Liebe Jeanette,Jeanette hat geschrieben: Meiner Tochter zuliebe werde ich mich in nächster Zeit definitiv nicht outen. Denn ich könnte es mir nie verzeihen, wenn sie meinetwegen gemobbt und gehänselt würde. Das wäre in unserem kleinen Ort aber mit Sicherheit der Fall, wenn ich mich oute.
Um das zu verhindern, müsste ich wegziehen und den Kontakt zu meiner Familie abbrechen und das kommt einfach nicht in Frage. Ich will die Verantwortung, die ich meiner Tochter gegenüber habe auf alle Fälle tragen. Ich weiß nur nicht, wie lange ich die Kraft dazu haben werde.
Liebe Grüße
Jeanette
Du beschreibst genau das, was mich bewog, mein öffentliches Outing so lange hinauszuzögern. Erst als meine Kinder weit über 20 waren, wagte ich alles offiziell zu machen.
Von ganzen Herzen wünsche ich Dir viel Kraft und paß bitte gut auf Dich auf!
GLG
ab
Nun eine Bemerkung zu Claudia, die mich sicher wieder schimpft:
Der 'Alltagstest' ist eine Mutprobe, die hierzulande im Gegensatz von z.B. Argentinien nötig ist.
Gut, wenn ich als Lehrerin an einer Schule mit 1500 Schülern, Hofaufsicht hielt, machte mir das nix aus. Naja, weit über drei Jahrzehnte Vollzeitunterricht.
Aber, wie ist das z.B. bei jugendlichen Transsexuellen, wenn sie sich, geschockt durch die Pubertät, zu ihrer TS bekennen... Einzige TS-Schülerin an einem großen Gymnasium... Manche schaffen das vielleicht, für manche ist die Angst zu groß. Nicht von ungefähr gibt es Suizide und ich kenne Fälle! *) Gut, die psychische Belastung mag von Ort zu Ort unterschiedlich sein.
Vergiß nicht, liebe Claudia, dass ich (geb.1950) die Sache seit der Jugend beobachte. Bereits vor 20 Jahren war ich z.B. oft in SHGs.
Mehr Sensibilität den Betroffenen gegenüber wäre wünschenwert. Ich halte die Prozedur jedenfalls für ziemlich grausam!
LG
ab
*) Abschiedsbrief, den die Mutter, die nix ahnte, nach erfolgreichem Suizid des "Sohnes", fand: "Leider nicht geschafft - Entschuldige bitte, Deine Tochter"
Dieses arme Mädchen hat somit die von Dir angesprochene "Konfrontation mit der Gesellschaft" halt nicht geschafft...
Übrigens schreibe ich stets nur Informationen, die ich privat erhielt. Es sind nie Schüler von Gymnasien, an denen ich tätig war... Dienstlich und privat trenne ich!