Abschiede: "Opa summt nicht mehr"
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Anne-Mette
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Abschiede: "Opa summt nicht mehr"
Moin,
bei Spiegel-Online entdeckte ich einen Text, der mich sehr berührt hat: http://www.spiegel.de/panorama/wie-kind ... 52122.html
Gruß
Anne-Mette
bei Spiegel-Online entdeckte ich einen Text, der mich sehr berührt hat: http://www.spiegel.de/panorama/wie-kind ... 52122.html
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Anne-Mette
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Ulrike-Marisa
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Re: Abschiede: "Opa summt nicht mehr"
Moin,
...ja Kinder haben oft einen pragmatischen Umgang mit schwierigen Themen. Sie reduzieren das Problem auf ein für sie überschaubares und verstehbares Ausmaß. Da sind sie uns Erwachsenen irgendwie voraus.
Meine Kinder haben meine Eltern nicht mehr selbst erlebt einer meinen Vater noch aber da war er zwei. Meine Schwiegereltern haben sie erlebt und waren auch bewusst bei den Beerdigungen dabei - das ist noch nicht ganz so lange her und als Jugendliche konnten sie damit umgehen. Bei der Beerdigung des Großvaters waren die wie ich sogar aus gegebenem Anlass in Feuerwehranzug dabei.
Gruß, Ulrike-Marisa
...ja Kinder haben oft einen pragmatischen Umgang mit schwierigen Themen. Sie reduzieren das Problem auf ein für sie überschaubares und verstehbares Ausmaß. Da sind sie uns Erwachsenen irgendwie voraus.
Meine Kinder haben meine Eltern nicht mehr selbst erlebt einer meinen Vater noch aber da war er zwei. Meine Schwiegereltern haben sie erlebt und waren auch bewusst bei den Beerdigungen dabei - das ist noch nicht ganz so lange her und als Jugendliche konnten sie damit umgehen. Bei der Beerdigung des Großvaters waren die wie ich sogar aus gegebenem Anlass in Feuerwehranzug dabei.
Gruß, Ulrike-Marisa
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Veronika
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Re: Abschiede: "Opa summt nicht mehr"
Hallo zusammen,
der Artikel hat mich sehr berührt. Kinder empfinden ebenso eine große Trauer wenn ein geliebter Mensch nicht mehr ist, nur zeigen sie es anders.
Sie erleben täglich neue Dinge und sind dann wieder in ihrer Welt, allerdings in Ruhephasen bzw. vor dem zu Bett gehen kommen dann oft die Fragen um schwierige Situationen zu verarbeiten.
Grüße von Veronika
der Artikel hat mich sehr berührt. Kinder empfinden ebenso eine große Trauer wenn ein geliebter Mensch nicht mehr ist, nur zeigen sie es anders.
Sie erleben täglich neue Dinge und sind dann wieder in ihrer Welt, allerdings in Ruhephasen bzw. vor dem zu Bett gehen kommen dann oft die Fragen um schwierige Situationen zu verarbeiten.
Grüße von Veronika
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nicole.f
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Re: Abschiede: "Opa summt nicht mehr"
Seit ich zu mir fand, berühren mich einige Dinge und Themen sehr tief - so tief, dass mir oft das Wasser in den Augen steht - und manches mal auch weit darüber hinaus.
Es sind vor allem Zeichen bedingungsloser Zuwendung, die mich sehr schnell an diese Grenze bringen - bedingungsloser Respekt, bedingungslose Würde, bedingungslose Liebe, bedingungslose Anerkennung, bedingungslose Wertschätzung etc.
Ihrer Bedingungslosigkeit liegt die tiefste Form von Ehrlichkeit zu Grunde. Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit sind die Grundlagen für Empathie und damit für Menschlichkeit.
Ich habe seinerzeit meinen Zivildienst in einer Werkstatt für, zumeist geistig, Behinderte gemacht. Neben vielem anderen sind viele geistig Behinderte mit einer kindlichen Naivität gesegnet, einer Natürlichkeit, die uns "Normalos" durch Erziehung und Sozialisation abhanden gekommen ist. Es fällt uns unendlich schwer, bedingungslos ehrlich zu anderen und oft genug auch zu uns selbst zu sein. Wir haben schiere Panik und Angst davor, verwechseln diese Ehrlichkeit mit Kritik oder gar Spott oder fürchten uns vor Konsequenzen, die wir eigentlich gar nicht absehen können. Wir antizipieren die Rezeption und verstellen uns damit.
Kindermund tut Wahrheit kund - es ist diese Naivität, die Kinder noch haben und die uns Erwachsenen abhanden kam, die in Schilderungen wie in dem Spon Artikel wunderbar zum Ausdruck kommt. Durch unsere Verbildung können wir die völlig basalen Zusammenhänge nicht mehr anerkennen - "Opa summt nicht mehr...". Wir versuchen unsere Authentizität, unsere Ehrlichkeit und unsere instinktive Empathie weg zu rationalisieren, anstatt das ganz naheliegende an uns heran zu lassen und einfach zu akzeptieren.
Das das ausgerechnet mich nun immer wieder so tief berührt, hat vielleicht auch etwas mit der eigenen Geschichte zu tun, dem selbst nicht eingestehen wollen, der eigenen Verleugnung, dem Nichtvertrauen auf die eigenen Empfindungen, der eigenen Geringschätzung, dem mangelnden Selbstrespekt und der Unaufrichtigkeit sich selbst gegenüber.
Ich glaube alle sollten viel naiver und viel aufrichtiger sein, dann kommt ein respektvoller und würdevoller Umgang miteinander, sozusagen als Bonus, ganz von alleine hinterher.
Jetzt geh' ich mal mein Tuch auswringen
Hach, noch nicht ganz...
Kurz zuvor las ich noch von einer Aktion für eine Notfall-Kiste für Kreissäale [1]. Wenn Kinder sehr früh, und wie es heißt "still" zur Wellt kommen, sie also leider tot geboren werden, dann ist es in vielen Krankenhäusern eine äußerst sterile Athmosphäre. Die armen Würmchen werden fast wie medizinischer Sondermüll behandelt, ein Stück biologischer Rest, respekt- und würdelos und schrecklich für die Eltern. Die Aktion setzt sich dafür ein, dass in Krankehäusern eine "Notfallkiste" für diese Fälle bereits steht. Sie enthält unter anderem mini-Kleidung, um die kleinen Körper würdevoll zu bedecken, nicht zuletzt auch, um Läsionen der oft traumatischen Geburt zu bedecken und den Eltern ein würdiges Bild ihres Kindes zu ermöglichen. Die Danksagungen von Eltern, Hebammen und Ärzt_innen waren herzzerreißend.
Besonders tief berührte mich der Brief eines Pathologen, also einer jener Ärzte, der die toten Körper meist als letzter zu sehen bekommt, bevor sie in einen Sarg gelegt und darin für immer verschlossen werden. Er schrieb, dass er schon seit langer Zeit, so gut er es eben mit Hilfe Freiwilliger und Spenden konnte, den kleinen Kindern, weil sie zumeist nackt und fast entmenschlicht bei ihm ankamen, etwas Kleidung und ein kleines Stofftier, einen Teddy oder Ähnliches, mit auf ihren letzten Weg gab. Nie würde dies irgendjemand außer ihm sehen oder bemerken, aber dennoch tat er es - selbstlos, aus Respekt und in bedingungsloser Anerkennung der Würde dieser Kinder - ich heule und schluchze, als ich dies schreibe.
Gestern Abend beim Plenum im Zentrum erfuhr ich, dass ein langjähriges Zentrumsmitglied letzte Woche nach einer Leber Transplantation verstorben ist - sein Körper war bereits durch die lange Vorerkrankung zu sehr geschwächt und das neue Organ wurde nicht angenommen. Den Prozess der Abstoßung und den damit begonnenen Weg des Sterbens hat er bewusst über mehrere Tage erlebt. Er hat in diesen letzten Tagen noch ganz bewusst und ausdrücklich Vorkehrungen und Wünsche für seine eigene Beisetzung und Trauerfeier geäußert. Er war vielleicht erst Ende 30!? Was für eine unermessliche menschliche Größe muss man entwickelt haben, um soetwas auszuhalten und auch noch bewusst zu gestalten!? Er wünscht sich für seine Trauerfeier ausdrücklich das Motto "Tanz unter dem Regenbogen!" und das keine Person in schwarz erscheinen solle! Bei aller Trauer, so sagte er, solle dennoch die Freude am Leben nicht verloren gehen.
Lasst uns alle so respektvoll, wertschätzend und menschlich miteinander sein, wie wir nur irgendwie können... irgendwann können wir es nicht mehr und dann ist es endgültig zu spät.
Liebe Grüße
nicole
[1]
http://www.kinderwunschhilfe.de/index.php?id=432
Es sind vor allem Zeichen bedingungsloser Zuwendung, die mich sehr schnell an diese Grenze bringen - bedingungsloser Respekt, bedingungslose Würde, bedingungslose Liebe, bedingungslose Anerkennung, bedingungslose Wertschätzung etc.
Ihrer Bedingungslosigkeit liegt die tiefste Form von Ehrlichkeit zu Grunde. Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit sind die Grundlagen für Empathie und damit für Menschlichkeit.
Ich habe seinerzeit meinen Zivildienst in einer Werkstatt für, zumeist geistig, Behinderte gemacht. Neben vielem anderen sind viele geistig Behinderte mit einer kindlichen Naivität gesegnet, einer Natürlichkeit, die uns "Normalos" durch Erziehung und Sozialisation abhanden gekommen ist. Es fällt uns unendlich schwer, bedingungslos ehrlich zu anderen und oft genug auch zu uns selbst zu sein. Wir haben schiere Panik und Angst davor, verwechseln diese Ehrlichkeit mit Kritik oder gar Spott oder fürchten uns vor Konsequenzen, die wir eigentlich gar nicht absehen können. Wir antizipieren die Rezeption und verstellen uns damit.
Kindermund tut Wahrheit kund - es ist diese Naivität, die Kinder noch haben und die uns Erwachsenen abhanden kam, die in Schilderungen wie in dem Spon Artikel wunderbar zum Ausdruck kommt. Durch unsere Verbildung können wir die völlig basalen Zusammenhänge nicht mehr anerkennen - "Opa summt nicht mehr...". Wir versuchen unsere Authentizität, unsere Ehrlichkeit und unsere instinktive Empathie weg zu rationalisieren, anstatt das ganz naheliegende an uns heran zu lassen und einfach zu akzeptieren.
Das das ausgerechnet mich nun immer wieder so tief berührt, hat vielleicht auch etwas mit der eigenen Geschichte zu tun, dem selbst nicht eingestehen wollen, der eigenen Verleugnung, dem Nichtvertrauen auf die eigenen Empfindungen, der eigenen Geringschätzung, dem mangelnden Selbstrespekt und der Unaufrichtigkeit sich selbst gegenüber.
Ich glaube alle sollten viel naiver und viel aufrichtiger sein, dann kommt ein respektvoller und würdevoller Umgang miteinander, sozusagen als Bonus, ganz von alleine hinterher.
Jetzt geh' ich mal mein Tuch auswringen
Hach, noch nicht ganz...
Kurz zuvor las ich noch von einer Aktion für eine Notfall-Kiste für Kreissäale [1]. Wenn Kinder sehr früh, und wie es heißt "still" zur Wellt kommen, sie also leider tot geboren werden, dann ist es in vielen Krankenhäusern eine äußerst sterile Athmosphäre. Die armen Würmchen werden fast wie medizinischer Sondermüll behandelt, ein Stück biologischer Rest, respekt- und würdelos und schrecklich für die Eltern. Die Aktion setzt sich dafür ein, dass in Krankehäusern eine "Notfallkiste" für diese Fälle bereits steht. Sie enthält unter anderem mini-Kleidung, um die kleinen Körper würdevoll zu bedecken, nicht zuletzt auch, um Läsionen der oft traumatischen Geburt zu bedecken und den Eltern ein würdiges Bild ihres Kindes zu ermöglichen. Die Danksagungen von Eltern, Hebammen und Ärzt_innen waren herzzerreißend.
Besonders tief berührte mich der Brief eines Pathologen, also einer jener Ärzte, der die toten Körper meist als letzter zu sehen bekommt, bevor sie in einen Sarg gelegt und darin für immer verschlossen werden. Er schrieb, dass er schon seit langer Zeit, so gut er es eben mit Hilfe Freiwilliger und Spenden konnte, den kleinen Kindern, weil sie zumeist nackt und fast entmenschlicht bei ihm ankamen, etwas Kleidung und ein kleines Stofftier, einen Teddy oder Ähnliches, mit auf ihren letzten Weg gab. Nie würde dies irgendjemand außer ihm sehen oder bemerken, aber dennoch tat er es - selbstlos, aus Respekt und in bedingungsloser Anerkennung der Würde dieser Kinder - ich heule und schluchze, als ich dies schreibe.
Gestern Abend beim Plenum im Zentrum erfuhr ich, dass ein langjähriges Zentrumsmitglied letzte Woche nach einer Leber Transplantation verstorben ist - sein Körper war bereits durch die lange Vorerkrankung zu sehr geschwächt und das neue Organ wurde nicht angenommen. Den Prozess der Abstoßung und den damit begonnenen Weg des Sterbens hat er bewusst über mehrere Tage erlebt. Er hat in diesen letzten Tagen noch ganz bewusst und ausdrücklich Vorkehrungen und Wünsche für seine eigene Beisetzung und Trauerfeier geäußert. Er war vielleicht erst Ende 30!? Was für eine unermessliche menschliche Größe muss man entwickelt haben, um soetwas auszuhalten und auch noch bewusst zu gestalten!? Er wünscht sich für seine Trauerfeier ausdrücklich das Motto "Tanz unter dem Regenbogen!" und das keine Person in schwarz erscheinen solle! Bei aller Trauer, so sagte er, solle dennoch die Freude am Leben nicht verloren gehen.
Lasst uns alle so respektvoll, wertschätzend und menschlich miteinander sein, wie wir nur irgendwie können... irgendwann können wir es nicht mehr und dann ist es endgültig zu spät.
Liebe Grüße
nicole
[1]
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Zuletzt geändert von nicole.f am Do 17. Sep 2015, 17:51, insgesamt 4-mal geändert.
Ich bin trans* - und das ist gut so!
Homepage: http://www.dpin.de/nf
Blog: http://www.dpin.de/nf/category/trans/
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Anne-Mette
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Re: Abschiede: "Opa summt nicht mehr"
Guten Tag,
solche Artikel sind für mich Begleitung "des täglichen Lebens", halten mir auch den Spiegel vor - und lassen eigene Erfahrungen noch einmal in einem anderen - und auch helleren Licht erscheinen.
Bei uns war es nicht nur der Opa, der nicht mehr summte, irgendwann auch nicht mehr konnte und wollte, sondern auch die beiden Mütter und liebe Menschen um uns herum.
Abschiede fallen mir immer sehr schwer - und wenn ich vorne in der Kirche sitze, da selbst als Angehörgie dabei bin, dann ist es noch schlimmer: kein Fallenlassen und Verstecken hinter dem Gesangbuch, sondern aufrecht sitzen, Worte hören und Lieder singen.
Mit vielen Abschieden geht eine Ära zuende. Mit einem Kunden habe ich bestimmt 15 Jahre zusammengearbeitet, bis er sich mehr und mehr ins Private zurückzog und sich nun "endgültig" verabschiedet hat.
Ich kann inzwischen meine Mutter besser verstehen, die den Verlust vieler Menschen beklagte. Ich habe immer versucht sie aufzumuntern und habe ihr gesagt: "... wir können doch froh sein, dass wir sie/ihn gekannt haben, dass wir zusammen eine gute Zeit verbracht haben! Auch sind noch viele um uns"
Aber ich verstehe inzwischen: das war bestimmt kein Trost.
Ich finde sehr gut, dass es solche Artikel "zum Nachdenken" gibt; ich lese sie gern, auch wenn sie mich traurig machen.
Herzliche Grüße
Anne-Mette
solche Artikel sind für mich Begleitung "des täglichen Lebens", halten mir auch den Spiegel vor - und lassen eigene Erfahrungen noch einmal in einem anderen - und auch helleren Licht erscheinen.
Bei uns war es nicht nur der Opa, der nicht mehr summte, irgendwann auch nicht mehr konnte und wollte, sondern auch die beiden Mütter und liebe Menschen um uns herum.
Abschiede fallen mir immer sehr schwer - und wenn ich vorne in der Kirche sitze, da selbst als Angehörgie dabei bin, dann ist es noch schlimmer: kein Fallenlassen und Verstecken hinter dem Gesangbuch, sondern aufrecht sitzen, Worte hören und Lieder singen.
Mit vielen Abschieden geht eine Ära zuende. Mit einem Kunden habe ich bestimmt 15 Jahre zusammengearbeitet, bis er sich mehr und mehr ins Private zurückzog und sich nun "endgültig" verabschiedet hat.
Ich kann inzwischen meine Mutter besser verstehen, die den Verlust vieler Menschen beklagte. Ich habe immer versucht sie aufzumuntern und habe ihr gesagt: "... wir können doch froh sein, dass wir sie/ihn gekannt haben, dass wir zusammen eine gute Zeit verbracht haben! Auch sind noch viele um uns"
Aber ich verstehe inzwischen: das war bestimmt kein Trost.
Ich finde sehr gut, dass es solche Artikel "zum Nachdenken" gibt; ich lese sie gern, auch wenn sie mich traurig machen.
Herzliche Grüße
Anne-Mette
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nicole.f
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Re: Abschiede: "Opa summt nicht mehr"
Tja, Kathi, ich kann Dir das nur von mir sagen, aber dafür mit recht sicherer Bestimmtheit. Ich habe recht früh gelernt und lernen müssen, dass diese Art von Gefühlen zu zeigen und auszudrücken nicht gerne gesehen war. Gefühle sind kompliziert, vor allem der Umgang damit für die, die sie gerade nicht haben. Ein rationales 1+1=2 ist da viel einfacher, berechenbar. Zu Hause, im Kindergarten, in der Schule - der Junge ist ein Weichei, taugt nix, ist nicht ernst zu nehmen, wenn er Gefühle zeigt oder gar offen ausspricht. Irgendwann werden wir uns dessen bewusst und schieben sie, je nachdem wie stark der Druck aus dem Umfeld ist, beiseite.
Ich weiß nicht, wie das anderen ergangen ist, aber mir erging es genau so. In unserer rationalen, industriellen und stark wissenschaftlich orientierten Gesellschaft zählen menschliche Eigenschaften leider nicht viel und werden, je nach Kontext, sogar negativ sanktioniert - von wenigen Ausnahmen abgesehen, die jedoch stark reglementiert und rutualisiert sind. Sich über diesen Druck hinweg zu setzen erfordert eine Menge Mut, Kraft und Selbstbewusstsein. Und nach wie vor ist es für Männer dabei noch deutlich schwerer als für Frauen. Gefühle sichtbar zuzulassen und auszudrücken wird als ein Zeichen von Schwäche betrachtet, dass sich ein alpha-Tier nicht leisten darf.
Es ist traurig, dass es so ist.
Eines der wunderbarsten Dinge das mir, durch den Mut zum Entschluss zu mir zu stehen, als Geschenk zufiel, war die Wiederentdeckung gerade genau dieser (mit-)fühlenden bedingungslosen Menschlichkeit. Ich genieße und freue mich über jede dieser Regungen und bin stolz auf jede Träne. Wir sind nicht nur funktionale Maschinen, nicht nur geniale Bio-Kraftwerke. Wir sind empfindsame Wesen und das ist auch gut und richtig so.
Liebe Grüße
nicole
Ich weiß nicht, wie das anderen ergangen ist, aber mir erging es genau so. In unserer rationalen, industriellen und stark wissenschaftlich orientierten Gesellschaft zählen menschliche Eigenschaften leider nicht viel und werden, je nach Kontext, sogar negativ sanktioniert - von wenigen Ausnahmen abgesehen, die jedoch stark reglementiert und rutualisiert sind. Sich über diesen Druck hinweg zu setzen erfordert eine Menge Mut, Kraft und Selbstbewusstsein. Und nach wie vor ist es für Männer dabei noch deutlich schwerer als für Frauen. Gefühle sichtbar zuzulassen und auszudrücken wird als ein Zeichen von Schwäche betrachtet, dass sich ein alpha-Tier nicht leisten darf.
Es ist traurig, dass es so ist.
Eines der wunderbarsten Dinge das mir, durch den Mut zum Entschluss zu mir zu stehen, als Geschenk zufiel, war die Wiederentdeckung gerade genau dieser (mit-)fühlenden bedingungslosen Menschlichkeit. Ich genieße und freue mich über jede dieser Regungen und bin stolz auf jede Träne. Wir sind nicht nur funktionale Maschinen, nicht nur geniale Bio-Kraftwerke. Wir sind empfindsame Wesen und das ist auch gut und richtig so.
Liebe Grüße
nicole
Ich bin trans* - und das ist gut so!
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