Kathi87 hat geschrieben: So 31. Jan 2021, 11:16
Datenschutz wird in unserem Land schon gut beachtet und witzig finde ich jeden der mit seinem Smartphone im Internet unterwegs ist und sich über mangelnden Datenschutz beschwert.
Entschuldigung, liebe Katharina, aber ich sag das jetzt mal ganz direkt:
Dieser Spruch, der in ähnlichem Zusammenhang ständig gebracht wird, ist ein typischer Apfel-Birne-Vergleich, der zudem noch die Menschen verunglimpft, die sich m. E. berechtigterweise Sorgen machen.
Ich habe auch ein Smartphone. Da entscheide aber ich selbst, was ich preisgebe. Goggle oder Apple haben auch keine Möglichkeit, mich zur Preisgabe von etwas zu zwingen, was ich denen nicht mitteilen möchte. Ich habe (nicht bei Apple) sogar die Möglichkeit, mein Smartphone völlig frei von Google mit Open-Source-Software zu betreiben. Damit kann ich überprüfen, was an Daten wirklich rausgeht. Die Kontrolle und die Entscheidung liegen bei mir.
Bei staatlichen Datensammlungen ist das Gegenteil der Fall. Ich habe keinen Einfluss, welche Daten von mir verpflichtend erfasst werden, und ich habe keine Kontrolle darüber, was damit in Zukunft alles geschehen wird.
Dein Vertrauen in den deutschen Datenschutz in Ehren, aber leider zeigt ein Blick in die Vergangenheit, dass es nicht gerechtfertigt ist. Die Strategie ist auch immer die selbe, zunächst etwas einzuführen, erstmal auf "freiwilliger" Basis, später dann unmerklich verpflichtend, häufig in der Art, dass man bei Nicht-Einwilligung erhebliche Nachteile hat oder befürchten muss. Zudem werden Zugriffsrechte beständig ausgeweitet und anfängliche Versprechen regelmäßig gebrochen.
Bei der Einführung der Steuer-Identifikationsnummer 2008 wurde mitgeteilt: "Diese Nummer wird ausschließlich zu steuerlichen Zwecken genutzt". Nun hat man es sich mal wieder anders überlegt, und die Leute, die damals Bedenken geäußert hatten und sich Sprüche wie den oben zitierten anhören durften, werden bestätigt.
Weitere Beispiele sind das Versprechen, Maut-Überwachungsdaten nur zur Maut-Erhebung zu nutzen. Die hat man dann auch klammheimlich zur Strafverfolgung verwendet.
Letztes Beispiel war die Kontaktdaten-Erfassung in Restaurants, die "garantiert" nur zur Seuchenbekämpfung verwendet werden sollte. Auch da kam es anders, zumindest in einigen Bundesländern.
All das, was gerade im Rahmen der Seuchenbekämpfung im Bereich
Datenerfassung und Datenschutz diskutiert wird, macht mir Angst. Ich möchte nicht dauerhaft in einem Staat leben, wo der Verkehrspolizist bei einer Routinekontrolle Einblick in mein ganzes Leben haben kann. Inclusive Gesundheitsdaten, politische und weltanschaulichen Hintergründe etc.
Vielleicht bin ich ein gebranntes Kind,weil ich zur Zeit in einem Land lebe, wo mir die Führung eine SMS schickt mit der Aufforderung, am Nationalfeiertag zur Parade zu gehen, meine Strafzettel und angebliche Verstöße gegen irgendwelche Regeln kommen auf dem selben Weg. Bei sämtlichen Internetseiten, wo eine Anmeldung erforderlich ist, muss man seine nationale Identitätsnummer angeben. Das Internet wird komplett überwacht. Im Hintergrund können all diese Informationen lückenlos verknüpft werden und geben so ein ziemlich detailliertes Bild von jeder Person. Google etc. würden sich bestimmt sehr über eine derartig ausführliche und leicht zu durchsuchende Datensammlung freuen. Dort kämpft man nämlich immer noch damit, den riesigen Datenwust auf Sinnvolles zu durchforsten und das dann miteinander in Bezug zu setzen. Mit einer eindeutigen Identifikationsnummer ist sowas sehr viel einfacher.
Die Bundesregierung hat meiner Meinung nach auch nicht klar gemacht, warum diese Verknüpfung von verschiedenen Datensammlungen jetzt erforderlich sein soll. Insbesondere vermisse ich eine Abwägung der angeblichen Vorteile gegenüber den unbestreitbaren Risiken. Nicht umsonst hat die komplette Opposition geschlossen dagegen gestimmt. Das kam in dieser Legislaturperiode sehr selten vor und sollte zu denken geben.
Ich finde die zustimmenden Töne hier im Forum ehrlich befremdlich, weil ich angenommen hatte, dass wir alle hier über ein sehr persönliches Thema sprechen, das wir nur ungern in die Öffentlichkeit tragen würden.
Wenn die Krankenkassen in naher Zukunft auch die Steuer-ID als Standard in ihren Datenbanken führen, werden auch Gesundheitsinformationen sehr viel einfacher zugänglich für andere Stellen, die das eigentlich gar nichts angeht.
LGL