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ein überraschend guter Artikel, finde ich. Natürlich kein "Fachartikel", aber immerhin
u.a. BILD: "Wer sind Sie?"
Sie lächelt flirtend: "Ich bin zwei Menschen. Ich bin eine Lady mit Bart...".
Durchweg wird von "sie" gechrieben, manchmal auch von "er/sie" - ich denke, das ist in Ordnung so.
Solche Artikel werden für mehr Verständnis sorgen. Es müsste nur eine Brücke geschlagen werden zu uns, die wir (noch ) nicht im Showgeschäft tätig sind.
Gruß
Anne-Mette
bild-conchita.jpg
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Habe den Artikel heute auch schon gelesen. Aber mehr als ein Artikel ist es auch nicht - unterscheidet sich in keinster Form zu einer anderen Person und wird sicherlich auch nicht für mehr Verständnis sorgen.
Allerdings habe ich etwas dazugelernt: dachte bisher eigentlich immer, daß Frau Wurst immer als Frau gekleidet wäre. Jetzt stelle ich fest, daß sie eigentlich auch nur eine Draq Queen, a la Olivia Jones ist. Somit hat sie mit uns CDs eigentlich nicht wirklich viel gemein.
Somit kann ich mich nicht wirklich mit ihr identifizieren. Sie schreibt zwar, daß sie sich als Frau fühlt, aber zur Hälfte trotzdem weiterhin Tom ist...
Ich würde gerne mal von ihr erfahren wollen, ob sie das ganze "Frausein" nur aus Showzwecken macht oder wirklich Gefallen an allem femininen findet.
Jennifer
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Aktueller Beziehungsstatus: Jennifer ist verliebt !-!-!
oh, ich sehe das ander. Ich finde schon, dass Fau Wurst auch eine "von uns" ist. Ein Mensch, der die auch gerne Fruenkleider trägt und die trditionellen Geschlechterrollen zu eng sind. Dass sie es vielleicht eher in Form von Show und einem Touch Drag Queen ausdrückt, mag nicht nur dem Job auf der Bühne gedient sein, sondern sollte uns doch nur ihre Art der individuellen Ausprägung sein. Kopieren brauchen wir sie deshalb nicht, und sie würde uns, dich, mich, sicher auch nicht kopieren wollen.
Lady Jennifer hat geschrieben:Ich würde gerne mal von ihr erfahren wollen, ob sie das ganze "Frausein" nur aus Showzwecken macht oder wirklich Gefallen an allem femininen findet.
Wenn ich https://www.youtube.com/watch?v=hfewnK7SaEk und andere Dokus als Referenz nehme, sehe ich da schon eine kontinuierliche Befreiung aus der gesellschaftlich aufgezwungenen Rolle von Kindheit an. Sie passt allerdings (derzeit) nicht in das "normale" Mann/Frau-Schema. Ein "nun entscheide dich doch mal" funktioniert eben gerade nicht. Nach meinem Verständnis ihrer Statements ist sie "beides" aber fluide und gemixt.
Derzeit kommt es mir so vor, als ob die ehemalige Kunstfigur ihr am ehesten ermöglicht, so zu leben, wie sie sich fühlt. Und wenn das so ist wäre es schon eine nichttriviale Frage, ob das noch Kunstfigur oder neue Identität ist.
Ich halte die Wahrscheinlichkeit für groß, dass sie sich irgendwann als "trans" identifiziert, wie zum Beispiel Andrea Pejic.
Ganz ausdrücklich toll finde ich, dass sie eben nicht die traditionell erwarteten Rollen zurückweist, sondern auch die (meiner Ansicht nach) genauso unangebrachten Erwartungen aller anderer sich irgendwie angesprochen Minderheiten, seien es nun schwule, trans oder was auch immer.
Claudia hat geschrieben: Mir sind die Geschlechterrollen keineswegs zu eng, mir sind sie sehr recht.
Du sprichst hier wohl von der weiblichen?
Oder willst du uns damit sagen, dass dir zurückblickend die Eingeengtheit der männlichen Geschlechterrolle ganz recht ist? Diese Aussage fände ich dann allerdings nicht so toll.
Genau diese Eingeengtheit ist vermutlich der Grund für einige, diese für immer verlassen zu wollen und dafür immense Risiken in Kauf zu nehmen. Andere sind einfach nur unglücklich damit.
natürlich ist es ein Artikel eines Boulevard-Blattes und kein Fachartikel. Ich möchte auch nicht, dass alle "in einen Topf gesteckt werden"
ABER
Es gibt Gespräche - solche Artikel können u.U. als Opener dienen.
In diesem Zusammenhang möchte ich auch noch einmal auf die vielgescholtene "Woche der Toleranz" zurückkommen. Es ist erstaunlich, was ich im Zusammenhang mit diesen Sendungen an Rückmeldungen bekommen habe.
Ich wurde selbst mehrfach darauf angesprochen; und auch ein "Busgespräch" (manfrau hört ungewollt mit) drehte sich um jemanden...
Viele Menschen wissen nichts von "uns" oder haben ein verzerrtes Bild. Vieles, was eine Diskussion "in Schwung bringt", ist deshalb positiv zu sehen.
ich verstehe natürlich, dass jemand wie Conchita Wurst Fragen zur Echtheit auslöst. Und wirklich herausfinden kann es sowieso niemand. Allerdings gilt das auch für mich selbst. Niemand kann nachprüfen, ob ich mich wirklich so fühle, wie ich es sage. Aber ich erwarte, dass dies so akzeptiert und respektiert wird.
Deshalb unterstelle ich auch erst einmal, dass sie echt und authentisch ist. Schließlich ist sie ein Mensch wie jeder andere und verdient daher auch den gleichen Respekt und die gleiche Akzeptanz.
Die Showgeschäft-Bemerkung von Anne-Mette habe ich als Spaß und damit nicht wirklich ernst gemeint verstanden.
Insgesamt finde ich die letzten Berichte der Bildzeitung interessant. Interessant in der Weise, dass die Bildzeitung als Boulevardblatt sehr dem Zeitgeist hinterher laufen muss, um genug Auflage loszuwerden. Beziehungsweise würde diese Zeitung nie etwas drucken, was ihre potentiellen Käufer abschreckt. Dementsprechend verstehe ich dieses Blatt auch als Gradmesser für Veränderungen in unserer Gesellschaft. Leider bringe ich es nicht über mich, diese Zeitung zu lesen und freue mich daher immer wieder über die entsprechenden Hinweise.
Liebe Grüße
Anke
Sentio ergo sum. - Ich fühle, also bin ich.
Les femmes sont fortes quand elles sont feminines. (Coco Chanel)
Schade, daß es hier wieder diese unglückliche Eingemeindung gibt. ....
Wer soll dieses "uns" sein? Ich sehe mich da absolut nicht zugehörig .... und vermute auch, daß sich nicht alle Mitglieder des Forums hier zugehörig fühlen. ... Diese großen Verallgemeinerungen sind einfach nicht schön. Mir sind die Geschlechterrollen keineswegs zu eng, mir sind sie sehr recht.
...
LG
Claudia Alina
Hallo, Claudia,
soweit ich es verfolgt habe, hast du einen anstrengenden mühsamen Weg auf dich genommen, dabei viel Leid ertragen, um als Frau zu dir zu finden. Das möchte ich nichts infrage stellen. Doch das kann nicht (mehr) der Maßstab für alle hier im Forum sein. Ich finde, da sind wir in den letzen Jahren aber schon ein gehöriges Stück weiter gekommen. Die Welt ist nicht nur Mann-Frau, schwarz-weiß. Sie kennt viele Grautöne und Schattierungen und jenseits davon viele Farben und Farbtöne, die die Welt bunt, lebensfroh machen und hier im forum ihren Platz haben.
In einem anderen Forum wurde es so ausgedrückt: "Eine wirklich klare Unterscheidung zwischen männlich und weiblich gibt es eigentlich nicht. Eher hängt die Unterscheidung vom Ausdruck des Einzelnen ab und wie dieser Ausdruck in unserem Lebensumfeld gedeutet wird."
Dies Forum hat viel Platz für viele Nischen, Ausprägungen und Zwischentöne und da sehe ich Conchita Wurst in ihrer gelebeten Variante durchaus auch als eine von uns, auch wenn ich sie nicht kopieren mag und auch, wenn ihre Art stark vom Showbuziness geprägt ist. Doch das gehört m. E. einfach zu der bunten Welt, in der wir leben.
Leider bringe ich es nicht über mich, diese Zeitung zu lesen
Ich muss zugeben, ich habe neulich sogar ein Hetzblatt namens "Junge F*******" gelesen. Das war aber rein beruflicher Natur (Schuldebatte) und ich habe das Blatt auch nicht durch Kaufen ungewollt unterstützen müssen, sondern mir hat jemand ein Exemplar zur Verfügung gestellt.
Ich denke CW ist eine reine Kunstfigur, die der Vermarktung dient. Das ist mMn sowohl legal als auch legitim. Ich gönne ihr den Erfolg.
Ich denke aber auch, dass diese Kunstfigur einen wahren Kern hat. Ich glaube nicht, dass man so ein Künstlerleben leben kann, ohne dass es eine Verankerung in der Persönlichkeit gibt. Ich halte das aber für zweitrangig.
Viele wichtiger ist mir die Frage, was macht das mit uns und wie wirkt sich das auf unsere Situation aus ? Ich denke, da kann man nur spekulieren. Ich habe da eine zwiegespaltene Meinung. Einerseits tritt das Phänomen T* mehr in der gesellschaftlichen Diskussion auf. Es ist eine Gelegenheit die Diskussion zu führen oder wie Anne-Mette schreibt "ein Opener". Andererseits entspricht CW nicht meiner Vorstellung von T* und ich tue mich schwer mit dem Gedanken, mit ihr verglichen zu werden. Dabei gibt es Parallelen. Sie lebt wie ich w/m-Aspekte je nur zum Teil. Anders als ich macht sie das gleichzeitig, ich eher hintereinander, dann aber jeweils möglichst 100%. Sie steht im Rampenlicht, ich möchte eher "graue Maus" sein.
Sie lebt davon, dass T* gesellschaftlich noch nicht so angekommen ist, wie wir es uns wünschen: akzeptiert und respektiert. Aber ihr Erfolg auf der Bühne, ebenso wie Dana international, zeigt doch, dass es doch in weiten Bereichen sehr viel besser geworden ist. T* hat noch den Charakter des Besonderen, aber auch der schwindet. Verabschieden sollten wir uns aber von dem Gedanken, dass wir erst dann gesellschaftlich respektiert werden, wenn uns auch die letzten Mitbürger akzeptieren. Das wird nie geschehen. Es gibt genügend Gruppen, an denen wir das beobachten können.
Ich habe aber ein Problem mit dem Begriff "eine von uns". Schaffen wir uns nicht mit solchen Ausdrücken selber das gedankliche Ghetto, dem wir eigentlich entfliehen wollen ? Ich bin ich und gehöre zu dieser Gesellschaft, weil ich in ihr lebe. Ich dominieren in der geschlechtlichen Selbstdefinition manchmal neutrale, manchmal männliche und manchmal weibliche Aspekte. Aber ich gehöre zum Rest dieser Gesellschaft, die mehr oder weniger bipolar denken. Und von den allermeisten werde ich in dieser Gesellschaft manchmal kopfschüttelnd toleriert, auch wenn sie mein Wesen nicht nachvollziehen können. Wie sagen die Kölner: jeder ist sein eigener Jeck.