Hallo,
meiner Meinung nach wäre die beste Methode, dir vorher klar zu machen, was du erzählen möchtest, dir über den Umfang des Ganzen Gedanken zu machen, vor allem darüber, was du von deiner Partnerin erwartest.
Was willst du, wie würde sie idealer Weise reagieren? Wie würdest du mit ihrer Zurückhaltung diesbezüglich umgehen?
Sei ehrlich bis zu Grenzen, die du sicher erkennen wirst, berichte wie es dir geht, wenn du dich als sichtbare Frau wahrnehmen kannst, wie du selbst damit umgehst, warum du es vor ihr so lange verschwiegen hast... Je genauer du berichten kannst, wie es dir geht, wie es sich für dich anfühlt, wenn du crossdresst, desto besser kannst du andere mitnehmen.
Je öfter du dich outest, desto öfter begegnest du Ressentiments bei Menschen, die sich nie mit der trans* Problematik auseinander setzen mussten. Das hat oft mit Vorurteilen und deren negativ dargestellten, lächerlich gemachten medialen Repräsentationen zu tun. Ob sich die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Geschlecht (oder eben keinem bestimmbaren) nun temporär ändert, sich auf Kleidung beschränkt oder permanent vorhanden ist, spielt erstmal keine Rolle. Oft krankt auch die Selbstsicht vieler Trans*menschen daran, dass sie sich in die einschränkenden gesellschaftlichen Muster einzuordnen versuchen und sie entwickeln ein Ranking zwischen wahrem und echtem Trans*sein und nur Crossdressing. Hilfreich und sehr unterhaltsam kann hier die Netflix Serie Disclosure: Hollywoods Bild von Transgender (
https://www.netflix.com/de/title/81284247) erwähnt werden.
Je klarer du dich beschreiben kannst und je mehr du selbst daran glaubst, dass dein Sein einfach Teil unserer diversen Welt ist und nicht du nicht passt, sondern die Muster, die die Welt zu beschreibenden versuchen, offensichtlich nicht passen, desto besser schaffen es andere, selbst über diese gedankliche Schwelle zu kommen.
Aber das ist ein Prozess und hat anfangs viel mit Einsicht und Verständnis, dann aber mit Erfahrung und Lernen zu tun. Im besten Fall wird es normal, wenn das ein anzustrebender Zustand ist. Das neue eventuell diverse, regelhaft regellose Normal.
Durch die Gespräche mit meiner Freundin lerne ich mich auch immer wieder neu kennen und positioniere mich neu.
Ich habe mich ihr gegenüber erst in einem Gespräch geoutet und viel über mich und mein eigenes Kennenlernen berichtet, was mich plagt, durch welche Höllen ich bisher gegangen bin, wie sich mein Selbsthass manifestierte und und und.
Dann habe ich mich ihr einige Zeit später immer mehr androgyn bzw. feminin gezeigt, bis wir dann unseren ersten Abend so verbracht haben, dass ich mich so weit zurecht gemacht habe, dass ich mich dem, von dem ich glaubte, dass es mein Selbstbild am besten kommuniziert, am nähsten kam. Ich war weit von dem entfernt, wie ich gerne ausgesehen hätte und sah sicher in den Augen vieler wie ein verkleideter Typ aus. Dennoch empfand ich mich in dem Moment so, dass ich mich zeigen konnte und bereit war, Hilfe und Kritik anzunehmen.
Wir haben an dem Abend ein Flasche Champagner getrunken, das half sicher ein wenig und setzte auf einer anderen Ebene sinnliche Reize. Der Abend wurde dadurch etwas besonderes und die Hemmung bei mir sank langsam. Dass es sich so entwickelt hat war aber eher einer spontanen Eingebung geschuldet und war überhaupt nicht geplant. In so weit würde ich Spontanität und Improvisation beim ersten Zusammentreffen einer von langer Hand geplanten Begegnung in veränderter Form bevorzugen. Das schließt aber nicht aus, dass mensch auch für solche Fälle immer die passenden Getränke im Haus und am besten in der richtigen Temperatur vorrätig hat.
Ich hoffe mal, mit meinem Geschreibe etwas angestoßen zu haben. Im besten Fall kannst du direkt damit etwas anfangen oder andere schreiben von sich und demontieren mit ihren Beschreibungen meine Aussagen bzw. Ratschläge.
Unabhängig davon, viel, viel Glück bei deinem Vorhaben
Alex