Spektrum | Geschlechtergerechte Sprache: Das Gendersternchen kehrt das Problem um
Verfasst: Sa 19. Mär 2022, 16:45
Redezeit! Austausch- und Nachrichten-Portal für intergeschlechtliche und transsexuelle Menschen, Crossdresser, nonbinä¤re Menschen, Feministinnen, Luder, Hexen
https://www.crossdresser-forum.de/phpBB3/
https://www.crossdresser-forum.de/phpBB3/viewtopic.php?t=24136
Der ganze Sinn und Zweck ist aber genau, dass gewohnte Muster unterbrochen werden, weil in der Realität die bekannten Verhältnisse herrschen (im wahrsten Wortsinne) und in der Sprache wiederholt werden. Durch die Sprache soll aufmerksam gemacht werden, dass es wie im Artikel nicht nur männliche Zuhörer sind - und auch nicht nur Männchen und Weibchen.Blossom hat geschrieben: Sa 19. Mär 2022, 17:01 Na, dann fange ich mal an und sage: Ich habe das Sternchen von Anfang an für Quatsch gehalten, denn genau das, was im Artikel steht, ist mir beim Schreiben aufgefallen. Ich hatte tatsächlich den Versuch unternommen einen gendersprachlich korrekten Text zu formulieren - und stieß laufend an Probleme der Lesbarkeit als auch des Verstehens.
Ja, immer wieder behauptet, wird aber nicht wahrer, sondern falscher mit der Zeit. Mit Ausnahme weniger Erzeugnisse, an denen die Autorys lange feilen, umbauen und neu formulieren, war und ist gesprochene und geschriebene Sprache nur eine kleine Untermenge dieser Wortgewalt. Die ganzen Zeitungsartikel, Medienbeiträge und selbst die meisten Bücher. Dazu verschiedene Untermengen gesprochener Sprache in verschiedenen Schichten, Milieus und Fachgebieten. Die "wortgewaltige Sprache" war immer höchstens einer kleinen Elite geläufig, eben den Dichtys und Denkys. Und auch unter denen machen 200 Jahre einen Unterschied, ob sie sich noch verständigen können. Walter von der Vogelweide hätte Goethe nicht verstanden, schon weil viele Begriffe des 18ten und 19ten Jahrhunderts zu Vogelweides Zeiten noch gar nicht erfunden waren.Blossom hat geschrieben: Sa 19. Mär 2022, 17:01 Wir haben eine sehr schöne, wortgewaltige Sprache - Das Land der Dichter und Denker - und fangen an sie zu verhunzen; das inkludiert auch die immer häufiger auftauchenden Aglizismen, die es nicht braucht.
Das kann man ja alles gerne im postalischen Bereich machen, oder individuell im Gespräch ... meinetwegen auch noch in irgendwelchen journalistischen Artikel.Jaddy hat geschrieben: Sa 19. Mär 2022, 19:53 Der ganze Sinn und Zweck ist aber genau, dass gewohnte Muster unterbrochen werden, weil in der Realität die bekannten Verhältnisse herrschen (im wahrsten Wortsinne) und in der Sprache wiederholt werden. Durch die Sprache soll aufmerksam gemacht werden, dass es wie im Artikel nicht nur männliche Zuhörer sind - und auch nicht nur Männchen und Weibchen.
Wenn du eine reine Leserschaft hast und keine diverses Lesepublikum, dann ist das vielleicht besserBlossom hat geschrieben: Sa 19. Mär 2022, 20:17 Aber ehrlich, versuch dich man an einem Roman, der das berücksichtigt ... es ist eine schier unlösbare Aufgabe, zerstört den Lesefluss, macht es an vielen Stellen schlicht unverständlich. Da bleibe ich, auch zuliebe meiner Leserschaft bei Altbewährtem.
Hm, nein, sind sie eigentlich nicht.Blossom hat geschrieben: Sa 19. Mär 2022, 20:17 Dort wo es geht, okay ... so würde eine Protagonistin auf einer Feier natürlich mit "Liebe Gäste, schon, das ihr alle gekommen seid" ihre Ansprache beginnen. Da sind dann ja alle gleichermaßen angesprochen und enthalten.
Ja, die Beispiele gehen natürlich auch ... keine Frage ... lächel.Jaddy hat geschrieben: Sa 19. Mär 2022, 20:35 Da bietet unsere wundervolle Sprache doch so viele Möglichkeiten![]()
Es ist nicht so einfach wie bisher, logisch. DIe bisherigen Formen sind so trainiert und eingeschliffen, dass sie schnell aus den Fingern in die Tasten fliessen. Es ist aber "nur" Übungssache.Blossom hat geschrieben: Sa 19. Mär 2022, 20:39 Letztlich ist es in der direkten Rede der Protas ja möglich und auch für die Leserschaft nachvollziehbar und verständlich. Ansonsten bleibt es aber extrem schwierig.
Da bin ich ganz bei dir.Blossom hat geschrieben: Sa 19. Mär 2022, 17:01 Auch glaube ich nicht, dass diese Art einer gendergerechten Sprache - insoweit es die überhaupt irgendwo gibt - das eigentliche Probleme des zwischenmenschlichen Miteinanders, inklusive gegenseitigem Verständnis - löst. Meiner Meinung nach macht es das nur noch komplizierter, wenn man sich über alles was man sagt, erst zigmal Gedanken über "political corrrectness" machen muss.
Ich frage mich, warum in Deutschland alles 100% sein muss. Ich glaube es gab in den letzten Jahrhunderten keine großen Probleme damit, wer bei einer Diskussion oder einem Brief gemeint war. Hier geht es doch eher darum, dass der oder die Redner(in) / Verfasser(in) das Geschlecht seines oder ihres Gegenüber respektiert. (Alleine diesen Satz musste ich 3x lesen und korrigieren) Aber der gegenseitige Respekt sollte vielleicht nicht sooo 100%ig an der Sprache festgemacht werden. Hier gibt es viel mehr Baustellen, die viel interessanter wären.Jaddy hat geschrieben: Sa 19. Mär 2022, 21:03 Es geht um Präzision und Professionalität. Wer ist wirklich gemeint und wie kann das sprachlich genau formuliert werden.
Das war jetzt speziell auf unsere Zielgruppe des Vortrags bezogen. Das sind tatsächlich Menschen, die sich professionell und akribisch damit beschäftigen, ihre Texte auf Präzision, Klarheit und Eindeutigkeit hin zu feilen. Die sind tatsächlich gut darauf angesprungen, dass sich beim generischen Maskulin nicht-männliche Menschen weniger angesprochen fühlen. Das kann auch bei technischen Texten ungünstig sein, wenn da steht "der Techniker muss X machen" und die Technikerin das (unbewusst) nicht oder weniger als eigene Aufgabe interpretiert.
Vorschlag: "Hier geht es doch eher darum, in Rede oder Text das Geschlecht der angesprochenen Personen zu respektieren"Dali hat geschrieben: So 20. Mär 2022, 07:31 Hier geht es doch eher darum, dass der oder die Redner(in) / Verfasser(in) das Geschlecht seines oder ihres Gegenüber respektiert. (Alleine diesen Satz musste ich 3x lesen und korrigieren)
Ich fürchte, der Zug ist bei mir, nach über 55 Jahren gesprochenem und zutiefst eingefleischtem Deutsch, abgefahren.Jaddy hat geschrieben: So 20. Mär 2022, 16:53 Vorschlag: "Hier geht es doch eher darum, in Rede oder Text das Geschlecht der angesprochenen Personen zu respektieren"Soll sagen, manchmal sind genderneutrale Umformulierungen viel einfacher, als sich mit Beidnennungen, Sternchen oder ähnlichem zu quälen. "Redepult" statt "Redner*innenpult", "Anwesende" statt "Damen und Herren", usw.
Oh, da sind wir ja numerisch fast gleich altDali hat geschrieben: Mo 21. Mär 2022, 07:09 Ich fürchte, der Zug ist bei mir, nach über 55 Jahren gesprochenem und zutiefst eingefleischtem Deutsch, abgefahren.
Selbst wenn ich wollte, würde ich das in einer Rede oder Gespräch niemals umsetzen können.![]()
Die Hirnforschung sagt uns, dass wir bis zum letzten Augenblick neue Verschaltungen im Gehirn stattfinden können. Siehe auch viewtopic.php?t=24150Dali hat geschrieben: Mo 21. Mär 2022, 07:09 Ich fürchte, der Zug ist bei mir, nach über 55 Jahren gesprochenem und zutiefst eingefleischtem Deutsch, abgefahren.
Selbst wenn ich wollte, würde ich das in einer Rede oder Gespräch niemals umsetzen können.
Nach oben