Guten Tag zusammen,
Rosi schrieb:
Ansonsten setzt sich der Verein stark dafür ein, dass transsexuelle Menschen als in ihrem Geschlecht geborene Menschen mit gegengeschlechtlich ausgeprägten Körpermerkmalen verstanden werden. Also entgegen der gängigen These einer Identitätsstörung, einer Rollen-Unzufriedenheit oder Rollen-Eigen-Missempfindung. Leider ist das in unserem Land ein Alleinstellungsmerkmal.
Klingt gut. Man könnte es so stehen lassen, wenn man nicht aus allerlei Erfahrungen wüsste, wie sich diese Position im praktischen Miteinander (eher: Gegeneinander) darstellt.
Selbst bei Veranstaltungen (Diskussionsrunden, Vorträge usw.), bei denen ein klarer Konsens darüber besteht, dass Transsexualität in keiner Weise pathologisiert werden darf und das es einen selbstbestimmten Weg zu den individuell notwendigen Massnahmen geben muss, befinden sich manche (m.E. reichlich viele) Vertreter_innen dieser Sichtweise in destruktiver Daueropposition gegen alle, die für sich selbst einen anderen Umgang, als das unbedingte Streben nach Anpassung, gefunden haben.
Ich habe es bei Diskussionen oft genug so erlebt: Spätestens bei dem Hinweis, dass man die grundsätzliche Aussage des obigen Textes uneingeschränkt für richtig hält, man aber den Umgang mit der eigenen Persönlichkeit und dem eigenen Körper doch bitte als individuelle, menschenrechtskonforme Entscheidung betrachten möge, ersäuft man in einem Redeschwall, der in den allermeisten Fällen mit dem Vorwurf der Diskriminierung und viel zu oft auch mit Beschimpfungen endet.
Auf das Argument, dass der Umstand in einem falschen, unpassenden Körper geboren worden zu sein, ja wohl nicht ausschliessen kann, dass ein vernunftbegabter Mensch zu einer anderen Entscheidung, als dem Streben nach einer Ken und Barbie-Körperlichkeit, kommen kann, verzichte ich meist schon. Allerdings frage ich mich angesichts solcher Reaktionen schon seit längerem, welche Eigenschaften eine persönliche Position haben muss, wenn sie sich durch (z.B.) meine Existenz und meinen Umgang mit mir selbst derartig stark in Frage gestellt sieht.
Habt es gut
Marielle
PS: Die Beschreibung der Erlebnisse auf Veranstaltungen bezieht sich ausdrücklich nicht auf dich persönlich, Rosi, da wir uns (soviel ich weiss) noch nie persönlich über den Weg gelaufen sind. Es richtet sich auch nicht pauschal gegen Mitglieder von Atme (die kenne ich gar nicht alle). Auf die Positionen von atme wurde bei solchen 'Aktionen' aber ziemlich oft Bezug genommen.