Verena will endlich Verena sein
Verfasst: Di 13. Dez 2022, 23:03
Hallo Ihr lieben,
ich verzichte darauf mich zuerst mit meinem männlichen Vornamen vorzustellen, denn wenn nicht hier - wo sonst sollte ich Verena sein dürfen ?
Bei mir ist irgendwie alles noch sehr frisch ...und doch auch nicht.
Schon in früher Kindheit (Kindergarten) wollte ich ein Mädchen sein und mir war irgendwie klar das "Junge" nicht richtig ist.
Bei diesem Gefühl und diesem Wissen / Wunsch (ich bin eine Frau oder auch wäre lieber eine -richtige- Frau) ist es tief in mir auch irgendwie geblieben.
Immer wieder kam ein wenig davon an die Oberfläche und ich habe es wieder unter Wasser gedrückt. Habe mir "meine Männlichkeit" beweisen wollen (Männerdominierter gefährlicher Beruf, Riskante Hobbies usw.) usw.
Letzte Woche hatten wir eine Tagung auf der auch eine Sozialarbeiterin vorgetragen hat und in einem eigentlich ganz anderen Zusammenhang davon sprach, das das schlimmste was der Mensch sich selbst antut ist, ständig gegen seine Bedürfnisse zu handeln, diese zu unterdrücken oder zu verleugnen und das niemand dies Zeit Lebens durchhalte.
Irgendwann brechen diese durch oder der Mensch bricht vollends zusammen.
Mir war zwar schon irgendwie klar das ich genau dass bereits mein ganzes Leben lang (also über 40 Jahre lang) tat, aber genau in dem Moment wurde mir klar, das es bei mir seit Jahren schon eigentlich genau an dem Punkt ist das ich meine Bedürfnisse eben nicht länger unterdrücken kann und zumindest in Teilen durchbrechen lassen muss, wenn ich nicht vollends zerbrechen möchte.
Da ich erst seit ein paar Tage bereit bin mir dies alles selbst gegenüber vollends einzugestehen, kann ich Stand heute eigentlich noch nicht mit voller Sicherheit sagen was mein korrektes Gender ist.
Fakt ist jedoch, ich bin kein CIS-Mann. Dies fühlt sich für mich seit Ewigkeiten (eigentlich seit Kindesbeinen an) falsch an. Richtig ist auf jeden Fall, das ich mich im wesentlichen weiblich fühle; auch wenn ich nicht alles männliche an mir (z.B. meine handwerklichen Fähigkeiten — was aber ja auch nichts zwingend männliches ist) vollständig ablehne. Möglich wäre also das ich entweder Transgender oder auch vielleicht auch Non-Binär (hier gibt es ja viele Varianten) bin.
Da "Frau/weiblich" immer das war was in meinen Gedanken richtig war und sich am richtigsten anfühlt nehme ich (getreu Oakham bei Hufen denk an Pferde) aber ersteinmal an das ich Frau/weiblich ergo Transgender bin - auch wenn sich vielleicht ein paar Details finden die auch auf Non-Binär, Genderfluid oder sonstiges hinweisen, das ich noch gar nicht vollends einordnen kann.
Ich wollte immer eine Frau sein, habe mich als Frau gefühlt und fühle mich so....deshalb habe ich entschieden bis zum Beweis für vielleicht etwas anderes einfach Frau/weiblich zu sein und es nicht komplizierter zu machen als es ja ohnehin schon ist.
Ich möchte etwas mehr über mich erzählen, denn ich habe erst heute den Mut gefunden überhaupt auch nur einmal meiner Therapeutin meine Probleme zu schildern und in der Sicherheit dieses Forums möchte ich es auch den nächsten Menschen mitteilen.
Meine Therapeutin ist also der erste Mensch der dies erfahren hat und Ihr seid die nächsten. Sonst weiß oder ahnt niemand etwas.
Was möchte ich ?
Ich möchte mich in Frauenrunden bewegen und nicht in den Männergruppen. Ich möchte Röcke, Kleider, schicke Pullover, schöne Wäsche, tolle Schuhe usw. tragen, zu Beautyabenden gehen, mit Freundinnen shoppen, mir die Nägel machen lassen, zum Wellness usw. usw. und nicht auf ein Bier treffen mit den Jungs, Hosen tragen und in die Sportsbar Fußball schauen.
Die einzigen Gedanken die dem entgegenlaufen sind, das ich meine Frau liebe und sie nicht verlieren möchte und Scham.
Lasst es mich so zusammenfassen:
Könnte ich sicher sein dass meine Frau bei mir bliebe und wir weiterhin ein Paar wären das schlichtweg fortan aus 2 Frauen besteht würde ich sofort zu 100% als Frau leben und sicherlich auch die Scham im sonstigen sozialen Umfeld überwinden und mich outen. Dies kann ich jedoch nicht und daher möchte ich zunächst Wege finden möglichst unauffällig mein weibliches selbst zumindest mehr oder teilweise auszuleben.
Erzogen wurde ich natürlich typisch cis-männlich. Blau für Jungs, Rosa für Mädchen, Indianer weinen nicht"¦.bist doch ein großer Junge, willst doch ein starker Mann sein usw.
Meine ersten richtigen Erinnerungen betreffen meine Zeit im Kindergarten und bereits dort war ich unglücklich damit "in die Jungsecke" gesteckt zu werden. Bildlich und wörtlich.
Ich habe lieber typische Mädchenspiele gespielt, war lieber mit den Mädchen zusammen und wäre lieber ein Mädchen gewesen. Haare kämmen, mit Puppen spielen, Teeparty usw. waren alles Dinge die ich mochte, während ich mich unwohl fühlte wenn ich bei den Jungs sein musste bei denen neben Autos halt toben, raufen, Ballspielen usw. angesagt war.
Schon damals fühlte ich das ich nicht dazugehöre und ich wollte auch gar nicht dazugehören.
Dies ist queer durchs Kindes-/Jugend und jungen Erwachsenenalter bis heute so geblieben.
Weder interessieren mich die Dinge die die Männer besprechen, noch fühle ich mich sozial integriert oder gar wohl. Muss ich mich notgedrungen in diesen Gruppen aufhalten schalte ich ab und will einfach nur weg und der Situation entfliehen. Wohl hingegen und passend fühlt es sich für mich in den weiblichen Gruppen an. Natürlich bin ich als offenkundiger Mann auch dort nur bis zu einem gewissen Grad integriert und gehöre nicht dazu, aber es fühlt sich trotzdem richtig an dort zu sein.
Aber zurück zum Kindergarten
Bereits damals habe ich auch nach dem Kindergarten fast ausschließlich Mädchen als Freunde gehabt. Spielen mit Puppen, Haare kämmen, Teerunden usw. war für mich immer schön. Lediglich zuhause mit meinem Vater habe ich immer mit Lego gespielt und fand dies auch gut. Ansonsten waren mir die männlichen Aktivitäten immer zu wider.
Auch die Art und Weise wie Jungs/Männer und Mädchen/Frauen miteinander umgehen sagste mir schon damals (wie heute) das weiblich korrekt für mich ist.
Ich bevorzuge weibliche Umgangsformen, sich beim unterhalten berühren, die beste Freundin in den Arm nehmen, Hand in Hand / Arm in Arm mit der Freundin durch die Stadt gehen - alles Dinge die Männern total fern liegen.
Bereits damals habe ich nach dem Kindergarten bei meiner besten Freundin auch gern mit Ihr Klamotten getauscht, uns spielerisch geschminkt, die Nägel lackiert usw. Natürlich haben viele Jungen mal eine solche Phase, bei mir war es aber eben keine Phase sondern das konkrete und dauerhafte erleben "so sollte es eigentlich sein""¦.
Später — wohl ab dem Grundschulalter habe ich die meisten Verhaltensweisen dann schon unterdrückt, mich aber immer noch zu diesen hingezogen gefühlt und teils bereits hin und wieder im geheimen ausgeübt (Kosmetik, Kleidung, stöbern in Beauty- und Modezeitungen mit Frauenkleidung usw.). Auch durch dieses Alter zieht sich hindurch, das ich eigentlich immer in weibliche Gruppen integriert war und mich mit männlichen schwer tat und deplatziert fühlte.
In der späteren Schulzeit wurde dies teils schwieriger, da sich die Mädchen mehr von mir als biologischem Mann abgrenzten. Zugleich waren mir die typischen Jungsgruppen und deren Umgang aber nach wie vor zutiefst unsympatisch. Ich fügte mich notgedrungen ein, aber es fühlte sich nie gut und richtig an. Ich weiß noch wie wir damals die sogenannten Arbeitsgruppen ("Wahlfächer" , wenn auch keine Fächer im klassischen Sinn) die je 2x 90min pro Woche auf dem Plan standen aussuchen konnten. Was ich nicht mal mehr weiß ist welche AGs die Jungs typischerweise aussuchten (außer Fussball)"¦"¦ich jedenfalls wählte Bauernmalerei und Rock'n'Roll (also tanzen). Dies waren die schönsten und harmonischsten Stunden der Woche, da ich und die 2 oder 3 anderen Jungs die sich in diesen AGs fanden voll in die Gruppen aus Mädels integriert waren und dadurch auch der Kontakt in den Pausen usw. wieder besser wurde. Damals überlegt ich mir dann auch schon meine Ausrede wenn ich ob dieser "obskuren Fächerwahl" schräg beäugt oder blöd angemacht wurde und erzählte jedem der/die es hören wollte (einschl. meinen Eltern), na bei Fußball gibt es nur Jungs, da sind alles tolle Mädels um einen rum"¦.besser kann man keine Freundinnen "aufreissen""¦"¦ich stellte mich also als Schürzenjäger da der ich nie war.
Diese Taktik habe ich gelegentlich bis ins Erwachsenenalter immer wieder bemüht um davon abzulenken, wenn ich weibliche Interessen oder Gesellschaft bevorzugt habe.
In den letzten Tagen habe ich mehrere Seiten durchgearbeitet mit Tips, an welchen Merkmalen und Hinweisen man festmachen kann vermutlich Transgender zu sein.
Wenn ich mich einmal traue möchte ich auch das noch ein wenig kürzen (es stammt aus dem Brief an meine Therapeutin) und mit Euch teilen.
1. Denk darüber nach wie es Dir als Kind mit Deinem Geschlecht ergibt.
Habe ich schon einiges zu geschrieben. Trotzdem gehe ich die aufgeführten Anhaltspunkte einmal durch und beantworte sie (ggf. dann mit siehe oben).
a) Du bestehst darauf, nicht das Geschlecht zu haben das Deine Eltern Dir zuschreiben.
Dies habe ich nie getan aber auch nie verstanden warum ich nicht trotzdem ein Mädchen sein kann oder mich wie eines verhalten darf wenn ich doch wie eines fühle und nunmal einfach viel lieber ein Mädchen als ein Junge wäre.
b) Du denkst wenn Du groß bist wirst Du das richtige Geschlecht haben
Hier war mir sehr früh klar das dies leider nicht passieren wird. Ich habe immer gedacht "ich wäre gern ein Mädchen""¦..meine Gedanken sagen auch heute seit Jahren "ich wäre lieber (auch biologisch) eine Frau", aber mir war schon als Kind klar das das leider nicht geht.
c) Wenn Du Dir Geschichten ausdenkst hast Du in diesen das andere Geschlecht.
Volltreffer. Das habe ich immer getan und tue es noch. Sobald es die Möglichkeit gibt (also auch bei virtuellen Gelegenheiten, Spielen o.ä.) wählte und wähle ich eine weibliche Rolle.
In meinen Gedanken sehe ich mich immer als Frau.
d) Du willst Kleidung tragen die typischerweise mit dem anderen Geschlecht asozziert wird.
Volltreffer. Wollte ich schon als Kind und habe mit meiner Freundin Klamotten getauscht und weibliche Bekleidung fühlte sich damals schon richtig an und tut es noch heute.
Gestern habe ich mich das erste mal 2 Dinge getraut. Ich habe mir eine Strumpfhose gekauft, da dies ein weibliches Kleidungsstück ist, das sich aber sehr versteckt tragen lässt und habe sie unter meiner normalen Kleidung getragen. Und es hat sich nicht einfach gut, sondern richtig angefühlt, so sollte es normal sein.
Dann habe ich mir (so blöd es klingt) eine neue Wintermütze gekauft und mich getraut etwas zu kaufen was (zumindest für mich) sehr weiblich ist. Nichts auffälliges, aber eine Damenmütze, hellgraue Wolle, ohne jede Verzierung oder ähnliches, aber wunderbar weich. Ich finde sie jedenfalls sehr typisch weiblich. Allein aufgrund der Farbe und Strickmuster ist bei genauem Hinsehen schon deutlich, dass dies keine Herrenmütze ist. Für die meisten von Euch nichts besonderes aber für mich einfach soo toll. Nur eine Mütze, ja, aber ganz anders als jede Herrenmütze die ich je hatte. Eindeutig feminin. Hier habe ich auch tatsächlich Angst das jemand dies sieht und anspricht (sag mal hast Du die Mütze von Deiner Frau dabei, oder bist Du schwul geworden - in meinem extrem männlichen Umfeld wäre dies nicht überraschend wenn jemand das so unbesonnen anspricht - vielleicht sogar ohne böse absicht). Auch habe ich angst das jemand es bemerkt und hinter meinem Rücken getuschelt wird "was ist denn mit xxVerenaxx los.....hast Du gesehen was der für ne Mütze anhat?", aber es fühlt sich trotzdem einfach richtig an, sich etwas schönes gekauft zu haben und ich vertraue darauf das hoffentlich doch keiner was bemerkt — denn Männer sind ja für Mode nicht gerade aufmerksam. Und es ist für alle anderen ja eigentlich "auch nur eine Mütze".
Also Ja, am liebsten würde ich ausschließlich weibliche Kleidung tragen, von Wäsche bis Wintermantel, von Nachthemdchen bis Badeanzug usw.
e) Du hast mehr Freunde aus dem anderen Geschlecht.
Volltreffer. Siehe oben....wobei ich zugeben muss eigentlich gar keine wirklichen Freunde zu haben. Aber mein Bekanntenkreis ist eindeutig weiblich geprägt und in sozialen Gruppen ordne ich mich eindeutig weiblichen Gruppen zu.
f) Du hast das starke Bedürfnis an Aktivitäten und Veranstaltungen teilzunehmen die typisch für das andere Geschlecht sind
Volltreffer. Siehe oben. Galt schon als Kind und bis heute in allen Bereichen.
g) Du weigerst Dich mit Spielzeug zu spielen das mit Deinem körperlichen Geschlecht asoziiert wird.
Mich zu weigern habe ich mich nie getraut. Ich war schon früh sehr gut darin die Rolle des Mannes zu spielen und zu handeln wie es von mir erwartet wurde — auch wenn mir etwas nicht gefiel oder ungeliebte (männliche) Geschenke mich unglücklich gemacht haben.
h) Du spürst eine Abneigung gegen Deine Anatomie oder Deine Genitalien
Jein. Ich erinnere mich als Kind durchaus eine Abneigung gespürt zu haben, denn meine Genitalien sind schuld, das ich nicht dort sein kann und das tun kann was ich eigentlich möchte. Dies ist heute im Grunde auch noch so.
Ich fühle keinen Ekel und auch keine direkte Ablehnung, aber es fühlt sich auch nicht richtig an und ich wäre wenn ich die Wahl hätte gern auch biologisch eine Frau.
Ich sehe mich sozial und auch sexuell als Frau — auch wenn ich weiterhin meine Frau aus vollem Herzen liebe, sie nach wie vor sexuell anziehend finde (auch wenn mir auch Männer gefallen) und sie nie verlieren möchte.
2. Kannst Du Dich mit Deiner sozialen Rolle identifizieren ?
Kurz gesagt: NEIN
a. Wenn Du zu etwas eingeladen wirst was stereotyp für Dein körperliches Geschlecht ist fühlt sich dies falsch an ?
JA. Als würde ich in eine Schublade gezwungen. Ich will das einfach nicht ;-(
Ich kann doch nix dafür, aber es interessiert mich nicht, es fühlt sich nicht gut an"¦.ich will das einfach nicht ;-(
b. Fühlst Du Dich in einer Gruppe Deines körperlichen Geschlechts so als würdest Du zwar als einer von Ihnen durchgehen aber doch nicht ganz dazugehören ?
ABSOLUT ! ! ! Ich glaube hier habe ich schon einiges zu gesagt.
3. Welche Gefühle lösen Dein Namen und die Pronomen bei Dir aus ?
Ich habe 44 Jahre mit diesen gelebt und empfinde prinzipiell nichts dabei. Gefallen hat mir mein Name nie — aber hier geht es sicherlich vielen Menschen so. Wenn ich in Gedanken schonmal überlegt habe wie ich denn lieber gehießen hätte denke ich jedoch immer an weibliche Namen, nicht an männliche.
a) Wie fühlt es sich an wenn Du Dich in einer Gruppe deines bevorzugten Geschlechts befindest und jemand spricht die ganze Gruppe als "sehr geehrte Damen" o.ä. an.
Das ist mir schon mehrfach passiert und es fühlte sich einerseits nicht besonders an, sondern sehr normal / richtig, andererseits hat es mich gefreut. Wenn der/die Person den "Fehler" dann bemerkte und ein "oh entschuldigen, natürlich Damen und Herren" hinterherschob war es hingegen ein Gefühl des Bedauerns das er/sie die Anrede nun korrigiert hat.
b) Was passiert mit Dir wenn jemand versehentlich das Pronomen des anderen Geschlechts für Dich verwendet.
siehe a. Es gefällt mir; aber da es fast nie unbemerkt bleibt fühlt es sich dann traurig an wenn es korrigiert wird.
Wie geht es weiter ?
Tja. Ich möchte jetzt Möglichkeiten finden meiner weiblichen Seite - also Verena - zumindest mehr Raum zu bieten und diese nicht komplett zu unterdrücken.
Ich denke hier muss/kann ich vieles entdecken. Definitiv möchte ich das jedoch unauffällig und im geheimen. Zu mehr bin ich stand heute noch nicht bereit.
Insbesondere es vor meiner Frau zu verbergen ist natürlich durchaus schwierig und fühlt sich nicht gut an, aber meine Angst ist zu groß um etwas zu sagen.
Aller Anfang ist schwer, aber der Anfang ist zumindest für mich gemacht.
Ich habe 44 Jahre damit verbracht die falsche Rolle zu spielen. Am liebsten würde ich von jetzt auf gleich alles ändern, aber das würde vermutlich in einer Katastrophe enden und das darf nicht passieren. Ich werde es also langsam angehen lassen und versuchen Dinge einzuschleichen und normalität werden zu lassen, die mir mehr weiblichkeit ermöglichen ohne das mein Umfeld es merkt oder zumindest ohne es besonders auffällig zu finden. Da ich zudem viel beruflich unterwegs ist werde ich diese Gelegenheiten nutzen Verena vielleicht auch dort etwas Freiraum zu bieten. Leider reise ich beruflich nicht allein, das wäre natürlich fabelhaft, sondern bin immer mit einer großen Gruppe im gleichen Hotel, sodass es nicht in Frage komme hier zeitweise komplett Verena zu sein, aber zumindest einige weibliche Aktivitäten kann ich mit hier bieten.
Anschließend dann mal schauen wie es sich entwickelt.
Ich möchte künftig
- Zunächst mehr Kleidung wählen die ich auch im Alltag als Mann tragen kann, die aber tendentiell zumindest androgyn oder unisex ist, aber mehr weiblichen Charakter hat (siehe die Mütze - meine Frau findet z.B. diese stehe mir super.....die Hintergründe kennt sie ja nich). So kann ich weibliche Bekleidung haben und nutzen ohne dass dies allzu auffällig wirkt, sondern sich zumindest noch im Grenzbereich von "gerade noch männlich genug um nicht anzuecken" bewegt. Heimlich schöne Wäsche zu tragen wird wohl eher nicht funktionieren, denn irgendwo muss diese ja Gelagert aufbewahrt werden; aber ab und an mal eine Strumpfhose unter der normalen Hose bietet ja auch schon ein wenig weiblichkeit und die Sicherheit das es niemand sieht.
- wenn ich in XYZ (dort wo ich immer hinreise) bin möchte ich die Gelegenheit nutzen zunächst zumindest heimlich möglichst vielen angenehmen (weiblichen) Aktivitäten nachzugehen die ich mich zuhause nicht trauen würde. Gestern war ich wie gesagt shoppen und habe durchaus auch mal Blicke in die Damenabteilungen geworfen (hier würde ich mich mehr trauen wenn ich eine Freundin hätte die ich mitnehmen könnte). Für Morgen habe ich einen Termin in einem Nagelstudio. Das erste mal in meinem Leben. Zwar nur eine Maniküre für Männer, aber in einem ganz weiblichen Studio das wohl sehr LGBTQI freundlich sein soll und das richtig "girly" ist
- Versuchen nach und nach mehr Kosmetik in mein Leben einfließen zu lassen, sodass es gar nicht groß auffällt. (zunächst natürlich pflegende, nicht dekorative Kosmetik — aber Kosmetik die mir gefällt"¦.sprich Bodylotion mit weiblichem Duft statt "Nivea men", ein feminines Parfum statt Gaultier "Le mal", eine schöne Creme statt einfach Creme aus dem Rossmann usw.)
- Versuchen in XYZ eine Selbsthilfegruppe zu finden
- Mit meiner Therapeutin an diesem Thema arbeiten und daran arbeiten vielleicht den Mut zu finden mich auch meinem Psychiater (ich bin in Behandlung wegen Depressionen, deren wirkliche Ursache mir nur zu klar wird) und vielleicht einer "Haus"Ärztin anzuvertrauen. Ich denke es gibt sehr viel zu reden und zu verarbeiten, da ich sehr lange und sehr viel absolut gegen mein Selbst gearbeitet habe — ich habe schon gelesen das dies wohl ein häufiges Problem ist"¦..sich selbst und anderen die (vorgespielte) Männlichkeit beweisen zu wollen usw. usw. ich glaube hier gibt es wirklich seeeeehr viel.
Tja. einer meiner nächsten Schritte ist sicherlich auch hier im Forum aktiv zu sein. Vielleicht dann auch zu verraten wo ich regelmäßig hinreise usw.
Ich lasse es also auf mich zukommen.
So.
Ich hoffe der Text ist nicht so lang geworden das niemand ihn mehr liest, aber ich musste einfach alles hier loswerden.
Liebe Grüße an Euch alle
Verena
ich verzichte darauf mich zuerst mit meinem männlichen Vornamen vorzustellen, denn wenn nicht hier - wo sonst sollte ich Verena sein dürfen ?
Bei mir ist irgendwie alles noch sehr frisch ...und doch auch nicht.
Schon in früher Kindheit (Kindergarten) wollte ich ein Mädchen sein und mir war irgendwie klar das "Junge" nicht richtig ist.
Bei diesem Gefühl und diesem Wissen / Wunsch (ich bin eine Frau oder auch wäre lieber eine -richtige- Frau) ist es tief in mir auch irgendwie geblieben.
Immer wieder kam ein wenig davon an die Oberfläche und ich habe es wieder unter Wasser gedrückt. Habe mir "meine Männlichkeit" beweisen wollen (Männerdominierter gefährlicher Beruf, Riskante Hobbies usw.) usw.
Letzte Woche hatten wir eine Tagung auf der auch eine Sozialarbeiterin vorgetragen hat und in einem eigentlich ganz anderen Zusammenhang davon sprach, das das schlimmste was der Mensch sich selbst antut ist, ständig gegen seine Bedürfnisse zu handeln, diese zu unterdrücken oder zu verleugnen und das niemand dies Zeit Lebens durchhalte.
Irgendwann brechen diese durch oder der Mensch bricht vollends zusammen.
Mir war zwar schon irgendwie klar das ich genau dass bereits mein ganzes Leben lang (also über 40 Jahre lang) tat, aber genau in dem Moment wurde mir klar, das es bei mir seit Jahren schon eigentlich genau an dem Punkt ist das ich meine Bedürfnisse eben nicht länger unterdrücken kann und zumindest in Teilen durchbrechen lassen muss, wenn ich nicht vollends zerbrechen möchte.
Da ich erst seit ein paar Tage bereit bin mir dies alles selbst gegenüber vollends einzugestehen, kann ich Stand heute eigentlich noch nicht mit voller Sicherheit sagen was mein korrektes Gender ist.
Fakt ist jedoch, ich bin kein CIS-Mann. Dies fühlt sich für mich seit Ewigkeiten (eigentlich seit Kindesbeinen an) falsch an. Richtig ist auf jeden Fall, das ich mich im wesentlichen weiblich fühle; auch wenn ich nicht alles männliche an mir (z.B. meine handwerklichen Fähigkeiten — was aber ja auch nichts zwingend männliches ist) vollständig ablehne. Möglich wäre also das ich entweder Transgender oder auch vielleicht auch Non-Binär (hier gibt es ja viele Varianten) bin.
Da "Frau/weiblich" immer das war was in meinen Gedanken richtig war und sich am richtigsten anfühlt nehme ich (getreu Oakham bei Hufen denk an Pferde) aber ersteinmal an das ich Frau/weiblich ergo Transgender bin - auch wenn sich vielleicht ein paar Details finden die auch auf Non-Binär, Genderfluid oder sonstiges hinweisen, das ich noch gar nicht vollends einordnen kann.
Ich wollte immer eine Frau sein, habe mich als Frau gefühlt und fühle mich so....deshalb habe ich entschieden bis zum Beweis für vielleicht etwas anderes einfach Frau/weiblich zu sein und es nicht komplizierter zu machen als es ja ohnehin schon ist.
Ich möchte etwas mehr über mich erzählen, denn ich habe erst heute den Mut gefunden überhaupt auch nur einmal meiner Therapeutin meine Probleme zu schildern und in der Sicherheit dieses Forums möchte ich es auch den nächsten Menschen mitteilen.
Meine Therapeutin ist also der erste Mensch der dies erfahren hat und Ihr seid die nächsten. Sonst weiß oder ahnt niemand etwas.
Was möchte ich ?
Ich möchte mich in Frauenrunden bewegen und nicht in den Männergruppen. Ich möchte Röcke, Kleider, schicke Pullover, schöne Wäsche, tolle Schuhe usw. tragen, zu Beautyabenden gehen, mit Freundinnen shoppen, mir die Nägel machen lassen, zum Wellness usw. usw. und nicht auf ein Bier treffen mit den Jungs, Hosen tragen und in die Sportsbar Fußball schauen.
Die einzigen Gedanken die dem entgegenlaufen sind, das ich meine Frau liebe und sie nicht verlieren möchte und Scham.
Lasst es mich so zusammenfassen:
Könnte ich sicher sein dass meine Frau bei mir bliebe und wir weiterhin ein Paar wären das schlichtweg fortan aus 2 Frauen besteht würde ich sofort zu 100% als Frau leben und sicherlich auch die Scham im sonstigen sozialen Umfeld überwinden und mich outen. Dies kann ich jedoch nicht und daher möchte ich zunächst Wege finden möglichst unauffällig mein weibliches selbst zumindest mehr oder teilweise auszuleben.
Erzogen wurde ich natürlich typisch cis-männlich. Blau für Jungs, Rosa für Mädchen, Indianer weinen nicht"¦.bist doch ein großer Junge, willst doch ein starker Mann sein usw.
Meine ersten richtigen Erinnerungen betreffen meine Zeit im Kindergarten und bereits dort war ich unglücklich damit "in die Jungsecke" gesteckt zu werden. Bildlich und wörtlich.
Ich habe lieber typische Mädchenspiele gespielt, war lieber mit den Mädchen zusammen und wäre lieber ein Mädchen gewesen. Haare kämmen, mit Puppen spielen, Teeparty usw. waren alles Dinge die ich mochte, während ich mich unwohl fühlte wenn ich bei den Jungs sein musste bei denen neben Autos halt toben, raufen, Ballspielen usw. angesagt war.
Schon damals fühlte ich das ich nicht dazugehöre und ich wollte auch gar nicht dazugehören.
Dies ist queer durchs Kindes-/Jugend und jungen Erwachsenenalter bis heute so geblieben.
Weder interessieren mich die Dinge die die Männer besprechen, noch fühle ich mich sozial integriert oder gar wohl. Muss ich mich notgedrungen in diesen Gruppen aufhalten schalte ich ab und will einfach nur weg und der Situation entfliehen. Wohl hingegen und passend fühlt es sich für mich in den weiblichen Gruppen an. Natürlich bin ich als offenkundiger Mann auch dort nur bis zu einem gewissen Grad integriert und gehöre nicht dazu, aber es fühlt sich trotzdem richtig an dort zu sein.
Aber zurück zum Kindergarten
Bereits damals habe ich auch nach dem Kindergarten fast ausschließlich Mädchen als Freunde gehabt. Spielen mit Puppen, Haare kämmen, Teerunden usw. war für mich immer schön. Lediglich zuhause mit meinem Vater habe ich immer mit Lego gespielt und fand dies auch gut. Ansonsten waren mir die männlichen Aktivitäten immer zu wider.
Auch die Art und Weise wie Jungs/Männer und Mädchen/Frauen miteinander umgehen sagste mir schon damals (wie heute) das weiblich korrekt für mich ist.
Ich bevorzuge weibliche Umgangsformen, sich beim unterhalten berühren, die beste Freundin in den Arm nehmen, Hand in Hand / Arm in Arm mit der Freundin durch die Stadt gehen - alles Dinge die Männern total fern liegen.
Bereits damals habe ich nach dem Kindergarten bei meiner besten Freundin auch gern mit Ihr Klamotten getauscht, uns spielerisch geschminkt, die Nägel lackiert usw. Natürlich haben viele Jungen mal eine solche Phase, bei mir war es aber eben keine Phase sondern das konkrete und dauerhafte erleben "so sollte es eigentlich sein""¦.
Später — wohl ab dem Grundschulalter habe ich die meisten Verhaltensweisen dann schon unterdrückt, mich aber immer noch zu diesen hingezogen gefühlt und teils bereits hin und wieder im geheimen ausgeübt (Kosmetik, Kleidung, stöbern in Beauty- und Modezeitungen mit Frauenkleidung usw.). Auch durch dieses Alter zieht sich hindurch, das ich eigentlich immer in weibliche Gruppen integriert war und mich mit männlichen schwer tat und deplatziert fühlte.
In der späteren Schulzeit wurde dies teils schwieriger, da sich die Mädchen mehr von mir als biologischem Mann abgrenzten. Zugleich waren mir die typischen Jungsgruppen und deren Umgang aber nach wie vor zutiefst unsympatisch. Ich fügte mich notgedrungen ein, aber es fühlte sich nie gut und richtig an. Ich weiß noch wie wir damals die sogenannten Arbeitsgruppen ("Wahlfächer" , wenn auch keine Fächer im klassischen Sinn) die je 2x 90min pro Woche auf dem Plan standen aussuchen konnten. Was ich nicht mal mehr weiß ist welche AGs die Jungs typischerweise aussuchten (außer Fussball)"¦"¦ich jedenfalls wählte Bauernmalerei und Rock'n'Roll (also tanzen). Dies waren die schönsten und harmonischsten Stunden der Woche, da ich und die 2 oder 3 anderen Jungs die sich in diesen AGs fanden voll in die Gruppen aus Mädels integriert waren und dadurch auch der Kontakt in den Pausen usw. wieder besser wurde. Damals überlegt ich mir dann auch schon meine Ausrede wenn ich ob dieser "obskuren Fächerwahl" schräg beäugt oder blöd angemacht wurde und erzählte jedem der/die es hören wollte (einschl. meinen Eltern), na bei Fußball gibt es nur Jungs, da sind alles tolle Mädels um einen rum"¦.besser kann man keine Freundinnen "aufreissen""¦"¦ich stellte mich also als Schürzenjäger da der ich nie war.
Diese Taktik habe ich gelegentlich bis ins Erwachsenenalter immer wieder bemüht um davon abzulenken, wenn ich weibliche Interessen oder Gesellschaft bevorzugt habe.
In den letzten Tagen habe ich mehrere Seiten durchgearbeitet mit Tips, an welchen Merkmalen und Hinweisen man festmachen kann vermutlich Transgender zu sein.
Wenn ich mich einmal traue möchte ich auch das noch ein wenig kürzen (es stammt aus dem Brief an meine Therapeutin) und mit Euch teilen.
1. Denk darüber nach wie es Dir als Kind mit Deinem Geschlecht ergibt.
Habe ich schon einiges zu geschrieben. Trotzdem gehe ich die aufgeführten Anhaltspunkte einmal durch und beantworte sie (ggf. dann mit siehe oben).
a) Du bestehst darauf, nicht das Geschlecht zu haben das Deine Eltern Dir zuschreiben.
Dies habe ich nie getan aber auch nie verstanden warum ich nicht trotzdem ein Mädchen sein kann oder mich wie eines verhalten darf wenn ich doch wie eines fühle und nunmal einfach viel lieber ein Mädchen als ein Junge wäre.
b) Du denkst wenn Du groß bist wirst Du das richtige Geschlecht haben
Hier war mir sehr früh klar das dies leider nicht passieren wird. Ich habe immer gedacht "ich wäre gern ein Mädchen""¦..meine Gedanken sagen auch heute seit Jahren "ich wäre lieber (auch biologisch) eine Frau", aber mir war schon als Kind klar das das leider nicht geht.
c) Wenn Du Dir Geschichten ausdenkst hast Du in diesen das andere Geschlecht.
Volltreffer. Das habe ich immer getan und tue es noch. Sobald es die Möglichkeit gibt (also auch bei virtuellen Gelegenheiten, Spielen o.ä.) wählte und wähle ich eine weibliche Rolle.
In meinen Gedanken sehe ich mich immer als Frau.
d) Du willst Kleidung tragen die typischerweise mit dem anderen Geschlecht asozziert wird.
Volltreffer. Wollte ich schon als Kind und habe mit meiner Freundin Klamotten getauscht und weibliche Bekleidung fühlte sich damals schon richtig an und tut es noch heute.
Gestern habe ich mich das erste mal 2 Dinge getraut. Ich habe mir eine Strumpfhose gekauft, da dies ein weibliches Kleidungsstück ist, das sich aber sehr versteckt tragen lässt und habe sie unter meiner normalen Kleidung getragen. Und es hat sich nicht einfach gut, sondern richtig angefühlt, so sollte es normal sein.
Dann habe ich mir (so blöd es klingt) eine neue Wintermütze gekauft und mich getraut etwas zu kaufen was (zumindest für mich) sehr weiblich ist. Nichts auffälliges, aber eine Damenmütze, hellgraue Wolle, ohne jede Verzierung oder ähnliches, aber wunderbar weich. Ich finde sie jedenfalls sehr typisch weiblich. Allein aufgrund der Farbe und Strickmuster ist bei genauem Hinsehen schon deutlich, dass dies keine Herrenmütze ist. Für die meisten von Euch nichts besonderes aber für mich einfach soo toll. Nur eine Mütze, ja, aber ganz anders als jede Herrenmütze die ich je hatte. Eindeutig feminin. Hier habe ich auch tatsächlich Angst das jemand dies sieht und anspricht (sag mal hast Du die Mütze von Deiner Frau dabei, oder bist Du schwul geworden - in meinem extrem männlichen Umfeld wäre dies nicht überraschend wenn jemand das so unbesonnen anspricht - vielleicht sogar ohne böse absicht). Auch habe ich angst das jemand es bemerkt und hinter meinem Rücken getuschelt wird "was ist denn mit xxVerenaxx los.....hast Du gesehen was der für ne Mütze anhat?", aber es fühlt sich trotzdem einfach richtig an, sich etwas schönes gekauft zu haben und ich vertraue darauf das hoffentlich doch keiner was bemerkt — denn Männer sind ja für Mode nicht gerade aufmerksam. Und es ist für alle anderen ja eigentlich "auch nur eine Mütze".
Also Ja, am liebsten würde ich ausschließlich weibliche Kleidung tragen, von Wäsche bis Wintermantel, von Nachthemdchen bis Badeanzug usw.
e) Du hast mehr Freunde aus dem anderen Geschlecht.
Volltreffer. Siehe oben....wobei ich zugeben muss eigentlich gar keine wirklichen Freunde zu haben. Aber mein Bekanntenkreis ist eindeutig weiblich geprägt und in sozialen Gruppen ordne ich mich eindeutig weiblichen Gruppen zu.
f) Du hast das starke Bedürfnis an Aktivitäten und Veranstaltungen teilzunehmen die typisch für das andere Geschlecht sind
Volltreffer. Siehe oben. Galt schon als Kind und bis heute in allen Bereichen.
g) Du weigerst Dich mit Spielzeug zu spielen das mit Deinem körperlichen Geschlecht asoziiert wird.
Mich zu weigern habe ich mich nie getraut. Ich war schon früh sehr gut darin die Rolle des Mannes zu spielen und zu handeln wie es von mir erwartet wurde — auch wenn mir etwas nicht gefiel oder ungeliebte (männliche) Geschenke mich unglücklich gemacht haben.
h) Du spürst eine Abneigung gegen Deine Anatomie oder Deine Genitalien
Jein. Ich erinnere mich als Kind durchaus eine Abneigung gespürt zu haben, denn meine Genitalien sind schuld, das ich nicht dort sein kann und das tun kann was ich eigentlich möchte. Dies ist heute im Grunde auch noch so.
Ich fühle keinen Ekel und auch keine direkte Ablehnung, aber es fühlt sich auch nicht richtig an und ich wäre wenn ich die Wahl hätte gern auch biologisch eine Frau.
Ich sehe mich sozial und auch sexuell als Frau — auch wenn ich weiterhin meine Frau aus vollem Herzen liebe, sie nach wie vor sexuell anziehend finde (auch wenn mir auch Männer gefallen) und sie nie verlieren möchte.
2. Kannst Du Dich mit Deiner sozialen Rolle identifizieren ?
Kurz gesagt: NEIN
a. Wenn Du zu etwas eingeladen wirst was stereotyp für Dein körperliches Geschlecht ist fühlt sich dies falsch an ?
JA. Als würde ich in eine Schublade gezwungen. Ich will das einfach nicht ;-(
Ich kann doch nix dafür, aber es interessiert mich nicht, es fühlt sich nicht gut an"¦.ich will das einfach nicht ;-(
b. Fühlst Du Dich in einer Gruppe Deines körperlichen Geschlechts so als würdest Du zwar als einer von Ihnen durchgehen aber doch nicht ganz dazugehören ?
ABSOLUT ! ! ! Ich glaube hier habe ich schon einiges zu gesagt.
3. Welche Gefühle lösen Dein Namen und die Pronomen bei Dir aus ?
Ich habe 44 Jahre mit diesen gelebt und empfinde prinzipiell nichts dabei. Gefallen hat mir mein Name nie — aber hier geht es sicherlich vielen Menschen so. Wenn ich in Gedanken schonmal überlegt habe wie ich denn lieber gehießen hätte denke ich jedoch immer an weibliche Namen, nicht an männliche.
a) Wie fühlt es sich an wenn Du Dich in einer Gruppe deines bevorzugten Geschlechts befindest und jemand spricht die ganze Gruppe als "sehr geehrte Damen" o.ä. an.
Das ist mir schon mehrfach passiert und es fühlte sich einerseits nicht besonders an, sondern sehr normal / richtig, andererseits hat es mich gefreut. Wenn der/die Person den "Fehler" dann bemerkte und ein "oh entschuldigen, natürlich Damen und Herren" hinterherschob war es hingegen ein Gefühl des Bedauerns das er/sie die Anrede nun korrigiert hat.
b) Was passiert mit Dir wenn jemand versehentlich das Pronomen des anderen Geschlechts für Dich verwendet.
siehe a. Es gefällt mir; aber da es fast nie unbemerkt bleibt fühlt es sich dann traurig an wenn es korrigiert wird.
Wie geht es weiter ?
Tja. Ich möchte jetzt Möglichkeiten finden meiner weiblichen Seite - also Verena - zumindest mehr Raum zu bieten und diese nicht komplett zu unterdrücken.
Ich denke hier muss/kann ich vieles entdecken. Definitiv möchte ich das jedoch unauffällig und im geheimen. Zu mehr bin ich stand heute noch nicht bereit.
Insbesondere es vor meiner Frau zu verbergen ist natürlich durchaus schwierig und fühlt sich nicht gut an, aber meine Angst ist zu groß um etwas zu sagen.
Aller Anfang ist schwer, aber der Anfang ist zumindest für mich gemacht.
Ich habe 44 Jahre damit verbracht die falsche Rolle zu spielen. Am liebsten würde ich von jetzt auf gleich alles ändern, aber das würde vermutlich in einer Katastrophe enden und das darf nicht passieren. Ich werde es also langsam angehen lassen und versuchen Dinge einzuschleichen und normalität werden zu lassen, die mir mehr weiblichkeit ermöglichen ohne das mein Umfeld es merkt oder zumindest ohne es besonders auffällig zu finden. Da ich zudem viel beruflich unterwegs ist werde ich diese Gelegenheiten nutzen Verena vielleicht auch dort etwas Freiraum zu bieten. Leider reise ich beruflich nicht allein, das wäre natürlich fabelhaft, sondern bin immer mit einer großen Gruppe im gleichen Hotel, sodass es nicht in Frage komme hier zeitweise komplett Verena zu sein, aber zumindest einige weibliche Aktivitäten kann ich mit hier bieten.
Anschließend dann mal schauen wie es sich entwickelt.
Ich möchte künftig
- Zunächst mehr Kleidung wählen die ich auch im Alltag als Mann tragen kann, die aber tendentiell zumindest androgyn oder unisex ist, aber mehr weiblichen Charakter hat (siehe die Mütze - meine Frau findet z.B. diese stehe mir super.....die Hintergründe kennt sie ja nich). So kann ich weibliche Bekleidung haben und nutzen ohne dass dies allzu auffällig wirkt, sondern sich zumindest noch im Grenzbereich von "gerade noch männlich genug um nicht anzuecken" bewegt. Heimlich schöne Wäsche zu tragen wird wohl eher nicht funktionieren, denn irgendwo muss diese ja Gelagert aufbewahrt werden; aber ab und an mal eine Strumpfhose unter der normalen Hose bietet ja auch schon ein wenig weiblichkeit und die Sicherheit das es niemand sieht.
- wenn ich in XYZ (dort wo ich immer hinreise) bin möchte ich die Gelegenheit nutzen zunächst zumindest heimlich möglichst vielen angenehmen (weiblichen) Aktivitäten nachzugehen die ich mich zuhause nicht trauen würde. Gestern war ich wie gesagt shoppen und habe durchaus auch mal Blicke in die Damenabteilungen geworfen (hier würde ich mich mehr trauen wenn ich eine Freundin hätte die ich mitnehmen könnte). Für Morgen habe ich einen Termin in einem Nagelstudio. Das erste mal in meinem Leben. Zwar nur eine Maniküre für Männer, aber in einem ganz weiblichen Studio das wohl sehr LGBTQI freundlich sein soll und das richtig "girly" ist
- Versuchen nach und nach mehr Kosmetik in mein Leben einfließen zu lassen, sodass es gar nicht groß auffällt. (zunächst natürlich pflegende, nicht dekorative Kosmetik — aber Kosmetik die mir gefällt"¦.sprich Bodylotion mit weiblichem Duft statt "Nivea men", ein feminines Parfum statt Gaultier "Le mal", eine schöne Creme statt einfach Creme aus dem Rossmann usw.)
- Versuchen in XYZ eine Selbsthilfegruppe zu finden
- Mit meiner Therapeutin an diesem Thema arbeiten und daran arbeiten vielleicht den Mut zu finden mich auch meinem Psychiater (ich bin in Behandlung wegen Depressionen, deren wirkliche Ursache mir nur zu klar wird) und vielleicht einer "Haus"Ärztin anzuvertrauen. Ich denke es gibt sehr viel zu reden und zu verarbeiten, da ich sehr lange und sehr viel absolut gegen mein Selbst gearbeitet habe — ich habe schon gelesen das dies wohl ein häufiges Problem ist"¦..sich selbst und anderen die (vorgespielte) Männlichkeit beweisen zu wollen usw. usw. ich glaube hier gibt es wirklich seeeeehr viel.
Tja. einer meiner nächsten Schritte ist sicherlich auch hier im Forum aktiv zu sein. Vielleicht dann auch zu verraten wo ich regelmäßig hinreise usw.
Ich lasse es also auf mich zukommen.
So.
Ich hoffe der Text ist nicht so lang geworden das niemand ihn mehr liest, aber ich musste einfach alles hier loswerden.
Liebe Grüße an Euch alle
Verena