Lavendellöwin hat geschrieben: So 22. Sep 2024, 14:55
Wo jetzt meine Gedanken so ein wenig kreisen: ich konnte es nicht vollständig annehmen wie sie mich eingeschätzt hat.
Kenne ich mich wirklich richtig, was sind die Stereotype die ich mir selber noch zuschreibe, kann ich die völlig loslassen
oder sitzen sie selbst bei mir so tief?
Ja spannende Geschichte, Stereotype, Sozialisierung, das sind alles wechselhafte Einflüsse die uns selbst und unsere Mitmenschen beeinflussen. Da ist das Video gut in der Betrachtung das manches gut ist, aber manches auch schadet.
Die Frage Marie ist, ob ein völliges loslassen nötig ist, wenn du in deinen alten Verhaltensweisen deine Stärken siehst.
Vieleicht gibt es aber auch andere Stärken, die nun auch ausgespielt werden können, aber das können wir nur Stück für Stück ausprobieren und gegebenenfalls neu erlernen.
Wenn kräftige Hände benötigt werden ist es gut mit anlangen zu können und wenn andere Dinge benötigt werden ist es gut wenn sich dafür jemand findet. Wer es gewohnt ist schwer mit anzupacken hat vieleicht keinen Sinn für Vor und Nacharbeiten. Vergißt die Verpflegung, das gute verpacken und sortieren... genug zu tun gibt es immer und unser Vorteil ist oft, das wir vieleicht mehr können als nur schwere Dinge zu tragen, was andere vieleicht besser können, oder ausschließlich.
Bei mir ist die Sache eigendlich viel einfacher, ich habe nichtmal genug Kraft um mit den meisten Frauen mitzuhalten, trotzdem hab ich lange Zeit versucht meinen Job als "Mann im Haus" zu erfüllen. Mit fortschreitender Krankheit völlig dumm, aber das was von mir erwartet wurde.
Vor 2 Jahren hab ich angefangen mich davon zu trennen. Anstatt kurze Zeit alles zu geben und dann den Rest der Zeit unnütz zu sein, erfüll ich andere Jobs. Ich hab Erfahrungen, damit kann ich vorplanen und vorbereiten. Bei Schwierrigkeiten evt. Aushelfen oder mich um Verpflegung, beschaffen von Material oder für gutes Arbeitsumfeld sorgen. Genug Dinge, die Hilfreich sind und für die andere keine Gedanken haben.
"Deine Mutti weiß aber echt gut bescheid" wurd dann schonmal gesagt, wenn ich meiner Tochter erklärte wie wir die Arbeit doch schaffen konnten und ihr zeige wie sie wo anpacken muß, denn die schweren Dinge mußte sie erledigen.
Ich kann glücklicherweise einiges was Männer oder Frauen typischerweise machen, da ich in meiner Kindheit vieles davon gelernt habe. Aber ich hab auch langsam begriffen das das untypisch ist. Von 9-12 Lebensjahr war ich Ersatzmutter eines Neugeborenes und eines 5 Jahre jüngeren Geschwisterlein. Vorher hab ich schon lange die typischen Mädchenarbeiten gemacht, weil meine einzige Schwester 10 Monate vor mir geboren und gestorben ist. Trotzdem hab ich auch jahrelang in meiner Jugend auf dem Bau gearbeitet als meine Mutter dort weniger arbeiten wollte. Genauso hab ich mich auch gegen Jungens behauptet und bin in typische Männerrolle geschlüpft. Sowas wirkt sich auch aus und die Erfahrungen sind ja nichts schlechtes.
Was man dann auslebt ist eine andere Sache.
Es stimmt aber schon das sich Männer nur ungerne was von einer Frau sagen lassen und so lass ich Sie oft einfach machen und geb dann nur Anregungen wenn es dann mal nötig ist, auch wenn es mich so manchesmal kribbelt. Andererseits mag ich es auch typisch Frauendinge mit einzubringen, denn früher hat es so manches mal dran gemangelt, wenn ich es nicht auch gemacht habe und oft konnte ich kaum beides erledigen.
Vieleicht ist es mein Vorteil das ich so manches einfach nur zulassen muß und nicht alles neu erlernen. Ich reagiere oft dadurch ganz selbstverständlich und rutsche ganz normal in diesem typisch weiblichen mit rein. Aber das war schon immer so, nur wundert sich niemand mehr drüber. Es ist etwas bei dem ich mich wohl fühle und fast schon Dankbar für diese Stereotype bin, denn nun passt es ja zu mir und wird so wargenommen. Ich finde mich so selbstverständlich in Frauengesellschaft, ohne danach suchen zu müssen.
Trotzdem hab ich auch weiterhin andere Stärken und auch das ist gut und auch das ist manchmal gefragt.
Liebe Grüße, Tira