Das Problem, das dahinter steht ist, dass wir uns für die staatliche Anerkennung unserer geschlechtlichen Identität einem ärztlichen Begutachtungsverfahren unterwerfen müssen, wobei alle Ärzte, die damit beschäftigt sind, einhellig sagen, dass Transidentität nichts krankhaftes ist. Zudem hat der Staat mit der persönlichen Identität nichts zu tun. Das ist einzig Sache des Individuums. Für den Staat sollten alle einfach nur Menschen sein. Ob männlich, weiblich oder etwas dazwischen geht den Staat eigentlich nichts an und erst recht hat der Staat es nicht zu entscheiden, als was ich mich identifizieren darf. Genau wie es den Staat nicht zu interessieren hat, welcher Ethnie oder Religion ich angehöre oder welche anthropoligischen Wurzeln ich habe.
Das ganze Verfahren ist so alt, das riecht schon und hat Falten
Überall weltweit und in Europa wird daran gearbeitet, dass dieses pathologisierende Verfahren endlich abgeschafft wird. In Europa macht TGEU hierbei hervorragende Arbeit:
http://tgeu.org/Toolkit_Legal_Gender_Re ... _in_Europe
In Deutschland hat die Bundesregierung erst kürzlich das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) beauftragt eine interministeriellen Arbeitsgruppe zu bilden, um den Reformbedarf nicht zuletzt auch im TSG zu untersuchen. Erschreckenderweise hat es das BMFSFJ allerdings noch bis vor Kurzem nicht für Nötig befunden, auch Betroffene dazu zu hören. Beim zweiten bundesweiten Trans*Vernetzungstreffen in Göttingen vor knapp vier Wochen wurde daher von allen 18 dort vertretenen Gruppen sowie den individuellen Vertretern die "Waldschlösschen Erklärung" verabschiedet, hier zum Beispiel bei TRIQ online:
http://www.transinterqueer.org/aktuell/ ... gstreffen/
Die hier auch schon erwähnte Annette Güldenring war im Übrigen auch dabei.
Es tut sich etwas. Es wird nur leider noch eine ganze Weile dauern, bis es auch in Deutschland Früchte trägt. Wer also jetzt schon darauf angewiesen ist, korrekte amtliche Dokumente zu haben, die/der sollte besser nicht auf eine Reform warten. Für den/die Einzelne ist nichts Falsches oder Verwerfliches an dem Verfahren. Wenn es jemand braucht, dann soll er/sie es bitte auch auf jeden Fall machen. Für die einzelne Person birgt es keinerlei Nachteile - von den Kosten mal abgesehen. Aber für die Prinzipienreiter und eher politischen Menschen, für die, die lieber Ursachen als Symptome bekämpfen wollen, gibt es viele gute Gründe, sich diesem Druck nicht zu beugen und ihn lieber auf die Verursacher umzulenken. Ich war (leider) schon immer so eine Querulantin, weshalb ich für mich entschieden habe, das ganze so lange wie möglich hinaus zu zögern, um meinen "Leidensdruck" für den Kampf zu Reformen aufrecht zu erhalten.
Das Ganze hatten wir hier auch schonmal: http://www.crossdresser-forum.de/phpBB3 ... =26&t=8895
Liebe Grüße
nicole