Hatte mich im Mai'14 entschlossen, mein Langhaarperücke einmal aufarbeiten zu lassen, da die Kunsthaare an den Spitzen verknotet und verschliessen waren.
Durch Chrissy inspiriert, suchte ich in unserer Gegend nach einem kompetenten Haarstudio. Und ich wurde ganz in der Nähe fündig. Sogleich fragte ich dort per eMail an, ob diese Perücken aufarbeiten können. Die Antwort kam schnell mit den benötigten Informationen.
Doch der Mut für eine Terminvereinbarung hatte mich ganz schnell wieder verlassen. Und so vergingen mehrere Wochen, bis ich wieder Mut schöpfte und endlich einen Termin vereinbarte. An einem Donnerstag im Mai war es dann soweit und frühmorgens um 09:00 Uhr hatte ich einen Termin.
Ich packte sorgsam die Perücke in den Karton und ab ins Auto. Aber leider nicht als Stefanie, alle Nachbarn waren zu Hause und machten mehr oder weniger im Garten rum oder putzten. Da ich ja in der Nachbarschaft nicht geoutet bin, ging es leider nicht enFemme. Also losgefahren und rein ins Haarstudio. Aufregung innerlich, das Herz schlug mir bis zum Hals und höher. Ich wurde sehr freundlich begrüßt und nach meinen Wünschen gefragt. Bis jetzt war die junge Frau noch der Meinung, dass die Perücke von meiner Frau ist.
Doch nun musste ich meinen inneren Schweinehund überwinden und ich erklärte der Friseurin, dass diese mir gehört und das ich mich öfters als Frau anziehe. Sie lächelte leicht und daraufhin fragte ich sie, ob sie schon Kontakt mit Crossdressern oder Transgendern hatte. Sie verneinte und erwiderte, dass vor ihrer Zeit schon einmal ein Crossdresser im Haarstudio war. Die nächste Hürde kam in Form des männlichen Gesichts und eines leichten Bart. Also die Perücke aufgesetzt und dann begutachtete sie diese Ausgiebig. Da die Spitzen leicht verschlissen waren, empfahl sie mir eigentlich dass Aufarbeiten. Ich wollte aber einen etwas anderen Schnitt und die Länge musste etwas daran glauben. Aber nur ein paar Zentimeter. Und die Perücke mit dem leicht veränderten Style sah jetzt wieder richtig toll aus. Dann wurde ihr durch Dampf und andere Hexereien noch etwas mehr Volumen eingehaucht, sie wurde noch extra gewaschen und getrocknet.
Oh wie schön sah die Perücke jetzt wieder aus, und auch ich fühlte mich sicherer. Aber ohne MakeUp sieht so eine Perücke natürlich nicht so schön aus.
Auf meine Frage, was sie von Crossdressern halte, meinte sie in eine wirklich freundlichen Ausdrucksweise: "Leben und Leben lassen" jeder kann sein Leben so gestalten wie er möchte. Dann durfte ich ihr noch zwei meiner Bilder von Elli zeigen. Sie war überwältigt und beurteilte die Foto's postiv und wunderhübsch. Als Mann nicht zu erkennen, waren ihre Worte. Beim Bezahlen die Überraschung, es kostete nur 31,-€ plus Trinkgeld in ihr Sparschwein. Einen neuen Termin habe ich noch nicht ausgemacht, aber sie würde mich das nächste Mal gerne geschminkt und als Frau gestylt kennen lernen.
(Ende Teil 1)
Nun ist es soweit gewesen. (Teil 2)
In der ersten Novemberwoche machte ich einen Termin für den 12.11.2014 im Haarstudio. Zu meiner Überraschung war da die Eigentümerin am Tresen und fragte nach meinen Wünschen. Ich sagte ihr, dass ich einen Termin bräuchte. Freundlich sagte sie, dass ich gleich dableiben könne, da der Herrenhaarschnitt nicht so lange braucht. Ups. Sie hat mich falsch verstanden.
Gut, also ihr erklärt das ich Crossdresser wäre und eine Perücke aufarbeiten lassen wolle und nannte ihr den Namen meiner Friseurin. Freundlich aber etwas verdutzt suchte sie mir einen Termin. Auf die Frage, auf welchen Namen, sagte ich ihr, dass sie doch bitte Frau Stefanie B. eintragen solle und ich als Frau gestylt komme. Sie rief daraufhin noch gleich meine Friseurin hinzu und ich wurde ebenfalls freundlichst begrüßt. Sie meinte, dass sie sich freue, endlich einmal meine andere Seite kennenzulernen.
So und heute war es soweit. Wie immer zu zeitig aufgestanden(Aufgeregt, Gribbl, Freu) und erst mal gründlich rasiert. Hautpflege nicht vergessen und dann gefrühstückt. Fingernägel hatte ich schon am Vorabend lackiert (neue Farbe von essie > Dress to killt > fantastisch).
Nach dem Frühstück ist dann das MakeUp und das Stylen angesagt. Habe mich natürlich mächtig angestrengt und versucht, ein gutes Makeup's zu erreichen. Ich hoffte, dass es mir gelungen war und ich komme einigermaßen authentisch rüber. Gesagt getan. Und dann ging es auch schon los. Aufregung, da ich am Tage noch nie in meinen Wohnort als Frau unterwegs war. Beim Friseur angekommen, wie immer zu zeitig, drehte ich noch eine kleine Runde um den Block. Da begegnete mir meine Friseurin und die erkannte mich aber erst auf den zweiten Blick, wie sie mir versicherte. Freundliche Begrüßung und dann das übliche. Legen sie doch bitte ihre Jacke ab und möchte sie Kaffee oder Wasser.
So nun die Perücke aufgesetzt die zu überarbeiten war. Nach einer ausgiebigen Begutachtung machte sie mir Vorschläge zur neuen Frisur. Also los gings, Perücke ab und auf einen Perückenkopf gesteckt. Nach einer knappen halben Stunde war der erste Teil geschafft und der grobe Vorschnitt war erreicht. Sah jetzt schon recht ansehnlich aus. Dann wurde die Perücke mir wieder aufgesetzt und jetzt kam der Feinschliff. Dies dauerte wiederum eine runde halbe Stunde. Zwischendurch gab es immer wieder angeregte Unterhaltungen mit meiner Friseurin, die das toll fand. Crossdresser oder Transvestiten kannte sie nur aus dem Fernsehen. Auch eine Bilderschau auf meinem Handy begeisterte sie sehr, da viele Foto's natürlich rüberkamen und nicht so viel gekünstelt sind. Über ihre ernstgemeinten, aber durchweg positiven Kommentare war ich sehr erfreut und sagte es ihr aber auch.
Der Schnitt ist fertig und ich bin mit der neuen alten Perücke wieder vollkommen zufrieden. Also gleich aufgelassen und dann gings zum Bezahlen. Genauso wie beim letzten Besuch, nur 31,-€ plus Trinkgeld.
Da ich mich an diesem Tag so wohl gefühlt hatte, ging es noch zu einem kleinen Spaziergang ins nahe gelegene Seligenstadt und genoss noch ein paar Minuten bevor's ans abschminken ging.
Da es mir so gut gefallen hatte, und das alles am Tag, werde ich garantiert wieder als Frau gestylt zum Friseur gehen. Vor allem, weil ich dort jetzt geoutet bin und dort niemand ein Poblem damit hatte.
So das war ein kleiner Erfahrungsbericht von mir, der auch anderen etwas Mut machen soll. Es ist nicht ganz so schwer, man muss nur das Kopfkino etwas ausblenden und schon geht"™s besser.
lg Stefanie