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To Pass or Not to Pass

Verfasst: Sa 11. Jan 2014, 20:11
von Aschenputtel
Kennt Ihr das auch? Manchmal träume ich davon einfach mitzuschwimmen im großen Strom. Ich wäre dann einfach eine Frau unter millionen Frauen. Ich würde Frauengespräche führen, Frauenklamotten kaufen, Frauenfilme sehen, Frauenzeitschriften lesen und mit Frauen Milchkaffee trinken. Meine Haare hätte ich schön und meine Stimme wäre sanft. Niemand würde merken, als was ich auf die Welt gekommen bin. Alles wäre gut. Oder nicht?

Ich bin als Mann aufgewachsen. Ich habe es gelernt mit lauter Stimme zu sprechen, energisch zu sein und mich durchzusetzen. Nützliche Sache. Ich schätze Männerfreundschaften. Mit meinem besten Kumpel auf der Kaimauer sitzen und Bier trinken, ohne ein einziges Wort dabei zu wechseln. Großartig. Mich total lässig quer auf ein Sofa fläzen. Herrlich. All das müsste ich mir schleunigst abgewöhnen. Es ist Gift für das Passing.

Bin ich der einen Schublade nur entflohen, um mich in der Nächsten gleich wieder wegzusperren?

Manchmal träume von einem Leben außerhalb der Kommode. Heels, ein Top aus Seide, vielleicht sogar eine Blüte im Haar, weil es meine feminine Seite so schön unterstreicht. Aber keine Sillies, keine Perücke. Ich täusche nicht vor, "Bio" zu sein. Die vom vielen Windsurfen muskulös gewordenen Oberarme würde ich mit stolz zeigen, anstatt zu grübeln, welche Bluse das am besten kaschiert. Und falls mal Flaute ist, geh' ich Cupcakes backen.

Dann wünsche ich mir ein Passing als Mensch. Als Mensch mit femininen und maskulinen Eigenschaften. Nicht als Teilzeitfrau, sondern als Vollzeitmensch.
I have a dream that my child will one day live in a nation where they will not be judged by having a penis or not but by the content of their character.
I have a dream today!

(frei nach Martin Luther King)
Freiheit oder Passing? Wie fühlt Ihr Euch?


Aschenputtelchen

Re: To Pass or Not to Pass

Verfasst: Sa 11. Jan 2014, 20:18
von JaquelineL
Hallo Aschenputtelchen,

wenn ich Jackie bin, habe ich ein (gesellschaftlich geprägtes) Bild von mir - wenn ich außerhalb der eigenen vier Wände unterwegs bin, möchte ich mich dem so weit wie möglich nähern.

Als Mann - ebenso.

Was allerdings nicht ausschließt, dass ich in beiden Rollen gegen verpflichtende Schubladen und vor allem negative *Zwänge* bin. Nur, gäbe es keine Schubladen mehr, gäb' es für mich auch keine Möglichkeit mehr, diese zu wechseln. Etwas, woran mir viel liegt.

Liebe Grüße
Jackie

Re: To Pass or Not to Pass

Verfasst: Sa 11. Jan 2014, 20:19
von Exuser-2014-02-18
.
Hallo

ein schöner Traum..... :()b

aber was mir eben beim Lesen spontan einfiel.....
mit Deinem besten Kumpel auf der Kaimauer Bier trinken...oder auf dem Sofa fläzen.....

kannst Du doch auch als Frau..... oder nicht ??? ( Ich würds machen (smili) )

elgetina ))):s

Re: To Pass or Not to Pass

Verfasst: Sa 11. Jan 2014, 20:35
von Aschenputtel
Hallo Tina,
aber was mir eben beim Lesen spontan einfiel.....
mit Deinem besten Kumpel auf der Kaimauer Bier trinken...oder auf dem Sofa fläzen.....

kannst Du doch auch als Frau..... oder nicht ??? ( Ich würds machen (smili) )
Ich glaub', das werde ich mal tun. Ich glaube aber auch, dass mein Passing davon nicht besser wird :wink:

Und dann frage ich mich wieder, ob das Passing denn überhaupt so wichtig ist.

Kleidung ist mir wichtig. Es soll gut aussehen und meine Persönlichkeit unterstreichen. Aber ist es notwendig zu verbergen, dass ich als Mann geboren bin? Ich bin mir nicht sicher.

LG

Aschenputtelchen

PS: Kennst Du die Bilder von Iggy Pop im Abendkleid?

Re: To Pass or Not to Pass

Verfasst: Sa 11. Jan 2014, 21:53
von Inga
Aschenputtel hat geschrieben:....

Kleidung ist mir wichtig. Es soll gut aussehen und meine Persönlichkeit unterstreichen. Aber ist es notwendig zu verbergen, dass ich als Mann geboren bin? Ich bin mir nicht sicher.

LG

Aschenputtelchen
Hallo, Aschenputtel,

hm, ich denke, es ist eher dein persönlicher individueller Weg, dein dir eigener Stil, den du im Laufe der Zeit so heraus reift und von anderen Vorstellungen und manchen bilder, die man anfangs haben mag, abweicht. Manches verliert ja auch im laufe der Zeit einfach an Reiz, nachdem man es mehrmals ausprobiert hat. Es hat sich halt als nicht so die eigene Sache heraus gestellt.

Liebe Grüße
Inga

Re: To Pass or Not to Pass

Verfasst: So 12. Jan 2014, 00:33
von Marielle
Hallo Aschenputtel,

wohl niemand kann von sich behaupten keinerlei Konventionen oder stereotypischen Vorstellungen zu unterliegen. Aber vielleicht ist das für "Freiheit" auch gar nicht nötig. Vielleicht geht es nur darum, die Konventionen und Stereotypen aufzugeben, die niemandem nutzen, aber manchem schaden oder wenigstens im Weg stehen?

Ich glaube, dass es eine gute Idee ist, sein/dein 'Passing als Mensch' auszuprobieren. Jedenfalls ist es besser, als einen Krieg zu führen, den man nicht gewinnen kann, weil man ihn letztlich gegen sich selbst führen würde.

Du hast es 'rumgedreht', ich würd's wieder zurückdrehen wollen: "To be or not to be ... "


Liebe Grüsse zur guten Nacht

Marielle

Re: To Pass or Not to Pass

Verfasst: So 12. Jan 2014, 04:24
von Lina
Aschenputtel hat geschrieben:Kennt Ihr das auch? Manchmal träume ich davon einfach mitzuschwimmen im großen Strom. Ich wäre dann einfach eine Frau unter millionen Frauen. Ich würde Frauengespräche führen, Frauenklamotten kaufen, Frauenfilme sehen, Frauenzeitschriften lesen und mit Frauen Milchkaffee trinken. Meine Haare hätte ich schön und meine Stimme wäre sanft. Niemand würde merken, als was ich auf die Welt gekommen bin. Alles wäre gut. Oder nicht?

...

Bin ich der einen Schublade nur entflohen, um mich in der Nächsten gleich wieder wegzusperren?

...


Aschenputtelchen
Was willst du eigentlich? Das, was du im ersten Absatz beschreibst ist ja auch ein Stereotyp.

Bei allem, was du tust, muss deine Kommunikation auf allen Ebenen auch das ausdrücken, was du bist, was du willst, da sonst kein anderes Lebewesen die erwünschte Reaktion zeigen wird.

Re: To Pass or Not to Pass

Verfasst: So 12. Jan 2014, 10:24
von Aschenputtel
Bei allem, was du tust, muss deine Kommunikation auf allen Ebenen auch das ausdrücken, was du bist, was du willst, da sonst kein anderes Lebewesen die erwünschte Reaktion zeigen wird.
Das ist ein wichtiger Punkt. Stereotypen erleichtern es den "anderen Lebewesen", uns die erwünschten Reaktionen zu geben. Selbst wenn ein Passing nicht perfekt ist und mann durchschaut wird, wird das Gegenüber sich wahrscheinlich an den Stereotypen orientieren und wir erhalten doch die erwünschte Reaktion. Wir Softwareentwicklerinnen nennen das Duck Typing.
When I see a bird that walks like a duck and swims like a duck and quacks like a duck, I call that bird a duck. (James Whitcomb Riley)
Gebrochene Stereotypen erschweren den Mitmenschen die Reaktion. In welche Schublade sollen sie auch greifen, um eine passende Reaktion hervorzukramen?

Keine Frage. Passing macht das Leben leichter.

Trotzdem wünsche ich mir manchmal, etwas mehr ich sein zu können und etwas weniger Stereotyp sein zu müssen.

Re: To Pass or Not to Pass

Verfasst: So 12. Jan 2014, 16:51
von Marielle
Hallo zusammen, Hallo Mona,

vielen Dank.

So wie du es schreibst, meinte ich es auch. Die entsprechende 'Frage' hatte ich auch aus Aschenputtels Beitrag gelesen/verstanden.

Ich will bestimmt keine Debatte über das Passing im Allgemeinen lostreten. Ich bin aber absolut der Meinung, dass jede/r für sich das Streben nach einem möglichst guten Passing hinterfragen darf und vielleicht sogar soll. Jedenfalls dann, wenn jemand das Gefühl hat, dass das 'perfekte Passing' nicht genauso perfekt zur Selbstwahrnehmung passt.

Das Passing ist m.E. eine relative Eigenschaft. Sicher schaffen es viele unter uns in bewundernswerter Weise ihre Aussenwirkung zu verändern; auf Fremde wirken sie absolut überzeugend. Spätestens gegenüber langjährigen Freund_innen oder gar Partner_innen gibt es aber kein Passing mehr. Zumindest nicht im Sinne eines dauerhaften "nicht erkannt werdens".

Daher kann man sich sicherlich die Frage stellen (die hab ich mir selbst jedenfalls gestellt), wofür man nach einem guten Passing strebt? Für die Fremden? Das wäre m.E. nicht gut. Um Anerkennung zu erzielen? Auch kein besonders gutes Argument, wenn es einem selbst dabei nicht gut geht, finde ich. (Edit: "Weil es mir selbst so am besten geht." ist natürlich ein sehr guter Grund. Aber dann würde man eben gar nicht auf die Idee kommen, die obige Frage zu stellen; ist dann auch gar nicht nötig).

Jede/r soll selbst seinen/ihren Weg finden, die 'Aussendarstellung' mit dem eigenen Empfinden in Einklang zu bringen. Ein "Nicht-Passing" ist sicher erklärungsbedürftiger als ein "perfektes Passing", aber eben nur gegenüber Fremden. Ich finde es aber allemal sinnvoller, als sich sehr anzustrengen, um sich am Ende wieder nicht wohl zu fühlen, wieder nicht der/die zu sein, der/die man ist. Eben 'to be or not to be' ... as you are


liebe Grüsse

Marielle

Re: To Pass or Not to Pass

Verfasst: So 12. Jan 2014, 17:37
von ab08
Meine Lieben,

dieser Thread gefällt mir sehr gut. "Passing" Mit den Jahren stelle ich fest, dass es mir eigentlich nur noch wichtig ist, mich zu zeigen, wie ich wirklich bin.
Im Alltag sehe ich manche, die irgendwelchen Stereotypen nacheifern und so will ich sicher nicht(!) wahrgenommen werden.

'Passing als Mensch' drückt das sehr gut aus. Wenn jemand dann mehr oder weniger laut "Transe" sagt -- Na und
Lara formulierte es wunderschön: "Das Problem ist schließlich nicht, dass wir irgendwie "falsch" sind, sondern, dass die vorherrschenden Stereotype falsch sind. Und ändern kann man sie nur, wenn man sich auch mal "außerhalb der Schublade" verhält."

Das seh ich ganz genauso und bin sehr glücklich, mich heute im Alltag so zeigen zu dürfen, wie ich bin.
Das wiegt den vorübergehenden beruflichen Ärger, die zwei Gerichtsverfahren (NÄ - PÄ) wirklich auf.

Ganz liebe Grüße
ab

P.S. Nix gegen Stereotype - Wer mich irgendwo zuordnet, bitte schön, das ist erlaubt. - Aber ich erlaube mir, die Anzahl der Stereotype ein wenig zu erweitern.

Re: To Pass or Not to Pass

Verfasst: So 12. Jan 2014, 17:44
von Anni
Hallo Mädels - hallo Marielle (moin)

Für mich ist das so genannte " Passing " ( greuliches Wort !!! ) ein zwei-schneidiges Schwert , an dem wir uns nur allzu schnell verletzten können .

Zum einen hasse ich die Menschen , die nur nach dem " Äußerlichen " urteilen , zum anderen mag ich auch nicht DIE , die auf ihr Erscheinungsbild nun so gar keinen Wert legen .

Was ist nun also richtig ???

Ein Passing ist sicherlich dann gut , wenn wir uns darin wohl fühlen , wenn wir in diesem Passing nicht gezwungen sind , uns bis zur Unkenntlichkeit zu verbiegen und es Ausdruck der wahren Identität ist . ---- Wunschdenken ???

LG von frecher Anni

Re: To Pass or Not to Pass

Verfasst: So 12. Jan 2014, 21:14
von Bianca D.
Anni hat geschrieben:
Ein Passing ist sicherlich dann gut , .....
....wenn wir in der Masse untergehen und keiner von uns Notiz nimmt.

Gruß Bianca

Re: To Pass or Not to Pass

Verfasst: So 12. Jan 2014, 22:52
von JaquelineL
LaraC hat geschrieben:
Bianca D. hat geschrieben:
Anni hat geschrieben: Ein Passing ist sicherlich dann gut , .....
....wenn wir in der Masse untergehen und keiner von uns Notiz nimmt.
Ist das so? Finde ich ganz ehrlich nicht. Für den einzelnen kann es sicher ein Vorteil sein, wenn er sich nicht mit der Aufmerksamkeit anderer auseinandersetzen muss. Aber für die gesamte Gruppe derer, die nicht dem klassischen dichotomen Geschlechterstereotyp entsprechen und so leben wollen/können, ist es eher schlecht. Denn wie soll sich das Stereotyp ändern, wenn nie jemand damit konfrontiert wird, dass es mehr als die simplen Kategorien Mann und Frau gibt?

Liebe Grüße,
Lara
... und selbst als einem Stereotyp entsprechen Wollende (boah, welch' ein Wortkonstrukt :oops: ) kann man ja mal auffallen wollen - z. B. als "besonders stylisch gekleidet", aber dennoch "unauffällig" im Sinne von eindeutig im Sinne der Geschlechterrolle ))):s

Liebe Grüße
Jackie

Re: To Pass or Not to Pass

Verfasst: So 12. Jan 2014, 23:44
von Lina
Bianca D. hat geschrieben:
Anni hat geschrieben:
Ein Passing ist sicherlich dann gut , .....
....wenn wir in der Masse untergehen und keiner von uns Notiz nimmt.

Gruß Bianca
Finde ich nicht. Ich glaube nicht, dass ich in der Masse untergehe, trotzdem glaube ich, dass ich meistens ein gutes Passing habe. Es ist ja nichts dagegen zu sagen, dass man bemerkt wird. Ich schaue mir auch andere Menschen genauer an. Vor allem in Stadtmitten/Shopping-/Caféviertel wo Leute nicht nur hingehen um was zu kaufen, sondern auch um gesehen zu werden. Natürlich, wer das nicht mag, sollte sich von Großstädten fern halten, denn genau die Aktivität ist ein beliebtes Vergnügen für uns.

Ich finde aber, dass es nicht wirklich schwierig ist, zu unterscheiden ob Leute nur normal gucken oder etwas verwundert, irritiert oder empört.

Re: To Pass or Not to Pass

Verfasst: Mo 13. Jan 2014, 00:54
von Andrea aus Sachsen
.
JaquelineL hat geschrieben:... und selbst als einem Stereotyp entsprechen Wollende (boah, welch' ein Wortkonstrukt) kann man ja mal auffallen wollen - z. B. als "besonders stylisch gekleidet", aber dennoch "unauffällig" im Sinne von eindeutig im Sinne der Geschlechterrolle
Wenn es auch etwas kompliziert formuliert wurde, aber das ist genau das Passing, welches ich auch anstrebe.