hier ist Emily (Emy), ich bin 24 Jahre alt und freue mich, Euch kennenzulernen
Meine Geschichte
Meine Neugierde rund um Crossdressing kam in der frühen Jugend auf und äußerte sich, vielleicht ein wenig klischeehaft, durch das sporadische und heimliche Tragen von knallig rotem Nagellack.
Zwischenzeitlich ließ ich mich von meiner damaligen Freundin schminken und stelle fast, dass sich mit Schminke meine Selbstwahrnehmung ändert - irgendwie fühlte es sich aufregend an, und ich fühle mich schön.
Mit Anfang 20 kam erneut das Thema auf, angestoßen durch eine Begegnung mit Crossdressing-Content auf einer Social Media Plattform.
Die innere Stimme in mir sagte "probiere das aus", und ich war euphorisiert, denn ich bin ich auf etwas gestoßen, das schon längere Zeit in mir schlummerte. Gesagt, getan, ich bestellte mir Strumpfhosen, entledigte mich meiner Körperbehaarung und nahm meinen Körper völlig neu wahr: glatte Haut, enge Kleidung, und die Erkenntnis, dass ich diese abgewandelte Form meiner Selbst genieße. Zu meinem Körper hatte ich bis dahin ein eher schwieriges Verhältnis, geprägt von einer ausgesprochen selbstkritischen Sichtweise, die eigenen Makel wogen schwer, und wenn ich in seltenen Fällen nichts auszusetzen fand, dann sah ich mich in einem gleichgültigen Licht.
In den nächsten Jahren habe ich mir immer wieder Kleidung bestellt und begonnen, sie in unregelmäßigen Abständen heimlich zu tragen. Im Rückblick waren es viele kurze Phasen, aber Crossdressing war insgesamt eine Nebensache, die mich nie stärker vereinnahm.
Das änderte sich dieses Jahr grundlegend. Ich bin aus dem Elternhaus für einige Zeit ausgezogen, um in einer neuen Umgebung und losgelöst von meinem bisherigen sozialen Umfeld, mein Studium fortzusetzen. Das bedeutet auch: ein neuer, geschützter Raum, um mit Crossdressing zu experimentieren. Ich nutzte diese Chance und bestellte Unmengen an Kleidung, Schmuck und meine Nagellacksammlung dürfte einer Kosmetikerin Konkurrenz machen. Immer häufiger trug ich zu Hause weibliche Kleidung, den Nagellack trug ich auch in der Universität, anfangs Klarlack und später ausgefallene Farben. Es fühle sich richtig an.
Der Anblick meiner Selbst im Spiegel mit hübscher Kleidung, mit Makeup im Gesicht, mit Nagellack - das lies mich innerlich beben: das erste Mal in meiner Erinnerung dachte ich mir "du siehst verdammt gut aus", und mein Körper war erstmals mehr als nur ein funktionales Werkzeug, es wurde zu meinem liebgewonnenen zu Hause. Ich traute mich zusammen mit meiner Freundin an Fasching aus dem Haus, vollständig "feminin" inklusive Perücke, und und nahm an einem Umzug teil. Es war ein unbeschreiblich schöner Tag und rückblickend kann ich sagen: so selbstbewusst wie an diesem Tag war ich noch nie. Umso schwerer fiel es mir dann, wieder eine angepasste Rolle einzunehmen, und statt vollständig feminin aufzutreten, das Männliche mit dem Weiblichen zu balancieren - feminer Schmuck und Nagellack ja, aber männliche Kleidung.
Mich lies diese Erfahrung nicht los und so begann ich meine geschlechtliche Identität zu hinterfragen. Jede Option zog ich in Betracht, einschließlich einer möglichen Mann-zu-Frau-Transidentität, und ich habe mich mit allerlei Theorien zum Thema Crossdressing intensiv auseinandergesetzt. Mein damaliges Fazit war, dass ich mich weder dem männlichen Geschlecht zugehörig fühle, noch ohne Zögern aussagen kann, dass ich eine Frau sei. Transitionen möchte ich nicht, dazu fehlt körperliche Dysphorie und die sozial-gesellschaftlichen Konsequenzen sind zu groß, andererseits: ich möchte meine femininen Züge nicht unterschlagen. Genau das habe ich die letzten Monate versucht, ausgehend von Erfahrungen in meinem alten sozialen Umfeld, die mich in eine typisch "männliche" Rolle zurückbefördert haben.
Und heute
Nun stehe ich mit vielen Fragen da: wie möchte ich meine Crossdressing-Seite ausleben, um eines Tages nicht zu bereuen, etwas nicht ausgelebt zu haben? Wie kann ich weitere Erfahrungen sammeln, die mir helfen herauszufinden, wer ich wirklich bin? Gedacht habe ich z.B. daran, mal einige Tage in einer fremden Stadt (oder fremden Land?) optisch als Frau zu verbringen. Welche Tipps und Ratschläge habt ihr parat?
In diesem Forum konnte ich immer wieder beobachten, dass es insbesondere Personen über 50-55 sind, die ihrem "inneren Crossdresser" den nötigen Raum schenken, diese Seite ausleben. Einerseits stimmt mich das sehr glücklich, denn nichts ist schöner, als zu sehen, dass Menschen sich erlauben, wirklich authentisch sich auszuleben - andererseits frage ich mich: wie kann ich verhindern, dass ich diese Seite bei mir unterschlage und möglicherweise eines Tages bereue, nicht "ich selbst" gewesen zu sein?
Ich freue mich auf Eure Gedanken und Anregungen.
Liebe Grüße
Emy