beschreiben:
Wenn man sich wie eine super tolle Frau fühlt und verhält, sich aber zum Affen macht weil man schon auf weite Entfernung als dicker großer Mann in Frauenkleidung war genommen wird, -als Freak. Wenn Eigen und Fremdwahrnehmung stark voneinander abweicht. Da gibt es sicher unterschiedliche Ansichten aber das ist meine... ;-)
Ich mag so wenig wie möglich auffallen.
ich gehe davon aus, dass die meisten hier früher oder später als Männer identifiziert und auch entsprechend behandelt werden, eben als Freak. Sie mögen sich selbst als Frauen sehen, werden aber von ihrer Umwelt nicht so wahrgenommen.
Für mich wäre das nichts. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.
Ich habe einmal abends einen Test unternommen, und bin gestylt um die Häuser gezogen. Bis ich dann das erste Gelächter vernommen habe, und damit war das Wohlgefühl dahin und das Unbehagen wurde zu stark, so dass ich den Versuch abbrach. Es mag vielleicht daran gelegen haben, dass ich es mit dem Styling etwas übertrieben habe, d.h. das Kleid etwas zu kurz, die Strumpfhose etwas zu auffällig, die Schuhe etwas zu hoch etc. Aber gerade darin liegt vermutlich gerade der Reiz für viele.
Unauffällig in Leggings/Jeggings, Stiefeln ohne Absatz, Longshirt und Damenmantel kann ich auch als Mann gehen, ohne dass ich Aufsehen errege. So laufe ich häufig rum, und keinen interessiert es.
Grüße von der Biene
Theresa
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Re: Das fehlende Puzzleteil

Post 17 im Thema

Beitrag von Theresa »

Hallo Vicky und Biene,

Die Grenze, an der ich meine mich zum Affen zu machen lege ich selber fest. Es ist meine Einschätzung meiner Umwelt und was ich ihr zumuten will.
Ich habe ab und an Sehnsucht danach weiblich zu sein und als Frau darf ich auch raus. Dann möchte nur keine unnötigen Anreize setzen um unschöne Reaktionen zu provozieren.

An mir ist für eine Frau fast alles zu groß und zu klobig. Leider habe ich mich nicht selber gemacht. Dann sähe ich anders aus. So bleibt mir nichts anderes übrig als mich mit meinen Gegebenheiten zu arrangieren. Dazu muss ich Makup, Polsterhose, Silis Mieder Pulli und Sonstiges so arrangieren dass es möglichst wenig auffällt. Und trotzdem bin ich recht schnell als Mann erkennbar. Im günstigen Fall als einer, der sich Mühe gibt weiblich zu wirken ohne dabei eine Lachnummer zu geben. Mehr kann ich, glaube ich, nicht erreichen.
Sonst hätte Ich vielleicht ein Pettycoad-Kleid und Highheels an und eine Frisur ähnlich Amy Winehouse. Leider ist mir bisher eine so gekleidete Frau im realen Leben nie begegnet. Ich mache ich halt Kompromisse.
Das gilt natürlich nur für mich.
Andere mögen andere Beweggründe haben.
-Sich vielleicht in einer provokanten Rolle wieder finden wollen.
-Super sexy und oder als Dienstmädchen gesehen zu werden.
-unauffällig als graue Maus (ist eher mein Ding)
Ich habe hier auch schon mal gelesen, man sei einfach so wie man ist und verzichte auf besondere äußere Attribute.

Ich denke, jede muss ihren Weg finden. Und ich glaube, für mich bin ich in der richtigen Richtung unterwegs. Wenn man es schafft, sich weniger Gedanken zu machen und zu überlegen was andere Denken könnten, ist das schon die halbe Miete.
Mir gelingt das leider nicht immer, aber gestern und heute hat es geklappt und es war gut und richtig.

Viele Grüße

Theresa

Noch ein Hinweis -keine Werbung- für die, die es interessiert: am 5.12. ist der Korsetthersteller Tomto in Köln. Da kann man sich eventuell eine weite Anreise nach Berlin sparen wenn man eh so was kaufen wollte. Näheres auf Tomto.de. Ich habe den Termin um 12 Uhr :-) )
Beachten sie folgenden Hinweis:
-Hä?-
Vielen dank für ihre Aufmerksamkeit
Katja-H
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Re: Das fehlende Puzzleteil

Post 18 im Thema

Beitrag von Katja-H »

Hallo ihr Lieben,

ich mische mich dann auch mal wieder in die Diskussion um eigen- und fremdbestimmt und Eigenwahrnehung und Fremdwahrnehmung ein. Natürlich kann ich nur von meinen eigenen Erfahrungen und meinen Gefühlen ausgehen.

Wie andere, vor allem Passanten auf der Straße, uns wahrnehmen, teilen sie uns ja normalerweise nicht direkt mit. Die meisten Reaktionen, die wir, wenn wir en-femme unterwegs sind, wahrnehmen, werden bewusst oder unbewusst ja auch von uns interpretiert.

Wenn ich als Katja unterwegs bin, bin ich mir durchaus darüber im Klaren, dass eine "Frau" von knapp 1,90 m Körpergröße wahrgenommen wird - und mein Geburtsgeschlecht auch spätestens beim zweiten Blick erkannt wird. Dazu muss ich nicht mal den Mund aufmachen ;-).

Sehr oft fällt mir auf, dass ich nicht bewusst gesehen werde - die meisten Leute in der Stadt sind mit sich selbst beschäftigt. Ich bekomme keine Reaktion, die ich auswerten kann. Also entweder absolutes Desinteresse oder Höflichkeit oder Phlegma.
Wenn ich bewusst Leute anlächle, Frauen, die keine Mädels mehr sind, wird beinahe immer nett zurückgelächelt - dies kann und möchte ich nur als positive Reaktion werten, auch wenn sie mich als Mann erkannt haben.
Wenn mir von irgendwelchen Jugendlichen, ganz egal ob Mädchen oder Jungs, Gelächter oder Sprüche hinterherwehen, kann ich wunderbar damit leben. Ihre Reaktion auf mich beruht auf Ihrer Unsicherheit - und für ihre Unsicherheit kann kann und möchte ich keine Verantwortung übernehmen.
Dass ich von Verkaufspersonal, egal ob in Ladengeschäften oder in Gaststätten, keine negativen Reaktion bekomme, kann ich von professionellem Personal erwarten. Schließlich möchten die Geld und gerne auch Trinkgeld.

Also kaum etwas verwertbares, um meine Eigenwahrnehming mit der Fremdwahrnehmung abzuklären.

Fremdbestimmt sind wir alle, zumindest bis zu einem gewissen Grad. Schließlich ist auch die Erziehung und die Prägung durch die Gesellschaft, in der wir aufgewachsen sind, als Fremdbestimmung anzusehen. Natürlich kann sich man mit steigender Lebenserfahrung einen größeren Anteil an Eigenbestimmung erkämpfen - eine gewisse "Leck-mich-am Arsch" - Haltung kann da durchaus hilfreich sein.

Dass diejenigen von uns, bei denen jahrzehntelang die männlichen Hormone ihr Werk verrichten konnten, es nicht einfach haben, auch mit Hilfsmitteln auf den ersten und zweiten Blick nicht als geborener Mann erkannt zu werden, dürfte unbestreitbar sein.

Die innere Einstellung spielt meiner Meinung nach da auch eine ganz große Rolle. Wenn ich mich aufstyle und mit meinem Anblick im Spiegel völlig zufrieden bin, mich in mir, so wie ich bin, wohlfühle, dann strahle ich das auch aus. Dann bin ich auch für irgendwelche Anderen keine Lachnummer, sondern jemand, der so ist, wie er ist!

Fremdbestimmt bin da natürlich auch noch - wenn ich rausgehe, orientiere ich mich natürlich daran, wie sich die anderen Frauen kleiden und an dem, was ich vorhabe. Diese Anpassung an die "Gesellschaft" wird auch von der "Gesellschaft" honoriert - wobei ich mich da nicht als "graue Maus" sehe. Bei uns "Frauen" gibt es ja, unabhängig von Körpergröße und Statur, die Möglichkeiten Akzente zu setzen.



Ein ziemlicher Roman, für mich eher eine Ausnahme


Liebste Grüße


Katja


PS.: Natürlich hätte ich auch gerne eine Körpergröße von ca. 1,72 m, Kleidergröße max. 40, die Kurven an den richtigen Stellen, reine Haut und volles, langes, leichtfrisierbares Haupthaar - aber das hätten viele "Original"-Frauen auch gerne ;-).
Natürlich hätte ich gerne eine Körpergröße von ca. 1,72 m, Kleidergröße max. 40, die Kurven an den richtigen Stellen, reine Haut und volles, langes, leichtfrisierbares Haupthaar - aber das hätten viele "Original"-Frauen auch gerne ;-).
Theresa
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Re: Das fehlende Puzzleteil

Post 19 im Thema

Beitrag von Theresa »

Ja, ein Roman aber du bestätigst meine Erfahrung der letzten Tage und besser geschrieben als Meiner ist er auch :-) .

Das ich Theresa im Spiegel fast automatisch anlächele, hat mich selbst gewundert. Das kommt bei dem Kerl nie vor und hat eine gewisse Aussage.
Die Verkäuferinnen bei Müller und C+A, die Friseuse, und vor allem die Kosmetikerin waren total freundlich und lieb. Klar, die wollen verkaufen aber sonst ist mir das nie so aufgefallen.
Ok, eine Einschränkung der Aussage: Als Mann habe ich auch noch nie einen Kosmetikpinsel gekauft :-)
Und Mut in der Bäckerei ein Brötchen zu essen und Kaffee zu trinken hatte ich auch. Bin total happy.
Auf negative Reaktionen würde meine Stimmung und Mut sofort sinken. Das muss ich mir noch einen symbolischen Pelz wachsen lassen. (einen haarigen habe ich leider schon)
Frau sein, so gut es geht, ist schön und richtig und gibt mir ein Gefühl tiefer Zufriedenheit. :-)

Schade, dass ich die innere Frau nicht schon viel früher erkannt habe, -mit dem Wissen von heute....

Viele Grüße

Theresa
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Katja-H
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Re: Das fehlende Puzzleteil

Post 20 im Thema

Beitrag von Katja-H »

Hallo Theresa,

die beiden letzten Sätze kann ich vollinhaltlich mit unterschreiben.

Es gibt durchaus nicht wenige von uns, die ihre innere Frau erst im reiferen Alter erkennen und auch ausleben. Wir beide dürften ja das gleiche Geburtsjahr haben. In diesem Alter das "Frau-Sein" in den Alltag zu integrieren, ist nicht einfach.

Ich freue mich mit jedem, dem dies ohne zu große Verluste zu erleiden, gelingt.


Liebe Grüße


Katja
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Re: Das fehlende Puzzleteil

Post 21 im Thema

Beitrag von lilijana »

Hallo,

da gebe ich dir Katja vollkommen Recht.
Katja-H hat geschrieben: Die innere Einstellung spielt meiner Meinung nach da auch eine ganz große Rolle. Wenn ich mich aufstyle und mit meinem Anblick im Spiegel völlig zufrieden bin, mich in mir, so wie ich bin, wohlfühle, dann strahle ich das auch aus. Dann bin ich auch für irgendwelche Anderen keine Lachnummer, sondern jemand, der so ist, wie er ist!

Die innere Einstellung spielt nicht nur, sagen wir mal "Bei Frau zu sein" eine große Rolle. In allen dingen die wir tuen spielt sie eine Rolle und beeinflusst unser Handeln und denken.

Viele liebe Grüße
Lilijana
Manche Menschen brauchen lange, bis sie geboren wurden.
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Re: Das fehlende Puzzleteil

Post 22 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Hi Katja,
Wenn ich bewusst Leute anlächle, Frauen, die keine Mädels mehr sind, wird beinahe immer nett zurückgelächelt - dies kann und möchte ich nur als positive Reaktion werten, auch wenn sie mich als Mann erkannt haben.
kennst Du den Begriff "Affengrinsen" ? Affen grinsen bei Begrüßung und Besänftigung. Das ist ein ganz normales Verhalten, dass es auch bei Menschen gibt. Es signalisiert, dass keine Gefahr besteht bzw. dass man hofft, dass keine Gefahr besteht. Ich denke, bei Frauen ist das stärker zu beobachten. Ich habe einmal eine Frau kenen gelernt, die grinste völlig unbewusst und unkontrolliert, wenn man sich ihr auf weniger als einen Meter näherte. Sie bekam damit eine Menge Probleme, da Männer das als Aufforderung interpretierten. Aber sie konnte einfach nicht anders.

Deshalb ist das Lächeln, wie Du es beschrieben hast, nicht negativ. Es ist ein Ausdruck der Friedfertigkeit, lässt aber keine Rückschlüsse auf die Einstellung zu. Meine Lehre daraus, gehe immer, besonders en femme, lächelnd auf die Menschen zu.
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
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