Seite 1 von 1

gestriger Kommentar der Badischen Neuesten Nachrichten

Verfasst: Fr 13. Apr 2012, 10:07
von Marielle
Hallo, Guten Tag zusammen,

als ich untenstehenden Text heute nacht in der Presse-Vorschau des Deutschlandfunks im Auto hörte, dachte ich zuerst, dass ich mich verhört hätte.

Da packt ein Provinzblatt-Kommentator die Homo-Ehe in einen Satz mit Kindersex und "anderen sexuellen Verirrungen"!! Abgesehen davon das diese/r Schreiber/in ungetrübt von jedweder Kenntniss sexuelle Orientierungen, Familien- bzw. Partnerschaftsmodelle und Sexualpraktiken munter durcheinander bringt: Verirrt, andersartig, abartig, entartet......von Menschen wie diesem Schreiberling möchte ich keine Leitplanken gebaut bekommen. Und auf das was er/sie "anerkannte moralische Wertvorstellungen" nennt, verzichte ich auch sehr gerne. Dienen sie doch den Verklemmten in diesem Zusammenhang meist nur dazu alle anders fühlenden und anders denkenden auszugrenzen.

Damit ich richtig verstanden werde: Ich bin GEGEN Sex mit Kindern, weil ich glaube das dieser nicht gleichberechtigt sein kann; Ich bin auch nicht der Meinung das Inzest-Verhältnisse ohne weiteres akzeptabel sind. Aber was die BNN in ihrem Kommentar abliefert entstammt einer uralten Mottenkiste und grenzt m.E. hart an gesetzliche Diskrimminierungsverbote.

Marielle



Kopiert von der Seite http://www.dradio.de/presseschau/ am 13.04.12:

Die BADISCHEN NEUESTEN NACHRICHTEN gehen auf das Straßburger Urteil zur Strafbarkeit von Inzest in Deutschland ein:

"Würde man der sexuellen Selbstbestimmung den Vorrang einräumen vor allen Formen der sexuellen Begegnung, wäre die Erlaubnis zum Inzest nur der Anfang zu einer Fülle weiterer Tabubrüche. Dabei ginge es nicht nur um die Homo-Ehe, sondern auch um Inzest von Eltern mit ihren Kindern, um Kindersex, die Vielehe und andere Formen sexueller Verirrungen. Jede Gesellschaft basiert auf allgemein anerkannten moralischen Wertvorstellungen, sie braucht gerade in Zeiten der wachsenden Beliebigkeit verlässliche Leitplanken. Die europäischen Richter akzeptierten weise eine Norm, die auch von den Menschen akzeptiert wird",

loben die BADISCHEN NEUESTEN NACHRICHTEN aus Karlsruhe und damit stehen sie ziemlich allein da.

Re: gestriger Kommentar der Badischen Neuesten Nachrichten

Verfasst: Fr 13. Apr 2012, 10:18
von exuser-23-02-2013
Und es ist wie immer: Die Wahrheit liegt in der Mitte!

Jede Gesellschaft braucht allgemein anerkannte (und eben auch teilweise strafbewehrte) Normen, an denen sich jeder orientieren kann und muss. Der Denkfehler liegt aber darin anzunehmen, dass unsere heutigen Werte die einzig richtigen Werte sind bzw. sein können - und das verpeilt der Autor vollkommen.

Beispiel Vielehe: Ich bin kein Freund derselben, weise aber darauf hin, dass diese über viele Jahrhunderte durchaus positive Effekte wie die Absicherung von Kriegerwitwen hatte - merke: Es kommt immer auf den Blickwinkel an. Und wie sich Zeiten, Normen und Werte wandeln macht ein anderes Beispiel überdeutlich: Vor 100 Jahren war es ganz normal, dass die Dame mit Korsett, langem und hochgeschlossenen Kleid und niemals ohne Hut aus dem Haus ging, während ein Mann ohne "gedient" und einen militärischen Rang zu haben ein gesellschaftliches Nichts war - und was ist heute davon übrig? Der preußische Polizeipräsident sah sich genötigt in einer Polizeiverordnung festzulegen, dass es auch zu Karneval verboten sei, dass Männer sich mit Frauenkleidern kostümieren ...

Dem Kommentator wäre daher die Einsicht zu wünschen, dass Normen, Werte und Moralvorstellungen nicht statisch sind, sondern einem ständigen Wandel unterliegen. Dabei kommt es auch zu Irrwegen, die religiösen oder (sich ebenfalls wandelnden) gesellschaftlichen Strömungen entwachsen - gut, wenn man das erkennt und Fehlentwicklungen aufzeigt, schlecht, wenn einem dies nicht bewusst ist.

Re: gestriger Kommentar der Badischen Neuesten Nachrichten

Verfasst: Fr 13. Apr 2012, 12:00
von Marielle
Hallo Heidi,

fünf Ausruf-Zeichen und eine komplette Urteilsbeschreibung sind viel; Insbesondere weil ich mich gar nicht zu dem Urteil oder auch nur zu dem Fall der da verhandelt wurde geäussert habe. Ich habe das ganze Verfahren überhaupt nicht verfolgt und kann die juristischen Aspekte auch nicht beurteilen.

Sicher hast du recht wenn du schreibst, dass es in diesem Verfahren nicht um UNS ging; Darum ging es mir aber gar nicht.

Ich will mit dem Forumsbeitrag auf die Sichtweise dieses Kommentators hinweisen. Eines Menschen nämlich, der unreflektiert verschiedenste Aspekte zusammenwürfelt und sie in sein scheinbar krudes Weltbild einfügt. Und spätestens dann, wenn er/sie über moralische "Leitplanken", "Wertvorstellungen" und "weise Richter" (die laut seiner/ihrer Argumentation die Welt auch gleich vor der Homo-Ehe retten müssten) schreibt, spätestens dann geht es auch um Crossdresser, Transvestiten, Transsexuelle, Homos, Bisexuelle usw.

Marielle