Ein ganzer Kerl im Rock - # 2
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Lukretia
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Re: Ein ganzer Kerl im Rock
Hallo,
als Ergänzung des Themas "Provokation durch auffallendes und von der Norm abweichendes Äußeres" möchte ich noch auf zwei Aspekte hinweisen.
1. Die von mir schon erwähnte Schizotypische Persönlichkeitsstörung (siehe Wikipedia). Wenn ein Mensch in seinem Äußeren stark mit seiner Umgebung kontrastiert, k a n n das unter Umständen an einer psychischen Störung liegen. Wir alle haben schon seltsame Typen gesehen, die sofort auffallen und bei denen man sofort merkt, dass mit ihnen was nicht stimmt. Das hat nichts mit Transsexualität zu tun. Zum Beispiel Personen, die ungepflegt und ungewaschen sind, die unmögliche, verschlissene und nicht zu einander passende Kleidungsstücke tragen (hierbei ist nicht in erster Linie an Clochards gedacht), die in einem unmöglichen Aufzug irgendwo erscheinen, wo man so nicht erscheinen darf und die, und jetzt kommt das Entscheidende, das entweder gar nicht wahrnehmen oder die es nicht stört, weil sie in einer Eigenwelt leben.
2. Der von Triona in ihrem Aufsatz schon erwähnte Karneval. Ich komme aus dem Rheinland und erinnere mich als Kind aus der Zeit um 1960 an den in einer volkskundlichen Untersuchung beschriebenen "anarchistischen" Karneval, der in wilden Verkleidungsorgien (ohne transsexuellen Hintergrund) mündete. Ich habe Bilder gesehen, wo gestandene Männer mehrere voluminöse Mieder, Korsetts und Büstenhalter ihrer Frauen oder Mütter/Schwiegermütter offen, also unbedeckt (und unausgefüllt), übereinander trugen und so in die Öffentlichkeit gingen. Alle lachten. Darüber regte sich niemand auf. Heute ist das schon lange nicht mehr üblich. Ich müsste mal schauen, ob ich die angesprochene volkskundliche Untersuchung dazu noch finde.
Lukretia
als Ergänzung des Themas "Provokation durch auffallendes und von der Norm abweichendes Äußeres" möchte ich noch auf zwei Aspekte hinweisen.
1. Die von mir schon erwähnte Schizotypische Persönlichkeitsstörung (siehe Wikipedia). Wenn ein Mensch in seinem Äußeren stark mit seiner Umgebung kontrastiert, k a n n das unter Umständen an einer psychischen Störung liegen. Wir alle haben schon seltsame Typen gesehen, die sofort auffallen und bei denen man sofort merkt, dass mit ihnen was nicht stimmt. Das hat nichts mit Transsexualität zu tun. Zum Beispiel Personen, die ungepflegt und ungewaschen sind, die unmögliche, verschlissene und nicht zu einander passende Kleidungsstücke tragen (hierbei ist nicht in erster Linie an Clochards gedacht), die in einem unmöglichen Aufzug irgendwo erscheinen, wo man so nicht erscheinen darf und die, und jetzt kommt das Entscheidende, das entweder gar nicht wahrnehmen oder die es nicht stört, weil sie in einer Eigenwelt leben.
2. Der von Triona in ihrem Aufsatz schon erwähnte Karneval. Ich komme aus dem Rheinland und erinnere mich als Kind aus der Zeit um 1960 an den in einer volkskundlichen Untersuchung beschriebenen "anarchistischen" Karneval, der in wilden Verkleidungsorgien (ohne transsexuellen Hintergrund) mündete. Ich habe Bilder gesehen, wo gestandene Männer mehrere voluminöse Mieder, Korsetts und Büstenhalter ihrer Frauen oder Mütter/Schwiegermütter offen, also unbedeckt (und unausgefüllt), übereinander trugen und so in die Öffentlichkeit gingen. Alle lachten. Darüber regte sich niemand auf. Heute ist das schon lange nicht mehr üblich. Ich müsste mal schauen, ob ich die angesprochene volkskundliche Untersuchung dazu noch finde.
Lukretia
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conny
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Re: Ein ganzer Kerl im Rock
@triona,
natürlich hast du damit recht, dass "normabweichende" kleidung oft besondere beachtung findet. wenn man den crossdresser-begriff jedoch soweit dehnt, dass viel mehr als das tragen der gegengeschlechtlichen kleidung darunter subsummiert werden kann, ist m.e. unserer sache aber auch nicht gedient.
natürlich hast du damit recht, dass "normabweichende" kleidung oft besondere beachtung findet. wenn man den crossdresser-begriff jedoch soweit dehnt, dass viel mehr als das tragen der gegengeschlechtlichen kleidung darunter subsummiert werden kann, ist m.e. unserer sache aber auch nicht gedient.
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triona
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Re: Ein ganzer Kerl im Rock
conny hat geschrieben:@triona,
natürlich hast du damit recht, dass "normabweichende" kleidung oft besondere beachtung findet. wenn man den crossdresser-begriff jedoch soweit dehnt, dass viel mehr als das tragen der gegengeschlechtlichen kleidung darunter subsummiert werden kann, ist m.e. unserer sache aber auch nicht gedient.
Ich finde, das ist Ansichtssache.
Ich geh jedenfalls möglichst von den gesellschaftlichen Wirkungszusammenhängen aus, und vesuche auch immer einen möglichst ganzheitlichen Denkansatz zu verwirklichen, von dem aus dann alle möglichen unterschiedlichen Einzelgesichtspunkte und Erscheinungsformen einer Sache untersucht werden können.
Ob es sich allerdings lohnt, gerade über diesen Gesichtspunkt des Ganzen zu streiten d.h. über die Zweckdienlichkeit dieser Begriffserweiterung und deren Nutzen oder Schaden für wen auch immer, ist fraglich. Halte ich aber für eher zweifelhaft.
Gäbe wahrscheinl lohnendere Gesichtspunkte dabei. Z.B. den von Lukretia erwähnten Gesichtpunkt der psychischen Erkrankungen. Werden doch von vielen Menschen alle Crossdresser / TV, Geschlechts- und andere Rollenverbieger usw, und erst recht alle TS, und bisweilen auch heute noch Homosexuelle zumindest in die Nähe von psychisch Kranken gerückt oder auch offen als solche bezeichnet. Manche "Betroffene" glauben oder glaubten das ja sogar selber. Nicht zuletzt der ganze ICD (= "Krankheitskatalog" der Weltgesundheitsorganisation, hier die Diagnosen F64.0, F64.1, F64.9, F65.1 und andere) ist durchdrungen von diesem Ansatz. Die Erwähnung von Menschen, die an solchen "Paraphilien leiden" werden da auch schon mal gerne in einem Atemzug mit Kinderschändern, "Lustmördern", und anderen Kriminellen genannt, oder untrennbar mit gewerbsmäßiger Prostitution und Pornoindustrie und deren Auswüchse in Zusammenhang gebracht.
Auch über meinen Versuch einer femistischen Beleuchtung des Themas würde ich gerne streiten. Er wurde ja schon an anderen Stellen des weltweiten Netzes und auch in meinem persönlichen Umfeld öfters mehr oder weniger heftig in Frage gestellt. Wobei dieser Gesichtspunkt natürlich nicht unbedingt hier an dieser Stelle erörtert gehört. Ist ein anderes Thema.
@ Lukretia:
Diese "volkskundliche Untersuchung" über den Kölner Karneval würde mich schon interessieren, falls du sie mal wieder finden solltest. Paßt ja irgendwie gut zu meinem Aufsatz. Eilt aber nicht. Hab gerade eh genug zu tun.
liebe grüße
triona
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biene38
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Re: Ein ganzer Kerl im Rock
Ich finde es interessant, dass es für fast alles eine Krankheits- und Störungsdefinition geben muss. Es lebe der Diagnosenwahn.
Gibt es eigentlich für das zwanghafte Anpassen mit dem Ziel auf keinen Fall aufzufallen aufgrund von Angst vor Ausschluss auch eine Bezeichnung?
....wahrscheinlich "Normalität".
Gibt es eigentlich für das zwanghafte Anpassen mit dem Ziel auf keinen Fall aufzufallen aufgrund von Angst vor Ausschluss auch eine Bezeichnung?
....wahrscheinlich "Normalität".