Vicky_Rose hat geschrieben:Moin,
ich denke, in der Diskussion werden immer wieder zwei Perspektiven miteinander vermischt. Die eine richtet sich auf eine Allgemeinheit (TV, TG, Frauen, Männer, Gesellschaft etc.), die andere ist ein Blick auf die eigene Persönlichkeit. Dabei werden Erscheinungsformen aus der Ersten gerne verwendet, um persönliches Handeln zu bestätigen. Aber mMn hilft das nicht viel, denn es muss für jede(n) darum gehen, die eigene Persönlicheit zu entwickeln.
Matina, verstehe ich das richtig, dass Du die Fragen stellst, u.a. auch deshalb, weil Du selber davon betroffen bist ? Ich habe mir selber auch genau diese Fragen gestellt und stelle sie mir teilweise noch. Für mich wurde ein Schuh daraus, als ich die Fragen etwas umformuliert habe:
Idealisiere ich das Frauenbild ?
Fehlt mir der Mut und das Selbstvertrauen, meine männliche Rolle zu erweitern und zu verändern ?
Verstecke ich mich lieber hinter einer idealisierten Frauenrolle, um möglichst nach Aussen nicht identifizierbar zu sein ?
Ist es verständlich, was ich meine ? Ich muss mich selber mit den Fragen auseinandersetzen und darf mich nicht wieder hinter einer Allgemeinheit verstecken. Mir ging es um die Aueseindersetzung mit mir selber.
Nachdem ich die Fragen mit einem dreimaligen "ja" beantwortet habe, war der Weg frei, für mich selber Veränderungen zu akzeptieren und durchzuführen.
Grüße
Vicky
Ich verstehe ausgezeichnet, was du meinst. Und ich vermute, dass du dich nicht hinter einer idealisierten Frauenrolle versteckst um NICHT identifizierbar zu sein - sondern eher genau UM identifizierbar zu sein. Ob es nun eine idealisierte Frauenrolle ist oder nur deine Sicht der Frauenrolle ist weiß ich nicht. Nur eine kann das wissen.
Da ist es eben, dass die Perspektiven sich teilen - und wie sollte es auch anders sein: Jemand will partout Gründe - A führt zu B führt zu C - definiert haben. Aber wie soll das gehen, wenn so viele intuitive und unbewusste Prozesse dahinter stecken.
Ein kleines Kind entscheidet doch auch nicht: Unten habe ich ein Geschechtsorgan, also bin ich Männlich, also bin ich eher geneigt dominant zu sein, ich soll praktische Sachen eher as hübsche Sachen anziehen und Pappi ist mein Vorbild, nicht Mammi - und wenn ich das alles richtig tue habe ich in 25 Jahren statistisch die größeren Chancen die besser bezahlten Jobs zu kaufen, dass ich mir Autos leisten kann, die mehr als motorisierte Einkaufskarren.
Zumindest, wenn ein kleines Kind so denkt, wird es wohl die Ausnahme sein.
Nein, ein Kind entscheidet das intuitiv. Später lernen die in den vorhandenen Systemen zu interagieren. Zwei dieser Systeme sind die Gender-Roles. Dann entdecken unterwegs Menschen wie du und ich genauso intuitiv, dass die andere Gender-Role sich ganz oder Teilweise besser anfühlt. Egal welches Bild wir davon haben. Kann bei dir und mir unterschiedlich sein.
Ich, zumindest, habe nicht eine Milchmädchen-Mathematikformel aufgestellt wie: Meine Angstgefühle in Form von soundsoviel Adrenain im Blut, die entsteht durch den Versuch das allgemeine Männerbild zu verändern ist höher als das das Angstgefühle durchs Tragen von Frauenlooks in der öffentlichkeit = Also um weniger Angstgefühl zu empfinden habe ich konkludiert, dass das verstecken hinter einem weiblichen Ideallook die logische Entscheidung ist.
(Und jetzt kann sich Martina aufregen, so sehr wie sie will - sie überspitzt meine Argumente. Das ist normal in einer öffentlichen Diskussion. Dann bringe ich einfach meine Argumente mehr auf den Punkt. Damit habe ich kein Problem. Dann muss sie das auch ertragen können).
So ein Quatsch. Ich habe nicht so entschieden. Hast du? Hat das überhaupt jemand hier?
Das schlimmste ist eigentlich die pauschale Behauptung, dass Menschen die Trans sind und ein hohes Mass an Passing anstreben, sich verstecken würden, täuschen, und sich nicht trauen die Männerrolle zu verändern. Eigentlich eine Frechheit so was zu behaupten ohne jegliche Deckung.
Traut sich Vicky nicht? Woher soll ich das wissen. Vielleicht ist sie in Wirklichkeit Genderfluid oder war, bevor sie endeckte wie Trans sie ist - eine der ersten Metrosexuellen.
Traue ich mich nicht? Wer vill das wissen?
Und dann kommt noch das Idealisierte Frauenbild: Wer will wissen, ob das genau richtig ist oder ein Versteck. Weiß ich im Alltag wieviele sich hinter einem Idealisierten Männerbild verstecken? Ich bin in Thai-Box Workshops gewesen, wo Muskelprotze mit Tattoos überall IHR dominantes Männerbild zur Schau gestellt haben. Da bin ich total die Ausnahme in so einer Gruppe. Weniger muskelmasse, schlank, gefplegte Haut und gezupfte Augenbrauen. Und wenn ich dann im Sparring einen von denen in die Ecke treibe - nicht weil ich stärker oder technisch besser bin, sondern weil ich die Entschlossenheit habe, die bei einigen von ihnen Fehlt. Wer versteckt sich dann hinter einem Idealisierten Männer/Frauenbild? Ich oder er?
Nein, ich glaube nicht, dass Vicky sich in der Frauenrolle versteckt - Ich glaube, dass sie genau wie ich einfach mit unseren Mitmenschen besser über das kommunizieren, was uns WIRKLICH ausmacht.
Und übrigens: Wenn ich daraf wetten sollte, wer sich traut in ein Thai-Box-Gym mit einer Pinkfarbenen Boxerhose zu gehen - Martina oder Vicky - dann würde ich mein Geld auf Vicky setzen.
Und wenn jemand es unter Beweis stellen will, kann ich euch die Hose leihen.