taz Queer Talk mit Sigi Lieb: Alle(s) Gender?
Verfasst: Di 25. Apr 2023, 16:31
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Gendersensible Sprache ist mein Fachgebiet und der Stern ist das Sonderzeichen, das ich, sparsam eingesetzt, bevorzuge.
Ich erlaube mir, bei allen Wortarten die gleiche Regel zu verwenden wie bei den Nomen: Wortstamm*längere Endung (jed*er). Dadurch wird die Regel einheitlich und der Stern sprechbar. Wenn das Nomen bereits durch den Stern als geschlechterübergreifend markiert ist, bleiben die Adjektive oder Artikel im femininum.
Eine Sternenflut würde nur den Lesefluss stören, ohne zusätzliche Informationen zu liefern. Bisher fehlen in der deutschen Sprache genderneutrale Pronomen und Artikel. Andere Sprachen sind weiter. Im Englischen gibt es das Singular-they als neutrales Pronomen, im Schwedischen hen als Ergänzung zu han/hon. Im Französischen und Spanischen bilden sich ebenfalls neutrale Pronomen heraus: iel/yel und ele/elle. In beiden Fällen werden sie aus den Pronomen für sie und er gebildet. Ich verwende für dieses Buch ein analoges Konzept, wenn ich genderneutrale Pronomen benötige: sier als Personalpronomen, sihr als Possessivpronomen und dier als Relativpronomen.
Es ist einer der Vorschläge aus der Queer-Community. Ich habe mich für diese Form entschieden, weil sie deklinierbar ist und sich auch sonst flüssig in deutsche Texte integrieren lässt. Anstatt ewig über das Ob zu diskutieren, möchte ich das Wie probieren. Wo, wenn nicht in einem solchen Buch, soll ich kreative Lösungen für schöne und gendersensible Sprache ausprobieren?
Da es hier um etwas anderes geht, habe ich mir erlaubt, meine Meinung zu dem Zitat in den bereits laufenden Thema zu schreiben.