da hast du ein interessantes Fass aufgemacht.
Dem Anschein nach ist es so wie du schreibst, dass es wesentlich mehr MzF als FzM-Transgeschlechtlichkeit gibt. Aber stimmt es wirklich, dass Transmännlichkeit marginalisiert ist bzw. wird?
Dein Beispiel vom CSD trifft schon ganz gut den Kern: Du schreibst dazu, dass dort eine "bestimmte Form von Trans*-Weiblichkeit" sichtbar ist. Sichtbarkeit hat etwas mit Expression, mit Aussendarstellung und -wirkung zu tun, weshalb Sichtbarkeit m.E. kein guter Maßstab für das Vorhandensein von etwas ist. Am Beispiel von CSD-Paraden könnte man z.B. auch manche Ausprägung von Transweiblichkeit für marginalisiert halten.
Es wurde reichlich über Frauen in Hosen geschrieben und auch gegen sie gewettert; allerdings zu einer Zeit, in der es noch keine Boxershorts gab. Sie haben sich aber seither ein gutes Stück weit davon frei gemacht, sich über Kleidung und Verhaltensweisen zu definieren oder sich darüber und überhaupt definieren zu lassen. Von einem ähnlichen Stand sind 'die Männer' noch ziemlich weit entfernt.Q-Chromosom hat geschrieben:Und Frauen die gerne als Männer rausgehen? Wo sind die? Warum so unsichtbar?
Liegt es daran, dass wir in einer patriarchal-geprägten Gesellschaft leben?
Warum ist Crossdressing so krass von Mann zu Frau konnotiert? (warum wird nicht über frauen geschrieben, die gerne boxershorts tragen?)
Sind das wirklich? Oder ist Transmännlichkeit heutzutage mit deutlich weniger Reibung in das Sozialgefüge einpassbar, weil 'die Frauen' sich, aus der (kollektiven) Erfahrung der negativen Wirkung von Zuweisungen und Anforderungen, von der Notwendigkeit einer (über-)deutlichen Aussendarstellung frei gemacht haben? Soll heissen: Transmännlichkeit, verbunden mit dem Erleben einer weiblichen Sozialisation, ermöglicht vielleicht einen ganz anderen Umgang mit der Transgeschlechtlichkeit, als männlich sozialisierte Transweiblichkeit. Und zwar sowohl im individuellen Handeln, indem ein Transmann weniger expressiv sein kann, als auch durch gesellschaftliche Reaktionen, durch die einem Transmann die Zuweisung 'trans' erspart bleiben kann und er dadurch quasi unsichtbar wird.Q-Chromosom hat geschrieben:Warum sind trans*-Männlichkeiten so krass marginalisiert?
Ich glaube, das Ganze hat viel mehr mit individuellen Erlebenshintergründen und gesellschaftlichen Standards und Denkmustern, als mit aktiver Marginalisierung zu tun. Und wenn das so sein sollte (auf die Reaktionen und Argumente dazu bin ich gespannt): Wäre dann die 'männliche Emanzipation' die notwendige Bedingung für eine positive Nicht-Sichtbarkeit von Transweiblichkeit? Was würde es bedeuten, wenn sich 'die Frauen' und 'die Männer' emanzipiert hätten?
Habt es gut
Marielle
PS: Die winzige Schrift kann ich nichtmal mit einer Brille lesen