Mich selbst finden?
Mich selbst finden?

Lebensplanung, Standorte
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MarieD

Mich selbst finden?

Post 1 im Thema

Beitrag von MarieD »

Hallo,
mich plagen in den letzten Monaten einige Gefühle die mich einfach nicht loslassen und ich auch nicht verstehe. Darum werde ich euch einen Einblick in meine kleine Welt geben:
Schon seit ich ein kleines Kind war habe ich immer davon geträumt weiblich zu sein. Und doch sind diese Gedanken meist nur Gedanken geblieben. Immer wieder habe ich Crossdressing probiert - habe es aber aus Angst erwischt zu werden wieder beendet. Die Idee mich zu öffnen und als Frau zu leben erschien mir nicht notwendig - weil ich die Begrenztheit meiner Zeit noch nicht erkannt hatte. Seit einigen Monaten arbeite ich nun in einem Beruf im Gesundheitswesen und bin tagtäglich von alten, sterbenden und toten Menschen umgeben. Diese Erfahrungen haben mir geholfen zu erkennen wie wertvoll das Leben ist und dass wir es schätzen sollten. Außerdem sollten wir unsere Träume leben und nicht immer nur aufschieben bis das Alter oder das Schicksal uns an der Erfüllung unserer Träume hindert. Und schon gar nicht sollten wir unsere Sehnsüchte nicht stillen nur weil es von anderen nicht geduldet wird.
Noch bin ich jung(19 Jahre) und kann etwas ändern und verhindern, dass ich im Sterbebett liegend frage: "Wieso ich meine Träume nicht gelebt habe?". Schon morgen könnte mich der Tod holen, während ich hier sitze und vor meiner eigenen Erfüllung Angst habe.
Doch ist das Leben als Frau wirklich das was ich will? Meine Persönlichkeit ist sehr feminin und auch mein äußeres könnte als androgyn beschrieben werden (170cm 55kg). Jedoch fühle ich mich als ob ich meine wahre Persönlichkeit in meinem männlichem Körper nicht ausleben kann. Sexuell betrachtet würde ich mich als bisexuell beschreiben, wobei ich in einer Beziehung mit einem Mann nur die devote Rolle einnehmen wollen würde. Und ich habe eine Freundin die von nichts weiß, allerdings ist sie der einzige Mensch bei dem mein wahres Ich hervor kommt.
Ich vermute was mich wirklich an der Akzeptanz meiner selbst hindert ist die Angst auf Ablehnung zu stoßen. Ich kann damit schlecht umgehen und versuche solche Situationen so gut es geht zu vermeiden. Wenn ich mir vorstelle, dass ich die Therapie beginne und danach nicht als Frau akzeptiert werden würde bekomme ich Angst. Ich glaube nicht, dass es so sein würde da ich wie gesagt jetzt schon einen femininen Körperbau - aber trotzdem ist die Angst da.
Ein weiteres Problem ist, dass meine Familie zum Teil sehr religiös und konservativ ist weswegen ein "Outing" wohl auf wenig Akzeptanz stoßen würde. Auf der anderen Seite plagt mich mein wahres Ich Tag und Nacht und lässt mich nicht los. Jedes Mal wenn ich eine Frau sehe plagt mich der Neid und die Unzufriedenheit über meinen eigenen Körper. Ich habe mich schon schlau gemacht was ich tun müsste für den Übergang in ein anderes Leben und diese Schritte erscheinen mir machbar. Jedoch habe ich nicht viel Geld und wenn meine Familie mich verstoßen würde hätte ich nichts mehr...

Also was kann ich tun um mich selbst zu finden? Bin ich wirklich transsexuell? Was soll ich tun?

Danke im Voraus!
ab08
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Re: Mich selbst finden?

Post 2 im Thema

Beitrag von ab08 »

Hallo,

- "Bin ich wirklich transsexuell?" --> Die Antwort kannst Du Dir nur selber geben, denn nur Du weißt sie wirklich.

- "Angst auf Ablehnung zu stoßen" - "weiteres Problem ist, dass meine Familie zum Teil sehr religiös und konservativ ist"
Ängste und äußere Umstände bremsen Menschen oft, wenn sie sich selbst finden wollen.
Aber bitte nimm dies positiv, denn, wer trotz widriger äußerer Umstände zu sich findet, gewinnt Selbstsicherheit :wink:

Ganz liebe Grüße
Andrea

P.S. Falls Du vertrauliche Fragen hast, schreib mir (Gymnasiallehrerin M/Ph unterrichte am Gymnasium und in der Kinder & Jugendpsychiatrie http://www.crossdresser-forum.de/phpBB3 ... 70#p123270) eine PN...
FÜR: Respekt, Menschenrechte und eine gelebte, demokratische Zivilgesellschaft, die Minderheiten schützt
ERGO: Umfassende Bildung für alle, effektive Regeln in Alltag und Netz, eine gut ausgestattete Polizei/Justiz
geraldine
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Re: Mich selbst finden?

Post 3 im Thema

Beitrag von geraldine »

Hallo Amanda,
ich bin von deinem Artikel ganz gerührt.
Du hast ganz viele Dinge auf den Punkt gebracht und
so viel Mut gemacht!
Herzlichen Dank!
Auch ich habe begriffen,das ich keine
"Rolle"mehr spiele,sondern das leben was I C H bin!
L G Geraldine
Anke
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Re: Mich selbst finden?

Post 4 im Thema

Beitrag von Anke »

Liebe Marie,

schön dass Du hier bist und dass Du deine Sorgen und Nöte mitteilst. Damit hast Du schon einen ganz wichtigen Schritt getan.

Wie viele andere hier kann ich dich und deine Ängste sehr gut verstehen. Vielen ging und geht es ähnlich.

Ob Du transsexuell bist, das kannst Du nur selbst beantworten. Dass Du dabei unsicher bist und Zweifel hast, ist nur natürlich und verständlich. Vielleicht hilft es dir hier im Forum herumzustöbern, viele von uns haben darüber geschrieben, wie es ihnen ging und wie sie sich dabei gefühlt haben. Mein eigener Thread heißt "Der Stein rollt", vielleicht hilft dir das ein wenig. Wenn du möchtest, dann kannst Du mich auch per PN anschreiben, da kann ich dir die eine oder andere Frage beantworten.

Ich kann mir gut vorstellen, dass Du auch in einer Selbsthilfegruppe gut aufgehoben wärst. Mir tut es immer sehr gut, wenn ich mit Menschen zusammen bin, denen es ähnlich geht.

Outing ist immer ein großes Thema. Nach meinem Gefühl ist es dafür noch ein wenig früh, es sei denn, Du hast eine Person, der Du vertraust und die dir helfen kann. Bevor Du dein Outing angehst, solltest Du dir über dich selbst ein wenig mehr Klarheit verschaffen. Ansonsten wirst Du viel zu schnell durch deine Umwelt verunsichert.

Außerdem solltest Du davor dich mit Menschen austauschen, die ihr Outing hinter sich haben. Von deren Erfahrungen kannst Du sicher profitieren. Das ist zwar keine Garantie, dass es gut geht, aber die Wahrscheinlichkeit steigt deutlich.

Ich möchte dich noch ermutigen, auf deine innere Stimme, deine Gefühle und deine Empfindungen zu hören. Seitdem ich das tue und meinen Weg gehe, geht es mir gut und ich denke sehr oft, dass ich das schon viel früher hätte tun sollen.

Also nochmal herzlich willkommen und ich hoffe, dass wir dir ein wenig helfen können.

Liebe Grüße

Anke
Sentio ergo sum. - Ich fühle, also bin ich.

Les femmes sont fortes quand elles sont feminines. (Coco Chanel)

https://www.transcuisine.com

Youtube: https://www.youtube.com/channel/UCQc7XaiWBuzchBQTnGRv80g
MarieD

Re: Mich selbst finden?

Post 5 im Thema

Beitrag von MarieD »

Danke für eure tollen Antworten!

Leider habe ich die Chance für ein Wochenende als Frau zu leben gerade versäumt.
Ich werde mich auf jedenfall noch mehr informieren und hier im Forum herumstöbern. Die nächsten Monate habe ich sowieso nicht die Chance große Lebenswandel zu vollziehen. Vielleicht würde es mir helfen eine Art "Lebensplan" aufzustellen - bei dem ich alle Bereiche meines Lebens genau betrachte um mich so besser kennenzulernen.
Aber mein reines Gefühl sagt mir, dass ich solange ich so weiter lebe, ich nicht wirklich glücklich werden kann. Einfach weil ich diese Gedanken schon fast mein ganzes Leben lang habe und sie so allgegenwärtig sind. Und lieber lebe ich mit dem Gewissen es probiert zu haben - als es gar nicht erst zu versucht zu haben...

Liebe Grüße
Marie
MarieD

Re: Mich selbst finden?

Post 6 im Thema

Beitrag von MarieD »

Hi!
Die letzten 2 Wochen habe ich mich sehr intensiv mit mir selbst und der Thematik beschäftigt. Und ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich nie glücklich werden kann wenn ich mich selbst nicht akzeptiere. Ich habe meine Chancen und Aussichten abgewogen und bin der Meinung, dass ich mit meinem jetzigen Körper eigentlich sehr gute Startbedingungen habe um als Frau leben zu können. Mein zierlicher Körperbau und die Tatsache, dass ich ein sehr kindliches Gesicht habe sollten mir wirklich enorm helfen.
Allerdings habe ich auch in einigen Texten und Videos beide Seiten erfahren. Wie es ist wenn man die eigene Entscheidung bereut und man aus Übermut und ohne sich der Konsequenzen bewusst zu sein den Übergang wagt.
Außerdem ich habe auch erkannt, dass der Übergang sehr kosten und planungsintensiv ist, weswegen ich mich ordentlich darauf vorbereiten sollte. Ob ich die finalen Schritte gehen werde weiß ich noch nicht aber ich werde mich zumindest einmal darauf vorbereiten und langsam herantasten. Ich werde mir die Haare wachsen lassen, mit Stimmtraining beginnen und lernen mich zu schminken. In die Öffentlichkeit will ich noch nicht mit meinem Vorhaben, da ich durch dieses schrittweise "androgyn werden" erst einmal herausfinden will ob es auch außerhalb meiner Fantasie das richtige für mich ist. Und der Zeitpunkt wäre arbeitsbedingt sehr ungünstig. Außerdem habe ich mir weibliche Kleidung gekauft und werde im privaten Bereich zeitweise als Frau leben. Auch würde ich gerne eine Psychotherapie beginnen, allerdings gibt es in meinem Umkreis keine Therapeuten die sich mit meiner Thematik beschäftigen und das Geld dafür habe ich auch nicht. Aber ich habe auch beschlossen mein Geld zu sparen um ein finanzielles Polster für einen möglichen Übergang bereit zu haben.
Es ist seltsam das alles niederzuschreiben - in meinem ganzen Leben war mir noch nie so bewusst, dass ich meine eigenen Entscheidungen treffen kann und so leben wie ich es will. Immer habe ich mich von anderen lenken und kontrollieren lassen und so mein wahres Ich unterdrückt. Ein unglaublich befreiendes Gefühl sich selbst zu akzeptieren :) .
Abschließend würde ich mich freuen wenn ich mit manchen Usern hier die das gleiche durchlebt haben oder hatten Kontakt aufnehmen könnte um uns ein wenig über die Thematik auszutauschen.
Viele liebe Grüße!
Andrea-Yvette
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Re: Mich selbst finden?

Post 7 im Thema

Beitrag von Andrea-Yvette »

Hallo Marie,

vielen Dank für diesen Thread und die Posts, die hierdurch entstanden sind. Ich habe mich gerade mal komplett durchgelesen.

Mit dem "Selbst finden" ist es so eine Sache. Wenn die berühmte Fee kommen würde, wäre mein Wunsch sofort klar definiert. Ein bisschen männliche Tat-Kraft, Orientierungssinn, Technisches Vorstellungsvermögen mein Wissen und meine Erfahrungen würde ich behalten aber ansonsten bin ich emotional, einfühlsam, "¦ wäre viel viel lieber eine Frau um leben zu können wie ich will.
Bislang versuche ich ebenso einfach weiblicher zu leben so gut es eben geht. Manchmal setzt das Umfeld gewisse Grenzen. Aber selbst das nachahmen von Bewegungsabläufen, bzw. "kopieren" dessen, was mir an anderen Frauen gefällt hilft, wenn sonst mal nur wenig möglich ist.
Ich denke Du machst das ganz gut, in dem Du vorsichtig ausprobierst und Stück für Stück vorwärts gehst. Dies und eine gewisse Planung auch finanziell finde ich sehr wichtig. Von irgendwas muss "Frau" schliesslich leben ;-)

Liebe Grüsse

Andrea-Yvette
nicole.f
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Re: Mich selbst finden?

Post 8 im Thema

Beitrag von nicole.f »

Liebe Andrea-Yvette,
die Selbstfindung ist wohl eine der schwersten Phasen. Vieles Gute wurde dazu hier auch schon gesagt, also bleibt mir eigentlich nur noch vielleicht auf ein "kleines Detail" hinzuweisen. In Deinen und einigen anderen Beiträgen schimmert es ein wenig durch, als das die Entscheidung, vor der man stünde, immer nur eine entweder/oder Entscheidung sei, die Frage, bin ich Mann oder Frau? Diese Frage kann nur sau schwer zu beantworten sein, denn alles was wir bis dato erfahren haben ist von der vormaligen Einschätzung geprägt - egal ob wir diese selbst gefasst habe oder für uns gefasst wurde. Unser Erleben ist ständig davon geprägt und davon können wir uns nicht einfach so befreien, um völlig unbefangen auf uns selbst zu blicken und unsere geschlechtliche Essenz zu betrachten. Für sehr junge Menschen, die solche Erfahrungen noch nicht gemacht haben, mag das vielleicht noch gehen, doch ältere Semester können sich davon einfach nicht mehr freisprechen. Damit beginnt dann das Dilemma und die Zerrissenheit, zwischen innerem Selbst und allem darum herum.

Ich bin fest davon überzeugt, dass wir älteren Semester eine solche Entscheidung nicht in der Studierstube treffen können. Wir müssen Erfahrungen machen und sammeln, uns selbst erleben und dann schauen, was von diesen Erfahrungen gut und wichtig war und was wir davon eher nicht nocheinmal haben möchten. Daraus wird sich irgendwann ein Bild ergeben, wie wir die Zukunft gestalten müssen, um ein glückliches, zufriedenes und ausgeglichenes Leben leben zu können. Die Entscheidung Mann vs. Frau würde ich dabei zunächst ganz weit weg schieben. Sie ist auch zunächst nicht so wichtig, den wichtiger ist es doch herauszufinden, was einen gerade unzufrieden macht und wie es besser sein könnte? Ein Detail nach dem anderen wird sich dann langsam ein Bild formen und vielleicht, aber auch nur vielleicht, wird dieses Bild einem der bekannten Bilder Frau oder Mann entsprechen. Vielleicht aber auch nicht. Und? Egal!

Es geht um Dich und Dein Leben, nicht darum, dass Du Dich einem Klischee oder Rolle anpasst.

Ist das Bild einmal gefunden und gefestigt, dann heißt es, konsequent und erhobenen Hauptes Schritte zu gehen, die diesem eigenen persönlichen Bild entsprechen. Dies wird dann dazu führen, dass Du Dich wohl mit Dir fühlst und vor allem, dass Du authentisch und selbstbewusst sein kannst. Denn das sind die beiden Hauptschlüssel, denke ich, für eine erfolgreiche Veränderung, egal wohin diese Reise führen soll. Jeder Mensch erlebt in seinem Leben Rückschläge und Niederlagen, manche mehr, manche weniger. Das hat nicht immer etwas mit einer persönlichen Veränderung oder gar trans* zu tun. Ein selbstbewusstes Auftreten ist in fast allen diesen Fällen extrem hilfreich - viel hilfreicher als das Bekenntnis oder Festhalten an Rollenklischees. Du musst Dich nicht für eine der beiden Seiten entscheiden. Vielleicht kommst Du irgendwann auf einer der beiden Seiten an, vielleicht gefällt es Dir aber auch irgendwo dazwischen? Setz Dich nicht mit einer Entscheidung unter Druck. Wenn es soweit ist, wirst Du es ganz sicher merken und dann stellt sich die Frage danach auch gar nicht mehr.

Die Überlegungen bzgl. finanzieller und/oder sozialer Absicherung vor irgendeiner Entscheidung ist sicherlich vernünftig, jedoch würde ich dem nicht zuviel Gewicht beimessen. Sicherlich ist das wichtig und ich propagiere auch immer das Schaffen von Sicherungsnetzen, bevor man größere Veränderungen anstrebt, doch manchmal muss man einfach auch die Sicherheit dem persönlichen Wohlergehen unterordnen. Von dem was ich heute weiß würde ich von mir sagen, ich bin heute glücklich, aus mir selbst heraus, und wäre dies auch, wenn ich materielle oder persönliche Verluste erlitten hätte. Die eigene Zufriedenheit und das persönliche Glück sind mir deutlich wichtiger, als ein großes Auto oder mehr "Freunde", als ich regelmäßig besuchen könnte.

Den wichtigsten Tipp, den ich vielleicht geben könnte ist, sei offen für alles. Dann wird es ganz bestimmt eine tolle Entdeckungsreise :)

Liebe Grüße
nicole
Ich bin trans* - und das ist gut so!
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Andrea-Yvette
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Re: Mich selbst finden?

Post 9 im Thema

Beitrag von Andrea-Yvette »

Liebe Nicole,

vielleicht habe ich da manchmal die "Denke" im Kopf, "wenn ich perfekt rüber komme", "wenn ich mich schon früher entschieden/durchgesetzt hätte", wobei vorbei ist was war.
Vielleicht ist es wie Du sagst; entspreche ich dem Klischee "Idealbild" — Frau — dann passt es, fühle mich sicher/angepasster/akzeptierter.!??? Ist es dann leichter und einfacher für mich.!??? Das weiss ich vielleicht selbst nicht.

Andererseits probiere ich aus wie z. B. heute mehr oder weniger.
Als ich heute in Nürnberg bei einem Arzttermin war, hat nur die mir noch unbekannte neue Ärztin etwas verwundert bezüglich meiner 6 cm Absatz Stiefelletten geschaut. Für die andere ist dies schon normal. Mit Ihr tausche ich mich bestens aus. Da interessiert auch kein Glitzerschal/Feinstrümpfe/Make up — ich werde ganz normal behandelt. Heute Abend bin ich mit 9 cm Absatz durch die Stadt gestöckelt. Am Sportplatz vorbei — die Jungs waren eh beschäftigt, am Gymnasium zwei Paare getroffen, denen war es glatt egal. Ein junger Mann wartete am Auto seiner Mutter — ihr war es "wurscht". Er hat statt mein "Guten Abend" zu erwidern erst an mir herunter/rauf und wieder runter und mir dann wahrscheinlich hinterher geschaut. Jedenfalls hat es ihm die Sprache verschlagen. Bin dann noch weiter zur Post, bei den Asylbewerbern vorbei. Die hatten andere Sorgen. Bestenfalls mal geschaut. Über die VHS zurück. Dabei bin ich vielen Damen und mehreren Paaren begegnet. Denen war es ebenfalls absolut egal. Nur in unserer Strasse bin ich dann dem übernächsten Nachbarn mit seiner Frau und Hund bei deren Feierabendspaziergang begegnet. Er lies sich nichts anmerken. Sie hat sehr genau geschaut und mich insgesamt betrachtet. Wir haben uns aber ganz normal auf dem Weg bis zu unserer Wohnung unterhalten. Insgesamt waren es gut 4 bis 5 km quer durch die Stadt. Ich habe das heute einfach gebraucht.

Was ich damit sagen will ist: Ob ich so spazieren gehe oder auf die Arbeit/Arzt, mich schminke oder sonst was. Ich werde normal behandelt. Die Reaktionen sind überwiegend neutral. Und es ist ein ausprobieren, Erfahrungen sammeln. Ich mache was mir Spass macht, will trotzdem mehr. Da ist noch vieles was mir vorschwebt, was ich ausprobieren und erfahren möchte.

Zu meinen Erfahrungen gehört aber auch, dass die Angst vor Ausgrenzung und Ablehnung beim Partner grösser ist. Für mich ist es gegenüber Verwandten und Bekannten, Arbeitskolleg(in)en usw. relativ einfach. Meine Frau hat mir schon öfter erzählt, dass sie auf mich bzw. mein äusseres angesprochen wird. Ich habe dann die entsprechend nachfragenden Damen auch mal angerufen, wenn das Interesse schon so gross ist. (Zur Folge hatte dies hauptsächlich mehr Ärger mit meiner Frau, aber auch mal Anerkennung einer Bekannten für meinen Mut.) Diese hätten mich ja mal direkt ansprechen können. Das macht nur selten jemand, höchstens im Arbeitsumfeld.

Ich denke, ich arbeite noch an dem Bild, welches Du beschreibst. Und ja, nur wenn ich es erhobenen Hauptes ausfüllen kann, konsequent diesem entspreche, dann passt es. Je mehr Erfahrungen ich mache, umso mehr Rückmeldungen habe ich, entsprechend klarer wird das Bild und das sehr wichtige Selbstbewusstsein, dieses zu leben entsteht immer mehr.

Dieses Bild ist aber sehr stark von Äusserlichkeiten geprägt. Absolut machbar im Büro, beim spazieren gehen, Essen gehen, Theater etc. Nur welche Frau würde "aufgebrezelt" die Autoreifen wechseln, im Garten oder am Haus arbeiten, Sport treiben? Wenn ich aus welchen praktischen oder logischen Gründen auch immer Einzelheiten weg lasse, geht dass Bild sehr schnell in Richtung "normaler" Mann. Fülle ich dieses "normaler Mann" Bild aus praktischen, normalen Gründen über einen gewissen Zeitraum aus, werde ich immer unzufriedener. Es macht sich eine gewisse "Angst" in mir breit, einmal gewonnene und erkämpfte Akzeptanz meiner Umwelt wieder zu verlieren. Das Bild an sich ist schon nicht so einfach. Dazu kommt, dass es sich aus den beispielhaft aufgeführten Gründen noch zusätzlich ändert. Wie soll ich das Bild bei verschiedenen Rollen aufrecht erhalten?

Ich habe also Erfahrungen und Reaktionen in meinem Umfeld, Auswirkungen auf meine Frau/Partnerin, die Erfahrung, dass sich das Bild in manchen Rollen kaum aufrecht erhalten lässt. Dann gibt es noch ein gewisses Wunsch- oder Idealbild, also was ich noch ausprobieren und erfahren möchte.

nicole.f hat geschrieben: Die Entscheidung Mann vs. Frau würde ich dabei zunächst ganz weit weg schieben. Sie ist auch zunächst nicht so wichtig, den wichtiger ist es doch herauszufinden, was einen gerade unzufrieden macht und wie es besser sein könnte?
Damit hast Du völlig recht. Hier tappe ich in die typische Mann/Frau Falle. Diese strikte Unterteilung ist immer noch präsent. Was ich ganz wichtig finde ist, wie Du schreibst, für mich heraus zu finden, was mich unzufrieden macht. Wie könnte es besser sein? Um was beneide ich, z. B. wie von Marie beschrieben, die Frauenwelt? Diesen Neid wie Marie ihn beschreibt kenne ich ebenfalls seit meiner Jugend.

Wer absolute Sicherheit will muss sich immer irgendwo festhalten. Wie soll er dann etwas anderes ergreifen oder erreichen können? Oder: Wer nie auf die Nase fallen will muss immer am Boden kriechen.
Dies als Anmerkung zu finanzieller und soziale Absicherung, materiellen oder persönlichen Verlusten. Dann werde ich mich mal zu allererst um meine eigene Zufriedenheit, Wohlergehen und mein persönliches Glück kümmern.

Ganz vielen herzlichen Dank für Deine Worte, Gedanken und Anregungen.

Liebe Grüsse

Andrea-Yvette
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