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Hallo „ Eine lange Vorstellung

Verfasst: Di 18. Jan 2022, 08:29
von Heike1980
Hallo Ihr lieben,

Seit Jahren besuche ich dieses Forum in unregelmäßigen Abständen und versinke dann stunden- , ja tagelang, in Euren tollen Reflexionen, Erfahrungen, und Ratschlägen.

Nun möchte ich mein Dasein als stille Beobachterin beenden und ein wenig von mir erzählen. Warum? Das kann ich Euch nicht wirklich sagen, da so viele Impulse, Gefühle, Gewissheiten und Wünsche als riesiger Wirbelsturm um mich und durch mich tosen. Immer wieder gelingt es mir einzelne Fragmente oder in die Hände zu bekommen und etwas genauer zu begutachten, nur um dann festzustellen dass das für sich keinen Sinn ergibt und ich es wieder ins Treiben entlassen muss.

Mit meinen 42 Jahren hätte ich allen Grund zufrieden zu sein. Ich habe einen Beruf der mich erfüllt und der mir Spaß macht. Mein Leben wird komplettiert von einer Ehefrau die ich liebe und unserer kleinen Tochter die bei allem Stress so unglaublich viel Lebensfreude, Aufregung und Liebe zurückgibt, dass ich mir gar nicht vorstellen kann wie es ohne sie wäre.

Dennoch oder vielleicht genau deshalb ist vor etwa einem Jahr die glimmende Glut meiner weiblichen Seite zu einem kleinen Feuerchen entfacht, das ich nicht austreten konnte, wenn ich ehrlich bin nicht austreten wollte.

Diese Glut ist schon sehr lange in mir. Irgendwie war ich immer der Eigenartige, Schüchterne, liebe, verständnisvolle, der nichts auf die Reihe bekommt. Der Kleiderschrank meiner Mutter und meiner Schwester war ein magischer, verbotener Ort dessen Verlockungen ich gelegentlich ich nicht widerstehen konnte. Ich konnte nicht verstehen warum ich so ein schrumpeliges Ding zwischen den Beinen hatte während bei meiner Schwester alles schön glatt und sauber war. Mit den Mädels konnte ich besser. Aber da war nicht im Geringsten eine Gewissheit, nur ein diffuses Gefühl der Eigenartigkeit, Einsamkeit und Scham.

Seit der Pubertät gab es Perioden in denen ich meinem Leben nur zugeschaut habe, was in meinen Zwanzigern ziemlich traurig war weil ich wochenlang kaum aus dem Bett gekommen bin wegen objektiv nicht erklärbarem Selbsthass und Hoffnungslosigkeit. An eine Beziehung, obwohl verzweifelt ersehnt, war die ganze Zeit nicht im entferntesten zu denken. Ich nahm mich nicht als sexuelles Wesen war. Mädchen und Frauen waren transzendente Wesen, die sich niemals mit etwas wie mir ernsthaft abgeben würden. Träume und Fantasien waren oberflächlich. Von Verwandlungen ging eine seltsame Faszination aus. Ab und zu gab ich einem unerklärbarem Druck nach und enthaarte mir die Beine auf jede erdenkliche Arten. Das faszinierte mich. Es entspannte mich und - natürlich - erfüllte mich mit Scham. Also schnell alle Utensilien versteckt oder weggeschmissen und die Beine versteckt.

Irgendwie habe ich es dann auch Dank unermüdlicher Aufmunterungen meiner tollen Freundinnen geschafft, mich aufzuraffen, das Studium irgendwie abzuschließen und mich ins Arbeitsleben zu stürzen. Es folgte eine Zeit des "work hard play hard" quer durch Europa mit sehr bedenkenswerten Trinkgewohnheiten. Am besten kam ich auch hier mit den Mädels aus. Auch hier war ich der sehr geschätzte und gemochte Sonderling der sehr viel Mühe in Dinge legen musste die anderen scheinbar einfach so von der Hand gehen. Die Selbstzweifel wurden rational durch Erfolge widerlegt. Die nagende Angst morgen als fauler Dilettant enttarnt zu werden hat mich trotzdem bis heute nicht verlassen. Abends allein im Hotelzimmer hätte man ja seine Weiblichkeit ja ausleben können. Aber die Frauenklamotten aus dem Lidl kleiden einen leicht übergewichtigen Mitdreißiger mit schütter werdendem Haar nicht sonderlich, also schnell wieder ausziehen und in die Mülltonne damit. Die Scham blieb.

Wider Erwarten habe ich dann per Internet meine Frau kennengelernt. Sie ist bestimmt bis herrisch, aber ein offenes Buch. Das gefiel mir. Hier bekomme ich die Rechnung gleich auf den Tisch und nicht erst im nächsten Streit. Für einen Menschen mit Hang zur Paranoia (vermutlich da ich selbst so viel vor mir und anderen verheimlichte) war das eine Offenbarung. Wir hatten sofort eine Verbindung und kamen zusammen und haben uns verliebt. Stück für Stück habe ich mich offenbart dass ich es mag keine Haare an den Beinen zu haben, dass ich mir oft wünsche eine Frau zu sein (das konnte ich mir erst da eingestehen) aber immer dazugesagt dass sie ihren Mann nicht verliert. Jede Offenbarung war eine schwere Prüfung für sie und unsere Beziehung. Sie war immer kurz davor die Beziehung, später Ehe, zu beenden. Das erfüllter mich mit Panik, sie zu verlieren. Ich hatte ein unermessliches schlechtes Gewissen dass ich ihr das zumute. Deshalb habe ich meine Träume unterdrückt und so gut es ging vor ihr verborgen. Es gab einen Deal: Im Winter durfte ich die Beine rasieren.

Wir wünschten uns über alles ein Kind. Vor der Heirat wechselte ich zu einem Job bei dem ich nicht mehr so viel reisen musste und nach ihrer Schwangerschaft in der ich mich völlig ungerechterweise irgendwie ausgeschlossen gefühlt habe kam, bumm, unsere Tochter zur Welt. Ich war sofort von so viel Liebe erfüllt. Mit ihr hatte ich komischerweise immer das Gefühl, zu wissen was ich tun musste und wie. Irgendwann dann beim Windeln wechseln durchfuhr es mich: Warum darf ich eigentlich keine Frau sein. Ein ganz ungewöhnlicher Zorn kam in mir auf und dann sofort die Realisierung dass dieses Gefühl so stark und klar ist wie nie zuvor. Sofort kam die Angst alles zu verlieren wieder. Meine Frau war am Boden zerstört als ich es ihr erzählte. Wir vereinbarten dass ich Hilfe brauchte. Also begann ich eine Psychotherapie mit einem Therapeuten der sich leider nicht so sehr mit der Thematik auskennt. Trotzdem hilft es mir, bestimmte Dinge einfach mal aussprechen zu können.

Meine Frau stimmte zu dass ich meine weibliche Seite etwas mehr erkunden musste. Wir haben zusammen Pullis und Hosen aus der Frauenabteilung bei H&M bestellt: Einer der aufregendsten und glücklichsten Momente meines Lebens. Leider passen auch die Sachen von H&M einem übergewichtigen 40 jährigen nicht so prickelnd, vor allem nach dem ersten Waschen. Ausserdem hat meine Frau bemerkt dass sie das nicht kann. Es zerstört ihr Bild von mir, mich so zu sehen. Auch sich vorzustellen dass ich es mache wenn sie mich nicht sieht ist ein NoGo. Also haben wir das abgebrochen. Das hat mich sehr traurig gemacht.

Ich bin teilweise wie besessen von dem Thema Weiblichkeit, lese viel auf Reddit und hier und schaue Youtube-Videos. Aber ich drehe mich im Kreis. Bin ich transident oder genderfluid? Wird meine latente Depression dadurch verursacht dass ich diese Spannung zwischen meiner Geschlechtsidentität und meiner gelebten Rolle in der Welt nicht auflösen kann? Könnte ich das lindern indem ich mich ab und zu weiblich anziehe (Lidl ist immer noch ab und zu mein Freund)? Muss ich letztendlich vielleicht weiter gehen und Hormone nehmen, öffentlich als Frau leben und eine GaOP machen? Das alles macht mir Angst aber ich kann und will das nicht ausschließen. Wenn ich mir aussuchen könnte ob ich als Mädchen oder Junge geboren werden wollte, ich würde sofort Mädchen wählen.

Aber ein Erkunden würde dazu führen dass mich meine Frau verlässt. Das hat sie mehrmals sehr klar geäußert. Das kann und will ich nicht riskieren. Ein Leben ohne sie und meine Tochter kann ich mir nicht vorstellen. Auch meine Frau ist untröstlich dass sie damit nicht umgehen kann. Und ich habe ein unendlich großes schlechtes Gewissen dass ich das Thema nicht einfach begraben kann. Ich tue meiner Frau so viel Leid an mit meinem Egoismus und Unvermögen zur Beherrschung!

Nach der letzten Krise vor zwei Wochen habe ich es auch erstmals meiner Schwester erzählt. Sie hat sehr gelassen reagiert und meint nur dass sie mich unterstützt. Sonst weiss niemand davon.

Meine Frau und ich haben verabredet dass wir eine Paarberatung beginnen wollen denn die Spannungen steigen. Hier wollen wir aber jemanden suchen der sich mit dem Thema auskennt.

Wenn ihr Tipps habt wie ich/wir jetzt weitermachen bin ich sehr, sehr dankbar!

Jetzt bin ich deutlich übers Ziel hinausgeschossen und es gibt noch so viel was ich vergessen habe und los werden möchte. Bitte entschuldigt die Wirrheit, Schreibfehler und einen eventuell unpassenden Ton in meinem Beitrag. Ich übe noch :-).


Ganz liebe Grüße
Heike

Re: Hallo „ Eine lange Vorstellung

Verfasst: Di 18. Jan 2022, 10:01
von chrisvomsee
Hallo Heike,

ja, Deine Vorstellung ist lang. Aber sehr sehr gut geschrieben
Beim Lesen gerade wollte ich Dich schon bei Deinen ersten Sätzen zitieren mit den Worten "Ich finde mich absolut wieder in Deiner Geschichte"
Dann hab ich weitergelesen und gemerkt, ne' hier müsste ich ja grad mal alles zitieren.
Ohne Witz, Deine Geschichte liest sich wie meine. Besonders die der Kindheit und aus Deiner Zeit der Pubertät. Echt "unglaublich"

Und weil mich das gerade so beeindruckt hat (feuchte Augen) schreibe ich Dir diese Antwort direkt schnell vom Handy.

Herzlich willkommen. Später bestimmt mal mehr.

Grüße vom Bodensee

Chris

Re: Hallo „ Eine lange Vorstellung

Verfasst: Di 18. Jan 2022, 11:12
von Shoshana
Hallo Heike,

das ist mal eine wirklich lange Vorstellung. Danke dafür.
Was mir so spontan durch den Kopf geschossen ist: Sei dankbar, dass deine Frau so offen Rückmeldung gibt. Meine Noch-Frau war immer schon recht verschlossen und das ist über die Jahre schlimmer geworden. Da weiß ich nie wo ich dran bin und das ist für mich fürchterlich.

LG, Shoshana

Re: Hallo „ Eine lange Vorstellung

Verfasst: Di 18. Jan 2022, 11:36
von Josephine
Erstmal willkommen und gut, dass Du hier bist. Du bist nicht schräg, kaputt, defekt, reparabel. Du bist so wie Du bist, das ist gut so. Deine Frau liebt dich, weil Du so bist wie Du bist, wenn Du einen Teil von dir aufgibst, bist Du nicht mehr Du und deine Veränderung wird in andere Bereiche ausstrahlen. Die Natur ist bunt. Kein Blatt ist wie das andere.

Ach was soll man sagen. Deine Geschichte, meine Geschichte.... ich hatte das Glück, nach etlichen "alles wegwerfen - alles neukaufen" Aktionen über 35 Jahre hinweg mal eine ältere erfahrene Therapeutin (wegen Trennung) zu haben, die sagte: Wo ist das Problem? Sie meinte ich soll es einfach akzeptieren. Das "warum" nützt eigentlich niemanden. Sie riet mir nur zu einem, solange ich unsicher bin, ob es ein fetisch, Spaß am Verkeiden oder weiter geht: "Gehen Sie in eine andere Stadt zum Ausprobieren". Sollte es sich im Nachhinein als "Hirngespinnst" oder "Phase" rausstellen, hat man sich und seinen Angehörigen, vor allem Kindern keinen "Schaden" zugefügt. Ich jedenfalls bin ab und zu Auswärts als Frau zum shoppen unterwegs, finds dann ziemlich spannend, nach 3-4x ist keine Spannung mehr da und dann lass ichs wieder für eine gewisse Zeit.

Nun in meiner zweiten Ehe erzählte ich meiner Frau von Anfang an, was mir gefällt. Ich sagte extra rechtzeitig VOR unserer Heirat: "Du weisst worauf Du dich einlässt - das muss dir klar sein, ich möchte keine Diskussionen"

Und so halten wir es bis heute. Im Sommer hab ich eh weniger Lust auf das ganze "Getüttel" :-))) (weiß auch nicht warum) aber mit dem Herbst und Winter kommt es wieder. Jahr für Jahr, seit 30 Jahren.... ich nehms wie es ist.... meine Frau nimmts auch mit Humor und wir lachen oft darüber. Ich: "finde es fies das Frauen dieses und jenes dürfen und wir nicht. Sie: Tja... Pech :-)
Es gab Zeiten, da kaufte sie mir Kleider und brachte mir vom Shoppen BHs+Slips mit. Momentan eher nicht. Aber wenn mal wieder in der Wäsche Stücke, die sicher nicht von ihr sind, sind sie kommentarlos am nächsten Tag wieder in meinem Damenunterwäscheschub (der ist übrigens sehr groß und meine Frau beschwert sich, das ich mehr BHs+Slips hab wie sie!)

Und zu mir? Mir würde es reichen als Mann einfach an allen Kleiderschränke zu bedienen, am Liebsten schöne Damenunterwäsche (ohne Polster, Silikonzeugs) + Strumpfhosen + Strickkleid + Stiefel. Keine Ahnung warum - auch egal. Ich weiß nicht obs ein Fetisch ist, Spaß am Verkleiden, Auszeit nehmen vom Mann sein, Flüchten aus Raum und Zeit.... ist mir auch egal... ich halte mich dran... Crossdressen ja, aber nur in einer anderen Stadt. Damit bin ich die letzten 15 Jahre glücklich und zufrieden. Manche Dinge brauchen ihre Zeit und passieren einfach. Vermeide die Brechstange.

Vielleicht hilft dir das ja? Ich wünsche dir alles Gute... bleib bei dir...

Liebe Grüße

Josephine


PS: Ich heute nur als Mann mit schönem BH+Slip (ich liebe Kombies)

Re: Hallo „ Eine lange Vorstellung

Verfasst: Di 18. Jan 2022, 12:19
von Jasmine
Vielen Dank für deine ausfühliche Vorstellung. Herzlich willkommen in diesem schönen Forum.
LG Jasmine

Re: Hallo „ Eine lange Vorstellung

Verfasst: Di 18. Jan 2022, 13:31
von Mary
Auch ein herzliches Willkommen von mir,

Viele Grüße
Mary

Re: Hallo „ Eine lange Vorstellung

Verfasst: Di 18. Jan 2022, 14:44
von Blossom
Danke für die ausführliche Vorstellung ... und auch von mir ein herzliches Willkommen.

Re: Hallo „ Eine lange Vorstellung

Verfasst: Di 18. Jan 2022, 16:11
von ExuserIn-2022-08-18
Hallo Heike,

ein feundliches Hallo ins Frankenland und Herzlich Willkommen auch von mir.

Ich könnte Dir hier unendlich viel schreiben und doch nichts damit aussagen denn was Du berichtest ist so umfangreich mit so vielen unterschiedlichen ansatzmöglichkeiten das ein einfacher Text hier es nicht treffen würde. Vielleicht trifft man sich einmal im Chat und "schnackt" darüber.

Aber einen Tipp möchte ich Dir doch geben. Bezüglich eurer Paarberatung bzw. Therapie. Ich bin favorisiere in solchen Konstellationen wie sie bei Dir und deiner Ehefrau vorhanden sind die GfK, Gewaltfreie Kommunikation nach Marshal Rosenberg. Als gut könnte sich aber auch die humanistische Psychotherapie nach Carl Rogers erweisen, der mit seiner klientenzentrierten Gesprächstherapie bei Ehepaaren: Zitat Rogers "stabile, vertrauensvolle Beziehungen zwischen Ehepartnern, die auch an Konflikten weiter wachsen können", herstellen möchte.

Dieses Forum wird Dir sicherlich weiterhelfen da es hier unendlich viele nette Meschen gibt

Alles Liebe und Gute für Dich

Cecil

Re: Hallo „ Eine lange Vorstellung

Verfasst: Di 18. Jan 2022, 17:51
von __Anna__
Hallo Heike,
Auch ich hab hier bestimmt mehrere Jahre passiv mitgelesen, bevor ich mich entschieden habe mich anzumelden. Es ist für mich ebenfalls schwer, ob das Crossdressen nur Spass am Verkleiden ist oder nicht.
Meine Frau kann damit überhaupt nicht umgehen und ich lebe meine weibliche Seite nur aus, wenn ich alleine bin.
Es gab auch schon mal eine Zeit, da dachte ich Sie würde mir ein wenig entgegenkommen. Mir ist bewusst, das die Vorstellung für eine Ehefrau, dass Ihr Mann sich gern weiblich kleidet und Schminkt, sicherlich belastend ist. Ich kann Dir keinen Rat geben, da ich selbst für mich auch keine Lösung sehe. Aber vollständig seine weibliche Seite zu unterdrücken klappt definitiv nicht.
Alles Gute und Wilkommen im Forum
Anna

Re: Hallo „ Eine lange Vorstellung

Verfasst: Di 18. Jan 2022, 18:34
von Geli
Hallo Heike,

ein herzliches Willkommen auch von mir und danke für die ausführliche Vorstellung.
Schön, dass du dich nach dem passiven Mitlesen jetzt aktiv einbringst. Noch viel Spaß und einen guten Austausch.

Liebe Grüße
Geli

Re: Hallo „ Eine lange Vorstellung

Verfasst: Di 18. Jan 2022, 18:43
von Céline
Hallo Heike,
Vielen Dank für deine Vorstellung. Sei Herzlich Willkommen hier bei uns. Ich habe Deine Vorstellung erst mal sacken lassen müssen weil mich vieles an Altes erinnert. Ich denke du bist hier auf jeden Fall richtig und wirst bestimmt viel über dich erfahren.
Liebe Grüße
Céline

Re: Hallo „ Eine lange Vorstellung

Verfasst: Di 18. Jan 2022, 19:44
von Kerstin65
Hallo Heike,

herzlich willkommen hier im Forum. Es ist schön zu erfahren, dass in der Region in und um Nürnberg mehrere hier im Forum sind. Deine Erfahrungen kann ich in Vielem teilen. So geht es wahrscheinlich sehr vielen. Wir wissen nicht, wohin die Reise geht. Doch das macht die Sache ja auch irgendwie interessant.

Wenn Du Hilfe brauchst, kannst Du Dich gerne an mich wenden. Ich wohne und arbeite zwar nicht in Nürnberg, aber gleich daneben.

Re: Hallo „ Eine lange Vorstellung

Verfasst: Di 18. Jan 2022, 21:50
von Helga
Hallo Heike,
zunächst einmal herzlich willkommen im Forum!
Heike1980 hat geschrieben: Di 18. Jan 2022, 08:29 Wenn ihr Tipps habt wie ich/wir jetzt weitermachen bin ich sehr, sehr dankbar!
Das wichtigste ist, du musst dich so akzeptieren wie du bist. Das Bedürfnis nach weiblicher Kleidung, die als "weiblich" klassifizierten Gefühle und Wünsche, dies alles lässt sich nicht wegtherapieren. Weder mit noch so viel reden, noch mit Medikamenten, noch mit OPs. Mit zunehmendem Alter können sich diese Gefühle sogar noch verstärken.
Das ist aber überhaupt nicht tragisch, den wie im Vorfeld schon angeklungen gibt es mit etwas goodwill aller Beteiligten durchaus Wege dies in Bahnen zu lenken, die allen Seiten gerecht werden.
Heike1980 hat geschrieben: Di 18. Jan 2022, 08:29 Nach der letzten Krise vor zwei Wochen habe ich es auch erstmals meiner Schwester erzählt. Sie hat sehr gelassen reagiert und meint nur dass sie mich unterstützt.
Das könnte doch bereits ein Weg sein. Vielleicht hat deine Schwester die Möglichkeit dir einen "geschützten Raum" zur Verfügung zu stellen? Mit der Schwester als Kontrollinstanz könnte deine Frau eventuell damit leben, dass du dich weiter ausprobierst. Wenn nicht, dann tu es heimlich. Sich weiter selbst zu unterdrücken ist keine Option.
Frau muss sich ausprobieren. Die ersten Schminkversuche sind meistens für andere katastrophal. Kleidung, die an wohlgeformten Frauenkörpern totschick aussieht, kann bei männlichem Körperbau sehr nachteilig wirken. Die erste Perücke ist meistens daneben gegriffen. Aber egal. Jeder Versuch bringt dich ein Stück weiter. Es ist ganz einfach ein unbeschreiblich erhebendes Gefühl sich selbst mit einem guten Makeup, einer typgerechten Perücke und einem schönen Kleid im Spiegel zu betrachten. Ich bedaure jeden cis- Mann, der dieses Gefühl nie kennen lernen wird.
Was du derzeit empfindest ist Leidensdruck, der keineswegs ein Zeichen von Transsexualität sein muss, sondern auch bei Crossdressern vorkommt, die sich nicht, oder nicht oft genug ausleben können. Du musst ganz einfach dahinkommen, dich ausleben zu können. Wenn die Paarberatung dies ermöglicht ist eine Menge gewonnen.
Um das Ganze noch einmal aus meinem Standpunkt zu beschreiben: Ich kann und ich darf, wenn ich möchte. Aber ich muss nicht. Der Druck ist weg. Oft öffne ich meinen Kleiderschrank, schaue hinein und denke: Das ist mir jetzt zu zeitaufwändig, ich schaue mir lieber meine Bilder an.
Liebe Grüße
Helga

Re: Hallo „ Eine lange Vorstellung

Verfasst: Di 18. Jan 2022, 22:07
von Exita
Hallo Heike
Herzlich Willkommen Hier im Forum . Und danke für diese doch recht umfangreiche Vorstellung .
Du schilderst die Gedanken vieler Hier im Forum inclusive meiner selbst .
Ich hoffe Du findest hier die Antworten die Du suchst .

LG Exita )))(:

Re: Hallo „ Eine lange Vorstellung

Verfasst: Di 18. Jan 2022, 23:10
von Violetta Arden
Hallo Heike,
Danke für Deine ausführliche Vorstellung und der Schilderung Deiner Erlebnisse und Situation. Das fühlt sich leider ziemlich vertrackt an. Ich kann Dich gut verstehen - und ich kann auch die Seite Deiner Frau verstehen. Aber eins wirst Du selber wissen - das geht nicht weg, da kannst Du oftmals Deine Sachen wegwerfen (oh wieviel Schuhe und Kleider habe ich in die Tonne entsorgt - ein halbes Vermögen schätze ich) wie Du willst. Die Lösung liegt wohl bei Deiner Frau, die bestimmt mal viel Zeit braucht, die auch lernen muss, das Verständnis, das sie ja prinzipiell für Dich und Deine Neigung hat, auch im praktischen Leben zu integrieren. Aber das ist wohl sehr schwer für sie, so wie Du es schilderst.
Rat kann ich Dir keinen geben - ausser Geduld haben - und ich wünsche Dir viel Glück, dass ihr irgendwie zusammenkommt.
Alles Liebe Gerda