Knäckebrötchen hat geschrieben: So 16. Aug 2026, 21:53
Hi Jaddy,
ich hab mir jetzt den Artikel mal durchgelesen und dann mit den Aussagen deines KI-Prompts verglichen. Ich finde es irritierend, dass Punkt 2 und 4 als Kritik am Text dargestellt werden.
Ich hätte es dazu schreiben sollen: Keines der KI-Resultate sollte einfach so genommen werden. Im Zweifel muss eins immer noch mit skeptischem Blick tief eintauchen. Ich fands es nice, quasi Claude gegen Claude antreten zu lassen. Allerdings:
Knäckebrötchen hat geschrieben: So 16. Aug 2026, 21:53
Jaddy hat geschrieben: So 16. Aug 2026, 21:06
2. „Ceramidhaltige Pflege ist obligatorisch, nicht optional" stammt aus einer Aknempfehlung für überwiegend transmaskuline Patient*innen und ist dort eine Expertenmeinung, keine Pflichtaussage. Passt inhaltlich zu unserem letzten Gespräch: Cochrane und AAD-Leitlinie finden keine Überlegenheit eines bestimmten Pflegewirkstoffs.
im Text steht ausdrücklich,
Eine aktuelle Expertenempfehlung formuliert es deutlich: Ceramidhaltige Pflegeprodukte sind bei dieser Patientengruppe obligatorisch, nicht optional (9).
Es ist also ein Zitat, mit Referenz.
Das stimmt, aber das erste Problem ist ein anderes, und darauf bezieht sich Claudes Kurzantwort wohl, aber nicht deutlich genug. Ich musste es auch zwei mal lesen. Im Artikel heisst es "Unter
feminisierender Hormontherapie sinkt die Talgproduktion; [...] aktuelle Expertenempfehlung [...] bei dieser Patientengruppe obligatorisch, nicht optional".
Der Artikel (9) schreibt in Abstract und Conclusion: " The administration of
masculinizing hormones frequently causes moderate to severe acne which requires the administration of oral treatments involving specific conditions of use and, conversely, the
use of feminising hormones reduces the risk of more severe forms of acne. However, mild to moderate acne may persist, requiring topical treatments that may further increase skin dryness and irritation. The risk of relapse after stopping treatment may be very high and justifies a maintenance topical treatment. The use of ceramide-enriched emollients is
mandatory in all patients."
Also, zum einen bezieht sich "all patients" bzw "diese Patientengruppe" ausschliesslich auf Leute mit behandlungsbedürftiger Akne, nicht auf alle unter HET. Zum anderen reduziert feminisierende HET (laut (9)) eher/häufiger ein vorheriges Akne-Problem[1]. Ich denke, da hat sich die KI, die den Artikel rohgetextet hat, etwas verhaspelt in den Bezügen und Maxine Bennek hat es nicht gesäubert.
Und dann zum deep dive in die Epert*innen: (9) ist "Auffret, N., et al., Acne in transgender patients: disease management and treatment recommendations from a group of experts on acne. Eur J Dermatol 34(6) (2024) 609–615.
DOI: 10.1684/ejd.2024.4788". Der Volltext ist öffentlich. Am Ende steht die obligatorische Offenlegung: "Conflicts of interest: the authors are members of an expert board on acne supported by Galderma International, France. Funding: the authors received honoraria from Galderma International."
Die Experten wurden also ausgesucht und bezahlt von einem globalen Milliarden-Unternehmen, das sein Geld mit Hautpflege-Produkten und -medikamenten verdient. Die haben eine Literaturrecherche gemacht: "reviewed 68 publications retrieved from the PubMed database regarding the issue of acne in transgender patients. Key words included “acne+transgender”, “acne+transgender+treatment”, “transgender+skin diseases+treatment”, transmen+acne+treatment”, and “transwomen+acne+treatment”. The authors
did not perform a systemic review of the literature according to PRISMA guidelines. This decision was based on the
limited number of available published studies conducted regarding transgender individuals with acne, as well as
the overall aim of the manuscript."
Übersetzt: Erstens, es gab nicht viel. Ob genug ist dann Einschätzungssache. Von den 68 Referenzen bezogen sich nach meiner Zählung nur 18 Paper explizit auf trans Personen mit Akne. Der Rest sind entweder nur Akne oder nur trans, inklusive banaler Referenzen. Das ist schon ein bisschen fishy, das als "68 publications regarding the issue of acne in transgender patients" zu bezeichnen. Zweitens "wir hatten einen definierten Auftrag" (von der Firma). Daraus haben sie dann zusammen mit ihrer expertischen Erfahrung/Meinung eine spezifischer "trans acne" abgeleitet und eine Behandlung dafür empfohlen. Ich spekuliere mal, dass der Auftrag möglicherweise ungefähr gelautet hat, "guckt doch mal, wo wir unsere Produkte bei den trans Leuten unterbringen können, wenn die eh schon in Dauerbehandlung sind, und macht ein zitierfähiges Paper draus".
Knäckebrötchen hat geschrieben: So 16. Aug 2026, 21:53Auch der Hinweis zur "relevanten Lücke bei Cyproteronacetat": der Text behandelt Beratungsfragen rund um die Hautpflege. Eine Beratung zum Meningeomrisiko ist hier nicht relevant, sollte auch tendenziell eh im Rahmen der HRT-Betreuung erfolgt sein.
Völlig richtig. Das ist ärztlicher Teil, nicht Apotheke. Da hat sich mein Prompt verhaspelt und sowohl den Kontext Hautprobleme verlassen, als auch den Verantwortungsbereich von Apotheken.
Knäckebrötchen hat geschrieben: So 16. Aug 2026, 21:53Plus: die Aussage "Cyproteronacetat werde als häufigster Testosteron-Antagonist aufgeführt ist... tendenziös, es wird genau 1x im ganzen Text erwähnt, im Satz
In Deutschland kommt hierfür am häufigsten Cyproteronacetat zum Einsatz, alternativ Spironolacton; seltener werden GnRH-Analoga als Injektion oder Implantat verwendet (3).
Der Satz ist aus meiner Sicht nicht falsch. In D wird als Testo-Blocker am häufigsten Cypro gegeben. Das ist erst mal Fakt. Die überkritische Ableitung (oben) ist eine andere Sache.
Insgesamt finde ich das Ergebnis
meiner Anfrage, das 18-Seiten PDF, nützlich als Einstieg in genauere Untersuchungen. Kein KI-Ergebnis sollte ohne gute Prüfung verwendet werden, so wie das beim Apotheken-Artikel mE passiert ist. Gerade wenn es um mögliche Risiken geht. Die Qualität der Antworten kann aber deutlich verbessert werden, indem die "besseren" (=teureren) Modell auf hoher Leistung verwendet werden, die Prompts ausführlich und spezifisch sind, genaue Belege einfordern, etc. und indem das Thema in mehreren kleinen Durchgängen behandelt wird - mit rechtzeitigem Sessionwechsel, bevor der Session Memory unscharf wird. So jedenfalls meine Erfahrungen. (Disclosure: Ich nutze das Zeug täglich, job-mässig, zum coden und texten und habe privat damit inzwischen ein Sachbuch und einen Roman erstellt).
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[1] Wobei Claude in meiner Antwort auf
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41563779/ hinweist, der in (9) nicht enthalten ist, weil neuer: "Acne risk was higher in transfeminine individuals after starting estradiol than cisgender men and lower than cisgender women". Mehr oder weniger ist also auch eine Frage der Perspektive.