Menalee hat geschrieben: Di 29. Mär 2022, 15:26
Hassverbrechen nehmen zu, häusliche Gewalt nimmt zu und wen interessiert es? Das liegt nicht nur alles an Corona, es ist höchste Zeit das der Staat tätig wird.
Davon mal, dass ich dir zustimme ...
Hassdelikte (du schreibst Hassverbrechen) sind gemäß dem deutschen Strafrecht keine gesondert qualifizierten Straftaten. Schlägt mich jemand weil ich eine trans Frau bin und ihm das nicht passt, ist es zunächst einmal eine Körperverletzung (die mit bis zu 5 Jahren Haft beahndet werden kann).
Quelle dazu u.a.: Alke Glet: Sozialkonstruktion und strafrechtliche Verfolgung von Hasskriminalität in Deutschland. Eine empirische Untersuchung polizeilicher und justizieller Definitions- und Selektionsprozesse bei der Bearbeitung vorurteilsmotivierter Straftaten. Duncker & Humblot, 2011. ISBN 978-3-428-13681-0.
Dies ist auch der Grund, warum "Hass" in unserem Land vor dem Gesetz nur eine indirekte Relevanz in der Rechtsprechung einnimmt - i.d.R. nur dann teilweise oder gänzlich zur Klassifizierung einer Straftat herangezogen wird, diese bestimmte Merkmale aufweist - das wäre zum Beispiel die Feststellung der besonderen schwere der Schuld oder aber die niederen Beweggründe bei einem Mord. Dies nämlich, weil ein tatsächliches "Hate Crime" als schwerer zu ahnden gilt als eines aus anderer Motivitation. Auch muss sich die Rechtsprechung die Frage stellen, ob die Androhung erhöhter Strafmaße für eine Reduzierung solcher Taten beitragen kann - dem ist aber nicht der Fall, da insbesondere "Unreife" dergleichen Taten verüben und entgegen erzieherischem Gedanken unverhältnismäßig bestraft würden, was zu vermehrter Ausgrenzung- und Desintegration führen kann - diese also gar gefördert würde.
Nun war man so schlau der Polizei die Erfassung derlei Delikte zu übertragen (mit Wirkung v. 01.01.2001). Die führte ab da an unter dem Oberbegriff "Hasskriminalität" entsprechende Statisitken.
Im Gegensatz zu unserer Rechtsprechung verwendet unsere Bundesregierung (und wie zuvor erwähnt, auch unsere Polizei) diesen Begriff durchaus und führt darunter beim Täter zu suchende Motive an, wie: politische Einstellung, Nationalität, Volkszugehörigkeit, Rasse, Hautfarbe, Religion, Weltanschauung, Herkunft, sexuellen Orientierung, Behinderung - und dies im äußeren Erscheinungsbild und oder gesellschaftlichen Status.
Und nein, die Gründe hierzu liegen durchaus nicht an Corona, diese Tendenzen sind, sonst hätte man die Erhebung ja 2001 nicht eingeführt, schon lange für jeden sichtbar.
Due Ursachen sind manigfaltiger Natur und würde hier jeden Rahmen sprengen - so ist m.E. auch das Internet ein Multiplikator.
Liebe Grüße vom
Blümchen
