Manuelaw hat geschrieben: Mi 5. Feb 2025, 22:39
Ich verstehe die Amerikaner nicht. Wie kann man den so einen Präsidenten zum zweiten mal wählen. Der gehört weggesperrt in die geschlossene Abteilung. Jetzt will er noch die Palästinenser Umsiedeln und den Gazastreifen übernehmen.
Unfassbar
Soweit ich die Analysen verfolgt habe, sind die Gründe der Trump-Wählenden inzwischen relativ klar. Jedenfalls die drei wichtigsten, aber vor allem das Setting, das unabdingbar war.
Punkt 1: Wirtschaft. Bzw die prsönliche Angst vor Inflation, Job-Verlust, unbezahlbaren Wohnkosten, Energie, Deindustrialisierung, etc.
Punkt 2: Angst vor mehr Kriminalität, vor allem durch illegal Zugewanderte, Drogen, Morde, usw.
Punkt 3: Befürchtungen, dass "die Regierung" ihnen ihre Lebensweise wegnimmt, in Elternrechte rein regiert, "amerikanische Freiheiten nimmt", usw.
Die Leute glaubten für ihre Wahlentscheidung, das nur Trump das alles verhindern würde und sie weiter einen guten Job in der amerikanischen Industrie haben, bezahlbare Wohnung (Haus), billigen Sprit und Strom. Dass die Regierung Millionen "illegale" aus dem Land schafft und die Verbrechensrate runter bringt, und dass sie niemand zwingt, Regenbogenflaggen zu hissen oder auf ihr Steak zu verzichten.
Nur ist das real betrachtet völliger Unfug.
Zu #1: In der Zeit der Biden-Regierung wurde die wirtschaftliche Lage gerade kleiner und mittlerer Einkommen besser. Auch durch Ausbau Medicare u.ä., was Leuten im US-System drastisch Kosten sparen. Die staatlichen Investitionen in Erneuerbare (übrigens am meisten in Rep-Staaten wie Texas...) und Infrastruktur brachten viele in neue Jobs und baute wieder Firmen auf.
Zu #2: Die Kriminalität ging seit 2020 masssiv runter. Diese Millionen von illegalen Straftäter*innen gibt es überhaupt nicht. Es gibt nur Erntehilfen und Drecksjob-Machende.
Zu #3: Nunja, kennen wir. Keine Regierung zwingt Menschen queer zu werden oder trans oder macht irgendwen dzau. Auch keine Kinder. Fleisch wird nicht verboten, Autos werden nicht verboten, sie können weiter Gas und Öl verheizen und brauchen sich auch keine Solarpanele aufs Dach zu schrauben. Es wird nur erklärt, was insgesamt sinnvoller wäre und Respekt für andere mit anderen Präferenzen eingefordert.
Ja, kennen wir wirklich alles, oder? Sieht hier genau so aus. Viele Menschen glauben tatsächlich, wir stünden kurz vor einem Zusammenbruch, und obwohl es ihnen gut geht (~75% sagen das), befürchten sie das schlimmste, wenn das mit der Energie- und Verkehrswende so weiter geht und dem ganzen links-grünen Kram.
Wichtigste Voraussetzung aber, damit diese ganzen Horrorvorstellungen wahlentscheidend funktionieren: In den USA ist die Medienlandschaft extrem polarisiert. Fox News kennen die meisten hier wohl. Dagegen sind Bild, Welt, Nius & Co wahrhaftige und seriöse Kanäle. Es gibt aber noch viel mehr und sie verlinken sich gegenseitig. Es gibt wegen "free speech" auch praktisch keinen Schutz gegen Übertreibungen, glatte Lügen und Verunglimpfungen.
Davon gab es reichlich. Zum Beispiel die Erzählung der Millionen illegalen Migranten, die raubend, mordend und vergewaltigend durch die USA ziehen. Völliger Humbug. Gibt's überhaupt nicht. Die Deindustrialisierung, sofern sie stattfindet, ist keine Folge "woker" Politik, sondern weil entweder die in den USA gefertigten Produkte nicht mehr verkaufbar sind (weltweit nicht mehr gefragt und die US-Amerikaner*innen kaufen im Zweifel auch billig aus China) oder die Produktion in Ländern mit noch geringeren Löhnen mehr Profit verpricht. Die US-Auto-Industrie ist zB im Zeitalter der globalen e-Wende weg vom Fenster, weil sie sich nicht auf die neuen Bedarfe, heimisch und weltweit, eingestellt haben.
Die Trump-Kampagne hat diese drei Erzählungen oben über die rechts-offenen radikalisiert-konservativen Medien erfolgreich in die Köpfe einer weitgehend nicht sonderlich gut informierten Bevölkerung gebracht. Massiv unterstützt durch Musk, Zuckerberg und Co plus die Aufmerksamkeits- und Empörungs-Algorithmen von Youtube und TikTok, also die Hauptinfo-Quellen neben offiziellen Medien. Ich weiss nicht, wer mal "drüben" war: Wenn eins nicht gerade in einer intellektuellen, weltläufigen Großstadt wohnt mit vielen Kontakten zu diversen Menschen, dann lässt sich in den USA ein ganzes Leben verbringen mit Informationen aus zweiter und dritter Hand, ohne Bezug zur Realität draussen.
Je nu. Das schlimme ist, dass es hier auch schon so zu funktionieren beginnt. Die Masse an absichtlich verbreiteten Unfugs, von einfacher Einseitigkeit über Übertreibungen bis zu platt falschen Behauptungen ist immens. Und sie schaffen es bis in den Bundestag. Nicht nur von der afd. Das sind wir ja leider schon gewohnt. Aber gerade die Debatte letzte Woche setzt auf eine völlig verzerrte Darstellung. Ich weiss nicht, ob Merz all das tatsächlich glaubt, was er da erzählt hat, aber es waren im Kern Unwahrheiten und Übertreibungen. Ich wüsste gerne, wer ihm diese Vorlagen und Reden erstellt hat.
Beispiel Gebäude-Energie-Gesetz. Platte Lügen und Kampagnen bis in den Bundestag hinein.
Sogar mein Nachbar ein paar Häuser weiter wollte mir was von Blackouts erzählen, dass wir Strom aus Frankreich kaufen müssten und die da massig Kohlekraftwerke bauen würden. Alles nicht wahr. Keine Ahnung, wo er das her hat und warum er nicht mal nachprüft. Und der ist kein Querdenken oder afd-Anhänger.
Ziel des Ganzen: Die Auflösung der Wirklichkeit. Totale Verunsicherung und Zerstörung nachprüfbarer Fakten. Irrationale Ängste schüren, damit die Leute akkfektiv und emotional autoritär wählen, statt besonnen auf die Realität zu schauen.
Wir sollten uns also nicht so überlegen fühlen. Die gleichen Kräfte, die sich mit Trump die USA gekapert haben, sind hier auch am Werk. Plus jene (aus dem Ausland), denen an einer Polarisierung und zunehmender Aggression gelegen ist; siehe Nachricht gestern über bezahlte Sabotageakte.