Ein ewiger Zwiespalt
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OnceUponATime

Ein ewiger Zwiespalt

Post 1 im Thema

Beitrag von OnceUponATime »

Hallo zusammen,

da ich jetzt seit schon vielen Jahren mit einem Problem zu kämpfen habe, welches mich in meinem privaten Lebenslagen und meiner Karriere stark daran hindert klaren Kopf zu fassen, wende ich mich hiermit an alle Gleichgesinnten dieses Forums.

Ich bin männlich, mitte 20 und seid langer langer Zeit beeindruckt mich das tragen von Frauenkleidung sowie das kurzzeitige "Verwandeln" in eine Frau. Naja um genau zu sein beeindruckt mich das seit meiner Kindheit. Das ganze hat sich im Laufe meiner Jugend zu einem Fetisch mitentwickelt. Mittlerweile reizt mich auch schon der Anblick von Frauen (explizit: meiner Freundin), wenn sie sich entsprechende Kleidung (Strumpfhose, Rock, Bluse, Hohe Schuhe) anzieht.

Da ich mich des Öfteren gefragt habe, ob ich eigentlich "normal" bin, habe ich auch schon unzählige analytische Therapie-Sitzungen hinter mir. Sehr empfehlenswert wenn man nicht mehr weiß, wo einem der Kopf steht. Über die Jahre habe ich gelernt mit dieser Neigung umzugehen und diese auch an bestimmten Punkten positiv einzusetzen statt sie immer negativ zu reden. Das ganze hat ja auch Vorteile (An dieser Stelle noch kurz der Hinweis: Ich rede hier über mich und meinen Zwiespalt mit mir selbst. Dass das Thema Crossdressing für die meisten hier ohnehin nichts negatives bedeutet, ist mir vollkommen bewusst!) Ich habe sogar gelernt meine Neigung zu Nutzen. Meine Freundin weiß von der ganzen Sache und akzeptiert es auch (Zieht sich manchmal für den Sex auch entsprechend an), kann aber so ganz nicht mit dem Anblick umgehen, mich in Frauenkleidung zu sehen. Ich selber fühle mich bei der Sache, vor ihr in Frauenkleidung aufzutreten, auch nicht ganz wohl. Deshalb haben wir uns darauf geeinigt, dass ich meine Neigung ausleben darf, wenn sie nicht im Raum oder in der Wohnung ist. Mit dem Deal kommt jeder klar und alle sind happy... Oder?

Nach einiger Zeit des Reifeprozesses durfte ich feststellen, dass niemand sonst ein Problem darstellt, außer ich selber. Ich habe alles was ich brauche. Eine Freundin, die mich so akzeptiert, wie ich bin, eine eigene Wohnung, jede Menge Kleidung und Schminke. Jetzt kommt noch dazu, dass ich Crossdressing nur heimlich und ganz privat für mich ausleben möchte. In aller Öffentlichkeit bin ich ein Mann und will auch als ein solcher erkannt und akzeptiert werden. Das bedeutet einiges an Einschränkungen: Im Sommer kann und möchte ich kein Crossdressing praktizieren, da ich mich, wenn ich mir Frauenkleidung anziehe, als vollständige Frau fühlen möchte. Mit unrasierten Beinen, Armen und unrasierter Brust geht das schlecht. Im Sommer möchte ich mir aber nicht die Möglichkeit nehmen kurze Hosen und T-Shirts zu tragen. Deshalb: Keine Rasur im Sommer der Bein- und Arm-Haare. Meistens ist zur warmen Jahreszeit auch der Reiz nicht so groß, solche Kleidung zu tragen (fragt mich bitte nicht warum).
Kurzum: Ich bin ein Wintercrossdresser :lol:

Jetzt ist es wieder soweit. Die kalte Jahreszeit bricht an und ich könnte wieder los legen. Doch irgendetwas hindert mich daran (so wie jedes Jahr). Mein äußeres Erscheinungsbild hat sich über die Jahre ein wenig verändert. So trage ich seid geraumer Zeit Bart und kurze Haare und fühle mich auch sehr wohl damit. Um ehrlich zu sein hatte ich nicht die Traumjugend, die ich mir als Kind erhofft hatte. Deshalb ist es jetzt seit Jahren erstmals so, dass ich mich durch meine Veränderung wieder im Spiegel anschauen kann, mir in die Augen schauen kann und ich mich einfach wohlfühle. OK, Das klang jetzt vielleicht ein wenig eingebildet. Aber dieser Prozess der Selbstwertschätzung war ein sehr, sehr harter und steiniger weg.

Das Problem lässt sich also relativ einfach zusammenfassen. Ich möchte eigentlich gerade nichts an meinem äußeren Erscheinungsbild ändern, in Frauenkleidung möchte ich aber dennoch keinen Bart tragen und müsste mich demnach rasieren. Seit Tagen schwirrt mir dieser Gedanke im Kopf rum. Ich habe natürlich auch ein bisschen Angst, dass ich das Ganze jetzt einfach geschehen lasse, also meine Neigung auslebe, und nach ein paar Tagen mich hunds unwohl fühle. Es kommt nämlich nicht selten vor, dass mir nach dem sexuellen Akt mein Verstand sagt: "Was machst du hier eigentlich? Du hast dich doch so wohl gefühlt und jetzt fängst du wieder mit dem Sch*** an."

Kennt jemand von euch das Problem?
Wenn ja, wie geht ihr damit um?

Jetzt hab ich aber genug getextet. Ich hoffe ich habe euch nicht all zusehr mit meinen verkorksten Gedanken genervt.

VG,
OUAT
Inga
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Re: Ein ewiger Zwiespalt

Post 2 im Thema

Beitrag von Inga »

Hallo, Ouat,

sei Herzlich Willkommen hier im Forum!

Schön dass du hierher gefunden hast!

Ehrlich ich verstehe dich wenig. Wahrscheinlich weil für mich das Crossdressing wenig mit sexuellen Akten zu tun hat, sondern ein Teil des Auslebens der weiblichen seiten in meiner Idendität ist, der weiblichen Seitenr, die ich in mir seit einigen Jahren neben den männlichen Seiten verspüre.

Ich selber habe es für mich so gelöst, dass ich bei meiner Kleidung unterscheide zwischen nur "feminin" und "unisex". "Unisex" ist für mich Kleidung die ich aus der Damenabteilung habe und auch im Alltag im Männermodus trage, ohne dass ich besonders auffalle. Daneben gibt es in meinem Kleiderschrank noch "feminine" Kleidung, die ich nur und ausschließlich trage, wenn ich im "Frauenmodus" bin, mich als Frau zurecht mache, auch als Frau aus dem Haus gehen mag und auch als Frau wahrgenomen werde möchte.

Letztendlich bin ich vor allem ich und das will ich im alltag ach leben können.

Schau dich um. Ich bin auch gespannt auf weitere Beiträge von dir hier im Forum.

Liebe Grüße
Inga
)))(:
conny
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Re: Ein ewiger Zwiespalt

Post 3 im Thema

Beitrag von conny »

hallo quat,

im prinzip spricht ja nichts dagegen, wenn du trotz bart frauenkleidung trägst, wird auch von einigen usern hier praktiziert. wenn du aber ein problem mit dieser kombination hast, musst du dich wohl oder übel in eine richtung entscheiden.

dass du dir nach dem sexuellen akt diese gedanken machst, ist in einer gewissen entwicklungsphase nichts ungewöhnliches. am besten ist es, wenn du jeweils deinen momentanen gefühlen freien lauf lässt und auch die weibliche seite an/in dir akzeptierst, dann verliert sich auch das gelegentliche schlechte gewissen.

lg
conny
ChristaK

Re: Ein ewiger Zwiespalt

Post 4 im Thema

Beitrag von ChristaK »

Hallo OUAT.

Einer von den Bartträgern bin ich. Deshalb gehe ich auch nicht an die Öffentlichkeit. Aber auch weil meine Frau nicht möchte, dass andere Leute erfahren, dass ich Crossdresser bin. Also bin ich eine Stubentranse. Schminken kann ich mich gar nicht.
Allerdings erlaubt meine Frau mir an 3 Tagen in der Woche, dass ich crossdresse. Allerdings ohne Perücke (das Avatarfoto ist vor 5 Jahren entstanden, bevor wir uns kennenlernten) und ohne hohe Schuhe. (Sie ist 30cm kleiner als ich.)
Ich darf in ihrer Gegenwart crossdressen. Manchmal kritisiert sie meine Kleidung ("das passt nicht zusammen", "das ist zu bunt") und manchmal lobt sie mich. Sie hat mir auch schon Damen-Kleidung geschenkt oder zusammen mit mir eingekauft.
Sie zieht sich abends leger an (legt auf jeden Fall den BH ab) und versteht nicht, warum ich mich in BH und Miederhose zwänge. Häufig trage ich Kleider oder gerne enge Jeans.

Sie versteht mein Crossdressing nicht, aber sie akzeptiert es.
Ich liebe meinen Engel.

Viele liebe Grüße
Christa
Vivian Cologne
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Re: Ein ewiger Zwiespalt

Post 5 im Thema

Beitrag von Vivian Cologne »

"weil meine Frau nicht möchte", "erlaubt meine Frau", "Ich darf", "kritisiert sie", "sie versteht nicht" ...

Liebe Christa,

hast du eigentlich auch Wünsche? Wie du es beschreibst, wirkt das etwas einseitig. Ohne wieder eine Grundsatzdiskussion lostreten zu wollen, möchte ich zu bedenken geben, dass eine Beziehung aus Geben und Nehmen besteht.

Vivian
Sylvia
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Re: Ein ewiger Zwiespalt

Post 6 im Thema

Beitrag von Sylvia »

Ich schätze, Christa ist mir ihrem Status Quo weiter als viele hier im Forum. Mich eingeschlossen. Insofern finde ich an ihrem Posting nichts auszusetzen. Das Thema "Rücksicht auf die Frau" hatten wir ja schon häufiger, und es ist auch eines der zentralen Themen, wenn wir mal von der eigenen Egozentrik wegkommen...

Zum Ausgangsposting: Ich kann mich da schon teilweise wiederfinden. Es ist, wenn man die meisten Zeit einigermaßen zufrieden als Mann lebt, schon bisweilen unbefriedigend, in den weiblichen Modus zu wechseln, weil es natürlich sehr unperfekt ist. Da gibt es aber wohl nur die Möglichkeit, das zu akzeptieren oder konsequenter den weiblichen Anteil zu erhöhen. Also: Rasur etc..

LG,
Sylvia
ChristaK

Re: Ein ewiger Zwiespalt

Post 7 im Thema

Beitrag von ChristaK »

Hallo Vivian.

Jahrzehntelang habe ich diese "Neigung" unterdrückt und mich versteckt. Jetzt bin ich glücklich, dass ich so weit bin.
Ja, ich habe Wünsche. Aber mein größter Wunsch, mich nicht mehr so verstecken zu müssen, ist erfüllt.
Ja, ich nehme Rücksicht auf meine Frau, denn: sie ist meine Frau und ich bin ihr Mann. Sie hat einen Mann geheiratet, der sich gerne wie eine Frau anzieht. Aber sie hat keine Frau geheiratet und sie ist nicht lesbisch.
Wir haben gemeinsam entschieden, dass dieser Status für uns beide sehr akzeptabel ist.
Wir geben beide, und wir nehmen beide. Und wir nutzen uns nicht aus.

Viele liebe Grüße
(meistens)Wolfgang / (gerne)Christa
Lina
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Re: Ein ewiger Zwiespalt

Post 8 im Thema

Beitrag von Lina »

OnceUponATime hat geschrieben:Hallo zusammen,

1
.. Ich selber fühle mich bei der Sache, vor ihr in Frauenkleidung aufzutreten, auch nicht ganz wohl. Deshalb haben wir uns darauf geeinigt, dass ich meine Neigung ausleben darf, wenn sie nicht im Raum oder in der Wohnung ist. Mit dem Deal kommt jeder klar und alle sind happy... Oder?

...
...
2
Das Problem lässt sich also relativ einfach zusammenfassen. Ich möchte eigentlich gerade nichts an meinem äußeren Erscheinungsbild ändern, ...

Kennt jemand von euch das Problem?
...
VG,
OUAT

Es ist eigentlich ziemlich einfach beantwortet - nein das Problem habe ich nicht, und im Grunde weißt du genau, warum DU es hast: Das, was ich mit 1 markiert habe steht in Widerspruch zum dem, was ich mit 2 markiert habe. Das Problem wird auch weiter bestehen, solange du nicht endgültig entschieden hast, welches davon dir wichtiger ist.
Wenn du dich nicht dabei wohl fühlst vor deiner Freundin en femme zu sein, wird sie sich auch nich dabei wohl fühlen. Natürlich nicht. 90% der Kommunikation ist Körpersprache und Stimme. Diese 90% sagen ihr - hier ist etwas nicht in Ordnung.
Dann brauchst du dich nur zu fragen, wie du sein solltest, damit du dich dabei wohl fühlen würdest? Anders gefragt, wie müsstest du sein, damit du dich selbst attraktiv finden würdest, wenn du eine Kopie von dir selbst beim Kaffeetrinken bei Freunden treffen würdest?
(Ich rate mal ... wenn es auch nur annähernd passen würde, käme es stark in Konflikt mit dem, was ich mit 2 markiert habe)

Also bleibt es so wie es ist, oder du gehst den Weg, der notwendig ist, um die entscheidende Frage zu beantworten: Was ist dir wichtiger, welche Konsequenzen hat die eine oder andere Entscheidung jetzt und später.
Exuserin-2015-09-09

Re: Ein ewiger Zwiespalt

Post 9 im Thema

Beitrag von Exuserin-2015-09-09 »

Kennen wir nicht irgendwie alle diese Zwischenlösungen? Letzlich ist doch nur ganz tief eine Angst in einem, vor der Wahrheit und den verbundenen Konsequenzen. Bitte gehe in dich und denke nur einmal an dich!
Lukretia
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Re: Ein ewiger Zwiespalt

Post 10 im Thema

Beitrag von Lukretia »

Hallo OUAT

"Mittlerweile reizt mich auch schon der Anblick von Frauen (explizit: meiner Freundin), wenn sie sich entsprechende Kleidung (Strumpfhose, Rock, Bluse, Hohe Schuhe) anzieht", schreibst Du.

Das betrifft mich auch. Mich kann der Anblick von Frauen in sexy Kleidung extrem reizen. Begleiter meinen bei der Gelegenheit, ich sei verrückt nach diesen Frauen. Stimmt auch, aber anders als sie denken...
Ich habe lange Zeit gebraucht, bis ich merkte, was dahinter steckt: der Gedanke "so will ich auch sein..."

LG
Lukretia
marabella68
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Re: Ein ewiger Zwiespalt

Post 11 im Thema

Beitrag von marabella68 »

Hallo onceuponatime,

Dein Problem kommt mir sehr bekannt vor. Abgesehenvon der Tatsache, dass bei mir nicht mal meine Frau von meiner Neigung weiß und ich das deshalb immer nur, selbst Zuhause, im Geheimen machen kann, habe ich die gleichen Probleme wie Du. Selbst das mit Bart kenne ich. Vor allem muss ich es auch erstmal meiner Frau und den Kindern erklären, wenn der mal abkommt. Da muss jedesmal eine neue Ausrede herhalten.

Auch die Gedanken, die Du nach dem Orgasmus hast, sind bei mir bis heute geblieben.
Ich bin dazu übergegangen das Ganze einfach so zu akzeptieren wie es ist und das Beste draus zu machen. Das heißt, ich "Dresse" halt wann immer es eben geht. Der Bart kommt aber nur dann ab, wenn Frau und Kinder mal mehrere Tage weg sind.

Liebe Grüße

von

Marabella
Frau sein nur zum Spaß. Outing kommt gar nicht in Frage.
Lampenschirm
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Re: Ein ewiger Zwiespalt

Post 12 im Thema

Beitrag von Lampenschirm »

Ach Herrjeh!
Ihr rasiert euch die Bärte nur ab, wenn eure Frauen nicht da sind?
Mein Mann hat viele Jahre Bart getragen. Hin und wieder hat er ihn für eine Weile rasiert. Ich fand ihn zwar früher netter mit, aber ich habe meine Haare ja auch so getragen, wie ich wollte. Er hat gesagt, er war ihn leid und ab war er. Nie im Leben wäre ich darauf gekommen, dass der Bart nicht zu seiner weiblichen Seite passen könnte - von der hatte ich ja keine Ahnung.
Nachdem ich davon wusste, kam der Wunsch auf, auch den Körper zu enthaaren. Eine Weile hat er überlegt und sich gefragt, wie das wohl im Umfeld ankommt. Ich habe ihn dann gefragt, was er denn denken würde, wenn einer seiner Freunde sich jetzt - so wie es gerade Mode ist - am ganzen Körper rasiert. Also geschah auch das und der einzige Mensch, dem es aufgefallen ist, war unser Sohn. Der meinte eines Tages, als er zu Besuch am Tisch neben seinem Vater saß:"Oh, Haare ab?" und zeigte dabei auf die Arme. Antwort:"Ja", Kommentar Sohn:"Ich habe das auch mal eine Weile gemacht, war mir aber zu lästig." Ende.
Ich glaube, in viele Dinge setzt ihr den Gedanken an CD, den niemand, der nicht davon ahnt, gar nicht damit in Verbindung bringen würde.
Rasiert euch und sagt, ihr wolltet es mal ausprobieren, machen doch jetzt alle. Frauen, die ihren Mann bisher nicht so kannten, werden es erst komisch und "nackt" finden, aber aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es mich heute stört, wenn meiner mal keine Lust auf Rasur hat. Ich kenne ihn jetzt nur noch so. Alles eine Frage der Gewohnheit.
LG Lampe
Es ist was es ist sagt die Liebe (Erich Fried)
Aria
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Re: Ein ewiger Zwiespalt

Post 13 im Thema

Beitrag von Aria »

OnceUponATime hat geschrieben: Hallo zusammen,
Ich bin männlich, mitte 20 und seid langer langer Zeit beeindruckt mich das tragen von Frauenkleidung sowie das kurzzeitige "Verwandeln" in eine Frau. Naja um genau zu sein beeindruckt mich das seit meiner Kindheit. Das ganze hat sich im Laufe meiner Jugend zu einem Fetisch mitentwickelt. Mittlerweile reizt mich auch schon der Anblick von Frauen (explizit: meiner Freundin), wenn sie sich entsprechende Kleidung (Strumpfhose, Rock, Bluse, Hohe Schuhe) anzieht.
Bei mir ist es ziemlich genauso. Auch ich trage seit meiner Kindheit gerne Frauenkleidung, hauptsächlich wegen meines Fetischs. Auch ich habe dieses bestimmte Bild einer Frau im Kopf: Hohe Schuhe, Strumpfhose, Rock und Bluse. Oder einfacher gesagt: Ladylike. Gerne würde ich es haben, dass sich meine Frau öfters dermaßen kleidet. Doch das entspricht nicht ihrem Typ, sagt sie und sie kommt sich dabei auch ein wenig komisch vor. Ein Stück weit verstehe ich sie auch. Habe ich doch schon selbst die Erfahrung gemacht, dass man sich dermaßen angezogen schon ein wenig zu aufreizend, ja, auch irgendwie nackt und angreifbar vorkommt. Frau ist den geilen Männerblicken eben hilflos ausgesetzt. Es gibt Frauen, die es anturnt und Frauen, die es abturnt als Freiwild angesehen zu werden.
OnceUponATime hat geschrieben: Da ich mich des Öfteren gefragt habe, ob ich eigentlich "normal" bin, habe ich auch schon unzählige analytische Therapie-Sitzungen hinter mir. Sehr empfehlenswert wenn man nicht mehr weiß, wo einem der Kopf steht. Über die Jahre habe ich gelernt mit dieser Neigung umzugehen und diese auch an bestimmten Punkten positiv einzusetzen statt sie immer negativ zu reden. Das ganze hat ja auch Vorteile (An dieser Stelle noch kurz der Hinweis: Ich rede hier über mich und meinen Zwiespalt mit mir selbst. Dass das Thema Crossdressing für die meisten hier ohnehin nichts negatives bedeutet, ist mir vollkommen bewusst!)
Ich würde daran jetzt nix schlimmes sehen. Ich würde sagen, dass es die meisten Männer anturnt, Frauen dermaßen gekleidet zu sehen. Oder habe ich nun den Zusammenhang falsch verstanden?
OnceUponATime hat geschrieben: Ich habe sogar gelernt meine Neigung zu Nutzen. Meine Freundin weiß von der ganzen Sache und akzeptiert es auch (Zieht sich manchmal für den Sex auch entsprechend an), kann aber so ganz nicht mit dem Anblick umgehen, mich in Frauenkleidung zu sehen. Ich selber fühle mich bei der Sache, vor ihr in Frauenkleidung aufzutreten, auch nicht ganz wohl. Deshalb haben wir uns darauf geeinigt, dass ich meine Neigung ausleben darf, wenn sie nicht im Raum oder in der Wohnung ist. Mit dem Deal kommt jeder klar und alle sind happy... Oder?
Auch hier ist es bei mir sehr ähnlich. Als wir zusammenkamen, fand meine jetzige Frau ziemlich schnell raus, dass ich gerne Frauenkleidung trage. Damals fand sie das überhaupt nicht schlimm. Ihr gefiel es mich als Frau zu sehen und zu sehen, wie sehr es mir gefiel mich so zu kleiden. Es hat mich aber schon anfangs ein wenig Überwindung gekostet mich ihr so zu zeigen. Mittlerweile kommt sie damit nicht mehr zu recht und wir haben uns darauf geeinigt, dass ich es auslebe wenn sie nicht zuhause ist.
OnceUponATime hat geschrieben: In aller Öffentlichkeit bin ich ein Mann und will auch als ein solcher erkannt und akzeptiert werden. Das bedeutet einiges an Einschränkungen: Im Sommer kann und möchte ich kein Crossdressing praktizieren, da ich mich, wenn ich mir Frauenkleidung anziehe, als vollständige Frau fühlen möchte. Mit unrasierten Beinen, Armen und unrasierter Brust geht das schlecht. Im Sommer möchte ich mir aber nicht die Möglichkeit nehmen kurze Hosen und T-Shirts zu tragen. Deshalb: Keine Rasur im Sommer der Bein- und Arm-Haare. Meistens ist zur warmen Jahreszeit auch der Reiz nicht so groß, solche Kleidung zu tragen (fragt mich bitte nicht warum).
Kurzum: Ich bin ein Wintercrossdresser :lol:

Jetzt ist es wieder soweit. Die kalte Jahreszeit bricht an und ich könnte wieder los legen. Doch irgendetwas hindert mich daran (so wie jedes Jahr). Mein äußeres Erscheinungsbild hat sich über die Jahre ein wenig verändert. So trage ich seid geraumer Zeit Bart und kurze Haare und fühle mich auch sehr wohl damit.
Dass das CD vermehrt im Winter auftritt, kann ich auch bei mir beobachten. Auch, dass ich gerne Mann bin und das auch bleiben möchte. Doch immer wieder ist da das kleine Frauchen in meinem Ohr, das zu mir spricht und mich dazu zwingt mir wieder ein paar neue Pumps zu kaufen obwohl der Schrank schon längst überquillt. Im selben Moment könnte ich mir dafür schon wieder in Arsch beissen. Aber wenn sie dann da sind, möchte ich nichts sehnlicher als diese tragen zu dürfen und mich im Spiegel zu bewundern. Es ist diese ständige Ambivalenz, der innere Kampf zwischen Engelchen und Teufel, der einen irgendwie fertig macht.
OnceUponATime hat geschrieben: Das Problem lässt sich also relativ einfach zusammenfassen. Ich möchte eigentlich gerade nichts an meinem äußeren Erscheinungsbild ändern, in Frauenkleidung möchte ich aber dennoch keinen Bart tragen und müsste mich demnach rasieren. Seit Tagen schwirrt mir dieser Gedanke im Kopf rum. Ich habe natürlich auch ein bisschen Angst, dass ich das Ganze jetzt einfach geschehen lasse, also meine Neigung auslebe, und nach ein paar Tagen mich hunds unwohl fühle. Es kommt nämlich nicht selten vor, dass mir nach dem sexuellen Akt mein Verstand sagt: "Was machst du hier eigentlich? Du hast dich doch so wohl gefühlt und jetzt fängst du wieder mit dem Sch*** an."
Ja, so ist das. Einerseits wollen wir der bleiben der wir sind, weil wir uns so auch wohl fühlen. Andererseits geistert immer dieses bestimmte Frauenbild in unserem Kopf herum, welches wir auch am liebsten selbst verkörpern wollen wenn wir als Frau unterwegs sind. Es ist wie ein ständiges vor dem Abgrund stehen. Auf der einen Seite geht es ins männliche, auf der anderen Seite ins weibliche Tal. Doch nichts ist so stark vorhanden, dass man gewillt ist sich für eine Seite entscheiden zu wollen.

Ich finde es interessant von jemanden zu lesen, dem es scheinbar ziemlich ähnlich wie mir ergeht. Bin gespannt mehr von dir zu hören....
¡no lamento nada!
OnceUponATime

Re: Ein ewiger Zwiespalt

Post 14 im Thema

Beitrag von OnceUponATime »

Hallo zusammen,

ersteinmal vielen Dank für die vielen Antworten und entschuldigt bitte, dass ich mit meiner Antwort so lange hab warten lassen.

Was ich sehr positiv aus euren Beiträgen entnommen habe, ist, dass ich nicht der Einzige mit dieser Schwierigkeit der Selbsakzeptanz zu tuen habe. Es ist eben, wie es das Thema schon sagt, ein ewiger Zwiespalt, der einen nicht klar in die eine oder die Richtung laufen lässt.

Zu Lampenschirm:
Eine von die beschriebene Situation kenne ich nur allzugut :)
Meist zerbreche ich mir viel zu sehr darüber den Kopf, welche Ausreden ich für mein Handeln parat haben muss, falls einer fragt, warum ich mich z.B. rasiert habe. Die Erfahrung hat meist genau solche von die beschriebenen Situationen gezeigt. "Ah rasiert?", "Ja", "Unrasiert stand dir auch gut aber so finde ich es auch cool", Ende des Gesprächs :)
Aus diesen Erfahrungen schöpfe ich meistens auch mein Selbstbewusstsein, denn letztendlich akzeptieren mich doch alle so wie ich bin.

Ich habe in den letzten Tagen viel nachgedacht und bin zu dem Entschluss gekommen, dass ich es einfach passieren lasse, wenn es mich drängt. Es ist ein Teil von mir und das gilt es zu akzeptieren. Das sagt mir mein Bauchgefühl und ich schätze mit dieser Entscheidung kann ich gut leben. Und zu dieser Erkenntnis wäre ich ohne euch auch nicht gekommen. Es gibt eben viele Situationen, in denen man mehr mit seinen Mitmenschen gemeinsam hat, als man denkt, seien sie auch noch so skurril (oder besser: "Anders"). Ich bin froh, dass ich hier so offen über meine Probleme sprechen kann und vor allem froh, dass meine Probleme so offen diskutiert und angenommen werden. Ich werde euch auf jeden Fall auf dem Neuesten halten und berichten, wie es bei mir weiter geht.

In diesem Sinne, HAPPY HALLOWEEN!

VG,
OUAT
Aria
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Re: Ein ewiger Zwiespalt

Post 15 im Thema

Beitrag von Aria »

Lampenschirm hat geschrieben:Ach Herrjeh!
Ihr rasiert euch die Bärte nur ab, wenn eure Frauen nicht da sind?
Mein Mann hat viele Jahre Bart getragen. Hin und wieder hat er ihn für eine Weile rasiert. Ich fand ihn zwar früher netter mit, aber ich habe meine Haare ja auch so getragen, wie ich wollte. Er hat gesagt, er war ihn leid und ab war er. Nie im Leben wäre ich darauf gekommen, dass der Bart nicht zu seiner weiblichen Seite passen könnte - von der hatte ich ja keine Ahnung.
Nachdem ich davon wusste, kam der Wunsch auf, auch den Körper zu enthaaren. Eine Weile hat er überlegt und sich gefragt, wie das wohl im Umfeld ankommt. Ich habe ihn dann gefragt, was er denn denken würde, wenn einer seiner Freunde sich jetzt - so wie es gerade Mode ist - am ganzen Körper rasiert. Also geschah auch das und der einzige Mensch, dem es aufgefallen ist, war unser Sohn. Der meinte eines Tages, als er zu Besuch am Tisch neben seinem Vater saß:"Oh, Haare ab?" und zeigte dabei auf die Arme. Antwort:"Ja", Kommentar Sohn:"Ich habe das auch mal eine Weile gemacht, war mir aber zu lästig." Ende.
Ich glaube, in viele Dinge setzt ihr den Gedanken an CD, den niemand, der nicht davon ahnt, gar nicht damit in Verbindung bringen würde.
Rasiert euch und sagt, ihr wolltet es mal ausprobieren, machen doch jetzt alle. Frauen, die ihren Mann bisher nicht so kannten, werden es erst komisch und "nackt" finden, aber aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es mich heute stört, wenn meiner mal keine Lust auf Rasur hat. Ich kenne ihn jetzt nur noch so. Alles eine Frage der Gewohnheit.
LG Lampe
Ich denke es geht hier weniger um den Zwiespalt, dass man vor seinem Umfeld den Mann spielen muss, die Attribute (Bart u.ä.) aber dann zur weiblich verbrachten Lebenszeit nicht passen.
Sondern vielmehr um den persönlich ausgefochtenen Zwiespalt: Einerseits ist man gerne Mann, mit allem drum und dran (Bart tragen, kurze Haare etc.), andererseits sollte das Passing, in
der als Frau verbrachten Zeit möglichst perfekt sein. Beispiel: Wenn ich Frau bin hätte ich gerne unbehaarte Arme. Als Mann finde ich meine behaarten Arme vollkommen ok und fände es genauso
unästhetisch wie eine Frau mit behaarten Beinen. Was mein Umfeld dazu sagen würde, wenn ich mir die Arme rasieren würde, ist mir ziemlich schnuppe!
¡no lamento nada!
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