FAZ: Das gute Recht der Eltern
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Anne-Mette
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FAZ: Das gute Recht der Eltern
Moin,
"Kinder sind seit Jahren die Versuchsobjekte der Gender-Theorie".
Mit diesem Satz beginnt ein Artikel/Kommentar der FAZ, den Heike Schmoll verfasste.
Wer sich ein Urteil bilden möchte; kann hier nachlesen:
http://www.faz.net/aktuell/politik/inla ... 58831.html
Gruß
Anne-Mette
"Kinder sind seit Jahren die Versuchsobjekte der Gender-Theorie".
Mit diesem Satz beginnt ein Artikel/Kommentar der FAZ, den Heike Schmoll verfasste.
Wer sich ein Urteil bilden möchte; kann hier nachlesen:
http://www.faz.net/aktuell/politik/inla ... 58831.html
Gruß
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Sylvia
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Re: FAZ: Das gute Recht der Eltern
"Sachlich über Gender-Theorien zu streiten, scheint ähnlich unmöglich wie der nüchterne Diskurs über die Inklusion. Anhänger der Gender-Theorie nehmen an, dass sich das biologische Geschlecht bis zur Belanglosigkeit dekonstruieren lässt. Geschlechtsunterscheidungen wären dann nur die Ergebnisse sozialer Prägung, in den Augen der Gender-Theoretiker geradezu gewaltsame Zuschreibungen von Identität, häufig unter dem Diktat der Heterosexualität."
Der Kommentar beurteilt m.E. die Lage weitgehend richtig. Und nu?
Der Kommentar beurteilt m.E. die Lage weitgehend richtig. Und nu?
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Marielle
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Re: FAZ: Das gute Recht der Eltern
Hallo zusammen, Hallo Sylvia,
in wie fern beurteilt die Autorin aus deiner Sicht die Lage "weitgehend richtig"?
Das es "unmöglich scheint über Gender-Theorien sachlich zu streiten" mag ja eine halbwegs treffende Analyse der Situation sein. Warum das so ist, ist aber eine Frage an beide Seiten der Diskussion.
Das sich "das biologische (!) Geschlecht" dekonstruieren liesse, bzw. das irgendjemand ernstzunehmend versucht dies zu tun, wäre mir neu. Was die Autorin vermutlich meint, ist die Dekonstruktion des, im Denken der Sachstandswahrer_innen fest an das biologische Geschlecht gekoppelten, sozialen Geschlechts, der Geschlechterrolle. Spannend wäre es, ihre Meinung zur Ableitung der 'Nicht-Gleichberechtigung' von Frauen aus dem biologischen Geschlecht zu hören. Das wurde in Deutschland immerhin bis in die 1960er Jahre von Seiten der Gesetzgebung getan, andernorts wird das noch heute so praktiziert. Ob sie das auch zurückhaben will?
Ich halte diesen Kommentar für hinterhältig, weil er, unter anderem über das eingefügte Bild der Demonstration der besorgniserregenden Eltern, eine Botschaft transportiert ohne sie zu benennen und, wie fast immer in diesem Zusammenhang, ohne einen gehaltvollen Alternativvorschlag zu machen. Das Begriffe unsachlich (falsch) verwendet werden, macht da auch nicht mehr viel aus.
Habt es gut
Marielle
in wie fern beurteilt die Autorin aus deiner Sicht die Lage "weitgehend richtig"?
Das es "unmöglich scheint über Gender-Theorien sachlich zu streiten" mag ja eine halbwegs treffende Analyse der Situation sein. Warum das so ist, ist aber eine Frage an beide Seiten der Diskussion.
Das sich "das biologische (!) Geschlecht" dekonstruieren liesse, bzw. das irgendjemand ernstzunehmend versucht dies zu tun, wäre mir neu. Was die Autorin vermutlich meint, ist die Dekonstruktion des, im Denken der Sachstandswahrer_innen fest an das biologische Geschlecht gekoppelten, sozialen Geschlechts, der Geschlechterrolle. Spannend wäre es, ihre Meinung zur Ableitung der 'Nicht-Gleichberechtigung' von Frauen aus dem biologischen Geschlecht zu hören. Das wurde in Deutschland immerhin bis in die 1960er Jahre von Seiten der Gesetzgebung getan, andernorts wird das noch heute so praktiziert. Ob sie das auch zurückhaben will?
Ich halte diesen Kommentar für hinterhältig, weil er, unter anderem über das eingefügte Bild der Demonstration der besorgniserregenden Eltern, eine Botschaft transportiert ohne sie zu benennen und, wie fast immer in diesem Zusammenhang, ohne einen gehaltvollen Alternativvorschlag zu machen. Das Begriffe unsachlich (falsch) verwendet werden, macht da auch nicht mehr viel aus.
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No more the drudge and idler ten that toil where one reposes
But the sharing of life's glories, Bread and Roses, Bread and Roses.
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Vivian Cologne
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Re: FAZ: Das gute Recht der Eltern
Ups, ich denke, dass die Autorin aus meiner Sicht die Lage weitgehend falsch beurteilt. Was nun?
Das macht die Autorin ja mit Absicht, schließlich führt die "FAZ" eine Kampagne gegen das ach so schlimme Gendering. Da soll auch in der konservativen Intelligenzija der Boden bereitet werden für den Kulturkampf gegen all das Trans- und Homo-Geschwurbel, das unsere Gesellschaft infiltriert. Verzeiht mir meine Sprache, aber so langsam bin ich es leid, mich mit deren Positiionen auseinanderzusetzen. Haben die keine Zeitmaschine, mit der sie in die Sechziger zurückreisen können, als alles besser war?
Im Artikel wird den Gender-Wissenschaftlern mangelnde Distanz zu ihrem Forschungsgegenstand vorgeworfen - als ob es schaden würde, wenn ich mich mit etwas auskenne ... Lustig! Und so ungelenk, wie es formuliert ist, wird daraus: "weil sie Frauen sind". Ist klar, die wahren Gender-Experten sind die Männer, wie die netten Kommentare unter dem Text auch zeigen.
Vivian
Das macht die Autorin ja mit Absicht, schließlich führt die "FAZ" eine Kampagne gegen das ach so schlimme Gendering. Da soll auch in der konservativen Intelligenzija der Boden bereitet werden für den Kulturkampf gegen all das Trans- und Homo-Geschwurbel, das unsere Gesellschaft infiltriert. Verzeiht mir meine Sprache, aber so langsam bin ich es leid, mich mit deren Positiionen auseinanderzusetzen. Haben die keine Zeitmaschine, mit der sie in die Sechziger zurückreisen können, als alles besser war?
Im Artikel wird den Gender-Wissenschaftlern mangelnde Distanz zu ihrem Forschungsgegenstand vorgeworfen - als ob es schaden würde, wenn ich mich mit etwas auskenne ... Lustig! Und so ungelenk, wie es formuliert ist, wird daraus: "weil sie Frauen sind". Ist klar, die wahren Gender-Experten sind die Männer, wie die netten Kommentare unter dem Text auch zeigen.
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Anne-Mette
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Re: FAZ: Das gute Recht der Eltern
Moin,
ich denke, diese Artikel arbeiten sehr erfolgreich daran, Unwahrheiten zu verbreiten. Dass sie damit erfolgreich sind, beweisen die zahlreichen Leserkommentare, z.B. "Wer kann denn bitte guten Gewissens sein Kind in die Schule schicken, wenn er weiss dass es dort umerzogen werden soll?".
Allerdings ist für mich die Frage, ob es sich um "echte Kommentare" handelt. Mag auch sein, dass sie von solchen Stellen befeuert werden, die ein großes Interesse daran haben, dass es nicht zu einer ehrlichen fachlichen Auseinandersetzung kommt.
Gruß
Anne-Mette
ich denke, diese Artikel arbeiten sehr erfolgreich daran, Unwahrheiten zu verbreiten. Dass sie damit erfolgreich sind, beweisen die zahlreichen Leserkommentare, z.B. "Wer kann denn bitte guten Gewissens sein Kind in die Schule schicken, wenn er weiss dass es dort umerzogen werden soll?".
Allerdings ist für mich die Frage, ob es sich um "echte Kommentare" handelt. Mag auch sein, dass sie von solchen Stellen befeuert werden, die ein großes Interesse daran haben, dass es nicht zu einer ehrlichen fachlichen Auseinandersetzung kommt.
Gruß
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Marielle
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Re: FAZ: Das gute Recht der Eltern
nochmals Hallo zusammen,
ich fürchte schon, dass die Kommentare ein Abbild der Bürger_innen-Meinung sind.
Zu meinem obigen Beitrag möchte ich noch was ergänzen:
Natürlich weiss ich, dass es tatsächlich auch Leute gibt, die über die (De-)Konstruktion des 'biologischen Geschlechts' nachdenken (die erwähnte J. Butler, J. Voss, A. Fausto-Sterling und andere). Daraus aber die Verallgemeinerung, "die" (sprich: alle...
Anhänger der Gender-Theorie nehmen an, dass sich das biologische Geschlecht bis zur Belanglosigkeit dekonstruieren lässt. Geschlechtsunterscheidungen wären dann nur die Ergebnisse sozialer Prägung, in den Augen der Gender-Theoretiker geradezu gewaltsame Zuschreibungen von Identität, häufig unter dem Diktat der Heterosexualität.
zu machen, ist genau die Art , die ein paar Zeilen weiter oben als "aggressive Form" angeprangert wird.
Wer über Butlers Ideen diskutieren will, soll das sagen. Da findet sich genug Diskussionsstoff. Wer aber informative, auf Gleichberechtigung zielende Unterrichtsinhalte ablehnt, soll das sagen. Darüber gibt es m.E. allerdings nichts zu diskutieren, solange auf einen ursprünglichen Vorschlag (dem damaligen Arbeitspapier zum Bildungsplan) nur Verunglimpfung und Desinformation folgt.
Marielle
ich fürchte schon, dass die Kommentare ein Abbild der Bürger_innen-Meinung sind.
Zu meinem obigen Beitrag möchte ich noch was ergänzen:
Natürlich weiss ich, dass es tatsächlich auch Leute gibt, die über die (De-)Konstruktion des 'biologischen Geschlechts' nachdenken (die erwähnte J. Butler, J. Voss, A. Fausto-Sterling und andere). Daraus aber die Verallgemeinerung, "die" (sprich: alle...
Anhänger der Gender-Theorie nehmen an, dass sich das biologische Geschlecht bis zur Belanglosigkeit dekonstruieren lässt. Geschlechtsunterscheidungen wären dann nur die Ergebnisse sozialer Prägung, in den Augen der Gender-Theoretiker geradezu gewaltsame Zuschreibungen von Identität, häufig unter dem Diktat der Heterosexualität.
zu machen, ist genau die Art , die ein paar Zeilen weiter oben als "aggressive Form" angeprangert wird.
Wer über Butlers Ideen diskutieren will, soll das sagen. Da findet sich genug Diskussionsstoff. Wer aber informative, auf Gleichberechtigung zielende Unterrichtsinhalte ablehnt, soll das sagen. Darüber gibt es m.E. allerdings nichts zu diskutieren, solange auf einen ursprünglichen Vorschlag (dem damaligen Arbeitspapier zum Bildungsplan) nur Verunglimpfung und Desinformation folgt.
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Sylvia
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Re: FAZ: Das gute Recht der Eltern
Hm, da ich wusste, dass sich Widerspruch regen würde, konnte ich mir gestern den Kommentar nicht verkneifen. Allerdings war ich gestern den kompletten Tag beruflich unterwegs, so dass ich erst jetzt dazu komme, wieder etwas dazu zu sagen.
Eure Antworten zeigen m.E. durchaus im Ansatz genau die Problematik der "unmöglichen Diskussion" über dieses Thema. Was bei Euch durchklingt, auch wenn es nicht explizit formuliert wird, ist eben genau das "jeder, der sich erlaubt, die Gender-Diskussion aufs Korn zu nehmen, ist ein homo- und wasweißichnichtwasnochalles-phobes A********...".
Das geht nach meinen Erfahrungen an der Wirklichkeit vorbei. Für die große Mehrheit der Menschen gehört "unser" Thema eben nicht zu ihrer Lebenswirklichkeit, entsprechend seltsam kommt es ihnen vor und entsprechend seltsam kommt ihnen auch der enorme Geldmitteleinsatz (Forschung) sowie das Überengagement vieler Vertreter von Genderthemen vor. In diesem Zusammenhang steht auch die Bemerkung über die Nähe der Forscher zu ihrem Thema. Wissenschaftlichkeit beruht auf professioneller Distanz. Die kann ich ehrlich gesagt bei den meisten Professixen, die sich öffentlich äußern, auch nicht erkennen. Diese Äußerung sind in der Regel durch und durch ideologisch und schaden damit m.E. (um jetzt mal auf den Punkt zu kommen) der Diskussion und "unserem" Anliegen, das doch sein sollte, nicht mehr als exotisch und seltsam wahrgenommen zu werden.
So viel für den Moment,
nix für ungut und beste Grüße,
Sylvia
Eure Antworten zeigen m.E. durchaus im Ansatz genau die Problematik der "unmöglichen Diskussion" über dieses Thema. Was bei Euch durchklingt, auch wenn es nicht explizit formuliert wird, ist eben genau das "jeder, der sich erlaubt, die Gender-Diskussion aufs Korn zu nehmen, ist ein homo- und wasweißichnichtwasnochalles-phobes A********...".
Das geht nach meinen Erfahrungen an der Wirklichkeit vorbei. Für die große Mehrheit der Menschen gehört "unser" Thema eben nicht zu ihrer Lebenswirklichkeit, entsprechend seltsam kommt es ihnen vor und entsprechend seltsam kommt ihnen auch der enorme Geldmitteleinsatz (Forschung) sowie das Überengagement vieler Vertreter von Genderthemen vor. In diesem Zusammenhang steht auch die Bemerkung über die Nähe der Forscher zu ihrem Thema. Wissenschaftlichkeit beruht auf professioneller Distanz. Die kann ich ehrlich gesagt bei den meisten Professixen, die sich öffentlich äußern, auch nicht erkennen. Diese Äußerung sind in der Regel durch und durch ideologisch und schaden damit m.E. (um jetzt mal auf den Punkt zu kommen) der Diskussion und "unserem" Anliegen, das doch sein sollte, nicht mehr als exotisch und seltsam wahrgenommen zu werden.
So viel für den Moment,
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Re: FAZ: Das gute Recht der Eltern
Hallo, Guten Tag,
wie sollte man auch ohne Widerspruch eine ordentliche Diskussion führen?
Nach meiner Auffassung argumentierst du gleich zu Beginn mit einer Behauptung (auch durch "m.E." kenntlich gemacht, ok), die schlicht falsch ist. Ich kann von mir und den beiden anderen, die sich hier beteiligt haben, sagen, dass wir sehr wohl an einer offenen Diskussion interessiert sind. Aber eben nicht in der Form, wie sie insbesondere von denen betrieben wird, die die Einführung dieser Themen in den Schulunterricht ablehnen. Zur Erinnerung: Es gab ein Arbeitspapier mit Vorschlägen, dass durch eine Reihe von Leuten nicht sachlich 'wegdiskutiert' wurde, sondern gegen das mit einer öffentlichen Petition (die zunächst so 'einseitig' formuliert war, dass ihr Wortlaut erheblich geändert werden musste) vorgegangen wurde. Seit dem wird, wieder aus meiner persönlichen Sicht, nahezu ausschliesslich mit unhaltbaren Argumenten und Behauptungen gearbeitet, ohne dass es irgendeinen sachlichen Vorschlag zur Annäherung gegeben hätte. Stattdessen werden abstruse Theorien verbreitet, von Sexspielen in Kindergärten bis hin zum Vorwurf der Pädophiliefreundlichkeit. Ich bin überzeugt davon, dass die meisten Menschen bereit sind, über Art und Umfang von Bildungsinhalten dieser Art zu reden; ich selbst bin es aber nicht, wenn man mich in die Nähe von Verbrechern stellt.
Zur Sache: Ich bin nicht der Ansicht, dass 'unser Thema' an der Lebenswirklichkeit der Leute vorbeigeht. Es sind schliesslich auch sie selbst und ihre Kinder, die einen, bestenfalls, fassungslos angucken, wenn man mit 'männlicher Physiognomie' und im Rock im Supermarkt steht. Das wäre auch für sich allein kein Problem; sollen sie gucken. Es sind aber auch deren Kinder die ihre Mitschüler_innen nicht 'nett' behandeln, wenn diese nicht 'normal' sind; da hört der Spass allerdings endgültig auf. Meiner Ansicht nach wünschen sich viele, dass vieles an ihrer Wirklichkeit vorbeigehen möge; das zeugte aber nicht grade von offenem Interesse an einer funktionierenden Gesellschaft gleichberechtigter Mitglieder_innen.
Über den Punkt der öffentlich finanzierten Gender-Forschung kann man diskutieren, keine Frage. Eine Frage ist aber, warum diese Diskussion von seiten der 'Gegner_innen' mit der Bildungsplandebatte verwoben wird. Haben die in ihrer, von einer natürliche Ordnung geprägten, Weltsicht so wenig Sachargumente, dass sie auf solche Hilfskonstrukte angewiesen sind? Ich denke, so ist es. Mit Staatskosten als 'Argument' lässt sich jede Debatte gut an die Stammtische bringen.
Unter der Überschrift "223 Professuren in 30 Fachgebieten" * schreibt Schmoll: "Ziel einer solchen Erziehung wäre, dass jeder Einzelne seine geschlechtliche Identität am Ende aus einer Vielzahl von Auswahlmöglichkeiten herauszufinden vermag. " Das hat erstens nichts mit den Professorengehältern zu tun und, viel prägnanter: Der Konjunktiv "wäre" bedeutet meiner Lesart nach, dass sie eben dieses Ziel ablehnt. Wie kann man damit aus ihrem Artikel den Willen zu einer sachlichen Diskussion ableiten?
Ich glaube tatsächlich nicht, dass es die grosse Masse der Bevölkerung ist, die so denkt. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass es naiv wäre, diese erkennbare Kampagne zu unterschätzen.
Habt einen guten Tag
Marielle
*) Wikipedia sagt: 2012 gab es an den 428 Hochschulen in Deutschland 43.862 Professoren. Davon sind 223 tatsächlich echte 0,51%...... sieht so ein vordringliches Problem für die Staatskasse oder das Bildungswesen aus?
wie sollte man auch ohne Widerspruch eine ordentliche Diskussion führen?
Nach meiner Auffassung argumentierst du gleich zu Beginn mit einer Behauptung (auch durch "m.E." kenntlich gemacht, ok), die schlicht falsch ist. Ich kann von mir und den beiden anderen, die sich hier beteiligt haben, sagen, dass wir sehr wohl an einer offenen Diskussion interessiert sind. Aber eben nicht in der Form, wie sie insbesondere von denen betrieben wird, die die Einführung dieser Themen in den Schulunterricht ablehnen. Zur Erinnerung: Es gab ein Arbeitspapier mit Vorschlägen, dass durch eine Reihe von Leuten nicht sachlich 'wegdiskutiert' wurde, sondern gegen das mit einer öffentlichen Petition (die zunächst so 'einseitig' formuliert war, dass ihr Wortlaut erheblich geändert werden musste) vorgegangen wurde. Seit dem wird, wieder aus meiner persönlichen Sicht, nahezu ausschliesslich mit unhaltbaren Argumenten und Behauptungen gearbeitet, ohne dass es irgendeinen sachlichen Vorschlag zur Annäherung gegeben hätte. Stattdessen werden abstruse Theorien verbreitet, von Sexspielen in Kindergärten bis hin zum Vorwurf der Pädophiliefreundlichkeit. Ich bin überzeugt davon, dass die meisten Menschen bereit sind, über Art und Umfang von Bildungsinhalten dieser Art zu reden; ich selbst bin es aber nicht, wenn man mich in die Nähe von Verbrechern stellt.
Zur Sache: Ich bin nicht der Ansicht, dass 'unser Thema' an der Lebenswirklichkeit der Leute vorbeigeht. Es sind schliesslich auch sie selbst und ihre Kinder, die einen, bestenfalls, fassungslos angucken, wenn man mit 'männlicher Physiognomie' und im Rock im Supermarkt steht. Das wäre auch für sich allein kein Problem; sollen sie gucken. Es sind aber auch deren Kinder die ihre Mitschüler_innen nicht 'nett' behandeln, wenn diese nicht 'normal' sind; da hört der Spass allerdings endgültig auf. Meiner Ansicht nach wünschen sich viele, dass vieles an ihrer Wirklichkeit vorbeigehen möge; das zeugte aber nicht grade von offenem Interesse an einer funktionierenden Gesellschaft gleichberechtigter Mitglieder_innen.
Über den Punkt der öffentlich finanzierten Gender-Forschung kann man diskutieren, keine Frage. Eine Frage ist aber, warum diese Diskussion von seiten der 'Gegner_innen' mit der Bildungsplandebatte verwoben wird. Haben die in ihrer, von einer natürliche Ordnung geprägten, Weltsicht so wenig Sachargumente, dass sie auf solche Hilfskonstrukte angewiesen sind? Ich denke, so ist es. Mit Staatskosten als 'Argument' lässt sich jede Debatte gut an die Stammtische bringen.
Unter der Überschrift "223 Professuren in 30 Fachgebieten" * schreibt Schmoll: "Ziel einer solchen Erziehung wäre, dass jeder Einzelne seine geschlechtliche Identität am Ende aus einer Vielzahl von Auswahlmöglichkeiten herauszufinden vermag. " Das hat erstens nichts mit den Professorengehältern zu tun und, viel prägnanter: Der Konjunktiv "wäre" bedeutet meiner Lesart nach, dass sie eben dieses Ziel ablehnt. Wie kann man damit aus ihrem Artikel den Willen zu einer sachlichen Diskussion ableiten?
Ich glaube tatsächlich nicht, dass es die grosse Masse der Bevölkerung ist, die so denkt. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass es naiv wäre, diese erkennbare Kampagne zu unterschätzen.
Habt einen guten Tag
Marielle
*) Wikipedia sagt: 2012 gab es an den 428 Hochschulen in Deutschland 43.862 Professoren. Davon sind 223 tatsächlich echte 0,51%...... sieht so ein vordringliches Problem für die Staatskasse oder das Bildungswesen aus?
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Sylvia
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Re: FAZ: Das gute Recht der Eltern
Ich glaube, Ihr macht es Euch zu einfach. Und begeht den gleichen Fehler, der im Artikel angesprochen wird und der interessanterweise auch in dem wirklich sehr gut geschriebenen Artikel über Vivian angesprochen wird: "Eine ausschließlich auf Büchern und Fußnoten beruhende Bildung sei gefährlich, so Wallace: "Das Gefährlichste an akademischer Bildung ist, dass es die Neigung zur Überinterpretation verstärkt."LaraC hat geschrieben:"Unmöglich" würde ich die Diskussion nicht unbedingt nennen. Das Problem ist doch viel eher, dass die meisten Kritiker keine Ahnung vom Thema, das sie kritisieren, haben. Sie wissen nicht, was da geforscht wird und worum es bei "der Gender-Debatte" (die es so als uniformen Block ja gar nicht gibt) überhaupt geht. Das bedeutet natürlich nicht, dass jeder Kritiker ein homophobes/misogynes A*loch ist. Aber da sie ganz oft ohne jegliches Hintergrundwissen (und ohne den Wunsch, es sich anzueignen, um qualifiziert an der Diskussion teilnehmen zu können) nur aus ihren Vorurteilen heraus "argumentieren", bleibt oft nicht viel mehr hängen als: "Nach meinem Bauchgefühl ist das schlecht." Und da scheinen eben oft die diesem Bauchgefühl zu Gründe liegende Vorurteile und Einstellungen durch: man will zurück zu einem Menschen-, Frauen-, Familien- und Sexualbild der 50er. Mit den dazugehörigen homophoben und misogynen Einstellungen.
Ich möchte mich hier Marielle anschließen: ich bin durchaus an einer echten Diskussion interessiert. Aber von der Seite der Kritiker wird nicht sachlich argumentiert, sondern vorurteilsbehaftet und teilweise mit falschen Behauptungen. Und auf der Ebene ist eine sinnvolle Diskussion tatsächlich unmöglich - was aber leider an den Kritikern liegt...
Natürlich gibt es die Stammtischbrüder, deren Horizont bei Fußball und Bier endet. Aber oft dienen die m.E. nur als Vorwand, um sich mit den Sorgen vieler Menschen gar nicht erst auseinandersetzen zu müssen. Denen wird dann generalisiert ein "Menschenbild der 50er" unterstellt und damit ist man als fortschrittlicher Mensch fein raus, weil man mit solchen Deppen ja nicht diskutieren kann.
Versteht mich nicht falsch, alles, was ich sagen will ist, dass m.E. die Tatsache, dass man sich als außerhalb der Mehrheit stehend wahrnimmt, häufig zu einer übersteigert egozentrischen Haltung führt, die die Berechtigung anderer Lebensentwürfe (nämlich derjenigen, über die man als "normal" spricht) negiert. Das ist ein "Anerkennung einfordern" aber selbst nicht in gleichem Maße ausüben. Und diese Haltung wird eben auch von vielen Nicht-Trans, CD etc.-Menschen so empfunden, auch daher kommt der Protest gegen die Bildungspläne von Tuider und Co..
Ich selbst bin da naturgemäß durchaus zwiegespalten. Natürlich wünsche ich mir oft, weibliche Kleidungsstücke anziehen zu können und damit rauszugehen, ohne, dass jemand blöd guckt oder doofe Bemerkungen macht. Trotzdem verstehe ich die Irritation und empfinde sie in der Regel auch nicht als aggressiv und dumm.
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Anne-Mette
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Re: FAZ: Das gute Recht der Eltern
Guten Morgen,
Ich habe gestern auf ein Interview mit Elisabeth Tuider verlinkt: http://www.crossdresser-forum.de/phpBB3 ... =57&t=9349
Einen Satz habe ich besonders herausgestellt: Ganz wichtig(!) Tuider: Unser Ansatz ist: Die Jugendlichen geben die Themen vor - nicht die pädagogisch Tätigen.
Ach ja, ein wenig Hintergrund-Info "was Jugendliche so sehen und machen" (ist leider viel zu kurz und natürlich nicht repräsentativ, aber es gibt auch andere Untersuchungen): http://www1.wdr.de/fernsehen/informatio ... en100.html
Gruß
Anne-Mette
Darum geht es meiner Meinung nach nicht - und schon überhaupt nicht "ausschließlich"."Eine ausschließlich auf Büchern und Fußnoten beruhende Bildung sei gefährlich, so Wallace: "Das Gefährlichste an akademischer Bildung ist, dass es die Neigung zur Überinterpretation verstärkt."
Ich habe gestern auf ein Interview mit Elisabeth Tuider verlinkt: http://www.crossdresser-forum.de/phpBB3 ... =57&t=9349
Einen Satz habe ich besonders herausgestellt: Ganz wichtig(!) Tuider: Unser Ansatz ist: Die Jugendlichen geben die Themen vor - nicht die pädagogisch Tätigen.
Ach ja, ein wenig Hintergrund-Info "was Jugendliche so sehen und machen" (ist leider viel zu kurz und natürlich nicht repräsentativ, aber es gibt auch andere Untersuchungen): http://www1.wdr.de/fernsehen/informatio ... en100.html
Gruß
Anne-Mette
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Re: FAZ: Das gute Recht der Eltern
Steht das bei mir irgendwo? Ich denke nicht"¦ Was soll der Quatsch mit den Fackeln und Heugabeln also? Hältst Du das für objektives Diskutieren? Genau davon rede ich: Die, die anderer Meinung sind, sind die mit Fackeln und Heugabeln. Von da ist es dann nur noch ein kleiner Schritt zur N-Keule.LaraC hat geschrieben:
Worüber ich allerdings nicht reden möchte, ist, dass Menschen dumm sind, Angst vor allem haben, was sie nicht kennen, und dann mit Fackeln und Heugabeln darauf losgehen. Das weiß ich schon. Akzeptieren kann und will ich es trotzdem nicht.
Zu Anne-Mette: "Die Jugendlichen geben die Themen vor"¦". Nein, geben sie eben nicht. Pläne werden von Pädagogen gemacht und dem Schulbetrieb übergestülpt. Anders kann eine einigermaßen auf einem Stand und Niveau befindliche Bildungsvermittlung ja auch nicht funktionieren. Wenn die Jugendlichen die Themen vorgeben würden, könnten sie im Rahmen der bisherigen Unterrichtsangebote Informationen zu den fraglichen Themenfeldern einfordern und der Lehrer wäre gefragt, diesem Informationsbedarf nachzukommen. Das passiert aber hier nicht. Hier wird an vielen Stellen sicher gut gemeinte Lobbyarbeit betrieben, die durch ihre Aufdringlichkeit letztlich mehr schadet als nützt.
Sorry, wenn ich mit diesen Anmerkungen die Einigkeit hier störe, aber ich denke, etwas mehr Distanz zum eigenen Thema tut immer gut und entspannt letztlich die Diskussion, die doch nun wirklich mehr als verfahren und verstockt ist. Und schuld sind eben nicht immer nur die Anderen"¦
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Anne-Mette
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Re: FAZ: Das gute Recht der Eltern
Moin,
Dabei kann ich auf eigene Erfahrungen zurückgreifen, bin Vater, Großvater und Pädagoge(gewesen).
Weiterhin war ich mehrere Jahre in der Elternvertretung (auch auf höherer Ebene) tätig.
... und habe Pädagogen in meinem nahen Umfeld, die immer noch in diesem Bereich tätig sind.
Ich habe mir meine Informationen nicht aus "zweiter Hand" angelesen.
Natürlich ist vieles Mist, was an den Schulen läuft und was von "oben" verordnet wird, aber nicht alles - und Miss-Stände sollten Punkt für Punkt erörtert werden und nicht in einem "Gesamtpaket".
Gruß
Anne-Mette
Ich will mich nicht mit Dir streiten, aber da habe ich andere Erfahrungen gemacht.Pläne werden von Pädagogen gemacht und dem Schulbetrieb übergestülpt. Anders kann eine einigermaßen auf einem Stand und Niveau befindliche Bildungsvermittlung ja auch nicht funktionieren.
Dabei kann ich auf eigene Erfahrungen zurückgreifen, bin Vater, Großvater und Pädagoge(gewesen).
Weiterhin war ich mehrere Jahre in der Elternvertretung (auch auf höherer Ebene) tätig.
... und habe Pädagogen in meinem nahen Umfeld, die immer noch in diesem Bereich tätig sind.
Ich habe mir meine Informationen nicht aus "zweiter Hand" angelesen.
Natürlich ist vieles Mist, was an den Schulen läuft und was von "oben" verordnet wird, aber nicht alles - und Miss-Stände sollten Punkt für Punkt erörtert werden und nicht in einem "Gesamtpaket".
Gruß
Anne-Mette
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Re: FAZ: Das gute Recht der Eltern
Hallo, Guten Tag zusammen,
hast ja Recht Lara; aber immerhin diskutieren wir
Auch wenn es keinen direkten Einfluss auf Bildungspläne u.ä. hat, es wird uns trotzdem schon weiterbringen. Und sei es nur bei der eigenen Meinungsbildung.
Silvia: Das du annimmst, ich (wir) machte es mir zu einfach, mag daran liegen, dass relativ kurze Forenbeiträge kein ganzes Bild von einer Person und ihren Ansichten hergeben. Im Grund glaube ich nämlich, dass unsere ursprünglichen Standpunkte gar nicht weit von einander entfernt sind. Die von dir erwähnten Irritationen kenne ich aus eigener Anschauung, sowohl von fremden Menschen als auch von Personen aus meinem nahen Umfeld. Das sie weit überwiegend, sogar nahezu ausschliesslich, nicht physisch aggressiv sind stimmt. Sie sind aber zu oft geeignet, um Menschen stark einzuschränken oder gar leiden zu lassen. Um das zu sehen muss man nur ein wenig in diesem Forum lesen. Es gibt Irritationen, diese sind nachvollziehbar, richten aber auch Schaden an. Können wir insoweit einen Konsens erzielen?
Wenn 'Ja', was wäre dann zu tun, um den Schaden so zu beseitigen, dass niemand anderem daraus ein Schaden entsteht? Meiner Ansicht und Erfahrung nach braucht es oft nur ein paar Worte, ein paar Informationen um diese Irritationen aufzulösen. Und so geht es beispielsweise auch aus diesem wunderbaren Artikel von Vivians Kollegen hervor. Er musste 'nur' mit ihr reden, um eine (so habe ich es aus dem Artikel gelesen) respektvolle Sicht auf ihre Person zu entwickeln.
Wir treffen meistens auf Menschen, die wenig bis nichts über uns wissen. Das führt dann nachvollziehbar zu Fragezeichen im Kopf, zu Irritationen, zu Unverständnis, weil wir uns 'normabweichend' verhalten. Darin unterscheidet sich der 'jugendlich pubertierende Rotzlöffel' erstmal kein bischen von dem 'weltoffen gebildeten Journalisten'. Ein Unterschied entsteht aber aus der Reaktion dieser Menschen auf uns. Sind sie, z.B. aufgrund einer näheren Beziehung zu der jeweiligen Person (wie Vivians Kollege), interessiert und offen genug um selbst Fragen zu stellen? Das ist der Ideal-Zustand, den man erhoffen, aber nicht erwarten darf. Sind sie einfach passiv desinteressiert, weil sie keinerlei Berührungspunkte zu der Person sehen? Auch gut, leben und leben lassen. Oder, und sage niemand das gäbe es nicht, sind sie aktiv ablehnend? Dann muss man doch selbst die Frage stellen, warum sie uns ablehnen: Weil sie nicht an einer liberalen, pluralen, offenen Gesellschaft interessiert sind bzw. eben diese ablehnen? Oder nur weil wir ihnen fremd sind?
Letzteres lässt sich, völlig unabhängig vom Bildungsstand, vermutlich weitgehend durch Information beheben. Das war und ist meiner Ansicht nach das vernünftige Ziel des Arbeitspapiers zum Bildungsplan. Und zwar gar nicht nur, um über die Lebensentwürfe und -weisen einiger 'merkwürdiger' Erwachsener zu informieren, sondern insbesondere um Schüler_innen für sich selbst und ihre Klassenkamerad_innen zu sensibilisieren, die sich nicht in der 'Norm' wiederfinden können, weil sie schwul oder lesbisch sind oder sich mit der ihnen zugeschriebenen Geschlechtlichkeit nicht identifizieren können. Wie das den Schüler_innen einen Schaden zufügen soll, ist für mich nicht ersichtlich. An dem Ansatz, entsprechende Informationen in die Schule zu tragen, kann ich deshalb nichts schlechtes erkennen. Auch dann nicht, wenn ich mich versuchsweise auf den Standpunkt eines erzkonservativen Elternteils stelle, der aber wenigstens einen Rest von einem demokratischen, gleichberechtigten Gesellschaftsmodell im Kopf hat und der sich sicher ist, seinen Kindern eine stabile Persönlichkeit vermittelt zu haben.
Wenn wir unseren Kindern wirklich nicht zutrauen, sich angesichts der Information das es trans*-Menschen und homosexuelle Menschen gibt und das diese 'ungefährlich' und eben auch gleichberechtigte Menschen sind, für sich selbst für eine eindeutig 'weibliche' oder 'männliche' Identifikation und für eine heterosexuelle Ausrichtung zu entscheiden, dann müssten wir mal grundlegend über die elterlichen Fähigkeiten zur Persönlichkeitsbildung ihrer Kinder diskutieren. Und dann wäre die Debatte um den Bildungsplaninhalt wirklich akademisch.
noch etwas persönliches:
Ich sehe die Debatte als notwendige Form der Meinungsbildung in einer demokratischen Gesellschaft. Es gibt einen Vorschlag, der muss diskutiert, abgewogen und geändert werden, damit am Ende eine konsensfähige Lösung herauskommt. Ich bin aber auch der Überzeugung, dass es in dieser Debatte Leute gibt, die gar nicht an einem Konsens interessiert sind. Anders kann ich mir manche Einlassung, u.a. die von Fleischhauer auf Spon und die von Schmoll bei FAZ-Online und auch einzelne hier im Forum, nicht erklären. Meine Befürchtung ist, dass es manchen eigentlich gar nicht primär um das Thema selbst geht, sondern darum, ihre Vorstellungen eines neokonservativen Gesellschaftsmodells einzubringen. Und das macht mir genügend grosse Sorgen, um mich in der Debatte viel weiter von der Mitte entfernt zu platzieren, als ich es eigentlich möchte.
Dazu könnte man sagen: 'Das tun 'die anderen' auch und genau daraus entstehen die Agressivitäten in der Diskussion.' Stimmt, genau so ist das leider. Diesbetreffend nehme ich für mich, auch hinsichtlich der Diskussionen hier im Forum, aber in Anspruch immer wieder nach Erläuterungen gefragt zu haben, um Standpunkte zu verstehen. Antworten darauf sind bisher leider meist ausgeblieben; die Mit-Diskutant_innen zogen sich lieber zurück, als an Verständnis und Konsens zu arbeiten.
Man kann mich vielleicht paranoid nennen, von mir aus, aber angesichts dessen was auf der Strasse, in manchen Vereinen und Parteien und in Internetforen an kruden Ideen und Ansichten über gesellschaftliches Zusammenleben zunehmend lautstark verbreitet wird, bin ich lieber etwas paranoid, als zu spät festzustellen, dass die wenigen die es jetzt sind die breite Mitte für sich vereinnahmt haben. Ich mache es mir nicht nur einfach, ich versuche im Rahmen meiner Möglichkeiten die 'Mitte' für uns zu vereinnahmen. Dort wird nämlich entschieden, ob wir weiterhin in Ruhe shoppen gehen können oder nicht.
habt es gut, macht es besser
Marielle
hast ja Recht Lara; aber immerhin diskutieren wir
Silvia: Das du annimmst, ich (wir) machte es mir zu einfach, mag daran liegen, dass relativ kurze Forenbeiträge kein ganzes Bild von einer Person und ihren Ansichten hergeben. Im Grund glaube ich nämlich, dass unsere ursprünglichen Standpunkte gar nicht weit von einander entfernt sind. Die von dir erwähnten Irritationen kenne ich aus eigener Anschauung, sowohl von fremden Menschen als auch von Personen aus meinem nahen Umfeld. Das sie weit überwiegend, sogar nahezu ausschliesslich, nicht physisch aggressiv sind stimmt. Sie sind aber zu oft geeignet, um Menschen stark einzuschränken oder gar leiden zu lassen. Um das zu sehen muss man nur ein wenig in diesem Forum lesen. Es gibt Irritationen, diese sind nachvollziehbar, richten aber auch Schaden an. Können wir insoweit einen Konsens erzielen?
Wenn 'Ja', was wäre dann zu tun, um den Schaden so zu beseitigen, dass niemand anderem daraus ein Schaden entsteht? Meiner Ansicht und Erfahrung nach braucht es oft nur ein paar Worte, ein paar Informationen um diese Irritationen aufzulösen. Und so geht es beispielsweise auch aus diesem wunderbaren Artikel von Vivians Kollegen hervor. Er musste 'nur' mit ihr reden, um eine (so habe ich es aus dem Artikel gelesen) respektvolle Sicht auf ihre Person zu entwickeln.
Wir treffen meistens auf Menschen, die wenig bis nichts über uns wissen. Das führt dann nachvollziehbar zu Fragezeichen im Kopf, zu Irritationen, zu Unverständnis, weil wir uns 'normabweichend' verhalten. Darin unterscheidet sich der 'jugendlich pubertierende Rotzlöffel' erstmal kein bischen von dem 'weltoffen gebildeten Journalisten'. Ein Unterschied entsteht aber aus der Reaktion dieser Menschen auf uns. Sind sie, z.B. aufgrund einer näheren Beziehung zu der jeweiligen Person (wie Vivians Kollege), interessiert und offen genug um selbst Fragen zu stellen? Das ist der Ideal-Zustand, den man erhoffen, aber nicht erwarten darf. Sind sie einfach passiv desinteressiert, weil sie keinerlei Berührungspunkte zu der Person sehen? Auch gut, leben und leben lassen. Oder, und sage niemand das gäbe es nicht, sind sie aktiv ablehnend? Dann muss man doch selbst die Frage stellen, warum sie uns ablehnen: Weil sie nicht an einer liberalen, pluralen, offenen Gesellschaft interessiert sind bzw. eben diese ablehnen? Oder nur weil wir ihnen fremd sind?
Letzteres lässt sich, völlig unabhängig vom Bildungsstand, vermutlich weitgehend durch Information beheben. Das war und ist meiner Ansicht nach das vernünftige Ziel des Arbeitspapiers zum Bildungsplan. Und zwar gar nicht nur, um über die Lebensentwürfe und -weisen einiger 'merkwürdiger' Erwachsener zu informieren, sondern insbesondere um Schüler_innen für sich selbst und ihre Klassenkamerad_innen zu sensibilisieren, die sich nicht in der 'Norm' wiederfinden können, weil sie schwul oder lesbisch sind oder sich mit der ihnen zugeschriebenen Geschlechtlichkeit nicht identifizieren können. Wie das den Schüler_innen einen Schaden zufügen soll, ist für mich nicht ersichtlich. An dem Ansatz, entsprechende Informationen in die Schule zu tragen, kann ich deshalb nichts schlechtes erkennen. Auch dann nicht, wenn ich mich versuchsweise auf den Standpunkt eines erzkonservativen Elternteils stelle, der aber wenigstens einen Rest von einem demokratischen, gleichberechtigten Gesellschaftsmodell im Kopf hat und der sich sicher ist, seinen Kindern eine stabile Persönlichkeit vermittelt zu haben.
Wenn wir unseren Kindern wirklich nicht zutrauen, sich angesichts der Information das es trans*-Menschen und homosexuelle Menschen gibt und das diese 'ungefährlich' und eben auch gleichberechtigte Menschen sind, für sich selbst für eine eindeutig 'weibliche' oder 'männliche' Identifikation und für eine heterosexuelle Ausrichtung zu entscheiden, dann müssten wir mal grundlegend über die elterlichen Fähigkeiten zur Persönlichkeitsbildung ihrer Kinder diskutieren. Und dann wäre die Debatte um den Bildungsplaninhalt wirklich akademisch.
noch etwas persönliches:
Ich sehe die Debatte als notwendige Form der Meinungsbildung in einer demokratischen Gesellschaft. Es gibt einen Vorschlag, der muss diskutiert, abgewogen und geändert werden, damit am Ende eine konsensfähige Lösung herauskommt. Ich bin aber auch der Überzeugung, dass es in dieser Debatte Leute gibt, die gar nicht an einem Konsens interessiert sind. Anders kann ich mir manche Einlassung, u.a. die von Fleischhauer auf Spon und die von Schmoll bei FAZ-Online und auch einzelne hier im Forum, nicht erklären. Meine Befürchtung ist, dass es manchen eigentlich gar nicht primär um das Thema selbst geht, sondern darum, ihre Vorstellungen eines neokonservativen Gesellschaftsmodells einzubringen. Und das macht mir genügend grosse Sorgen, um mich in der Debatte viel weiter von der Mitte entfernt zu platzieren, als ich es eigentlich möchte.
Dazu könnte man sagen: 'Das tun 'die anderen' auch und genau daraus entstehen die Agressivitäten in der Diskussion.' Stimmt, genau so ist das leider. Diesbetreffend nehme ich für mich, auch hinsichtlich der Diskussionen hier im Forum, aber in Anspruch immer wieder nach Erläuterungen gefragt zu haben, um Standpunkte zu verstehen. Antworten darauf sind bisher leider meist ausgeblieben; die Mit-Diskutant_innen zogen sich lieber zurück, als an Verständnis und Konsens zu arbeiten.
Man kann mich vielleicht paranoid nennen, von mir aus, aber angesichts dessen was auf der Strasse, in manchen Vereinen und Parteien und in Internetforen an kruden Ideen und Ansichten über gesellschaftliches Zusammenleben zunehmend lautstark verbreitet wird, bin ich lieber etwas paranoid, als zu spät festzustellen, dass die wenigen die es jetzt sind die breite Mitte für sich vereinnahmt haben. Ich mache es mir nicht nur einfach, ich versuche im Rahmen meiner Möglichkeiten die 'Mitte' für uns zu vereinnahmen. Dort wird nämlich entschieden, ob wir weiterhin in Ruhe shoppen gehen können oder nicht.
habt es gut, macht es besser
Marielle
As we go marching, marching, we bring the greater days
For the rising of the women, means the rising of the race
No more the drudge and idler ten that toil where one reposes
But the sharing of life's glories, Bread and Roses, Bread and Roses.
For the rising of the women, means the rising of the race
No more the drudge and idler ten that toil where one reposes
But the sharing of life's glories, Bread and Roses, Bread and Roses.
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nicole.f
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Re: FAZ: Das gute Recht der Eltern
Vor allem aus zeitlichen Gründen kann ich gerade nicht voll in diese Diskussion mit einsteigen - die ich ansonsten aber im Grundsatz sehr befürworte!
Ein Teil des zitierten Artikels spricht mich aber persönlich an und daher wollte ich darauf kurz eingehen:
"
...das biologische Geschlecht bis zur Belanglosigkeit dekonstruieren...
"
Noch bevor ich Judith Butler, Riki Wilchins und andere überhaupt kannte oder gar ihre Bücher gelesen hatte, machte ich eigentlich genau das, ich dekonstruierte für mich "Geschlecht" - nicht nur das Biologische und auch nicht bis zur Belanglosigkeit. Für mich war es damals von großer Wichtigkeit herauszufinden, was denn mit Geschlecht überhaupt gemeint ist und was dessen tiefere Natur und Beschaffenheit ist. Ich hoffte darin die Antwort auf die große Frage zu finden: Was bin ich? Mann oder Frau?
Das Resultat ist unerwartet und nachhaltig. Ich sehe mich seit dem nicht mehr in der Lage, Mann und Frau klar zu definieren. Ich weiß wohl, was männlich und was weiblich ist. Genauer müsste man eigentlich sagen, was männlicher und was weiblicher ist, denn auch diese beiden Begriffe sind nicht klar zu definieren. Was aber nun Mann und Frau, _den_ Mann und _die_ Frau, ausmacht, vermag ich seitdem nicht mehr zu sagen. Einen Teil dieser Dekonstruktion habe ich sienerzeit in meinem Vortrag "Hacking Gender" anlässlich meines letzten großen Outings verarbeitet:
http://hasi.it/talk/2014/05/22/Hacking_Gender.html
Ich kann auch heute nicht sagen, ob ich Mann oder Frau bin, wohl aber, dass ich mich deutlich weiblicher als männlich fühle. Doch macht mich dies bereits zur Frau?
In der Folge führte es mich auch dazu, dass ich heute ein kleines Problem habe. Auf der einen Seite kann ich mich selbst nicht völlig als Frau definieren, wäre allerdings dennoch reichlich säuerlich, wenn man mich als Mann identifizieren würde. Macht mich dies dann zur Frau?
Ich glaube nicht.
Ich halte die Dekonstruktion des Geschlechtsbegriffes für enorm wichtig. Wir haben alle ein viel zu dumpf-diffuses Bild von Geschlecht. Schlimmer noch sind sich die meisten über die Implikationen daraus gar nicht wirklich bewusst. Auf der anderen Seite wissen aber gerade wir Trans-Menschen sehr gut, dass es nicht so eindimensional und binär ist, wie man es gerne erscheinen lassen möchte.
Was mich eigentlich am meisten wundert ist, dass selbst die Gender-Studies an den Universitäten in der Regel das Geschlecht als solches gar nicht in Frage stellen. Schaue ich mir bspw. das Vorlesungsverzeichnis und die Veröffentlichungen in Siegen zu dem Thema an, so geht es fast ausschließlich um Gleichstellung. Ohne Zweifel ist das auch wichtig und Teil dessen, was man hier untersuchen sollte. Aber warum nur taucht da praktisch nichts auf, was einmal einen Einblick darin verschaffen könnte, woraus denn dieses "Geschlecht" besteht oder bestehen könnte?
Denn schlussendlich ist dies eine sehr grundsätzliche Frage, der auch wir uns stellen sollten. In dem wir tun, was wir tun und uns dazu geradewegs gezwungen sehen es zu tun, was sagt dies über die Natur von Geschlecht aus?
Das ist schon ein ganz schön vetracktes Ding...
Mein persönlicher Schluss dazu ist es bisher, ich pfeiffe auf _das_ Geschlecht. Zuallererst bin ich ich, eine Person und Persönlichkeit mit bestimmten Eigenschaften. Dritte nehmen mich nun in der Summe als Frau wahr, und das ist mir recht. Aber ich zeige keine Eigenschaften oder passe mich bewusst an etwas an, nur um damit möglicherweise verbundene Erwartungen zu erfüllen. Einziger Hasenfuß daran ist, warum fühle ich mich dennoch angekratzt, wenn jemand "er" zu mir sagt? Darauf weiß ich noch keine schlaue Antwort, denn eigentlich könnte es mir doch egal sein?
Die Dekonstruktion von Geschlecht, die ich für mich selbst betrieben habe, hat mich befreit. Sie hat es mir erst ermöglicht, mich über meine Biologie zu erheben. Erwartungen, die eigenen und auch fremde, konnte ich damit getrost fahren lassen, denn danach wusste ich, an welche Prämissen diese gebunden waren. Prämissen, von denen ich damit erkannte, dass sie nicht auf mich zutrafen.
Ich würde mir wünschen, dass sich alle Menschen damit einmal auseinandersetzten - in dem gleichen Maße, wie man alles scheinbar Selbstverständliche hinterfragen sollte. Ich denke, nur so kann der Weg zu breiter wahrer Akzeptanz führen. Toleranz ist mir eigentlich zu wenig.
Liebe Grüße
nicole
Ein Teil des zitierten Artikels spricht mich aber persönlich an und daher wollte ich darauf kurz eingehen:
"
...das biologische Geschlecht bis zur Belanglosigkeit dekonstruieren...
"
Noch bevor ich Judith Butler, Riki Wilchins und andere überhaupt kannte oder gar ihre Bücher gelesen hatte, machte ich eigentlich genau das, ich dekonstruierte für mich "Geschlecht" - nicht nur das Biologische und auch nicht bis zur Belanglosigkeit. Für mich war es damals von großer Wichtigkeit herauszufinden, was denn mit Geschlecht überhaupt gemeint ist und was dessen tiefere Natur und Beschaffenheit ist. Ich hoffte darin die Antwort auf die große Frage zu finden: Was bin ich? Mann oder Frau?
Das Resultat ist unerwartet und nachhaltig. Ich sehe mich seit dem nicht mehr in der Lage, Mann und Frau klar zu definieren. Ich weiß wohl, was männlich und was weiblich ist. Genauer müsste man eigentlich sagen, was männlicher und was weiblicher ist, denn auch diese beiden Begriffe sind nicht klar zu definieren. Was aber nun Mann und Frau, _den_ Mann und _die_ Frau, ausmacht, vermag ich seitdem nicht mehr zu sagen. Einen Teil dieser Dekonstruktion habe ich sienerzeit in meinem Vortrag "Hacking Gender" anlässlich meines letzten großen Outings verarbeitet:
http://hasi.it/talk/2014/05/22/Hacking_Gender.html
Ich kann auch heute nicht sagen, ob ich Mann oder Frau bin, wohl aber, dass ich mich deutlich weiblicher als männlich fühle. Doch macht mich dies bereits zur Frau?
In der Folge führte es mich auch dazu, dass ich heute ein kleines Problem habe. Auf der einen Seite kann ich mich selbst nicht völlig als Frau definieren, wäre allerdings dennoch reichlich säuerlich, wenn man mich als Mann identifizieren würde. Macht mich dies dann zur Frau?
Ich glaube nicht.
Ich halte die Dekonstruktion des Geschlechtsbegriffes für enorm wichtig. Wir haben alle ein viel zu dumpf-diffuses Bild von Geschlecht. Schlimmer noch sind sich die meisten über die Implikationen daraus gar nicht wirklich bewusst. Auf der anderen Seite wissen aber gerade wir Trans-Menschen sehr gut, dass es nicht so eindimensional und binär ist, wie man es gerne erscheinen lassen möchte.
Was mich eigentlich am meisten wundert ist, dass selbst die Gender-Studies an den Universitäten in der Regel das Geschlecht als solches gar nicht in Frage stellen. Schaue ich mir bspw. das Vorlesungsverzeichnis und die Veröffentlichungen in Siegen zu dem Thema an, so geht es fast ausschließlich um Gleichstellung. Ohne Zweifel ist das auch wichtig und Teil dessen, was man hier untersuchen sollte. Aber warum nur taucht da praktisch nichts auf, was einmal einen Einblick darin verschaffen könnte, woraus denn dieses "Geschlecht" besteht oder bestehen könnte?
Denn schlussendlich ist dies eine sehr grundsätzliche Frage, der auch wir uns stellen sollten. In dem wir tun, was wir tun und uns dazu geradewegs gezwungen sehen es zu tun, was sagt dies über die Natur von Geschlecht aus?
Das ist schon ein ganz schön vetracktes Ding...
Mein persönlicher Schluss dazu ist es bisher, ich pfeiffe auf _das_ Geschlecht. Zuallererst bin ich ich, eine Person und Persönlichkeit mit bestimmten Eigenschaften. Dritte nehmen mich nun in der Summe als Frau wahr, und das ist mir recht. Aber ich zeige keine Eigenschaften oder passe mich bewusst an etwas an, nur um damit möglicherweise verbundene Erwartungen zu erfüllen. Einziger Hasenfuß daran ist, warum fühle ich mich dennoch angekratzt, wenn jemand "er" zu mir sagt? Darauf weiß ich noch keine schlaue Antwort, denn eigentlich könnte es mir doch egal sein?
Die Dekonstruktion von Geschlecht, die ich für mich selbst betrieben habe, hat mich befreit. Sie hat es mir erst ermöglicht, mich über meine Biologie zu erheben. Erwartungen, die eigenen und auch fremde, konnte ich damit getrost fahren lassen, denn danach wusste ich, an welche Prämissen diese gebunden waren. Prämissen, von denen ich damit erkannte, dass sie nicht auf mich zutrafen.
Ich würde mir wünschen, dass sich alle Menschen damit einmal auseinandersetzten - in dem gleichen Maße, wie man alles scheinbar Selbstverständliche hinterfragen sollte. Ich denke, nur so kann der Weg zu breiter wahrer Akzeptanz führen. Toleranz ist mir eigentlich zu wenig.
Liebe Grüße
nicole
Ich bin trans* - und das ist gut so!
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Lukretia
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Re: FAZ: Das gute Recht der Eltern
Das kann im Einzelfall geschehen. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass wir Ausnahmen, Besonderheiten, wenn man so will, eine Spielart der Natur sind. Dadurch sind wir nicht weniger wert als andere Menschen. Aber wir dürfen uns nicht zum Maßstab für alle machen. Dadurch, dass wir zwischen den Geschlechtern schillern und geschlechtliche Dekonstruktion betreiben (können), werden die von anderen gelebten Kategorien männlich und weiblich nicht aufgehoben. Meine Meinung.Die Dekonstruktion von Geschlecht, die ich für mich selbst betrieben habe, hat mich befreit. Sie hat es mir erst ermöglicht, mich über meine Biologie zu erheben.
Lukretia