Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken
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Intersexuelle Menschen, Crossdresser, Transgender, Transidente: Diskussionen über partnerschaftliche Aspekte, Rat und Tat für PartnerInnen und Familie
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Michaela_mit_a
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Post 1 im Thema

Beitrag von Michaela_mit_a » Mo 18. Dez 2017, 13:07

Hallo meine Lieben,

ich bin seit mehreren Jahren immer wieder mal in unterschiedlichen Foren unterwegs, um meine persönlichen Fragen zu klären und herauszufinden, was "mit mir los ist".
Das Ganze geht nun schon über dreißig Jahre so und es wird immer schwieriger "einfach so weiterzumachen", wie bisher.
In der Zwischenzeit habe ich versucht herauszubekommen, ob es "einfach nur ein Fetisch" ist, "eine Phase" oder etwas "Größeres".

Vor etwa zehn Jahren habe ich meiner Frau gebeichtet, dass ich eine starke Crossdresserneigung habe und das ich diese seit meiner Pubertät mit mir herumtrage.
Das musste ich (für mich), da wir uns zu dem Zeitpunkt mit dem Thema Hochzeit und Familienplanung beschäftigten und ich nicht mit einem solchen Geheimnis in die Ehe starten wollte.
Das war für meine jetzige Frau nicht gerade das tollste und sie hat sich auch mit allem dagegen gesträubt, aber letztendlich eingesehen, dass das ein Teil von mir ist.
Solange sie nicht damit in Kontakt kommt, war es von ihr aus tolerierbar.
Zu diesem Zeitpunkt habe ich ehrlich geglaubt, dass es sich um nicht mehr als Crossdressing handelt und ich nicht irgendwann einmal mehr möchte, als das. Weit gefehlt ...

Wie es sich herausstellte, war diese Offenbarung der Anfang von einem größer werdenden Problem.
Meine Frau verhielt sich mir gegenüber zunehmend reservierter, wenn es um Nähe und Zärtlichkeiten ging, bis hin zu monatelanger Abstinenz im Bett.
Dazu muss man sagen, dass wir nie wie die Karnickel waren ;-)
Aber es war eine deutliche Abkühlung zu bemerken.
Mehr schlecht als Recht kam ich in den Jahre dazu, meine Weiblichkeit auszuleben. Besonders nachdem wir unsere zwei Töchter begrüßen durften.
Zeitgleich bemerkte ich mehr und mehr, dass ich mir mit dem Crossdresser etwas vormachte, denn eine Gewissheit machte mir unaufhaltsam bewusst, dass ich nicht nur zeitweise in die Welt der Weiblichkeit abtauchen kann.
Alle männlichen Merkmale meines Körpers wurden zunehmend unangenehmer. Der Blick in den Spiegel sorgt zunehmend für Frustration.
Nicht weil das ws dort zu sehen nicht attraktiv ist, sondern weil es nicht dem entspricht, wie ich mich eigentlich fühle.
Es war klar dass ich Transident/Transgender bin.

Diese Gewissheit brachte allerdings keine Erleichterung, sonder verkomplizierte mein Gefühlsleben noch weiter.
Mir war klar, dass unsere kleine Familie wie ein Kartenhaus zusammenbrechen könnte, wenn ich meinen wahren Ich folgen würde.
Und so verheimlichte ich es über die Jahre und stopfte aufkeimende Hoffnung zurück in einen Gefühlskloß, tief in meinem Inneren.
Alles hat sich irgendwie festgefahren und der Alltag überschattete alle persönlichen Träume, Wünsche und Bedürfnisse.

Es verging nicht ein Tag in den letzten Jahren, an dem ich nicht darüber nachdachte, wie meine persönliche Transition verlaufen könnte.
Welche Schritte zu gehen wären, welche Hormone die richtigen wären, wer mit meiner Entscheidung das kleinste und größte Problem hätte, wie sich ein "Outing" an meinem Arbeitsplatz auswirken würde u.s.w.
Alles lief immer und immer wieder in meinem Kopf durch und in keiner Version kam ein Happyend mit mir als Frau im Kreise meiner Familie, an der Seite meiner Frau vor.
Es war so frustrierend und schwer zu sehen, dass ein Monat nach dem anderen verstrich und damit auch die Chance auf eine möglichst einfache Angleichung meines Ichs an mein Äußeres.

Bis zu diesem Wochenende.

Ein Paket unter vielen traf ein, mit dem einen Unterschied, dass an diesem Tag meine Frau mich direkt fragte, ob das alltägliche Schuhe wären, oder "andere Schuhe"?
Das tat sie sonst nie und in der Regel hat sie von meinen kleinen Käufen zwischendurch nicht viel mitbekommen, nun war es anders.
"Wann willst Du die denn anziehen?", "Wie viele Schuhe hast Du jetzt? 10 Paar?", "Warum kaufst Du Dir immer wieder Dinge, die du nicht anziehen kannst?" diese und weitere Fragen waren alle berechtigt und von mir kaum vernünftig zu beantworten.
Sie bohrte weiter und weiter und versuchte Antworten zu bekommen, die ich ihr nicht geben konnte oder wollte.
Bis sie die entscheidende Frage stellte:"Würdest Du lieber eine Frau sein?"

Wahrscheinlich habe ich zu lange gezögert, wollte natürlich nicht lügen und zur Vermeidung einer Antwort war die Frage einfach zu direkt.
Und so kam es, dass wir in einem tränenreichen Gespräch meine Gefühle auf den Tisch brachten.
Es tat so gut den Ballast der Jahre abzuwerfen und offen und ehrlich mit meiner Frau zu sprechen.
Zeitgleich war klar, dass nun die Büchse der Pandorra geöffnet wurde und es kein zurück mehr gibt.

Meine Frau war in diesem Moment so wahnsinnig offen und ehrlich mit mir, verständnisvoll und warmherzig!
Ich war so stolz auf sie und so dankbar.
Aber sie hat auch klar gemacht, dass sie sich eine Zukunft an der Seite einer Frau nicht vorstellen kann und das eine Entscheidung in diese Richtung wahrscheinlich in einer Trennung enden würde :-(
Ganz besonders liegen uns natürlich auch das Wohl unserer zwei Töchter am Herzen, für die ich weit mehr tun würde, als mir gut täte.

Wir brauchen jetzt erst einmal Zeit um das sacken zu lassen, aber im kommenden Jahr wird eine Entscheidung fallen müssen, wie es weitergeht.
Auf jeden Fall werde ich mir eine Gruppe und Therapeuten suchen müssen, um mit allem klar zu kommen.

Ein Satz meiner Frau war für mich sehr besonders:"Das ist doch so kein Leben für Dich. Wie willst Du so glücklich sein?".
Sie hat so Recht, nur habe ich die Befürchtung, dass ich ein Glück gegen ein anderes tauschen müsste :-(

LG, Michaela

Svetlana L
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Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Post 2 im Thema

Beitrag von Svetlana L » Mo 18. Dez 2017, 13:47

Liebe Michaela,

die Überschrift könnte auch von mir stammen und auch in deinem Text habe ich mich an der ein oder anderen Stelle wiedergefunden. Ja, für Partner_innen ist es ziemlich schwer, wenn man so holterdiepolter damit konfrontiert wird, dass man nicht so ist, wie es den ersten Anschein haben mag. Für uns selbst ist es ja oftmals schon nicht einfach, dazu zu stehen und so zieht sich das Outing manchmal hin wie Kaugummi. Auf jeden Fall kann ich dir nur raten, dass du die weiteren Schritte nicht ohne deine Frau unternimmst. Wenn sie mal nicht mitkommt, dann musst du dein Tempo auch mal drosseln, damit sie immer mit im Boot bleibt. Vielleicht erkennt sie ja doch noch irgendwann, dass es keinen Weltuntergang bedeutet, wenn aus dem Partner plötzlich eine Partnerin wird. Was zählt ist doch die Liebe, die man einem Menschen, egal ob nun Mann oder Frau, schenkt. Auch bei meiner Frau gab es anfangs viele Tränen und die Zukunft bestand nur noch aus vielen Fragezeichen. Aber mittlerweile steht sie voll und ganz hinter Svetlana und seit meinem Outing in der Dienststelle (die auch ihre Dienststelle ist - nur andere Abteilung) im vergangenen Dezember spricht sie - auf Arbeit oder anderswo - nur noch von "ihrer Frau". Das ist ein sehr schönes Gefühl! Auf jeden Fall drücke ich euch die Daumen, dass ihr das - gemeinsam - auf die Reihe bekommt.
Liebe Grüße aus Berlin
Svetlana

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Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Post 3 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa » Mo 18. Dez 2017, 14:43

Hallo Michaela,

es ist schwer, mit wenigen worten das zu fassen, was dich und deine Familie bewegt. Mir ging es vor ca. 6 Jahren ähnlich - ich bin mittlerweile 64 und habe erwachsene Kinder. die Problematik anders zu sein und zu fühlen begleitet mich schon mein ganzes Leben, aber erst vor 6 Jahren ist mir dank Internet und neuen Informationen klar geworden, was mit mir ist. Ich habe mich meiner Frau gegenüber geoutet und Ulrike für mich zugelassen. Meine Frau war schockiert, dass das nach damals 33 Jahren Partnerschaft und damals 25 Jahren Ehe passierte. Wir haben lange darüber gesprochen, sie kann es nicht verstehen und will auch mit der Thematik bei allem Wohlwollen mir und meiner Situation gegenüber nichts zu tun haben. Ein Frau neben sich im Haushalt kann sie sich nicht vorstellen. Aber wir haben einen anderen Weg gefunden, da wir zusammen unser Leben weiter bestreiten möchten. Sie toleriert, dass ich außerhalb des näheren Umfeldes im Dorf mich als Ulrike bewegen kann; meine Arbeitskollegen wissen Bescheid und ich arbeite in einer Selbsthilfegruppe mit. Dafür verzichte ich auf medizinische Maßnahmen und habe derzeit einen Ergänzungsausweis zum Personalausweis. Das ist für mich aus der Erkenntnis heraus ein Weg, denn was würden wir gewinnen, wenn unsere Familie auseinander bricht. So nehme ich mich zurück und kann mich trotzdem mich entsprechend weiblich fühlen; denn ich habe lange Haare und trage ständig Schmuck, Ohrringe, Armreif, DW und Bluse über der Jeans zur Arbeit. Damit kann ich leben und das kann meine Frau auch mittragen. Es ist nur ein möglicher Weg, mit so einer Situation umzugehen, denn gesagte Worte sind nicht zurücknehmbar.
Die Zeit arbeitet und ich wünsche dir, dass du mit deiner Frau zusammen einen gangbaren Weg finden kannst.

Gruß, Ulrike-Marisa :wink:

...ich bin das, was ich bin und nicht das, was andere in mir zu sehen glauben...

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Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Post 4 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2017-12-27 » Mo 18. Dez 2017, 17:30

Hi hallo, es ist leider für viele von uns die traurige Realität das der Weg ins richtige Leben in den richtigen Körper einen hohen Preis fordert. Man kann sich jahrelang dagegen wehren aber irgendwann ist die Körperdiskrepanz so groß das es nicht mehr auszuhalten ist und man den Weg geht. Ich wünsche dir viel Kraft dafür.
Uta

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Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Post 5 im Thema

Beitrag von ulla » Mo 18. Dez 2017, 18:15

Ein Danke ein Uta,sie hat mit wenigen Worten alles geschrieben !
Gruß Ulla

VanessaL
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Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Post 6 im Thema

Beitrag von VanessaL » Di 19. Dez 2017, 10:07

Hallo,

Deinen Beitrag zu lesen ist wie in einen Spiegel schauen .... so viel Seelenverwandtdchaft und dann doch auch individeull anders ...

Was für starke und liebenswerte Frauen wir doch an unserer Seite haben ... sie lieben uns und kennen uns besser, als wir uns selber kennen ... oder sind einfach nur ehrlicher zu uns, als wir es selber sein können .... sie blicken in unserer Seele und sehen uns, wie wir sind ...
Das ist nicht jedem gegeben - das mag sein - aber wenn es so ist, muss der Weg auch nicht auseinandergehen ... lasst Zeit ins Land gehen und die ersten Flutwellen abklingen, dann wird sich zeigen, ob die Ängste überhaupt Wirklichkeit werden.
Liebe bedeutet auch jemanden, den Freiraum zu geben, den er braucht .... auch Deine Frau braucht diesen jetzt .... es wäre hilfreich, wenn Sie den Austausch zu anderen Partnerinnen suchen würde ... denn eines ist wohl klar, trotz der Vorgeschichte steht Ihr erst jetzt am Anfang .... und ihr gestaltet die Zukunft, jeder für sich .... aber auch gemeinsam ....

Ganz liebe Grüße und vielen Dank für die sehr gut geschriebenen Worte
VanessaL

Anja
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Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Post 7 im Thema

Beitrag von Anja » Di 19. Dez 2017, 10:47

Hallo Michaela,

das Schwerste hast du schon geschafft. Du hast dich bei dir selbst geoutet. Ich weiß aus eigener Erfahrung wie lange man sich selbst belügen kann und gleichzeitig hofft, das es wahr wäre...

Und deine Frau weiß nun auch Bescheid. Noch ein ganz wichtiger Schritt.
Natürlich ist sie jetzt erstmal geschockt. Sie weiß es ja erst seit ein paar Tagen. Sie braucht nun Zeit.
Es ist zwar nur eine Phrase aber Nichts wird so heiß gegessen wie es gekocht wird.
Es gibt natürlich viele negative Erfahrungen, da möchte ich mal mit einer Positiven aufwarten. Bei uns hat sich garnichts geändert. Meine Frau ist noch bei mir und unsere Kinder kennen mich garnicht (mehr) anders. Für sie bin ich die Papa. Ich selbst bezeichne mich gerne als Väterin, ich finde das triffts genau. Eben eine weibliche Papa.
Du hattest jetzt nicht erwähnt, wie alt deine Töchter heute sind. Aber sicher würden sie dich doch auch als Frau akzeptieren oder? Den Menschen möchten sie sicher nicht verlieren. Da die optischen Veränderungen (selbst mit HT) sehr langsam voranschreiten, haben alle auch Zeit, sich daran zu gewöhnen, sofern sie das denn wollen.
Klar sagt deine Frau erstmal, das sie nicht mit einer Frau zusammenleben möchte.
Sich an so einen Gedanken zu gewöhnen, ist für eine Hetero-Frau sicher garnicht so einfach.
Meine Frau hatte zu Anfang auch viele Grenzen, die sich aber nach und nach aufgelöst haben. Hauptsächlich sollten die Grenzen uns vor ungewollten Outings (und dann negativen Reaktionen) schützen. Umso mehr Outings aber positiv abliefen, desto mutiger wurden wir.
Wir mussten in meiner Zeit als Teilzeitfrau auch viele Ausreden erfinden, wo ich denn gerade sei und warum. Wir mussten lügen. Das war auf die Dauer echt anstrengend. Das war auch für unsere Beziehung eine schwierige Zeit.
Heute, wo wir offen als Frauen zusammen leben, ist es viel einfacher geworden. Das Verstecken hat endlich ein Ende. Ich mache immer noch den gleichen Job in der Firma, den ich vorher 15 Jahre als Mann gemacht habe.
Ich nehme meine Aufgaben als Väterin gegenüber meiner Familie wahr, genauso wie vorher auch.

Ich habe meine Frau von Anfang an mitgenommen. Habe mit ihr über meine Gefühle und Wünsche geredet. Wir haben die einzelnen Schritte und Outings vorher gemeinsam besprochen und geplant. Das hat sicher auch viel zu einem Gelingen der ganzen Aktion beigetragen. Ich bin halt ein Mensch, der gerne Pläne macht, sich vorher Gedanken macht, wie man am besten ein Problem angeht.

Das ist natürlich keine Garantie, das alles glatt geht. Es kann natürlich auch schief gehen. Muss es aber nicht!
Als die Zeit der Outings vorbei war und ich dann auch als Frau zur Arbeit gehen konnte, kehrte schnell wieder Ruhe ein.
Wir leben heute glücklich mit unserer kleinen Regenbogenfamilie (he)

Ich wünsche dir und deiner Familie viel Kraft und das ihr das gemeinsam meistert!

Grüße
die Anja
*staatlich geprüfte Frau*

Saari
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Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Post 8 im Thema

Beitrag von Saari » Di 19. Dez 2017, 11:13

Liebe Anja und all die Anderen,
in einer anderen Mitteilung hatte ich Dir, liebe Anja, schon einmal beichtet, wie ich diese ganze Angelegenheit sehe und damit umgehe.
Das Leben als "Neu"-Frau ist für uns alle sehr gewöhnungsbedürftig. Familie und enge Freunde müssen bedacht werden.
Das Prädikat einer Teilzeitfrau habe ich so nicht. Alles ist ständig so, wie es einmal ist.
An anderer Stelle des Forums wurde gefragt was wir so zu Weihnachtsfest anziehen.
Meine Antwort: Nichts Besonderes: Dunkelblauer Streifenrock, FHS, Pumps und dazu ein passendes Oberteil (Bluse) und bei Bedarf: zusätzlich ein Cardigan.
Das ist auch dieses Jahr so, ich muss meine Gedanken und mich nach den gegebenen Möglichkeiten ausrichten.
Dir liebe Anja und allen anderen Lesern:
Ein gutes Weihnachtsfest und ein gesundes sowie glückliches neues Jahr 2018
Deine/Eure
Saari

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Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Post 9 im Thema

Beitrag von Michaela_mit_a » Di 19. Dez 2017, 15:23

Euch allen vielen Dank für eure unterstützenden Zeilen.
Nun sind erst ein paar Tage vergangen und ich kann bisher sagen, das meine Frau wahnsinnig toll ist!
Besonders in den ersten Tagen war ihre innere Zerrissenheit, ihre Angst und auch Unsicherheit genauso zu spüren, wie meine.
Sie hat sich Gedanken um die Kinder gemacht, um uns, um die Zukunft.
Zur gleichen Zeit gibt sie mir aber auch Kraft und strahlt Wärme aus, die ich gut gebrauchen kann.
Ich hoffe das hält lange an.

Über die Weihnachtstage werde ich versuchen das Thema ruhen zu lassen und im neuen Jahr werden wir sicher einmal besprechen, wie es weitergehen kann. (flo)

LG, Michaela

Claudia60
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Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Post 10 im Thema

Beitrag von Claudia60 » Fr 29. Dez 2017, 10:34

Hallo Michaela,

Als ich deinen Beitrag gelesen habe, musste ich feststellen , dass unser Weg und unsere Situation fast eins zu eins identisch sind!
Bei mir hat alles ab dem 10. Lebensjahr mit dem Tragen von FSH und Kleidung meiner Schwester begonnen. Dies begleite mich mein ganzes Leben. Im Gegensatz zu dir hatte ich zu Beginn meiner Ehe nichts meiner Frau von meiner weiblichen Seite gebeichtet. Während der Ehe trug ich immer heimlich wenn es möglich war die Frauenkleider. Als unsere zwei Söhne erwachsen waren und bei mir der seelische Druck immer größer wurde, habe ich mich vor knapp zwei Jahren bei meiner Frau geoutet und ihr von meiner weiblichen Seite gebeichtet. Am Anfang waren Unverständnis, Ängste und Sorgen von der aktuellen Situation geprägt. Sechs Monate nach dem Outing hatten auch wir ein emotionales, tränenreiches Gespräch. Seit dieser Zeit toleriert und akzeptiert mich meine Frau zu Hause als komplette Frau. Wenn es ihr zuviel wird das ich zu Hause die Frau bin ,sagt sie es mir und ich verwandele mich leider wieder zum Mann. In all dieser zurück liegenden Zeit informierte sich meine Frau über Männer die Frauenkleider tragen und wie es sein kann was nicht sein darf. Sie hat in dieser Zeit viel Informationen erhalten und hält fest zu mir. Gegenüber anfänglichem Unverständnis versucht sie immer mehr zu begreifen, dass sie einen Menschen seit fast dreissig Ehejahren hat, der diese weibliche Seite hat. Sie toelriert es auch wenn ihr der Mann lieber wäre. Sie ist einen großen Schritt auf mich zugegangen und kann heute auch die körperliche Annäherung zu dieser Frau ertragen was anfangs nicht der Fall war.
Was sie nicht weis, ist das ich mir sicher bin, dass ich gerne den Weg zur Transfrau gehen würde. Da dies aber optisch nicht zu erreichen ist und ich wahrscheinlich meine geliebte Frau und alles darum verlieren würde, werde ich mich wohl damit zufrieden geben müssen nur zu Hause eine Frau zu sein, wenn es die Möglichkeit zulässt. Ich Frage mich immer wieder soll ich mit 57 Jahren diesen Weg einschlagen? Ich habe nach dem Outing mit meiner Frau eine enorme Entwicklung gemacht. Heute bin ich mir sicher eine Frau zu sein die in der männlichen Hülle lebt. Aber meine Frau wird den Weg zur Transfrau nicht mitgehen, da bin ich mir sicher.Egal wie ich mich entscheiden würde, einen Teil meines Lebens werde ich schmerzlich verlieren. Ich stecke trotz Outing in der seelischen Zerrissenheit und kann sehr gut verstehen was dich bewegt und wie du dich fühlst.
Für mich

Liebe Grüße, Claudia

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Der nächste Schritt: SHG, Ärzte, Psychologen, Endokrinologen

Post 11 im Thema

Beitrag von Michaela_mit_a » Fr 26. Jan 2018, 11:30

Nach der Weihnachtszeit und ein paar Wochen "Normalität" wird es für mich Zeit den nächsten Schritt anzugehen.
Nur wie gehe ich am besten vor?

Ich habe von einer erfahrenen Therapeutin (>70km Entfernung, 1Std20 Fahrtpro Tour) den Tipp bekommen, mich in Flensburg an einen Therapeuten zu wenden (gleich um die Ecke).
Die Empfehlung zu Herrn Dr. Cüppers zu gehen klang allerdings nich nach einer Empfehlung aus tiefster Überzeugung und gutem Wissen, sondern Hörensagen.
Daher wüsste ich gern, ob jemand aus dem Raum Flensburg bereits Erfahrungen mit Dr. Cüppers gemacht hat und diese teilen mag.

Und gibt es im Raum Flensburg noch weitere "gute" Therapeuten, die offen für das Thema sind?

Ist es richtig, dass ich für einen Termin dort erst zu meinem Hausarzt muss?
Das würde bedeuten, dass ich erst dort meine Selbstdiagnose abgebe, womit der Stein vor der eigenen Haustür ins Rollen gerät ...

Welche Schritte kommen auf mich zu?
Kann ich jetzt schon prüfen lassen, ob eine Hormonersatzterapie bei mir durchführbar wäre (Chromosombestimmung, Blutbild, Hormonbestimmung)?
Wird das mein Hausarzt übernehmen, oder muss ich dafür zum Endokrinologen?
Kann der Hausarzt auch die körperliche Begutachtung vornehmen?
Was wird da untersucht? Ob die Leber OK ist?
Warum werden die Genitalien begutachtet?
Muss ich dazu zum Urologen?
Ich würde gern zu Beginn so wenig Termine wie möglich planen und den Kreis der "Eingeweihten" klein halten wollen :-/

Warum bekommen manche ihre Hormone beim ersten Gespräch, andere erst nach einem Jahr?
Liegt es daran, dass die "Patienten" sich nicht sicher waren, oder der Arzt/Therapeut?
Hintergrund der Frage ist, dass ich mit der HET nicht einen Tag länger warten möchte, als unbedingt nötig.
Es ist jetzt schon ein ungutes Gefühl da, dass jeder Tag ein verschenkter ist und jeder Monat die Chancen auf eine problemlose HET verringert.
Ob begründet oder nicht, das Gefühl ist da.

Ab Februar möchte ich zusätzlich zur Selbsthilfegruppe in Flensburg und dort teilnehmen.
Denke das könnte helfen :-)

LG, Michaela

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Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Post 12 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Fr 26. Jan 2018, 11:44

Moin,

öffentlich über die Eignung von namentlich genannten Therapeuten zu diskutieren ist etwas schwierig.

Hat es Zeit bis zu unserem Treffen im Februar?

"Gute Psychologen" sind rar im hohen Norden. Viele beschäftigen sich nicht mit transsexuellen Menschen - und wenn man einen findet: die Wartezeiten auf einen Termin sind in der Regel sehr lang.

Sehr lange dauert es auch, bis man einen Termin beim Endokrinologen bekommt. (in Kiel 6 Monate oder mehr)
Die Untersuchung, von der Du gesprochen hast, ist umfangreich.
Eine spätere Hormongabe kann auch durch eine gynäkologische oder urologische Praxis erfolgen; aber die große Eingangsuntersuchung werden die ebenso wenig machen wie ein Hausarzt.
ABER: es gibt auch andere Erfahrungen...
Es gibt auch Berichte, dass Hausärzte "fast alles" geregelt haben.

Gruß
Anne-Mette

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Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Post 13 im Thema

Beitrag von Michaela_mit_a » Fr 26. Jan 2018, 11:53

Danke für die schnelle Rückmeldung (flo)

In zwei Wochen komme ich dann zum Treffen und wir tauschen uns mal zu den Therapeuten direkt aus :-)

Ich habe im Grunde ein gutes Verhältnis zu meinem Hausarzt, kann aber überhaupt nicht einschätzen, wie er auf das Thema reagieren würde und wie tief er sich selbst in die Thematik einarbeiten möchte (ist auch nicht mehr der Jüngste ;-) ).
Würde es sehr begrüße, wenn mein Hausarzt "nahezu alles" regeln würde.

Mir geht es in erster Linie schonmal um eine "Bestandsaufnahme", damit geklärt werden kann, ob ich überhaupt körperlich/genetisch eine HET durchlaufen darf.
Dafür ist doch diese erste Untersuchung, oder?
Was machen die denn da alles, wenn das so umfangreich ist? Ich dachte es geht hauptsächlich um Leberwerte, Hormonspiegel, Chromosomen und allgemeiner körperlicher Zustand/Gesundheit.

LG, Michaela

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Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Post 14 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Fr 26. Jan 2018, 11:59

Moin,

da hast Du schon die wichtigsten Aspekte für die Untersuchung genannt.
Ich wollte auch nur ausdrücken, dass sie "nicht in 5 Minuten und im Vorübergehen" erledigt ist (888)

Ob ein Psychologe geeignet ist, das ist ganz stark von Deinen Erwartungen abhängig.
Benötigst Du eine kompetente Begleitung?

Gruß
Anne-Mette

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Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Post 15 im Thema

Beitrag von Michaela_mit_a » Fr 26. Jan 2018, 13:34

Ich bin mir nicht sicher was "eine kompetente Begleitung" beinhaltet ?.

Im Grunde benötige ich eine gesundheitlich/ärztliche Betreuung bei der Einnahme von Hormonen, mehr eigentlich nicht.
Wenn z.B. die Krankenkasse Leistungen übernehmen sollte, die ich selbst nicht zahlen kann, wäre natürlich eine entsprechende Unterstützung wichtig.
Mir fallen dazu natürlich optische verräterische Dinge ein wie Adamsapfel oder Gesichtsbehaarung, aber auch GaOP oder mind. Orchiektomie ein.

Das das keine Sommerlaune ist, sonder ich diesen Schritt gehen werde, ist mir klar.
Dafür benötige ich beispielsweise keinen der mir das bestätigt.
Nur reicht das der Krankenkasse, oder muss man sich das offiziell von irgendwem bestätigen lassen?
Es gibt bei manchen Dingen ja durchaus Diskussionen ob etwas optional ist, oder zwingend vorgeschrieben und von wem.
Da kenne ich mich noch zu wenig aus.

Darüber hinaus ist es sicherlich hilfreich mit jemandem offen über die eigenen Veränderungen und die im Umfeld zu sprechen.
Ob das nun ein Psychologe sein muss, da bin ich mir derzeit noch nicht sicher.

LG, Michaela

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