Hallo,
die Diskussion ist interessant. Meine Tochter studiert Gender-Studies und schreibt darin gerade ihre Masterarbeit. Ich habe ihr zwei Links geschickt und sie um ihre Meinung gebeten. Die Links, meine Frage und ihre Antwort füge ich unten an. Vielleicht bringt's uns etwas weiter.
Überraschend fand ich ihren letzten Satz: "Der Unterschied zwischen den Geschlechtern als Anker in unsicheren Zeiten"¦"
Vielleicht ist es das ja.
Tschüs, Lieschen
http://derstandard.at/1347492882583/Jed ... tersexuell
Und hier noch was aus der feministischen Ecke:
http://anschlaege.at/feminismus/2012/02 ... inerungen/
Jetzt bin ich wieder so schlau wie vorher. Was sagst du: sind die Gehirne zw. M und F generell unterschiedlich?
Die Antwort meiner Tochter:
Nein und Ja. Die Antwort ist leider nicht so einfach, denn es kommt darauf an, welchen Zeitpunkt man meint. Bei der Geburt sind beide Gehirne gleich. Aber das Gehirn funktioniert wie ein Muskel in dem Sinne, dass es trainierbar ist und an den beanspruchten Stellen an Masse zunimmt. Wenn Menschen also in einer vergeschlechtlichen Welt aufwachsen, in der bspw. Jungen mehr zu raumgreifenden Aktivitäten ermuntert werden, weil sie zB einen Bobby-Car-Trecker mit Anhänger geschenkt bekommen, und in der Mädchen sanktioniert werden, wenn sie auf Bäume klettern und sich die Hosen dreckig machen bzw. auf alle erdenklichen anderen Weisen ermutigt werden, sich stereotyp zu verhalten, dann bildet sich auch ein geschlechtstypisches Gehirn und dann kann man schon sagen, dass Männer- und Frauengehirne unterschiedlich sind, ja.
Im Text wurde es auch schon angesprochen, dass leicht Unterschiede gefunden werden können, wenn man nach ihnen sucht. Das ist ein ganz normales Problem jeder Forschung, dass man sich bewusst sein muss, mit welchen Vorannahmen man in eine Untersuchung reingeht, weil man sich durch Alltagstheorien vieles erklärt bzw. nicht mehr hinterfragt.
Du kannst also Unterschiede zwischen Männer- und Frauengehirn finden, aber das liegt an der Struktur unserer Gesellschaft. Du wirst wahrscheinlich mehr Gemeinsamkeiten in der Hirnstruktur bei männlichen und weiblichen Taxifahrerenden, Hochschuldozierenden ähnlicher Fachrichtung oder Pflegekräften finden. Das Gehirn eines Maurers ist auch nicht zu vergleichen mit dem eines Professors - das leuchtet wahrscheinlich den meisten Leuten ein. Ebenso musst du beim Vergleich von männlichen und weiblichen Gehirnen berücksichtigen, dass auch sie unterschiedlichen Stimuli ausgesetzt waren.
Was Cordelia Fine bezüglich der Untersuchungsmethode kritisiert ist auch, dass zu schnell Schlüsse gezogen würden, dass falsch interpretiert würde oder die Methode ungenau sei. Ganz deutlich wird das hier aber auch nicht, finde ich..
"Cordelia Fine und ihre Kolleginnen sind überzeugt: Weitverbreitete Ansichten, dass das männliche Gehirn besser für räumliches Denken und knallharte Analyse und das weibliche für Sprachverarbeitung, Kommunikation und Mitgefühl geeignet seien, begründen sich auf konsequent fehlinterpretierte Studien. Als Grundlage dafür dienen oft Hirnscans aus dem Magnetresonanztomografen, die anzeigen, welche Regionen im Gehirn aktiv sind, während eine bestimmte Aufgabe gelöst wird. Betrachtet man die Methodik genauer, relativieren sich viele Geschlechter differenzen, argumentiert Fine. Nicht nur werden stets andere Parameter und Grenzwerte angesetzt, auch die Zahl der Probanden divergiert erheblich. "
(aber du kannst es ja im Buch nachlesen

)
Aber wie gesagt, die Ergebnisse entsprechen den Alltagstheorien der Forschenden und die Medien sind auch immer ganz heiß drauf, zu erklären, warum Frauen und Männer so unterschiedlich sind. So werden auch irrelevante Ergebnisse hervorgehoben, die gar nichts aussagen. Vielleicht liegt das auch an der Unsicherheit, die viele Menschen verspüren, wenn es um Rollen oder angemessenes Verhalten geht. Der Unterschied zwischen den Geschlechtern als Anker in unsicheren Zeiten oder so...