Seite 1 von 3

Ich bin halt schon immer so...

Verfasst: So 6. Sep 2020, 10:05
von Frieda
Guten Morgen ❣️

Es arbeitet und arbeitet und arbeitet seit ein paar Wochen immer wieder mal in mir, nun möchte ich mich doch trauen hier mal etwas auszusprechen.

Wir Alle kennen die Aussage "Ich bin halt schon immer so..", egal ob wir sie selbst ausgesprochen haben, oder wir sie gehört haben. Und ich persönlich empfinde diese Aussage als einen Luxus, der uns in Faulheit und Bequemlichkeit baden lässt.
Ganz ehrlich!? Es strengt jeden der damit in Berührung kommt immer mehr an.
Warum?
Weil es eine Sackgasse ist"¼ï¸
Diese Aussage führt ins Nichts"¼ï¸
Sie schadet uns"¼ï¸
Warum?
Weil sie uns in unserer Weiterentwicklung behindert... massiv"¼ï¸

Ganz ehrlich!? Umso mehr ich diesen Luxus zu spüren bekomme, umso öfter spüre ich, wie sich negative Gefühle in mir ausbreiten wollen, weil es echt mit der Dauer anstrengend wird. Warum? Weil es Jeden der es zu hören bekommt, betäubt, bis hin zur Hilflosigkeit.
Aber es kann doch nicht sein, dass wir, Diejenigen die gerne Anderen helfen wollen, durch eine Aussage wie "ich bin halt schon immer so...", immer und immer wieder aufs Neue betäubt zurückgelassen werden. Unsere Anregungen und auch mitfühlenden Gespräche immer wieder aufs Neue so hart abgeschmettert werden, und unser Gegenüber sich in dem Luxus der Gewohnheiten "ja schon immer so zu sein..", badet!?

Ich möchte echt wie Rumpelstilzchen aufstampfen umher hüpfen, weil es mich rasend macht, weil der Mensch in seiner persönlichen Gewohnheit soooo stinkend faul ist, mal an und mit sich selbst zu arbeiten❣️
Das ganze Thema verschärft sich um ein Vielfaches, wenn Rauschmittel jeder Art mit im Spiel sind. Sie sind Gifte für Körper und Geist"¼ï¸
Derjenige der den Weg in die Sackgasse gegangen ist, hat nur eine Chance auf Veränderung, die Einsicht zu erlangen, wenn ernsthaft eine Verbesserung der aktuellen Situation gewünscht wird, dass diese nur mit seiner eigenen ehrlichen, einsichtigen, beständigen und kräftezeerenden Mitarbeit zu erreichen ist.

Namaste 🙏

Re: Ich bin halt schon immer so...

Verfasst: So 6. Sep 2020, 10:57
von NanaVistor
Ich war noch nie schon immer so.
Es war schon immer ein Teil von mir, sage ich schon immer :-)

Was ich mich aber schon immer frage, ist: wer soll dieses "wir" sein?

Re: Ich bin halt schon immer so...

Verfasst: So 6. Sep 2020, 11:02
von ExuserIn-2020-11-14
Hallo Frieda,

dann meldet sich jetzt mal der Erich, der die Faulheit und Trägheit quasi erfunden hat. Wer aus der Sackgasse will, muss an sich arbeiten. Nur mit der Zeit wird aus der Sackgasse immer mehr eine Sarggasse oder Urnengasse. Wozu also anstrengen, wenn der Sarg oder die Urne das letzte noch zu erreichende Ziel sein soll? Nicht jeder ist Anhänger des Buddhismus und glaubt an eine Wiedergeburt. Und wenn es dann wie bei mir keine Kinder gibt, dürfte es schwierig werden mit der Motivation. Sonst wäre da vielleicht noch der Gedanke an eine Seelenwanderung. Für Christen dürfte es manchmal noch schwieriger sein. Die glauben nicht selten nur dann ins Paradies zu kommen, wenn sich überhaupt nichts ändert.

Warum habe ich also hier eine Aktivität angefangen um meine Kommunikation zu verbessern? - Weil ich Bücher schreibe. Und die sollten im Idealfall gelesen werden. Das ist ja wohl irgendwie der Zweck von Büchern. Wenn ich also keine Kinder hinterlasse, dann sollen es wenigstens meine Gedanken oder Ideen als schriftliche Zeugnisse sein.

Zwischenmenschliche Ziele habe ich mit Corona erst einmal aufgegeben. Digital ist es schwierig. Da ist vieles nur Selbstdarstellung. Telefonieren hasse ich. Und Kontakte irgendwo draußen gibt es kaum noch. Und wo kein Ziel ist, gibt es auch keine Motivation. Du nennst es Faulheit oder Bequemlichkeit, ich nenne es Sinnlosigkeit. Wie oft habe ich mich bemüht, und am Ende quasi nur einen Tritt in den Arsch bekommen. So etwas prägt. Dann erhebt man schließlich die Faulheit zum Prinzip der Natur - neben der Schwerkraft und der Evolution.

Helfen wollen ist problematisch. Viele, die behaupten helfen zu wollen, haben nur im Sinn jemanden zu beherrschen. Sie brauchen den Einsatz als "Helfer" um ihr eigenes unbedeutendes Ego aufbauen zu können. Und wer solche "Hilfe" einmal ertragen musste, verreckt lieber als Hilfe anzunehmen. Also heißt es: "Lass mich in Ruhe, ich bin so, war schon immer so und werde nie anders sein."

Liebe Grüße
Erika

Re: Ich bin halt schon immer so...

Verfasst: So 6. Sep 2020, 11:14
von Frieda
NanaVistor hat geschrieben: So 6. Sep 2020, 10:57 Was ich mich aber schon immer frage, ist: wer soll dieses "wir" sein?
Ich finde es richtig gut liebe Nana, dass du dich das fragst❣️👍

Namaste 🙏

Re: Ich bin halt schon immer so...

Verfasst: So 6. Sep 2020, 11:23
von NanaVistor
und wer ist dann wir?

Re: Ich bin halt schon immer so...

Verfasst: So 6. Sep 2020, 11:36
von ExUserIn-2026-04-08
Hallo Frieda,

jetzt habe ich ein paar Monate Pause gemacht und wollte gar nicht mehr schreiben und schon stoße ich auf Deinen Gedanken. Ich sehe das auch wie Du, dass man sich auf dem Gedanken ausruhen kann. Und wenn ich Nana richtig verstehe, sieht sie in in dem Satz die Aufforderung, sein Wesen als CD zu hinterfragen. Ich denke, darum geht es aber gar nicht. Für mich hat sich viel in den letzten Jahren verändert und weiter entwickelt. Das war nicht immer schön und manchmal sogar recht schmerzhaft und es hat mir in meiner Lebensfrage nur teilweise eine Klärung gebracht. Aber ich gehe mit meiner Thematik heute anders um. Selbstakzeptanz ist etwas anderes als das genannte "war schon immer so".

Ich kann mich in einer Haltung suhlen, ohne dass ich mich um eine Veränderung oder Selbstkritik zu bemühen. Ich kann aber auch mich selber als einen Menschen akzeptieren, der eine weibliche Selbstsicht hat und trotzdem daran arbeiten. Manchesmal habe ich das Gefühl, ich habe Angst mich mit dem Thema auseinander zu setzen, weil es sein könnte, dass ich es hinter mir lasse. Was wäre, wenn ich feststellen würde, dass das Thema Weiblichkeit für mich eine ganz andere Bedeutung hat als heute. Wenn ich feststellen würde, dass das Wohlbefinden in weiblichen Kleidern verschwindet ? Davor kann man Angst haben.

Für mich hat sich in den letzen Monaten und Jahren tatsächlich die Bedeutung des CD für mich verändert. Sie ist nicht verschwunden, aber kann heute klarer festmachen, wann dieses Thema für mich wichtig wird und ein wenig auch warum. FÜr mich war und ist das Ringen um mein Facette der Weiblichkeit fruchtbar, ohne dass ich es aufgegeben habe. Werde ich es jemals aufgeben (können) ? Ich weiß es nicht, aber ich weiß, und dazu stehe ich heute viel bestimmter, dass ich es auf meine Art leben will. Nicht weil es schon immer so war, sondern weil es mir heute gut tut.

Re: Ich bin halt schon immer so...

Verfasst: So 6. Sep 2020, 11:40
von edeka
Hallo Erich_Erika,
Erich_Erika hat geschrieben: So 6. Sep 2020, 11:02 Helfen wollen ist problematisch. Viele, die behaupten helfen zu wollen, haben nur im Sinn jemanden zu beherrschen. Sie brauchen den Einsatz als "Helfer" um ihr eigenes unbedeutendes Ego aufbauen zu können. Und wer solche "Hilfe" einmal ertragen musste, verreckt lieber als Hilfe anzunehmen.
ich versuch's trotzdem und gebe dir ein paar konkrete, unqualifizierte Tipps:
  • lass deine Vergangenheit hinter dir ! Du hattest dich vor kurzem ab- und wieder angemeldet. Vergiß die beiden alten Namen und erzähl uns nicht immer wieder von denen.
  • nochmal - lass deine Vergangenheit hinter dir : Mutter ...
  • Aktivitäten 1: mach etwas , was dir Spaß macht. Egal ob das Modellfliegen oder sonst ein Hobby.
  • Aktivitäten 2: mach etwas , was dich anstengt. Sport, Bergwandern, holzhacken, irgendwas was Dampf ablässt.
  • reg dich nicht auf über Corona. Mir passt auch einiges nicht, aber ich steiger mich nicht rein.
  • ich fand deine Enby-Gedanken immer ziemlich plausibel. Vielleicht probierst du auch mal wieder - eine geläuterte Erich-Rolle aus ? Du bist ja frei dazu. (das ist jetzt aber wirklich nur ein spontaner unqualifizierter Gedanke)
Und generell fand ich es auch OK, daß du hier deine Sorgen, Schwierigkeiten und auch Wut formuliert hast, denn Probleme haben ja viele hier im Forum. Drum kannst du schon mit Verständnis rechnen, auch wenn es manchmal nervt . :wink:

ich wünsch dir alles Gute,
ascona )))(:

Re: Ich bin halt schon immer so...

Verfasst: So 6. Sep 2020, 11:48
von Céline
Du sprichst genau das Aus was ich denke und lebe Frieda..Danke
Natürlich ist nicht alles was ich stetig verändere gut, für mich nicht und für andere oft auch nicht und das weißt du denk ich sehr gut weil ich Deine Kommentare und Kritik sehr schätze.
Aber dieses Muster, diese Einbahnstraße aus Bequemlichkeit in der sich so unglaublich viele Menschen befinden zu verlassen kostet Kraft und Mut. Und ich bin dankbar diesen Antrieb und Mut gefunden zu haben mein Leben stetig zu ändern, zu reflektieren und mit alles Sinnen wahrzunehmen und das Wichtigste... Zwischenmenschliche Beziehungen zu suchen da diese Dinge wichtig sind und nicht Materielles.
Und etwas was ich zu Erika sagen muss: So schlimm die Situation auch geade ist und ob man zu der ein oder anderen Gruppe gehört. Gerade jetzt in diesen Tagen habe ich gelernt was es bedeutet Zwischenmenschliche Beziehung aufzubauen, Kontakte zu pflegen, Menschen einfach wahrzunehmen und nicht in einem Loch aus Wut Angst und Selbstmitleid zu versinken. Die Dinge die momentan zwischen den Menschen in meiner Welt geschehen sind so intensiv und emotional das ich dankbar sein muss aufgeweckt worden zu sein. Und genau deshalb darf man sich nicht in die Ausrede " Ich bin halt schon immer so" verstecken
Céline

Re: Ich bin halt schon immer so...

Verfasst: So 6. Sep 2020, 11:59
von ExuserIn-2020-11-14
ascona hat geschrieben: So 6. Sep 2020, 11:40 ich versuch's trotzdem und gebe dir ein paar konkrete, unqualifizierte Tipps:
Gut gemeint, aber Ziel verfehlt. Tausend mal gehört, tausend mal hat's nur gestört. )):m )):m )):m

Das reißt niemanden aus einer Sinnkrise. Hobbys, Sport, ... - lenkt alles nur eine Zeit lang ab. Und wenn ich die Ängste los werden will, mit denen mich Mama immer kontrollieren wollte, muss ich mich denen stellen und nicht weiter nur von Mamas Geist davon laufen.

Aber trotzdem danke. (dr)

Gruß Erika

Re: Ich bin halt schon immer so...

Verfasst: So 6. Sep 2020, 12:05
von ExUserIn-2026-04-08
Erich_Erika hat geschrieben: So 6. Sep 2020, 11:02 "Lass mich in Ruhe, ich bin so, war schon immer so und werde nie anders sein."
Komisch, wenn es so ist, wieso kaust Du alles immer wieder durch ? Aber das ist jetzt OT.

Re: Ich bin halt schon immer so...

Verfasst: So 6. Sep 2020, 12:18
von Jaddy
Erich_Erika hat geschrieben: So 6. Sep 2020, 11:02Helfen wollen ist problematisch. Viele, die behaupten helfen zu wollen, haben nur im Sinn jemanden zu beherrschen. Sie brauchen den Einsatz als "Helfer" um ihr eigenes unbedeutendes Ego aufbauen zu können. Und wer solche "Hilfe" einmal ertragen musste, verreckt lieber als Hilfe anzunehmen. Also heißt es: "Lass mich in Ruhe, ich bin so, war schon immer so und werde nie anders sein."
Sehr wahre Worte, auch wenn ich nicht in jedem Fall böse bzw egoistische Absichten unterstellen würde. Anderen wirklich zu helfen ist auch dann noch sinnvoll, wenn es eigene Bedürfnisse abdeckt ;) Das Problem ist mehr das "wirklich helfen". Das kann auch bedeuten, abwartend und ansprechbar beiseite zu stehen, bis Hilfe explizit angefordert wird. Und manchmal auch auszuhalten, wie Menschen sehr viel Mist durchleben, bevor sie den eigenen Dreh finden.

Aber so Menschen, die bei anderen genau wissen, was sie tun müssten - indem sie nur sich selbst auf andere projizieren, ohne tatsächlich "in deren Mokassins gelaufen zu sein" - kenne ich auch. Meine Mutter war früher mir gegenüber auch so, indem sie ihre Vorstellungen eines schönen Lebens auf mich abgeladen hat. So übermässig helfen wollende Menschen sind tatsächlich nicht nur anstrengend, sondern das Gegenteil von hilfreich. Regelmässig verprellen sie nicht nur jene, denen sie unbedingt helfen wollen, sondern brennen auch selber aus.

Re: Ich bin halt schon immer so...

Verfasst: So 6. Sep 2020, 12:20
von Frieda
NanaVistor hat geschrieben: So 6. Sep 2020, 11:23 ...
Vicky_Rose hat geschrieben: So 6. Sep 2020, 11:36 .. Und wenn ich Nana richtig verstehe, sieht sie in in dem Satz die Aufforderung, sein Wesen als CD zu hinterfragen. Ich denke, darum geht es aber gar nicht.
Richtig Vicky, meine Gedanken zu diesem neuen Thread hier, entstanden aus Forumsbeiträgen die sich seit vielen Wochen immer wieder in unterschiedlichen Threads weiterentwickelten, hier der letzte Thread wo es mal wieder zur Sprache kam.... viewtopic.php?f=43&t=20819&p=289859#p289859


Dieser neue Thread hier, oder auch dieses "wir" bezieht sich nicht auf ein spezielles Thema, liebe Nana. Mir geht es um unsere eigene persönliche Weiterentwicklung.
Manchmal kommt jemand auf uns zu und erzählt uns offen seine Sorgen und Nöte. Und wir (in dem Falle wir die Forumsgemeinschaft, die Außenstehenden) sehen so manches Mal einen neue Möglichkeit bzw einen Weg eher, als der/die Betroffene, weil er/sie selbst am Ende der Sackgasse steht und nur noch eine nicht zu überwindene Mauer vor sich sieht.
In diesen Momenten, wenn diese sich gehäuft haben, kommt man als Zuhörender irgendwann in eine Hilflosigkeit (so empfinde ich es gerade), weil die mitfühlenden und motivierenden Worte ohne Wirkung im Nichts versinken. Dazu kommt, dass uns unser Gegenüber auch nicht gleichgültig ist, und wir im Falle von Erika und mir, wir uns in einer Schleife gefangen sehen.
Speziell Erika findet kaum noch eine Bereitschaft Mut entwickeln zu können. Angst entsteht im Kopf und Mut auch, nur überwiegt im Falle von Erika die Angst...leider. Dazu kommt, dass Erika ein sehr starkes Wesen ist, und ich mich an einem Punkt befinde, wo ich mich in der Argumentation Ihr gegenüber, als schwächer einschätze...leider.

Namaste 🙏

Re: Ich bin halt schon immer so...

Verfasst: So 6. Sep 2020, 12:37
von ExuserIn-2020-10-20
Sich ständig Mamas Geist zu stellen, war auch mein Problem, denn das heißt sich immer wieder mit dem Biest auseinander zu setzen.

Als meine Mutter vor 3 Jahren starb, es mag peitätlos klingen war ich froh, das der ganze Zirkus ein Ende gefunden hatte. Wir haben nie einen wirklichen Draht zu einander gefunden, ich habe alles für sie getan was nötig war, bis zu letzt, mehr war nicht drin. Ich habe nie angefangen sie zu hassen, für das was sie alles in mir zerstört hat.

Rückblickend frage ich mich heute, was sie selbst so kaputt gemacht hat, daß sie nicht in der Lage war auf ihr Kind einzugehen. War es Angst, Scham, die noch verkorkstere Zeit in der sie aufgewachsen ist. All das entschuldigt nicht ihren Umgang mit mir und meiner Wesensart. Klären werde ich das heute auch nicht mehr.

Alles aus der Vergangenheit, ist damit für mich beendet. Die Vergangenheit ist damit verstorben, gelegntlich holt mich der eine oder andere Gedanke wieder ein, weckt Erinnerungen, die aber keinen Einfluß mehr auf mich haben. Das dürfen sie auch nicht, das habe ich ihnen verboten.

Ganz langsam befreie ich mich aus dieser Umklammerung, die mich jahrelang gelähmt hat. Es macht Spaß endlich wieder richtigen Boden unter die Füße zu bekommen. Sich mit anderen Menschen zu beschäftigen, leichter gesagt als getan, erstaunlicher Weise geht es. Ich muß es nur wollen und zulassen, das mich andere so sehen wie ich bin, und was ich bin. Dabei werde ich bestimmt noch einige Male auf die Nase fallen.

Aufstehen, Krönchen richten, weitergehen.

LG
Petra Sofie

Re: Ich bin halt schon immer so...

Verfasst: Mo 7. Sep 2020, 06:41
von ExUserIn-2026-04-08
Frieda hat geschrieben: So 6. Sep 2020, 12:20 In diesen Momenten, wenn diese sich gehäuft haben, kommt man als Zuhörender irgendwann in eine Hilflosigkeit (so empfinde ich es gerade), weil die mitfühlenden und motivierenden Worte ohne Wirkung im Nichts versinken. Dazu kommt, dass uns unser Gegenüber auch nicht gleichgültig ist, und wir im Falle von Erika und mir, wir uns in einer Schleife gefangen sehen.
Hallo Frieda,
ich denke das Thema ist vielschichtig. Hier nur zwei Aspekte:

- aus der Perspektive des "Hilfswilligen": Man möchte helfen, weiß aber nicht wie, da die Worte scheinbar wirkungslos sind. Die Frage, die ich mir an dieser Stelle lautet: Was ist die tiefere Motivation des Helfenden ? Das man hilfsbereit ist, ist für mich keine Frage, aber wenn der Andere die Hilfe nicht annehmen will und ich weiter versuche zu helfen, was ist meine Motivation dafür ? Was sagt das über mich ? Kennst Du den Begriff der Co-Abhängigkeit ? Muss die Hilfsbereitschaft nicht an einem Punkt enden, an dem die Belastungen für einen selber größer werden als der Nutzen ?

- Was macht es mit dem Hilfsbedürftigen, wenn man immer wieder Hilfe anbietet, er sich aber nicht aus seinem Problem befreien kann ? In der Psychologie der Abhängigkeit wird das als Problem gesehen, da der Abhängige so viel Unterstützung bekommt, dass er nicht ausreichend Motivation entwickeln kann, sich daraus zu befreien. Einfach gesagt, es muss ihm so dreckig gehen, dass er ernsthaft zu Veränderungen bereit ist. Man kann nur selber sich aus einer schlechten Situation befreien. Das kostet eine Menge Energie. Menschen zu helfen, die auf diesem Weg sind, ist mMn der richtige Weg. dabei muss man sich selber im Blick behalten. Deshalb gibt es in der Psychologie ja auch die Supervision. Menschen zu helfen, die sich nicht helfen lassen wollen oder können, beschädigt beide, Helfende und Hilfsbedürftige. Menschen mit ihren Problemen alleine zu lassen, kann, so hart das klingt, für beide richtig und wichtig sein.

Ich kann nicht die Situation wirklich beurteilen und so sollen diese Sätze nur Denkanstöße sein. Dem eigenen Handeln liegt eine Motivation zu Grunde und es lohnt sich, diese gelegentlich zu hinterfragen. Wenn Du sagst, dass Dich ein Satz wie "es war schon immer so" belastet, liegt vielleicht auch ein "ich bin immer hilfsbereit" auf der gleichen Ebene. Einem Menschen nicht zu helfen, kann der bessere Weg zur Hilfe sein.

Es ist nicht die Hilfsbereitschaft, die ein Problem darstellen kann. Es ist die Motivation dahinter. Es ist ofmals hart zu sehen, wie es in der Welt zugeht, aber die eigenen Vorstellungen, wie es sein könnte, geht an der Wirklichkeit mindestens genau so oft daneben. Wir können die Welt nur in sehr kleinem Umfang verändern. Das sollten wir auch tun, aber es ist wichtig zu erkennen, dass es für uns Grenzen gibt. Die Selbstreflexion ist für mich ein wichtiges Element, diese Grenze zu erkennen. Was ist für mich als Mensch wichtig und warum ? Wir müssen manches Elend in dieser Welt ertragen lernen. Da ist Sensibilität manchmal hinderlich. Ich sehe das als einen Lernprozess. Es geht auch darum, sich zu schützen. Ganz nach dem alten Gebet:

"Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden."

Re: Ich bin halt schon immer so...

Verfasst: Mo 7. Sep 2020, 09:17
von Frieda
Vicky_Rose hat geschrieben: Mo 7. Sep 2020, 06:41 ... wenn man immer wieder Hilfe anbietet,
Liebe Vicky, lass mich bitte als erstes hierauf reagieren, um etwas Klarheit in dieses Gespräch zu bringen.
Ich agiere nicht, sondern reagiere.
Ich ging nicht auf jemanden zu um zu helfen, sondern wurde angesprochen.
Und ich habe auch gefragt ob wir per PN uns austauschen möchten, oder auch (bis zu einem gewissen Grad) öffentlich. Die Entscheidung viel auf öffentlich, um halt evtl Anderen mit eine gewisse Hilfe sein zu können, wenn irgendwann mal im Forum zukünftig die Post's noch gelesen werden.


Natürlich stimme ich dir zu Vicky mit dem was du geschrieben hast. Und die Bedeutung der Supervision ist mir auch bekannt und klar.
Die Aussage "ich bin halt schon immer so..", die ich hier als Threadtittel wählte, begegnet uns im Alltag ja öfter. Und ich breche bei dieser Aussage nun nicht jedesmal zusammen. Ich selbst denke schon von mir, dass ich recht gut selbstreflektiert bin, und mich auch schützen kann. Was mich halt nur bewegt ist der Punkt, wenn einem klar wird, dass man sein Gegenüber noch tiefer in sein Leid gehen lassen muss, damit es ihm endlich besser gehen kann.
All das auf Erika bezogen, tut es mir ehrlich gesagt schon weh, zu "wissen", dass der Alkohol wieder ihr besserer Freund für sie sein "soll", als so manche Worte von uns hier aus dem Forum. So viele mitfühlende Worte sind Erika und früher auch Nicole schon geschrieben wurden, die so viel neues Input für Sie beinhalteten, die bis heute aber nicht beständig Wirkung in ihr hinterlassen konnten...leider.😳

Namaste 🙏

________________________________________________________

Nachtrag: Ich möchte mir noch einen weisen Rat von einem mir wertvollen Wesen hier aus dem Forum zu Herzen nehmen. Lass uns den Druck rausnehmen, liebe Erika❣️ Ich möchte einfach weiterhin für dich da sein und zuhören, bzw deine Worte lesend in mich aufnehmen wollen, ganz gleich welche Worte du zukünftig wählen möchtest. Ich bin und bleibe für dich da, falls du es immer noch möchtest.. egal wann❣️ Ich denk an dich ganz doll, liebe Erika❣️