Wie soll man Trans*-Begriffe kommunizieren?
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Lina
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Re: Wie soll man Trans*„Begriffe kommunizieren?

Post 1 im Thema

Beitrag von Lina »

Eigentlich ist es ganz einfach - oder es kann es zumindest sein. Aber da habe ich vielleicht aus der Werbe-Branche einen Vorsprung was die Denkweise betrifft:

Du sprichst davon "wie" man die Begriffe kommunizieren soll. Das "soll" man gar nicht, bzw. niemand verlangt das oder fragt danach. Vielleicht weil sie sich nicht angesprochen fühlen.

Wenn man so denken würde, bei einer Namensfindung, wäre man schnell weg vom Markt.

Statt dessen dürfte die Frage sein, WAS man an WEN kommunizieren will? Wen, also wer konkret ist die Zielgruppe, die eine bestimmte Bezeichnung, Namen, oder sonstwas braucht, um was bestimmtes wiederzuerkennen.

Weiter ist es unumgänglich, sich zu überlegen ob der Name so prägnant ist, dass es einen überdurchschnittlichen Wiedererkennungswert hat.

Drittens muss er auch aussprechbar sein. Ich will nicht sagen, dass das Kürzel LGBT das non-plus-ultra ist, aber es deckt schon mehrere der Kriterien für eine gute Namensfindung ab. Ist einprägsam, aussprechbar und außerhalb der Subkulturen bekannt.

So, dann wollen wir einen Unterbegriff, der das "T" weiter aufschlüsselt. Also, wer braucht das um wen in welchem Zusammenhang anzusprechen? Beantworte das und du bist einer praktikablen Wahrheit näher.
Andrea aus Sachsen
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Re: Wie soll man Trans*„Begriffe kommunizieren?

Post 2 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen »

.
Hallo Rosi,
ich stimme mit dir insofern überein, dass manche Begriffe nur unzureichend oder gar fehlerhaft das beschreiben, wofür sie stehen. Das gilt übrigens nicht nur für unsere Thematik.
Das Problem sind meines Erachtens aber nicht neue treffendere Bezeichnungen, sondern deren Durchsetzung und Verbreitung. Jede aktiv gesprochene Sprache entwickelt eine Eigendynamik: Begriffe werden geprägt, setzen sich durch oder auch nicht, ändern eventuell ihre Bedeutung oder werden irgendwann nicht mehr verwendet und verschwinden aus dem Wortschatz. In der Regel setzen sich kurze prägnante Begriffe durch. Alles was mit "Trans" beginnt, dürfte diese Bedingungen erfüllen und hat deshalb eine allgemeine Verbreitung gefunden. Dagegen haben, um bei deinen Ideen zu bleiben, mit verschiedenen Attributen näher bezeichnete Menschen kaum eine Chance, weil diese Umschreibungen einfach zu lang sind, auch wenn sie die betreffenden Personen treffender beschreiben sollten.
Ein anderer Aspekt: Wie viele Leute haben tatsächlich ein Problem mit den derzeit gängigen Begriffen oder fühlen sich dadurch diskriminiert? Ich denke, das ist selbst unter den betroffenen Trans*-Personen nur eine Minderheit. Wenn jetzt diese Minderheit versucht, dem Rest der Bevölkerung quasi eine neue Sprache aufzudrängen, ist dieses Vorhaben von vornherein zum Scheitern verurteilt.
Kleines Fazit: Deine Ideen sind nicht schlecht, ich sehe aber keine reale Chance, sie umzusetzen.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
Ulrike-Marisa
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Re: Wie soll man Trans*„Begriffe kommunizieren?

Post 3 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa »

Moin,

mal ein möglicherweise einfach praktischer Vorschlag von mir, das Dilemma der unterschiedlich sehbaren und interpretierbaren Oberbegriffe zu umgehen besteht darin, dass ich in der Kommunikation mit anderen Menschen einfach das beschreibe und benenne, was ich bin und wie ich mich sehe und fühle bzw. was ich nicht bin: ich bin lieber Frau als Mann. Dass das Problematiken beinhalten kann ist jedem klar und wenn Interesse besteht, kann in im Gespräch die Tiefe gegangen werden - so halte ich es zumindest und bin bisher ganz gut damit gefahren. Andererseits sind verständliche Oberbegriffe wie Trans auch wichtig und indentitätsstiftend, bzw. bezeichnen die Zugehörigkeit zu einer wie auch immer beschriebenen intentionalen Gruppe, die ähnliches verbindet - Körperlichkeit, Gefühle, wünsche und vieles mehr... Alles wird nicht immer sofort prägnant benannt werden können aber der Begriff Trans ist doch schon weitergehend in der Gesellschaft verbreitet - ob immer mit Informationen und wissen darüber hinterlegt ist eine andere Frage. Darin liegt das Problem, denke ich. Nur wer etwas darüber weiß, kann die Dinge beschreiben beurteilen und bewerten. Die gesamte Problematik des Begriffes Trans muss als nachvollziehbares Wissen und Information in ihrer gesamten Vielfältigkeit beschrieben , benannt und dargestellt werden - und zwar von uns, den Betroffenen, damit andere was davon haben können und sich ein bild machen können, von dem, wie wir uns fühlen etc. - eine große Aufgabe, meine ich.

LG, Ulrike-Marisa

...macht sich ihre Gedanken dazu... :wink:
Anne-Mette
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Re: Wie soll man Trans*„Begriffe kommunizieren?

Post 4 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

ich denke, dass weder wir noch ein Bundesverband mit einem einzigen Begriff und schon überhaupt nicht mit "TRANS*" auskommen.

Um stabile Außenwirkung zu erzielen, sollte überlegt werden, wer noch mit dem Bergriff "TRANS" unterwegs ist...

... auf den Straßen sieht manfrau sogar viele Lastwagen mit TRANS )))(: (smili)

Gruß
Anne-Mette
Lea Michele
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Re: Wie soll man Trans*„Begriffe kommunizieren?

Post 5 im Thema

Beitrag von Lea Michele »

Morgen
Gut gesprochen Anne- Mette, kann mich dem nur anschliessen.
LG Lea Michele
Auf dem Weg endlich so zu sein wie ich mich fühle❣️
Marielle
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Re: Wie soll man Trans*„Begriffe kommunizieren?

Post 6 im Thema

Beitrag von Marielle »

Liebe Rosi_,

natürlich sind wir zu einem sachlich orientierten Austausch in der Lage.

Mit dem Satz
Vieles davon darf man auch als freiwillige und als passend empfundene Ausdrucksweisen der Veranlagungen und des Wesens ansehen.
stellst du einen bewussten Umgang eines Menschen mit seinen individuellen Eigenschaften dar. Das ist völlig korrekt, weil es die Individualität des Umgangs mit den eigenen Eigenschaften beschreibt und es ist m.E. auch wichtig für die weitere Diskussion.

In dem folgenden Absatz erklärst du die wesentliche Gemeinsamkeit aller Menschen, deren Wesen mit dem herkömmlichen Zuweisungssystem von Geschlecht nicht übereinstimmt. Wunderbar, freut mich.

Im dann folgenden Absatz fällst du leider (wie bisher immer) hinter deine eigenen Ansprüche zurück. Die Formulierung
dass einige Menschen eine hohe innere Selbstreflektion mit ihrem Wesen haben (daraus das Wissen um ihr Geschlecht ableiten), Andere in der Reflektion mit dem gesellschaftlichen Umfeld ihr Wesen abgleichen (um in der für ihr Wesen passenden gesellschaftlichen Rolle oder Position leben zu dürfen/können — zeitweise oder dauerhaft).
ist mindestens meine Person betreffend falsch und im Kontext auch diskriminierend. Ich weiss um mein Geschlecht auch ohne Abgleich mit der Gesellschaft; genau wie du. Der einzige Unterschied ist, dass du dich in einem gesellschaftlich anerkannten Modell und der entsprechenden Bezeichnung wiederfindest (da steht nicht: dich diesen unterordnest) und ich dies nicht tue.

Wir sind beide bewusst (s.o.) der Meinung, dass das uns zugewiesene Geschlecht nicht stimmt, dass es von unseren Eigenschaften abweicht, und weisen daher ein Verhalten auf, dass den konventionellen, von aussen erfolgten Geschlechtszuschreiben nicht entspricht. Das die Ursache hierfür, bei uns beiden, eine unterschiedliche ist, ist bis auf weiteres unbewiesen* und wird auch dadurch nicht bewiesen, dass du eine anerkannte Position und Bezeichnung für dich als zutreffend erkennst und ich nicht. Daher reicht ein T vollkommen aus, das mit Trans* in der Sprache (und z.B. auch in Verbandsbezeichnungen) gut aufgehoben ist


Aber auch wenn du mich aus Eigeninteresse diskriminierst: Ich hab' dich ganz doll lieb.

Marielle

*) Ich bin der festen Überzeugung, dass das Geschlechtsempfinden nicht zwischen den Beinen sitzt, aber schreib jetzt bitte nichts vom 'Hirngeschlecht', dass eindeutige Unterscheidungen in Mann und Frau ermögliche. Dieses Vehikel ist dermassen spekulativ und gefährlich, dass eine Argumentation damit nur nach hinten losgehen kann.
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JuliaS (†)
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Re: Wie soll man Trans*„Begriffe kommunizieren?

Post 7 im Thema

Beitrag von JuliaS (†) »

Vielleicht mache ich es mir auch zu einfach, aber ich denke bevor man sich über Begrifflichkeiten streitet sollte man erst einmal die, zumindest nach meinem Dafürhalten, wichtigen Probleme angehen. Solange nur unter 30% der Trans* Personen nicht über Diskriminierungserfahrungen, was auch immer dies im Detail umfasst, klagen liegt eher hier das Problem. Plakativ ausgedrückt: Erst kommt das Essen, dann die Moral/Begriffe. Persönlich kann ich durchaus mit dem Begriff Trans* auf mich bezogen leben. Selber sehe und bezeichne ich mich als Frau und erst in zweiter Ebene als Trans*. Ich verwende auch gerne den Begriff "neuer Mensch". Denn im Kerne läuft es doch darauf hinaus das Trans* Personen (um nicht wir zu schreiben) zu häufig nicht als Mensch sondern als "irgend etwas", exotisches, abnormales behandelt werden mit allen nachteiligen Folgen. Vielleicht unterstützen sogar differenzierte Begrifflichkeiten so etwas, da sie ja faktisch die Betroffenen genau als das erscheinen lassen was gerade vermieden werden soll, als etwas außerhalb der Norm und konkludent außerhalb der Mehrheitsgesellschaft.
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Re: Wie soll man Trans*„Begriffe kommunizieren?

Post 8 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa »

Hallo,

...genau das sind wir aber bisher doch irgendwie und so werden wir wahrgenommen in der Öffentlichkeit und in der Familie - etwas, das außerhalb des gewöhnlich sozusagen normalen steht. Daran müssen wir arbeiten, eben als etwas normales wahrgenommen zu werden - das geht meiner Meinung nach nur über Präsenz, sofern das den einzelnen Betroffenen überhaupt möglich ist. Das feinsinnige streiten über Begriffe hilft in der Lebenswirklichkeit und in der Praxis nicht weiter. der Begriff Trans scheint mir zumindest schon recht weit verbreitet zu sein im Bewusstsein der Menschen dieses Landes, ohne dass jede/r genau weiss, was das in einzelnen exakt bedeuten soll - und ist das so wichtig? Ist nicht der Identifikationswert für die Betroffenen wichtiger? Also ich bin auch irgendwie trans und vieles mehr...aber das ist nur meine Sicht, andere mögen das anders sehen.

Gruß, Ulrike-Marisa
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Re: Wie soll man Trans*„Begriffe kommunizieren?

Post 9 im Thema

Beitrag von Franka »

Mal ganz ehrlich diese ganzen Begrifflichkeiten bedeuten nur euch selbst irgendwas. Ich bin jetzt seit 9 Monaten nur noch en femme unterwegs, dabei klar als Mann zu erkennen und es interessiert keine Sau. Ich werde einfach völlig ignoriert. was soll ich mir da Gedanken über ein Schublade machen, in die ich passen könnte.
Die ganzen Streitereien hier, intern im Forum, um Begriffe hier in diesem Threat oder wie bei der Interessensvertetung kotzen mich langsam an. Statt gemeinsam was zu bewirken, wird mal wieder alles zeredet.
Die Menschen da draußen interessiert das ganze überhaupt nicht, allenfalls bei Journalisten könnte man mal ne Anmerkung machen, das die Begrifflichkeit, die verwendet wurde nicht so ganz korrekt ist, um sowas in Zukunft zu vermeiden und auch die Gesellschaft dafür zu sensibilisieren. Bis aber alle soweit sind, sollten wir einfach alle an einem Strang ziehen und uns nicht ständig über irgendwelche Begriffe streiten.

LG Dahlia
Wir bekommen mit unserer Geburt das Leben geschenkt, doch viele von uns haben noch nicht einmal das Geschenkpapier abgemacht.
Marielle
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Re: Wie soll man Trans*„Begriffe kommunizieren?

Post 10 im Thema

Beitrag von Marielle »

Liebe Rosi_,

dein neuer Textvorschlag unterscheidet sich in der Sache nicht ein bisschen von der vorhergehenden Version. Du sprichst mir und anderen damit weiterhin ein individuelles, dem eigenen Wesen entsprechendes, reflektiertes Geschlechts-Selbstempfinden ab. Das passt nicht so recht zu deiner Forderung nach vorbehaltloser Anerkennung der individuellen, selbstbestimmten geschlechtlichen Identität.

Die in dem Text vorhandene Bindung an den Wunsch nach körperlicher Anpassung ist m.E. gleich aus zwei Gründen ein gefährliches Vorgehen. Erstens gibst du damit denjenigen Mitbürger_innen in Politik und Gesellschaft ein Argument in die Hand, die das ursprüngliche TSG mit der 'grossen Lösung' für die beste aller möglichen Regelungen halten. Und zweitens führst du damit eigentlich genau das fort, was du selbst immer wieder beklagst: Die starre Kopplung zwischen körperlichen Merkmalen und Geschlecht. Die wirkt, wenn man das eigene, 'richtige' Geschlechtsempfinden zwingend an die Schaffung bestimmter Merkmale koppelt, nämlich auch im umgekehrten Sinn normierend.

Ich gönne jedem Menschen Brüste und lange Haare, der sie haben will. Ich will gern auch dafür streiten, dass diejenigen sie bekommen, denen sie nicht von selbst gegeben wurden. Aber solange es Versuche gibt, aus körperlichen Merkmalen oder dem jeweiligen, individuellen Umgang mit vorhandenen oder eben nicht vorhandenen, körperlichen Merkmalen Ableitungen zur Einteilung von Menschen in Geschlechts-Identitätsgruppen zu machen, werde ich mich dagegen wehren.

Sag mal: War es nicht eben dieses Verhaltensmuster, dass auch dich am Anfang und für eine lange Zeit in die falsche Schublade gesteckt hat und gegen das du eigentlich kämpfst?


Meine Meinung: Solange du dich nicht (wir alle uns nicht) von der normierenden Binarität als Grundlage für die Zuweisung und die Gruppierung geschlechtlicher Identitäten verabschieden kannst, wirst du keinen Erfolg bei der Findung von allgemeingültigen, akzeptierten Begrifflichkeiten haben. 'Geschlecht' taugt schlicht und einfach nicht mehr als Gruppierungsmerkmal, obwohl es für eine individuelle Selbstbestimmung und -beschreibung, nach wie vor, eine sehr wichtige und richtige Kategorie sein kann und darf. Bis diese Erkenntnis gesamtgesellschaftlich durchgesickert ist, ist 'trans*' ein guter Schritt in Richtung 'Mensch'; als Gruppierungsmerkmal.


Im Grunde hat Dahlia übrigens Recht. Wir sollten eigentlich darüber nachdenken, wie wir, unter Verzicht auf normierte und normierende Kategorien, zu einem unaufgeregten Umgang der Gesellschaft mit uns und zu Brüsten auf Kasse für die die sie wollen und brauchen kommen. Andererseits werden wir noch für eine ganze Weile einen Begriff für uns brauchen, da wir bislang in vielen relevanten Bereichen nicht vorkommen. in die wir uns noch 'trans*kommunizieren' müssen.

Hab's gut

Marielle
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Re: Wie soll man Trans*„Begriffe kommunizieren?

Post 11 im Thema

Beitrag von Marielle »

Hallo Rosi,

das wir damit das 'Ursachen-Unterscheidungs-Problem' fast überwunden haben, finde ich sehr gut. Ich hoffe ehrlich, dass wir darüber auch zu einer Einigung im Hinblick auf die Wirkung kommen.


Obwohl mir Beiträge, die aus langwierigen Beschreibungen der Selbst-Innensicht der Autor_in bestehen, selbst meistens erheblich auf den Senkel gehen, möchte ich dir ein bisschen was über mich erzählen (nur dies eine Mal, versprochen), denn immerhin sind wir uns noch nie begegnet.

Ich kann die allermeisten Lebensgeschichten, die von Menschen mit einer von der Zuweisung abweichenden Geschlechtsidentität beschrieben werden, gut verstehen. Nicht nur verstehen, ich kann sie auch aus der Ich-Perspektive selbst erzählen. Die Kurzform: Im Kindesalter die ersten Nicht-Dazugehörigkeitserfahrungen mit dem 'anderen Geschlecht' und der Wunsch doch zu den 'Richtigen' dazuzugehören, genauso behandelt zu werden, die ersten Erfahrungen mit 'Integrationsmassnahmen' durch scheinbare Geschlechtsgenossen oder Eltern, Familie, Kindergarten und Schule, später ein, damals unerklärliches, irgendwie gespanntes Verhältnis zu Mädchen, dass zu Teilen darauf zurückzuführen ist, dass meine Kommunikationsversuche missverstanden wurden. Wie hätte es auch anders sein sollen, wo ich wahrscheinlich der_die einzige war, die sie nicht 'rumkriegen', sondern auch bei denen dazugehören wollte? Dazu gab's ein bis heute fortdauerndes Differenz-Erleben, dass sich aus der Wechselwirkung der äusseren Anforderungen bzw. Erwartungen mit meiner eigenen Persönlichkeit ergibt und es gibt bis heute die feste Überzeugung, dass ich mich nicht beschweren würde, wenn ich morgen mit einem weiblichen Körper aufwachen würde (Ich beschwere mich allerdings auch nicht über den, den ich habe. Bei wem auch?).

Ich bin absolut sicher, dass ich mit dieser Lebensgeschichte von genügend vielen Gutachtern die Diagnose 'Transsexualität' bekommen würde, wenn ich sie haben wollte. Es gab aber noch ein Erleben, dass ich heute (zusammen mit der damaligen Abwesenheit von wohlmeinenden Ratschlägern im Internet) als wesentlichen Teil dessen ansehe, dass ich diese Diagnose nicht haben will.

Mit etwa 17, ich war Lehrling bei einer damaligen Behörde (heisst heute Deutsche Telekom), habe ich mir einen Bart wachsen lassen; in der festen Überzeugung, damit auf dem geschlechtlich 'richtigen' Dampfer zu sein. Die Reaktionen von Elternhaus und Lehrbetrieb sind mit 'Fassungslosigkeit' und 'Korrekturbestrebungen' nur verharmlosend beschrieben. Das männlichste aller bekleidet sichtbaren Geschlechtsmerkmale wurde mir nicht zugestanden, obwohl man vorher und weiterhin versucht hat, alle entgegengesetzten Wesensäusserungen zu korrigieren. Aber: Es ist bis heute ein Teil von mir und meiner Persönlichkeitswerdung; ein Teil einer daraus entstandenen Persönlichkeit, die heutzutage nichts, aber auch gar nichts, mit der "sichtbaren Wahrnehmung durch das soziale Umfeld" und dessen Vorstellungen von Geschlecht (FUCK!) zu tun hat, die du mir (und anderen) wieder und wieder zu unterstellen versuchst.

Das soll reichen, damit der Beitrag nicht völlig in meinem Ich-Gesülze absäuft. Aber vielleicht war es notwendig das zu erzählen, um dir ein paar, ehrlich offene, Fragen zu stellen:

Welchen Wert sollte ein, durch das soziale Umfeld äusserlich wahrnehmbares und definiertes, Geschlecht für mich haben, wenn mein eigenes Empfinden zu Korrekturbestrebungen führt und wenn die äusseren Merkmale des von aussen geforderten Geschlechtsempfindens zur Durchsetzung von Hierarchieansprüchen benutzt (missbraucht) werden? Lässt mein Äusseres damit irgendwelche offensichtlichen Rückschlüsse auf mein eigenes Empfinden zu? Gibt es überhaupt irgendeinen Zusammenhang zwischen dem Äusseren und dem eigenen Empfinden?

Was bringt dich dazu, in Unkenntnis der oben erzählten Lebensgeschichte, eine Differenzierung zwischen dir und mir vorzunehmen?

Wozu brauchen wir überhaupt eine Unterscheidung? Welchen Wert oder Nutzen hat eine Unterscheidung in Männer und Frauen, in Transsexuelle und Andere?


Weisst du: Uns unterscheidet, hinsichtlich der hier in Rede stehenden Fragen, der persönliche Umgang mit einer sehr ähnlichen Geschichte; sonst nichts. Und genau nur das unterscheidet uns, in diesem Kontext, von allen anderen Menschen; nichts weiter als das.


Und damit du nicht sagst, ich würde nur kritisieren, aber nichts Konstruktives beitragen:
Das geschlechtliche Selbstempfinden eines Menschen ist nicht aus seinen körperlichen Eigenschaften abzuleiten. Es ist individuell und auch nicht von der körperlichen Gestaltung oder der äusseren Wahrnehmung derselben abhängig. Es ist, aus sich selbst heraus, wahr.
Subtext: Jede individuelle geschlechtliche Identität ist anzuerkennen und jede Person ist, im Rahmen eines herzustellenden, gesellschaftlichen Konsenses, mit den, zur Erreichung der Übereinstimmung zwischen der individuellen Identität und den körperlichen Merkmalen, notwendigen Massnahmen zu versorgen*. Aufgrund des faktischen Umstands der, in der deutschen Sprache gegebenen, sprachlichen Nicht-Benennbarkeit von individuellen geschlechtlichen Identitäten wird, wegen der Gemeinsamkeiten der Wirkung äusserer Zuschreibungen auf individuelle Empfindungen, der Begriff "trans*" als nicht-normierende Beschreibung für alle geschlechtlichen Identitäten verwendet, die sich von den ursprünglich vorgenommenen Zuweisungen unterscheiden.


Habt es gut

Marielle

*) edit: Der kursiv geschrieben Textteil lautet vorher: "zur Erreichung der Übereinstimmung der individuellen Identität mit den bestehenden äusseren Erwartungen, notwendigen Massnahmen zu versorgen." Mit "äusseren Erwartungen" war eine mann-frau-geschlechtstypische, körperliche Anpassung gemeint. Da ich befürchte, dass dies aber missverstanden wird, habe ich es geändert.
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Re: Wie soll man Trans*„Begriffe kommunizieren?

Post 12 im Thema

Beitrag von Marielle »

Guten Abend Rosi,
Es war schön, ....
Wo's doch grad so schön ist: Lass uns doch weitermachen.

--- (hier stünde ein längerer Beitrag, der schon fast fertig geschrieben war, wenn ich nicht bislang einen wesentlichen Aspekt übersehen hätte, den ich bei einem Menschen, der soviel über sich selbst und die Menschheit nachgedacht haben muss, nicht vermutet hätte) ---

Aus diesem Grund sind "Trans*Menschengruppen" und daraus dann "Trans*Menschen" kontraproduktiv. Da begeht man selbst Othering an sich.
Bei allem ehrlichen Respekt für deine Persönlichkeit, deine Erfahrungen und deine Selbstwahrnehmung: Die Vorstellung,, dass wir (du, ich und viele andere) nicht geAndert seien, nicht gesellschaftlichem Othering unterliegen, ist eine Fiktion. Eine schöne und ehrbare; aber eine Fiktion. Man kann nicht einfach so tun, als sei nichts gewesen, wenn man das (eigene) Monster erschlagen hat.


Ja, Minotaurus ist tot. Man wird auch nicht vergessen, wer ihn zur Strecke brachte. Aber der rote Faden muss noch wieder aufgewickelt werden. Und kaum jemand wird sich an die erinnern, die ihn aufwickeln, obwohl die es gewesen sein werden, die diesmal Theseus in seine, diese, Welt zurückbrachten.


Hab es gut

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eilinfox
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Re: Wie soll man Trans*„Begriffe kommunizieren?

Post 13 im Thema

Beitrag von eilinfox »

Ja prima.
Jetzt bin ich in etwa wieder bei euch, nachdem ich einiges zugegebenermaßen nicht verstanden habe.
Ich bin wie Rosi der Meinung, das wir uns nicht selber ausgrenzen dürfen.
Tun wir dies, werden wir immer im Abseits der Gesellschaft stehen.
Wir gehören dazu und das müssen wir auch so in der Öffentlichkeit als Selbstverständlichkeit praktizieren und kommunizieren.
Leider sind nur die wenigsten von uns dazu bereit und ... wahrscheinlich wollen Sie es auch gar nicht.
Tatsächlich werden doch die wenigsten morgens weibliche Kleidung anziehen und so zum Bäcker spazieren und ihre Brötchen holen.
Und so lange die meisten lieber zuhause oder im Schutz der Nacht ihre Weiblichkeit ausleben wird sich so gar nichts ändern.
Die wenigen transexuellen Frauen und die wenigen geouteten Crossdresser sind einfach zu wenig um für Selbstverständnis in der Öffentlichkeit zu sorgen.
Da hilft es auch wenig und ist aus meiner Sicht auch eher kontraproduktiv, wenn sich einige in Gruppen organisieren und dann gemeinsame Unternehmungen starten.
Jede einzelne kann doch dadurch mehr bewegen, wenn sie sich in ihrem Umfeld integriert und dafür sorgt, dass sie als ganz normaler Teil der Gesellschaft akzeptiert und anerkannt wird.
Ich gebe zu, dazu gehört Mut und vor allem eine gesunde Portion Selbstvertrauen.
Frida
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Re: Wie soll man Trans*„Begriffe kommunizieren?

Post 14 im Thema

Beitrag von Frida »

Hallo ihr Lieben,

ich verfolge die Diskussion dieses Theads mit großem Interesse und es macht mir Freude Marielle und Rosi beim Ringen um die besseren Argumente zu erleben.
Manchmal muss ich den einen und anderen Satz mehrfach lesen, um zu verstehen, was gemeint ist, aber so ist das nun mal bei Begriffsdefinitionen.

Als Kind war auch ich schon früh ein Außenseiter, weil ich nicht so war, wie die anderen Jungen. Sie waren anders und so fühlte auch ich mich anders. Dieses Gefühl des Anderssein setzte sich mein Leben lang fort.
Auch von außen, von Männern und Frauen, bekam ich das oft zu hören. Ich litt oft darunter, dass ich weder auf der einen Seite noch auf der anderen richtig dazugehörte. Spätestens ab der Pubertät spürte ich, dass bestimmte Bereiche meines Körpers nicht zu meinem Wesen passten. Es begann die Zeit des Verdrängens und des Versteckens und später die Wiederannäherung und das Annehmen der "weiblichen Seite" meiner Persönlichkeit.

Ich brauchte sechs Jahrzehnte bis ich mein Wesen begrifflich definieren konnte.
Ich bin nicht anders, nicht eigenartig, sondern ich habe eine Eigenschaft und die heißt Transsexualität. Ich bin weiblich und transsexuell.

Als junger Mensch hatte ich oft das Gefühl, ich sei in irgendeiner Form behindert.
Vielleicht war das auch der Grund, warum ich, zwar erst spät mit 38 Jahren, als Quereinsteiger in einer Werkstatt für Menschen mit einer Behinderung als Arbeitspädagoge, Menschen mit verschiedenen Behinderungen betreut und begleitet habe. Diese wunderbaren Menschen lehrten mich, mich selbst so anzunehmen, wie ich bin und mich zu öffnen.
Die Zeit in der man diese Menschen als Krüppel, Irre oder Idioten bezeichnete war vorbei. Man nannte sie geistig, psychisch und körperlich Behinderte. Es waren nicht nur die Behinderten, sondern diese zusätzlichen Bezeichnungen waren ihnen schon sehr wichtig. Die Entwicklung ging dahin, dass es nun Menschen mit einer Behinderung sind und dass eine Behinderung immer in einer Wechselwirkung zwischen Menschen mit Beeinträchtigungen und einstellungs- und umweltbedingten Barrieren entsteht, die sie an der vollen, wirksamen und gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft hindern.
Ich sehe es für mich ähnlich. Meine "Behinderung" ist einmal körperlicher Art und die äußerlichen Barrieren gesellschaftlicher. So ungefähr.

Ich bin auf dem Weg zur vollständigen Sichtbarkeit. Es ist kein einfacher Weg, aber ich will es so. Ich bin eine transsexuelle Frau und das ist gut so und genau das will ich auch zeigen.

Liebe Grüße, Frida (flo)
Marielle
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Re: Wie soll man Trans*„Begriffe kommunizieren?

Post 15 im Thema

Beitrag von Marielle »

Guten Abend Rosi, Hallo zusammen,
Nimmst Du tatsächlich für Dich den Kelch in die Hand "anders" zu sein?
Ja. Ich bin anders. Anders als alle anderen sieben Milliarden Menschen, von denen kein einziger einem anderen gleicht. In diesem Anderssein bin auch anders als diejenigen, die sich nie mit ihrer geschlechtlichen Identität oder dem Wissen um ihr Geschlecht beschäftigt haben. Diese Erfahrung unterscheidet mich von ihnen. Vielleicht habe ich ihnen etwas voraus.
Sind wir nicht das, was uns als Mensch ausmacht? Sind wir da anders als andere Menschen?
Darin sind wir nicht anders. Nur, wie du sagst: "Mensch" ist die tragende Bezugsgröße und muss die einzige normierende Kategorie sein; nicht Farbe, nicht Nationalität und auch nicht Geschlecht.


Bleiben wir beim Geschlecht: Die meisten der rund sieben Milliarden Menschen leben in der sicheren Gewissheit zu wissen, was eine Frau und was einen Mann ausmacht. Das wir zwei wissen, dass diese Gewissheit nicht stimmt, ändert an ihrer Wirkmacht erstmal gar nichts. Sie ist durch die schiere Masse ihrer Anhänger_innen wirksam und drückt sich in allerlei Zuschreibungen und Erwartungen, manchmal auch in Förderung oder Repression aus.

Man muss deshalb (völlig unabhängig von deiner und meiner persönlichen Selbstsicht) davon ausgehen, dass der ganz überwiegende Teil der Menschheit in seiner Selbstsicht einen Unterschied zwischen einem Mann, der für seinen Bartwuchs einen äusseren Hormoneinsatz benötigt, und einem Mann, der das nicht braucht, sieht. Schon daraus entsteht ein faktisch wirksames Anderssein und Othering; und sei es nur im Kopf der Menschen.

Eine Möglichkeit ist es, dieses Anderssein per Selbstdeklaration der Übereinstimmung mit einer Teilgruppe* zu negieren. Eine andere ist, das eigene Anderssein anzunehmen. Meine feste Überzeugung ist, dass die Annahme des Andersseins und das Streiten für die Auflösung der Wirkmacht der falschen Gewissheiten der richtigere und erfolgreicherer Weg ist.

Ich glaube aber nicht, dass es wirklich noch weite Teile der Gesellschaft sind, die uns als abartig oder gestört betrachten; dazu waren zuviele Aktivist_innen schon zu erfolgreich, haben das Biest fast erschlagen und auch schon einen Teil des roten Fadens aufgewickelt. Ziemlich viele Menschen (zumindest hier im Land) betrachten uns mittlerweile als einigermassen normal anders. Wir sollten eindeuTig auf die Menschen zugehen, die uns im guten Sinn als anders, als individuell sehen, aber ihr Weltverständnis nicht ad hoc über den Haufen werfen wollen und können. Wir würden sonst Menschen verprellen, deren Unterstützung wir brauchen, um den wirklich Anderen, die uns für abartig halten und so handeln, die Wirkmacht ihres Geschlechtsbegriffes wegzunehmen.


Das alles richtet sich gegen niemandes Selbstsicht; sein/ihr Wissen um die eigene Geschlechtlichkeit oder Identität sind und bleiben wahr. Es geht um die Wirkmacht, die 'Gewissheit' auf andere Menschen entfaltet und die das eigentliche Problem ist. Ein Problem, das nicht nur Substantive und Großbuchstaben an Toilettentüren betrifft, sondern alle Kategoriebegriffe, aus denen Ableitungen und Zuweisungen entstehen. Es sind meine Gründe für ein einziges T*, das wir in der Kommunikation solange nutzen sollten, bis Gewissheiten keinen Schaden mehr machen. Der Vorteil, den zwei unterschiedliche Ts für die Kommunikation (siehe Thread-Überschrift) haben sollen, bleibt mir nach wie vor verborgen.


Hab es gut

Marielle


Eine Anmerkung: Man kann diese ganze Debatte für sinnlose Hirnwichserei halten, was bestimmt einige der Leser_innen tun. Im Hinblick auf die weitere Verbesserung der Situation innerhalb der Gesamtgesellschaft, die trotz aller Fortschritte noch verbesserungsfähig ist, ist sie aber unausweichlich und notwendig, da eine, aus meiner Sicht nicht sinnvoll kommunizierbare, Differenzierung allen schadet. Daher finde ich es wichtig und gut, dass wir diese Debatte hier führen. Ich habe mich darüber gefreut, dass diese Diskussion für jemanden interessant und vielleicht sogar wichtig ist.



*) Damit ist nicht die eigene, auf sich selbst bezogene Gewissheit gemeint, sondern die dadurch nicht erreichbare Anerkennung der Zugehörigkeit durch die Gruppe. Die ist wiederum etwas anderes, als eine aus Mangel an Informationen entstehende, vorläufige Zugehörigkeitsvermutung. Soll heissen: Ein Mensch wird nicht zwangsläufig dadurch in die Gruppe 'Männer' oder 'Frauen' aufgenommen, dass er weiss und sagt, das er ein Mann oder eine Frau ist. Die Mitglieder_innen der Gruppen der Männer und Frauen haben darüber vielleicht einfach eine jeweils andere Vorstellung, eine andere 'Gewissheit'. Das diese Gewissheit z.B. am Waschtisch eines Lokales ihren 'Fehler' nicht erkennt, führt auch nicht zur Gruppenzugehörigkeit. Es ist nur ein Beleg für die Mangelhaftigkeit der Gewissheitskriterien. Und wer möchte schon zu einer Gruppe gehören, die nur auf einem Mangel ihrer eigenen Kriterien basiert? ;)
As we go marching, marching, we bring the greater days
For the rising of the women, means the rising of the race
No more the drudge and idler ten that toil where one reposes
But the sharing of life's glories, Bread and Roses, Bread and Roses.
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