Sprachgeschichte: Warum sich die deutsche Sprache ständig wandelt
Sprachgeschichte: Warum sich die deutsche Sprache ständig wandelt

Anne-Mette
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Sprachgeschichte: Warum sich die deutsche Sprache ständig wandelt

Post 1 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »


Es ist nicht selbstverständlich, dass wir uns heute genauso problemlos mit Menschen in München unterhalten können wie mit denen in Hamburg. Denn die deutsche Standardsprache gibt es noch gar nicht so lange. Ein Vortrag der Sprachhistorikerin Renata Szczepaniak.


DLF NOVA

https://www.ardaudiothek.de/episode/hoe ... /13230921/
Juliane
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Re: Sprachgeschichte: Warum sich die deutsche Sprache ständig wandelt

Post 2 im Thema

Beitrag von Juliane »

Hi hi hiiii, das habe ich gerade völlig anders erlebt.

Ich habe gerade mit einem guten, alten Kumpel aus der Nähe von Augsburg telefoniert. OK, ist nicht
München, wie oben erwähnt, aber von Hamburg aus betrachtet doch nahe dran :wink:
Nach spätestens 2 Sätzen muss ich ihn stets daran erinnern, hochdeutsch zu sprechen :lol: .

Witzigerweise klappt schriftlicher Austausch immer hervorragend. Egal ob Fachberichte, Briefe, emails,
oder whattsapp. Wie bloß kann man deutlich und hochdeutsch schreiben, wenn man(n) so ein Kauderwelsch
spricht :lol: .
Meine Hochachtung vor den Schülern dort wächst (yes) .
Die mich kennen mögen mich. Die mich nicht mögen können mich. Frei nach Konrad Adenauer
Kerstin
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Re: Sprachgeschichte: Warum sich die deutsche Sprache ständig wandelt

Post 3 im Thema

Beitrag von Kerstin »

Naja Augsburg - das geht schon ins schwäbische - ist das überhaupt noch Deutsch? :mrgreen:
Unterhalte dich mal mit jemanden aus dem bayrischen Wald - da muss sogar ich genau hinhören. :shock:
Ich brauche Informationen - eine Meinung bilde ich mir selbst.
SusiS
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Re: Sprachgeschichte: Warum sich die deutsche Sprache ständig wandelt

Post 4 im Thema

Beitrag von SusiS »

Mag ja sein, das von Hamburg zu Augsburg nicht so fern ist, wie Hamburg zu München.
Aber in München wird viel mehr Deutschlandweit, Europaweit und Weltweit hingezogen als in Augsburg. Das bewirkt, das urmünchnerisch eigentlich kaum noch gesprochen wird, selbst vom Umland von München ist mehr hochdeutsch öfter vor als der örtliche Dialekt. Es gibt aber trotzdem Bezeichnungen benutzt, die in anderen deutschen Gegenden für diese Bedeutung andere Wörter benutzt werden oder gar anderes Bezeichnen. Z.B. Semmeln - Brötchen [als ich Brötchen zuerst hörte dachte ich an kleines Brot <also größer als eine Semmeln>].
Ich kann mich noch gut daran erinnern, als Österreich der EU beigetreten ist: Da hatten so manche Dolmetscher gestaunt, das dies noch deutsch ist - weil da viel mehr andere Bezeichnungen für gleiche Bedeutung als im reinen hochdeutschen Bezeichnung. Teilweise werden diese Begriffe auch im bayrischen Bereich auch benutzt.
Inga
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Re: Sprachgeschichte: Warum sich die deutsche Sprache ständig wandelt

Post 5 im Thema

Beitrag von Inga »

Kerstin hat geschrieben: So 17. Mär 2024, 21:50 ..... Unterhalte dich mal mit jemanden aus dem bayrischen Wald - da muss sogar ich genau hinhören. :shock:
Hi,

ich habe da immer noch eine Bekannte aus dem Bayrischen Wald im Ohr, die mir vor Jahren im klarsten Hochdeutsch vom vergangenen Sonntag erzählte: "Wir haben den ganzen Abend mit unseren Freunden in der Küche zusammen gesessen und miteinander geschmatzt."

Liebe Grüße
Inga
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Re: Sprachgeschichte: Warum sich die deutsche Sprache ständig wandelt

Post 6 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-01-22 »

Wie lange wird es unsere schöne deutsche Sprache überhaupt noch geben??? Ich hasse es total, daß immer mehr engl. Wörter/Begriffe in unseren Sprachraum eindringen und so gute, klassische und alte deutsche Worte verdrängen. Naja, engl. ist "fast" falsch, da ja jeder Mist aus Amiland kommt. Warum nicht mal was franz., italienisches oder spanisches, warum muß immer alles von den Amis übernommen werden? Ich gehe diesen furchtbaren Trend nicht mit und klammere mich weiterhin tapfer an unserem DEUTSCHEN Sprachgut. Ich bin so aufgewachsen und werde mich ganz sicher nicht dieser "Entwicklung" anschließen... :((a

Jennifer
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Aktueller Beziehungsstatus: Jennifer ist verliebt !-!-!

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Re: Sprachgeschichte: Warum sich die deutsche Sprache ständig wandelt

Post 7 im Thema

Beitrag von Juliane »

Lady Jennifer hat geschrieben: Mo 18. Mär 2024, 12:42 . Ich bin so aufgewachsen und werde mich ganz sicher nicht dieser "Entwicklung" anschließen... :((a

Jennifer
Hi hii hiiii, das erinnert mich fatal an einen älteren Kollegen. Der schimpfte auch immer auf die Zitat:
Sch... Ami Sprache.

Verwendete aber täglich Portemonnaie, Friseur, Chaiselonge, und ähnliches." Damit, mit diesen Worten
aus der Franzosenzeit in Hamburg, die seine Vorfahren erlebt haben mussten, und mit denen er folglich
aufgewachsen war, fiel ihm überhaupt nicht auf, dass er französische Worte und Begriffe verwendete.

Sprache unterliegt ja einer ständigen Veränderung. Und bis auf Rhein und Rhön, schreiben wir so einige
Sachen nicht mehr mit einem "H" drinnen. Ich denke da an das Thor, oder die Thür, die vor nicht allzulanger
Zeit noch so geschrieben wurden.

Liebe Grüße )))(: , Juliane
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Re: Sprachgeschichte: Warum sich die deutsche Sprache ständig wandelt

Post 8 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Juliane hat geschrieben: Mo 18. Mär 2024, 13:08 Hi hii hiiii, das erinnert mich fatal an einen älteren Kollegen. Der schimpfte auch immer auf die Zitat:
Sch... Ami Sprache.

Verwendete aber täglich Portemonnaie, Friseur, Chaiselonge, und ähnliches." Damit, mit diesen Worten
aus der Franzosenzeit in Hamburg, die seine Vorfahren erlebt haben mussten, und mit denen er folglich
aufgewachsen war, fiel ihm überhaupt nicht auf, dass er französische Worte und Begriffe verwendete.
Nicole Fritz
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Re: Sprachgeschichte: Warum sich die deutsche Sprache ständig wandelt

Post 9 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Hallo,

zu Schiller's Glogge fällt mir jetzt irgendwie die Gert-Fröbe-Variante ein:

Eingemauert in dr Erdn liecht die Form aus Lehm gebrannd,
Heide muss die Glogge werdn, frisch Gesellen seid zur Hand.
....
Rinnen muss dr Schweeß von dr Strne hees,
soll das Weark dn Meestr loubn,
doch dr Seeschn gommt von oubn.

LG Nicole
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Re: Sprachgeschichte: Warum sich die deutsche Sprache ständig wandelt

Post 10 im Thema

Beitrag von Conny-Andrea »

Hallo ihr Lieben,

die Welt ändert sich und die Sprache ändert sich. Punkt.

ABER, das Tempo ist entscheidend.

So wie der natürliche Klimawandel durch die Industrialisierung angefeuert wird, so wird die deutsche (franz., ita., span., usw.) Sprache durch die Globalisierung und die Digitalisierung aufgepeitscht. Von allen Seiten werden mehr oder weniger sinnvolle Veränderungen vorsichtig vorgeschlagen oder lautstark indoktriniert.

Während es über einen langen Zeitraum die französische, griechische oder die lateinische Sprache waren, so sind es aktuell die englischen (amerikanischen) Worte die als Leitkultur (Leidkultur) angesehen werden.

Ich beschäftige mich seit mehr als 50 Jahren beruflich mit der deutschen Sprache, und auch ich verwende neue Begriffe, wenn sie sinnvoll sind oder wenn diese bei uns einfach noch nicht existieren.

Eine auffällige und inflationäre Mode z. B. scheint mir zu sein, dass gute und aussagefähige Berufsbezeichnungen durch hochgestochene Titel ersetzt werden. Beispiele: Geschäftsführer=CEO (Chief Executive Officer), Telefonist=Call Center Agent, Hausmeister=Facility Manager, usw. Die Liste ist endlos lang und zum größten Teil absolut lächerlich. Diesem Trend widersetze ich mich ganz entschieden.

Im Gegensatz dazu finde ich die gendergerechte Sprache höchst sinnvoll und versuche sie zu verinnerlichen und in meinem Umfeld zu propagieren.

Noch einmal: Die Welt ändert sich und die Sprache ändert sich. Punkt.
-----------------ABER, das Tempo ist entscheidend.

Und vielleicht wäre es ja auch hilfreich von Zeit zu Zeit seinen Verstand einzuschalten und nicht einfach alles nachzuplappern.

Liebe Grüße von Conny-Andrea


PS.: Bekäme ich für jedes Wort in meinem Text, welches aus einer anderen Sprache stammt, nur 1 Euro, so wäre mein nächster Urlaub gesichert. (ap)
SusiS
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Re: Sprachgeschichte: Warum sich die deutsche Sprache ständig wandelt

Post 11 im Thema

Beitrag von SusiS »

Ich hab zwar nicht unbedingt dagegen, wenn einzelne Wörter von einer anderen Sprache als deutsch in einem Text für deutschprechende ist. Aber bitte nur dort, wo es kein treffendes Wort in Deutsch [evtl. Fremdwort, das man nicht er als solches erkennt.] gibt.
Ganz schlimm ist es wenn dann nicht nur einzelne Wörter sondern gleich die komplette Anleitung anderssprachig ist [z.B. Englisch - von der IT-Abteilung für die Benutzer, aber der teilweise Erklärtext [warum man das machen sollte] aber dann in Deutsch].
Gerät das vorher auf deutsch eingestellt ist, auf einmal auf englisch anzeigt. An vermutlicher Stelle für Spracheinstellung [weil ich dort was interpretiere das man dort auf französisch umstellen kann] nicht deutsch auftaucht.

Dann gibt es auch noch die Fälle, wo Wörter vorgeben aus einer anderen Sprache zu stammen, obwohl genau in dieser Sprache jenes Wort nicht gibt - es soll sogar Fälle geben, wo dann jenes Wort dann mit Abstand irgendwann dann in dieser Sprache dann doch benutzt wurde.
Jaddy
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Re: Sprachgeschichte: Warum sich die deutsche Sprache ständig wandelt

Post 12 im Thema

Beitrag von Jaddy »

SusiS hat geschrieben: Di 19. Mär 2024, 10:05 Ich hab zwar nicht unbedingt dagegen, wenn einzelne Wörter von einer anderen Sprache als deutsch in einem Text für deutschprechende ist. Aber bitte nur dort, wo es kein treffendes Wort in Deutsch [evtl. Fremdwort, das man nicht er als solches erkennt.] gibt.
...
Dann gibt es auch noch die Fälle, wo Wörter vorgeben aus einer anderen Sprache zu stammen, obwohl genau in dieser Sprache jenes Wort nicht gibt - es soll sogar Fälle geben, wo dann jenes Wort dann mit Abstand irgendwann dann in dieser Sprache dann doch benutzt wurde.
Ah, das aus dem Schwäbischen entlehnte Wort "Händi" ("koi Schnur") zum Beispiel :)
(in englisch-sprachigen Ländern heisst das mobile (phone) oder cell phone)

Und der Togo-Kaffee (engl.: take away).

Mir widerstreben ja Festlegungen auf genau eine Regel oder eine Form. Die werden weder der Vielfalt der Anforderungen gerecht, noch sind sie offen für Erweiterungen. Vor allem aber engen sie die Ausdrucksmöglichkeiten ein und behindern teilweise sogar die Kommunikation in bestimmten Kontexten.

IBM Deutschland hat in den 90ern alle Texte "zwangsgermanisiert". Ich hab schon einige Sekunden gebraucht, "Umschaltarretiertaste" zu übersetzen. Apple ist da auch manchmal nicht hilfreich, sondern schreibt in Anleitungen von "Wahl"- und "Steuerungs"-Taste, liefert aber Keyboards, sorry: Tastaturen, mit "alt" und "ctrl". So richtig unbrauchbar wird es bei Microsofts eingedeutschten Compiler-Fehlermeldungen, und das seit den 90ern. Die deutschen Übersetzungen sind völlig unbrauchbar, wenn ich im Netz nach Lösungen suche. Dort ist nämlich alles englisch.

Überhaupt Englisch. Ja, Service-Points und facility manager sind schon etwas over the top (hups! (smili)) und die ganzen "Officer" stelle ich mir häufig in Uniform (lat.) mit Lametta (ital.) auf den Schultern vor. Andererseits ist Englisch die aktuelle lingua franca (ach herrje, jetzt auch noch Trivial-Latein!) und auch für viele Durchreisende etc verständlich. Alltagsenglisch zu beherrschen ist einfach eine normale Anforderung geworden.

In der jüngeren Generation scheint das Problem kaum noch zu existieren. Ich erlebe viele 15-20 jährige, die ganz selbstverständlich sehr gutes Englisch reden und schreiben. Die konsumieren internationale, englischsprachige Texte und Filme mindestens so gut wie deutschsprachige. Und viele haben ausserdem noch ziemlich passabel türkische, arabische, japanische Brocken drauf - also mehr als Döner, Habibi und Anime ;) Das neide ich ihnen manchmal.

Was mir am liebsten wäre: Mehr Bandbreite aka generelle Sprachkompetenz. Leicht verständlich, vielleicht sogar einfache Sprache einerseits und trennscharfe, genau definierte andererseits. Je nach Zielgruppe. Die Fähigkeit, sich auf die Zielgruppe einzustellen und in ihrem Bezugsrahmen zu kommunizieren. Das hängt nicht nur an Fremdwörtern. Die lassen sich ja erklären, falls nötig und es bricht kein Zacken aus der Krone, im Zweifel nachzufragen oder nachzuschlagen.

Zum Thema geschlechtergerechte Sprache gab es ein Experiment
2019 legten Prof. Elke Heise und Dr. Marcus C. G. Friedrich von der TU Braunschweig 355 Studierenden den Originalvertrag eines Stromversorgers vor. Die eine Gruppe erhielt die herkömmlich geschriebenen Unterlagen, in denen von Kunde und Kontoinhaber die Rede war, also die üblichen maskulinen Begriffe. Die zweite Gruppe erhielt eine Version, in der Kunde und Kundin genannt waren. Danach sollten beide Gruppen die Verständlichkeit des Textes beurteilen. Das Ergebnis: Beide Verträge waren gut zu verstehen, trotz oder wegen der Beidnennungen.
Fun Fact am Rande: Zwei weitere Gruppen erhielten Vertragsentwürfe, die in Punkto Verständlichkeit noch besser umgearbeitet waren. Wenig überraschend: Die optimierten Versionen wurden als deutlich verständlicher bewertet. Dies sollte alle motivieren, beim geschlechtergerechten Umformulieren auch gleich den ganzen Text zu verbessern.
(Q, Artikel dazu, Original-Paper)

Heisst für mich: Verständlich schreiben und reden bedeutet mehr als Fremdwörter ja oder nein, sondern ist eine viel umfassender Fertigkeit.
(Bitte kritisiert gerne, wenn ich hier ab und zu sprachlich über das Ziel hinaus schiesse ;) Dann formuliere ich gerne um.)
Nicole Fritz
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Re: Sprachgeschichte: Warum sich die deutsche Sprache ständig wandelt

Post 13 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Unsere Sprache ist am Ende. Wenn ich Zusammenhänge völlig klar äußere, wirft man mir vor, bezüglich eines Rächtschreipunks(*) nicht richtig schreiben zu können. Beispiel:

Die Schule ist eine Leidlinie in die Würglichkeit. Die Leerer leeren uns gemäß eines Leerplans die völlige geistige Leere.

Wer es aufmerksam liest, erkennt darin keinen Fehler. Es ist exakt so gemeint, wie es geschrieben ist.

(*) Das ist eine schrille Darstellungsform, bei der man immer "rächt euch" schreit.

LG Nicole
edeka
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Re: Sprachgeschichte: Warum sich die deutsche Sprache ständig wandelt

Post 14 im Thema

Beitrag von edeka »

Conny-Andrea hat geschrieben: Di 19. Mär 2024, 06:34 Eine auffällige und inflationäre Mode z. B. scheint mir zu sein, dass gute und aussagefähige Berufsbezeichnungen durch hochgestochene Titel ersetzt werden. Beispiele: Geschäftsführer=CEO (Chief Executive Officer), Telefonist=Call Center Agent, Hausmeister=Facility Manager, usw. Die Liste ist endlos lang und zum größten Teil absolut lächerlich. Diesem Trend widersetze ich mich ganz entschieden.
dem kann ich nur zustimmen.
Der Chef-Exekutions-Offizier (CEO) gehört nach meiner Meinung auch zu den lächerlichsten englischen Wörtern im deutschen (!) Sprachgebrauch.
Gerade vorhin sprach in den Nachrichten ein Soziologe davon, daß es wichtig sei, die Obdachlosen mit "housing" zu unterstützen. (ich kann nur aus dem Zusammenhang vermuten, es handelte sich um das Wort 'housing', bin nicht einmal sicher, ob das so im englischen existiert).
Solche Beispiele bekommt man im Fernsehen ständig von Politikern, "Experten" oder Journalisten präsentiert...

Noch ein Beispiel:gestern bin ich hier im Forum über diesen Satz gestolpert:
Ein kleines caveat möchte ich einwerfen.
Das wahrscheinlich englische Wort kannte ich nicht. Mit Sicherheit dient es nicht der Verständlichkeit in einem deutschen Text.

Warum ist es denn so schwer zu verstehen, daß englische Wörter wunderbar in einem englischen Text sind, und es wunderbar ist, wenn man als Deutscher die englische oder irgendeine andere Fremdsprache beherrscht, aber es keinem Leser oder Zuhörer nützt, wenn man englische Wörter in einen deutschen Text einfügt !
Der einzige Nutzen scheint in der Selbstbestätigung beim Sprecher zu liegen - "ich weiß etwas was du nicht weißt" - oder auch eine beliebte Variante: er liefert gleich die deutsche Übersetzung mit - "schau, ich bring euch Hinterwäldlern etwas neues bei".
Franziska
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Re: Sprachgeschichte: Warum sich die deutsche Sprache ständig wandelt

Post 15 im Thema

Beitrag von Franziska »

ascona hat geschrieben: Di 19. Mär 2024, 22:03 ... die Obdachlosen mit "housing" zu unterstützen. (ich kann nur aus dem Zusammenhang vermuten, es handelte sich um das Wort 'housing', bin nicht einmal sicher, ob das so im englischen existiert).
Denn Begriff gibt es schon in der englischen Sprache. Viele englische und amerikanische Soldaten in Deutschland wohnten "on base", d.h. in der Kaserne. Und dort gab und gibt es die sogenannten "housing areas" für die Familien.
Genieße Deine Zeit, denn du lebst nur jetzt und heute. Morgen kannst Du gestern nicht mehr nachholen.
Und später kommt früher als Du denkst.
Albert Einstein
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