Intersexualität vs. Transsexualität? Ja wie denn nun?
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nicole.f
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Intersexualität vs. Transsexualität? Ja wie denn nun?

Post 1 im Thema

Beitrag von nicole.f »

Hallo!
Bitte entschuldigt meine Abstinenz aus dem Forum - keine böse Absicht, ich habe nur schlicht die letzten Wochen praktisch keine ruhige Minute.

Doch eine Frage beschäftigt mich gerade... und eigentlich ärgere ich mich über mich selbst, dass es mich so beschäftigt! Da dachte ich, ich sei endlich aus mir heraus in mir gefestigt, ohne das ich irgendwelche externe Begründung (Die "Warum?" Frage) oder Bestätigung bräuchte, aber pöh, da kommt so ein kleiner Befund daher und sägt an meiner Nervenruhe.

Also was ist passiert?

Für die, die ein bisschen über meine letzten Wochen und Monate erfahren wollen, habe ich einen längeren Blog Artikel verfasst:

http://nicolebeaux.blogspot.de/2014/07/was-geschah.html

Was mich gerade etwas beschäftigt hat hiermit zu tun:

http://nicolebeaux.blogspot.de/2014/07/ ... sches.html

Eigentlich wollte ich das nicht so breit treten, doch da es mich nun gerade beschäftigt, muss ich das doch mal hier grob zusammenfassen. Es ist mal wieder so, wie es immer mit mir ist, ich mache fast nichts, wie es andere machen. Das geht nun auch schon wieder mit meinem Umgang und Werdegang bzgl. der Transsexualität los. Ich nahm andere Antiandrogene als "alle anderen" und werde jetzt voraussichtlich die weitere Hormonbehandlung ganz normal bei meinem Hausarzt machen - und das hat auch einen Grund, denn ich habe noch etwas anders gemacht. Ich habe mich vor gut zwei Wochen unter's Messer gelegt und mir beidseitig die Hoden entfernen lassen. Das hatte für mich ganz klar den Grund, dass ich die Antiandrogene, die doch auf die Dauer nicht gut für Leber, Niere etc. sind, loswerden wollte. Hormonell bin ich damit dnan jetzt ähnlich dran, wie eine Frau im Klimakterium (Wechseljahren) und das kann auch ein Hausarzt oder Gynäkologe behandeln.

Das alles war auch gar kein Problem, alles ist gut verheilt und ich habe keinerlei Probleme damit - naja, leichte Hitzewallungen, aber sonst ist alles OK.

Doch das Problem kam mit dem Gutachten des Pathologen, der meine "Reste" untersuchte. Darin stand nichts Dramatisches, aber:
1. Sertoli-only-Cell Syndrom
2. Leydig Zellen Hyperplasie

Klingt toll, oder?
Das erste sagt im Prinzip nur, dass meine Hoden keine Spermien freisetzen konnten. Ich war also, vermutlich schon immer, steril. Das macht mir nichts aus und ist auch weiter kein Problem.
Das zweite ist auch harmlos, es sind eben messbar mehr Leydig Zellen als normal vorhanden gewesen.

Beides für sich genommen ist völlig harmlos, bis auf das man eben steril ist. Beides zusammen aber tritt wohl besonders oft bei Kleinfelter Syndrom auf und hier wird es dann spannend. Klinefelter ist eine der bekanntesten genetische Veränderung der Geschlechtschromosomen, bei der das X Chromosom mehrfach vorliegt, doppelt, dreifach, vierfach etc. Je mehr X desto schlimmer werden die Symptome. Die meisten haben "nur" XXY und sind damit sogar oft unauffällig, bis es durch Zufall entdeckt wird. Die Häufigkeit (Prävalenz) liegt bei ca. 1:500.

Ein Genotyp XXY ist eine der möglichen genetischen Intersex Varianten (neben Turner und anderen Syndromen) (genaugenommen müsste man wohl XYX schreiben, denn das zusätzlich X wird wohl am Ende als 47. Chromosom angehängt).

Was mich jetzt die ganze Zeit beschäftigt ist die Frage, ob, sollte sich Kleinfelter bewahrheiten, dies irgendeine Auswirkung auf mich hat? Auf die Transsexualität?
Sagt das irgendetwas aus? Wenn ja, was?
Könnte das vielleicht wirklich der Grund sein, warum ich so fühle wie fühle? Warum ich bin, wie ich eben bin? Warum irgendwie doch beides vorhanden ist (sprich Körper), aber mit einem klaren Überhang zur Weiblichkeit?

Eigentlich sollte es mir nichts ausmachen, denn ich weiß ja, dass ich, indem ich so lebe, wie ich jetzt lebe, alles richtig und gut ist. Alles fühlt sich endlich richtig an.
Aber dennoch, verflixt nochmal, kratzt diese Frage alle fünf Minuten an der Tür.

Nuja, ich werde es in ein/zwei Wochen wissen, Donnerstag ist Blutentnahme für einen Gentest und dann wird das wohl gut eine Woche dauern, bis die Ergebnisse vorliegen.

Schon spannend, es passiert doch immer noch etwas Unerwartetes :)

Liebe Grüße
nicole
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Anne-Mette
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Re: Intersexualität vs. Transsexualität? Ja wie denn nun?

Post 2 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

zu den Einzelheiten möchte ich heute nicht Stellung nehmen. Ich bin allerdings schon gespannt, was die Ergebnisse bringen.
denn ich weiß ja, dass ich, indem ich so lebe, wie ich jetzt lebe, alles richtig und gut ist.
DAS ist doch das Wichtigste!!!

... das will ich auch nicht verwässern mit weiteren Ausführungen (flo) ---))) (flo) ---))) (flo) ---))) (flo)

Herzliche Grüße )))(:
Anne-Mette
Vivian Cologne
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Re: Intersexualität vs. Transsexualität? Ja wie denn nun?

Post 3 im Thema

Beitrag von Vivian Cologne »

Meine liebe Nicole,

Anne-Mette, die davon eh viel mehr versteht als ich, hat völlig recht! Das Wichtigste ist das Gefühl, das uns sagt, dass es gut und richtig ist.

Die Ursachenforschung spielt bei vielen eine Rolle bei der Selbstkategorisierung, ich habe es für mich ad acta gelegt. Aber wer weiß, was ich noch erfahren werde.

Ich bin jedenfalls auch gespannt auf die Ergebnisse, da sei gewiss!

Vivian
nicole.f
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Re: Intersexualität vs. Transsexualität? Ja wie denn nun?

Post 4 im Thema

Beitrag von nicole.f »

Hallo Anne-Mette!

Ja, richtig, das ich mir meiner Sache sicher bin, ist ganz sicher das Wichtigste... aber warum zum Kuckuck kratzt mich dann diese Aussicht auf einen Gen-Defekt so an?
Also nicht das es mich verunsichern würde - nein nein, das nicht, keine Sorge. Aber irgendwie beschäftigt es mich die ganze Zeit, seitdem ich das rausgefunden habe. *Eigentlich* ist es völlig unwichtig, denn selbst wenn es so wäre, hätte es, soweit ich weiß, keinerlei weitere Auswirkung. Es wäre ein reines zusätzliches Wissen.

Ist schon sehr spannend.
Ich denke schon, egal wie man drauf ist, man möchte halt doch irgendwie einen Schuldigen haben? Ich muss gestehen, ich hätte ein gutes Gefühl dabei sagen zu können "Tja liebe Leute, ich kann nix dafür, ist genetisch schon uneindeutig angelegt.". Wobei mir dann doch sofort auch wieder klar ist, dass das völlig unnötig ist und das die Sicherheit über die eigene Indentität eigentlich völlig ausreichend ist.

Das ganze ist jetzt auch nichts, was mich in irgendwelche Krisen stürzen würde :) Keine Sorge... Ich wollte das nur mal hier gepostet haben um zu dokumentieren, wie solche "Kleinigkeiten" einen dann doch wieder irgendwie beschäftigen können.

In ein/zwei Wochen wissen wir mehr - und ja, ich werde dann sicherlich hier verlautbaren, was dabei heraus kam...

Es bleibt eben spannend!

@Vivian: Ursachenforschung, ja, das ist es wohl. Ich glaube die Essenz, die ich aus der Sache ziehe oder ziehen werde ist, dass ich eben doch latent, egal wie sicher ich mir bin, den Wunsch habe, einen "Schuldigen" ausmachen zu können. Ja, es könnte tatsächlich etwas mit "Schuld" zu tun haben. Denn in dem wir tun, was wir da tun, wissen wir eigentlich recht genau, dass wir gegen viele Ströme schwimmen, viele Leute verstören und allenthalben nicht nur für Probleme bei uns selbst sondern auch bei anderen Verursachen. Das belastet uns natürlich, denn diese ganzen Probleme göbe es nicht, wenn _wir_ sie nicht machen würden - könnte man denken. Einen Schuldigen ausmachen zu können, der/die man nicht selbst ist, wäre das perfekte Mittel, um auch die letzten Gewissensbisse darüber loszuwerden?

Liebe Grüße
nicole
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Anne-Mette
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Re: Intersexualität vs. Transsexualität? Ja wie denn nun?

Post 5 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,
aber warum zum Kuckuck kratzt mich dann diese Aussicht auf einen Gen-Defekt so an?
Vielleicht, weil der Mensch für alles eine Erklärung haben möchte, möglichst eine "gewünschte" oder "passende" (smili)

So oder so - Du bist DU - und das ist gut so, mit oder ohne Defekt.

Gruß
Anne-Mette
Vivian Cologne
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Re: Intersexualität vs. Transsexualität? Ja wie denn nun?

Post 6 im Thema

Beitrag von Vivian Cologne »

Yes,

ich verstehe vollkommen, was du meinst mit der Schuld!

Seht her, ich kann nicht anders! Das würde ich gerne die ganze Zeit herausschreien - nicht zuletzt, um die eigenen Zweifel zu verscheuchen. Bei mir sind es weniger die Gewissensbisse, denn ich weiß, das ist mein Leben, und da bestimme ich. Aber da ich eigentlich noch nie im Leben etwas aktiv wirklich entschieden habe (wer mich kennt, weiß, dass ich nicht flunkere), suche ich auch die ganze Zeit nach einem untrüglichen Auslöser, der mich quasi dazu zwingt, den Schritt endlich zu gehen.

Wenn ab das liest, wird sie den Kopf schütteln und sagen, dass die ganze Chose doch eh biologisch determiniert ist und ich mich nicht so anstellen soll. Damit hat sie ja völlig recht.

Wie du, Nicole, weiß ich auch, dass ich nur so wirklich glücklich im Leben werden kann, egal, wer nun "schuld" ist. Und das reicht mir als Begründung!

Vivian
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Re: Intersexualität vs. Transsexualität? Ja wie denn nun?

Post 7 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2022-05-28 »

Hallo Nicole,

Du hast mit Deiner Vermutung Recht.

Hier wurde mal versucht die Zusammenhänge darzustellen:

http://www.dq-pb.de/was-ist-transsexual ... kommt-sie/

Das Thema ist nicht ganz einfach aber schon medzinisch bewiesen.

Liebe Grüsse

Chrissie
Das Leben ist zu kurz um sich zu verleugnen.
ab08
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Re: Intersexualität vs. Transsexualität? Ja wie denn nun?

Post 8 im Thema

Beitrag von ab08 »

Liebe Nicole,

alles, alles Gute (flo)
Viel Erfolg bei Deinen Forschungen!
Pass bitte bei Problemlösungen, die man Dir von Seite der Mediziner vorschlägt, wirklich gut auf...

Ganz liebe Grüße
ab )))(:

Rest siehe PN!
FÜR: Respekt, Menschenrechte und eine gelebte, demokratische Zivilgesellschaft, die Minderheiten schützt
ERGO: Umfassende Bildung für alle, effektive Regeln in Alltag und Netz, eine gut ausgestattete Polizei/Justiz
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Re: Intersexualität vs. Transsexualität? Ja wie denn nun?

Post 9 im Thema

Beitrag von nicole.f »

Danke AB!
Bisher habe ich mit meinen "Medizinern" recht großes Glück. Mein Hausarzt ist sehr offen aber auch vorsichtig. Ich bin die erste, die direkt bei ihm ist, wohl aber hat er davon gehört, von Kollegen und auch von Freunden. Er ist sehr interessiert und offen für alles, dabei aber auch sehr verantwortungsbewusst. Ein großartiger Arzt. Ich hatte natürlich noch das Internet bemüht, was es damit auf sich haben könnte und noch eine Reihe andere Tests ausgegraben, die man "mal" machen könnte. Er hat mir das aber von sich aus vorsichtig ausgeredet, denn das alles hätte nur Unsummen Geld gekostet (Tests auf einzelne Gene innerhalb der Chromosome sind schnell vierstellig teuer!) und vor allem, es würde medizinisch nichts verändern. Es wäre rein akademisches Interesse. Die Sache mit Klinefelter findet er aber auch spannend. Er hat noch einen anderen Klinefelter Patienten, der offenbar keine Androgene bilden kann und nun von ihm regelmäßig Testosteron bekommt. Die Symptome bei Klinefelter können aber auch viel weniger direkt ausfallen und lange Zeit gar nicht auffallen. Daher findet er das wohl auch mal interessant, auch mal einen anderen Fall davon zu sehen. Das Ergebnis wird wohl etwas länger dauern, noch so ein bis zwei Wochen. Mehr werden wir aber nicht machen - das macht einfach keinen Sinn. Durch den Wegfall des Testosterons nach der Kastration habe ich nun seit ein paar Tagen doch merkliche Hitzewallungen bishin zu leichtem Scheißausbruch. Das passiert dann so alle zwei bis drei Stunden, je nachdem, und beginnt langsam etwas nervig zu werden. Freitag hat er mir netterweise Estradot Pflaster verschrieben, ich hoffe das lässt dann jetzt bald nach.

Wenn ich dann jetzt mal eine Zwischenbilanz ziehe, dann war es das eigentlich schon, dass ich erreichen wollte. Ganz schön irre! Ich bin 100% out und lebe 24/7 so wie es richtig ist, das Testosteron ist endgültig weg und es wird jetzt mit Estradiol ersetzt. Das war's, der Kampf ist beendet. Alles was jetzt noch passiert, passiert mehr oder weniger ohne mein Zutun, ganz von alleine. Na gut, nicht ganz, ich werde wohl noch eine ganze Weile gegen den Bartwuchs kämpfen (lassen).

Manchmal muss ich doch arg schmunzeln, was sich da in dieser vergleichsweise kurzen Zeit so alles getan hat.

Liebe Grüße
nicole
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Re: Intersexualität vs. Transsexualität? Ja wie denn nun?

Post 10 im Thema

Beitrag von nicole.f »

Hallo Ihr Lieben!
So, Ergebnis vom Gentest ist da, ich bin wohl doch kein Mutant, sondern doch einfach nur "gestört" :)
Auch wieder irgendwie beruhigend, obwohl ich schon ein bisschen aufgeregt war...

Liebe Grüße
nicole
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Re: Intersexualität vs. Transsexualität? Ja wie denn nun?

Post 11 im Thema

Beitrag von ab08 »

Herzliche Gratulation,

denn es gibt da ja viele Möglichkeiten.
Wenn frau näher am Regelfall dran ist, hat sie es in der Praxis doch ein wenig leichter :wink:

Liebe Grüße und alles Gute
ab
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