SusiS hat geschrieben: Di 19. Mär 2024, 10:05
Ich hab zwar nicht unbedingt dagegen, wenn einzelne Wörter von einer anderen Sprache als deutsch in einem Text für deutschprechende ist. Aber bitte nur dort, wo es kein treffendes Wort in Deutsch [evtl. Fremdwort, das man nicht er als solches erkennt.] gibt.
...
Dann gibt es auch noch die Fälle, wo Wörter vorgeben aus einer anderen Sprache zu stammen, obwohl genau in dieser Sprache jenes Wort nicht gibt - es soll sogar Fälle geben, wo dann jenes Wort dann mit Abstand irgendwann dann in dieser Sprache dann doch benutzt wurde.
Ah, das aus dem Schwäbischen entlehnte Wort
"Händi" ("
koi Schnur") zum Beispiel

(in englisch-sprachigen Ländern heisst das mobile (phone) oder cell phone)
Und der Togo-Kaffee (engl.: take away).
Mir widerstreben ja Festlegungen auf genau eine Regel oder eine Form. Die werden weder der Vielfalt der Anforderungen gerecht, noch sind sie offen für Erweiterungen. Vor allem aber engen sie die Ausdrucksmöglichkeiten ein und behindern teilweise sogar die Kommunikation in bestimmten Kontexten.
IBM Deutschland hat in den 90ern alle Texte "zwangsgermanisiert". Ich hab schon einige Sekunden gebraucht, "Umschaltarretiertaste" zu übersetzen. Apple ist da auch manchmal nicht hilfreich, sondern schreibt in Anleitungen von "Wahl"- und "Steuerungs"-Taste, liefert aber Keyboards, sorry: Tastaturen, mit "alt" und "ctrl". So richtig unbrauchbar wird es bei Microsofts eingedeutschten Compiler-Fehlermeldungen, und das seit den 90ern. Die deutschen Übersetzungen sind völlig unbrauchbar, wenn ich im Netz nach Lösungen suche. Dort ist nämlich alles englisch.
Überhaupt Englisch. Ja, Service-Points und facility manager sind schon etwas
over the top (hups!

) und die ganzen "Officer" stelle ich mir häufig in Uniform (lat.) mit Lametta (ital.) auf den Schultern vor. Andererseits ist Englisch die aktuelle
lingua franca (ach herrje, jetzt auch noch Trivial-Latein!) und auch für viele Durchreisende etc verständlich. Alltagsenglisch zu beherrschen ist einfach eine normale Anforderung geworden.
In der jüngeren Generation scheint das Problem kaum noch zu existieren. Ich erlebe viele 15-20 jährige, die ganz selbstverständlich sehr gutes Englisch reden und schreiben. Die konsumieren internationale, englischsprachige Texte und Filme mindestens so gut wie deutschsprachige. Und viele haben ausserdem noch ziemlich passabel türkische, arabische, japanische Brocken drauf - also mehr als Döner, Habibi und Anime

Das neide ich ihnen manchmal.
Was mir am liebsten wäre: Mehr Bandbreite aka generelle Sprachkompetenz. Leicht verständlich, vielleicht sogar einfache Sprache einerseits und trennscharfe, genau definierte andererseits. Je nach Zielgruppe. Die Fähigkeit, sich auf die Zielgruppe einzustellen und in ihrem Bezugsrahmen zu kommunizieren. Das hängt nicht nur an Fremdwörtern. Die lassen sich ja erklären, falls nötig und es bricht kein Zacken aus der Krone, im Zweifel nachzufragen oder nachzuschlagen.
Zum Thema geschlechtergerechte Sprache gab es ein Experiment
2019 legten Prof. Elke Heise und Dr. Marcus C. G. Friedrich von der TU Braunschweig 355 Studierenden den Originalvertrag eines Stromversorgers vor. Die eine Gruppe erhielt die herkömmlich geschriebenen Unterlagen, in denen von Kunde und Kontoinhaber die Rede war, also die üblichen maskulinen Begriffe. Die zweite Gruppe erhielt eine Version, in der Kunde und Kundin genannt waren. Danach sollten beide Gruppen die Verständlichkeit des Textes beurteilen. Das Ergebnis: Beide Verträge waren gut zu verstehen, trotz oder wegen der Beidnennungen.
Fun Fact am Rande: Zwei weitere Gruppen erhielten Vertragsentwürfe, die in Punkto Verständlichkeit noch besser umgearbeitet waren. Wenig überraschend: Die optimierten Versionen wurden als deutlich verständlicher bewertet. Dies sollte alle motivieren, beim geschlechtergerechten Umformulieren auch gleich den ganzen Text zu verbessern.
(
Q,
Artikel dazu,
Original-Paper)
Heisst für mich: Verständlich schreiben und reden bedeutet mehr als Fremdwörter ja oder nein, sondern ist eine viel umfassender Fertigkeit.
(Bitte kritisiert gerne, wenn ich hier ab und zu sprachlich über das Ziel hinaus schiesse

Dann formuliere ich gerne um.)