Maria aus Bayern
Verfasst: Fr 9. Nov 2012, 19:43
Liebe Freundinnen und Freunde,
als ich mich am Anfang dieser Woche in diesem Forum angemeldet habe, habe ich versprochen mich noch ein bisschen ausführlicher Vorzustellen.
Ich bin die Maria.
Es ist eigentlich nicht meine Art, groß über mich zu reden oder schreiben aber ich würde mich gerne etwas hier im Forum beteiligen und darum finde ich, solltet Ihr schon wissen mit wem Ihr es zu tun habt.
Ich fange jetzt einfach mal an:
1969 wurde ich in München geboren, aufgewachsen bin ich außerhalb von München auf dem Land.
Ich hatte eine fast wunderschöne Kindheit und mir fehlte es an fast nichts. Tolle Eltern, tolle Geschwister, viele Freunde , fast alles toll.
Und trotzdem halt nur fast.
Schon als kleines Kind war mir bewusst, bei mir lief irgendetwas schief. Mein Äußeres entsprach nicht im Geringsten meinen inneren Vorstellungen.
Ich dachte und fühlte wie meine Schwester, sah aber aus wie mein Bruder.
Hmpf, es ist immer das gleiche, warum passiert sowas immer mir und nicht den anderen und weit und breit niemand den ich hätte Fragen können oder besser und ehrlicher gesagt:
Ich habe mich einfach nicht getraut darüber mit jemanden zu sprechen.
Ich überspringe jetzt mal ein paar Jahre, denn was in dieser Zeit passierte ist eigentlich identisch mit vielen anderen hier im Forum. (Falscher Körper, Kleidung der Schwester oder Mutter usw, usw.)
Wobei, eine kleine Geschichte meiner Kindheit möchte ich schon noch schnell erzählen:
Ich war im Kindergarten und wir spielten im Garten. Wie es halt so ist, man spielt und spielt und spielt und merkt nicht, dass man eigentlich mal aufs Klo müsste. Es hätte eigentlich noch gereicht wenn ich diese blöde lange Jacke aufgebracht hätte. So musste ich wieder raus zur Kindergärtnerin und mir die Jacke aufmachen lassen. Tja und dann war es zu spät und ich pieselte in die Hosen.
Für die Kindergärtnerin kein Problem, sie ging mit mir ins Haus, half mir beim Waschen und suchte mir dann frische Kleidung raus, die sie irgendwo für Notfälle lagerten.
Wahrscheinlich haben an diesen Tag schon mehr Jungs frische Kleidung gebraucht denn die Kinder-
gärtnerin zog mir dann eine grüne Strumpfhose an, ein pinkes Unterhemd und eine rote
(Mädchen) Jeans.
Die anderen Kinder haben das nicht so bemerkt, dass das eine Mädchenjeans war und über dem Unterhemd trug ich glaube ich noch einen Pullover oder so ähnlich.
Aber zuhause am Mittagstisch haben sich alle kaputtgelacht wie ich nach Hause gekommen bin.
Ich habe mich dann furchtbar geschämt aber innerlich fühlte ich mich richtig gut.
So, jetzt kommt aber der Sprung:
Ich wurschtelte mich halt so durchs Leben, wie die meisten hier mit heimlichen Tragen von Wasche,"¦
als ich mit ca. 18 Jahren meine heutige Frau kennen und lieben lernte.
Da dachte ich mir dann, so, jetzt wird alles normal.
Natürlich wurde es nicht normal und nach kurzer Zeit klopfte die Frau in mir wieder an.
Irgendwie klappte es, meine Frau davon zu überzeugen, dass z.B. Nachthemden viiiiel bequemer sind als Schlafanzüge, Strumpfhosen nicht aus den Socken rutschen und schließlich sogar dass Röcke in den eigenen vier Wänden einfach nur bequem sind. Später dann Männerröcke u. Kilts.
Das geht seit vielen Jahren wunderbar, sogar meine beiden Söhne (16 u. 10 Jahre) wuchsen damit auf und haben überhaupt kein Problem damit.
Mittlerweile trage ich zuhause überwiegend Kilts und Sarongs.
Alles super werdet Ihr jetzt sagen und ist es eigentlich auch, aber:
Es klopft leider wieder, und wer ist es? Richtig, die Frau in mir. (Weiber, nichts wie ärger...)
Im August diesen Jahres waren wir auf dem Polterabend eines befreundeten Paares und unsere Clique führte ein kleines Theaterstück vor bei dem ich glücklicherweise die Frau des Paares spielen durfte.
Alles lief super und, mein Gott war ich schön.
Na ja, so schön war ich dann auch wieder nicht aber ich fühlte mich wie, ICH.
Der restliche Abend verlief dann noch recht lustig und irgendwann waren nur noch ein Freund und ich übrig. Wird wohl schon so ca. 4.00 Uhr früh gewesen sein.
Der Freund ist Arzt und so im Laufe des Gesprächs habe ich im mein Herz ausgeschüttet.
Jetzt war es raus, nach über 35 Jahren war es raus, unglaublich.
Mein Freund versprach mir Hilfe und nach langem Reden gingen wir beide heim.
Erst mal war ich überglücklich aber dann kam eine gewisse Angst auf mich zu.
Ich habe den Stein ins Rollen gebracht, ich kann und will ihn nicht mehr stoppen, also musste ich es als nächstes meiner Frau sagen.
Kurz nach dem Polterabend ging es für uns in die Sommerferien und am zweiten Abend habe ich es meiner Frau erzählt.
Für sie brach eine Welt zusammen und am liebsten hätte sie den Urlaub gleich abgebrochen.
Nach zwei (schrecklichen)Tagen konnte ich sie davon überzeugen, dass ich nichts tun werde was unseren kleine und sehr glückliche Familie zerstören wird.
Die Kinder wissen übrigens nichts von meiner Gefühlswelt, für sie bin ich noch immer ein harter Hund im Kilt.
Nach unserem Urlaub, der übrigens noch wunderschön wurde, rief mich mein Freund an und gab mir die Telefonnummer eines Therapeuten mit dem er bereits über mein kleines Problem gesprochen hat und der auf meinen Anruf wartet.
Was soll ich sagen, ich habe ihn angerufen und seit ca. 5 Wochen bin ich einmal pro Woche bei ihm und es tut mir richtig gut. Ist ein total netter Kerl.
Wie das jetzt alles weitergeht, weiß ich auch noch nicht, meine Frau vermeidet das Thema, ich denke sie braucht da einfach noch viel mehr Zeit, ist ja auch verständlich, immerhin habe ich auch fast 40 Jahre gebraucht. Vielleicht versuche ich es wieder mit kleinen Schritten, wie beim Nachthemd"¦ .
Ich muss ja erst mal selber sehen wie sich das alles entwickelt und da will ich auch keine Hektik .
Für heute mach ich erstmal Schluss, was ich aber noch sagen, äh schreiben wollte ist:
Danke, vielen Dank dass es Euch gibt.
Hier bei Euch zu lesen und ein bisschen mitzuschreiben ist für mich genauso wichtig wie der Therapeut. Es tut so gut wenn man nicht mehr alleine ist.
Ein wunderschönes Wochenende wünscht Euch
Maria
als ich mich am Anfang dieser Woche in diesem Forum angemeldet habe, habe ich versprochen mich noch ein bisschen ausführlicher Vorzustellen.
Ich bin die Maria.
Es ist eigentlich nicht meine Art, groß über mich zu reden oder schreiben aber ich würde mich gerne etwas hier im Forum beteiligen und darum finde ich, solltet Ihr schon wissen mit wem Ihr es zu tun habt.
Ich fange jetzt einfach mal an:
1969 wurde ich in München geboren, aufgewachsen bin ich außerhalb von München auf dem Land.
Ich hatte eine fast wunderschöne Kindheit und mir fehlte es an fast nichts. Tolle Eltern, tolle Geschwister, viele Freunde , fast alles toll.
Und trotzdem halt nur fast.
Schon als kleines Kind war mir bewusst, bei mir lief irgendetwas schief. Mein Äußeres entsprach nicht im Geringsten meinen inneren Vorstellungen.
Ich dachte und fühlte wie meine Schwester, sah aber aus wie mein Bruder.
Hmpf, es ist immer das gleiche, warum passiert sowas immer mir und nicht den anderen und weit und breit niemand den ich hätte Fragen können oder besser und ehrlicher gesagt:
Ich habe mich einfach nicht getraut darüber mit jemanden zu sprechen.
Ich überspringe jetzt mal ein paar Jahre, denn was in dieser Zeit passierte ist eigentlich identisch mit vielen anderen hier im Forum. (Falscher Körper, Kleidung der Schwester oder Mutter usw, usw.)
Wobei, eine kleine Geschichte meiner Kindheit möchte ich schon noch schnell erzählen:
Ich war im Kindergarten und wir spielten im Garten. Wie es halt so ist, man spielt und spielt und spielt und merkt nicht, dass man eigentlich mal aufs Klo müsste. Es hätte eigentlich noch gereicht wenn ich diese blöde lange Jacke aufgebracht hätte. So musste ich wieder raus zur Kindergärtnerin und mir die Jacke aufmachen lassen. Tja und dann war es zu spät und ich pieselte in die Hosen.
Für die Kindergärtnerin kein Problem, sie ging mit mir ins Haus, half mir beim Waschen und suchte mir dann frische Kleidung raus, die sie irgendwo für Notfälle lagerten.
Wahrscheinlich haben an diesen Tag schon mehr Jungs frische Kleidung gebraucht denn die Kinder-
gärtnerin zog mir dann eine grüne Strumpfhose an, ein pinkes Unterhemd und eine rote
(Mädchen) Jeans.
Die anderen Kinder haben das nicht so bemerkt, dass das eine Mädchenjeans war und über dem Unterhemd trug ich glaube ich noch einen Pullover oder so ähnlich.
Aber zuhause am Mittagstisch haben sich alle kaputtgelacht wie ich nach Hause gekommen bin.
Ich habe mich dann furchtbar geschämt aber innerlich fühlte ich mich richtig gut.
So, jetzt kommt aber der Sprung:
Ich wurschtelte mich halt so durchs Leben, wie die meisten hier mit heimlichen Tragen von Wasche,"¦
als ich mit ca. 18 Jahren meine heutige Frau kennen und lieben lernte.
Da dachte ich mir dann, so, jetzt wird alles normal.
Natürlich wurde es nicht normal und nach kurzer Zeit klopfte die Frau in mir wieder an.
Irgendwie klappte es, meine Frau davon zu überzeugen, dass z.B. Nachthemden viiiiel bequemer sind als Schlafanzüge, Strumpfhosen nicht aus den Socken rutschen und schließlich sogar dass Röcke in den eigenen vier Wänden einfach nur bequem sind. Später dann Männerröcke u. Kilts.
Das geht seit vielen Jahren wunderbar, sogar meine beiden Söhne (16 u. 10 Jahre) wuchsen damit auf und haben überhaupt kein Problem damit.
Mittlerweile trage ich zuhause überwiegend Kilts und Sarongs.
Alles super werdet Ihr jetzt sagen und ist es eigentlich auch, aber:
Es klopft leider wieder, und wer ist es? Richtig, die Frau in mir. (Weiber, nichts wie ärger...)
Im August diesen Jahres waren wir auf dem Polterabend eines befreundeten Paares und unsere Clique führte ein kleines Theaterstück vor bei dem ich glücklicherweise die Frau des Paares spielen durfte.
Alles lief super und, mein Gott war ich schön.
Na ja, so schön war ich dann auch wieder nicht aber ich fühlte mich wie, ICH.
Der restliche Abend verlief dann noch recht lustig und irgendwann waren nur noch ein Freund und ich übrig. Wird wohl schon so ca. 4.00 Uhr früh gewesen sein.
Der Freund ist Arzt und so im Laufe des Gesprächs habe ich im mein Herz ausgeschüttet.
Jetzt war es raus, nach über 35 Jahren war es raus, unglaublich.
Mein Freund versprach mir Hilfe und nach langem Reden gingen wir beide heim.
Erst mal war ich überglücklich aber dann kam eine gewisse Angst auf mich zu.
Ich habe den Stein ins Rollen gebracht, ich kann und will ihn nicht mehr stoppen, also musste ich es als nächstes meiner Frau sagen.
Kurz nach dem Polterabend ging es für uns in die Sommerferien und am zweiten Abend habe ich es meiner Frau erzählt.
Für sie brach eine Welt zusammen und am liebsten hätte sie den Urlaub gleich abgebrochen.
Nach zwei (schrecklichen)Tagen konnte ich sie davon überzeugen, dass ich nichts tun werde was unseren kleine und sehr glückliche Familie zerstören wird.
Die Kinder wissen übrigens nichts von meiner Gefühlswelt, für sie bin ich noch immer ein harter Hund im Kilt.
Nach unserem Urlaub, der übrigens noch wunderschön wurde, rief mich mein Freund an und gab mir die Telefonnummer eines Therapeuten mit dem er bereits über mein kleines Problem gesprochen hat und der auf meinen Anruf wartet.
Was soll ich sagen, ich habe ihn angerufen und seit ca. 5 Wochen bin ich einmal pro Woche bei ihm und es tut mir richtig gut. Ist ein total netter Kerl.
Wie das jetzt alles weitergeht, weiß ich auch noch nicht, meine Frau vermeidet das Thema, ich denke sie braucht da einfach noch viel mehr Zeit, ist ja auch verständlich, immerhin habe ich auch fast 40 Jahre gebraucht. Vielleicht versuche ich es wieder mit kleinen Schritten, wie beim Nachthemd"¦ .
Ich muss ja erst mal selber sehen wie sich das alles entwickelt und da will ich auch keine Hektik .
Für heute mach ich erstmal Schluss, was ich aber noch sagen, äh schreiben wollte ist:
Danke, vielen Dank dass es Euch gibt.
Hier bei Euch zu lesen und ein bisschen mitzuschreiben ist für mich genauso wichtig wie der Therapeut. Es tut so gut wenn man nicht mehr alleine ist.
Ein wunderschönes Wochenende wünscht Euch
Maria