Hallo zusammen,
vorab: Dieser Beitrag ist keine Kritik an Anne-Mettes Beitrag. Es ist nichtmal eine direkte Reaktion darauf. Ich nehme das folgende Zitat nur als Aufhänger für meinen Beitrag, weil es mir dafür passend erscheint.
Einige Menschen haben den Schwenk von einer "leidensbegründeten Transsexualität" zu einer freien Entscheidung über das eigene Geschlecht nicht ganz nachvollziehen können,
verstehen sicherlich auch nicht, wie aus einer Abschaffung des "Transsexuellengesetzes" ein "Selbstbestimmungsgesetz für Alle" - ohne zu benennenden Grund für eine Änderung des Namens und des Geschlechtsstandes - werden kann.
Die Krux mit dem 'zu benennenden Grund' ist nach wie vor, dass niemand in der Lage ist, einen Grund, d.h. eine Diagnose (genetisch, hormonell, neurologisch, spirituell....), zu liefern, die eine Transgeschlechtlichkeit oder -identität nachvollziehbar und 'prüffähig' machen würde. Es handelt sich um Aussagen über individuelle Gewissheiten, für die es bis dato jedoch keine Belegbarkeit gibt.
Auf diesem Verständnis beruht die Idee des Selbstbestimmungsgesetzes. Nach diesem Verständnis muss es auch zwingend für Alle gestaltet werden; eben weil es an einer Diagnose zur Bestimmung einer spezifischen 'Betroffenengruppe' fehlt.
Gott oder sonstwem sei dank, ist es in den letzten Jahren gelungen, die körperliche Anpassungsbereitschaft, die als Pseudo-Diagnose sowohl von einigen Betroffenen angeboten, als auch von Anderen gefordert wurde, weitestgehend aus der Diskussion zu bringen. Diese 'Diagnose' widerspricht nämlich nicht nur den Feststellungen des BVerfG hinsichtlich der grundgesetzlichen Anforderungen an den rechtlichen Umgang mit Betroffenen, sondern auch der Erfahrung, dass es betroffene Personen gibt, die ihre Selbstbeschreibung (Identität?) nicht an binären körperlichen Eigenschaften festmachen, jedoch trotzdem zum Spektrum der Transgeschlechtlichkeit gehören. Gender? Sex? Gehirn? Gonaden? Nichts genaues weiss man eben nicht.
In einer wesentlichen Hinsicht ist das Thema 'Geschlechtlichkeit / Transgeschlechtlichkeit' damit dem Glauben im religiösen Sinn sehr ähnlich. Niemand hat 'Beweise'; nicht dafür und nicht dagegen. Aber es gibt klare Aussagen über individuelle Gewissheiten; bei Gläubigen und Atheist_innen genauso wie bei 'uns' und 'den anderen'.
Frau Schwarzer handelt und spricht wie eine, die die Existenz Gottes beweisen oder widerlegen kann (natürlich ohne es wirklich zu können). Sie versucht, ihre individuelle Gewissheit zur überindivuellen Norm zu erklären und ist damit um keinen Deut besser, als gläubige oder atheistische Fundamentalist_innen. Nur: Diskussionen mit Fundamentalist_innen sind vergebene Liebesmüh, vertane Zeit. Sie führen zu nichts Konstruktivem.
Wir sollten mit denen reden, die verstehen, warum wir hierzulande die Freiheit der Religionsausübung und auch die Freiheit, von Religion frei zu sein, haben; eben weil niemand dieses oder jenes beweisen kann. Von diesen Menschen gibt es reichlich und einige von denen haben Bedenken, über die man mit ihnen respektvoll reden muss und reden kann. Die anderen, die Fundis, sollten wir eher ertragen und sie ihren Allwissenheitsfantasien überlassen.
Habt es gut
Marielle