Ralf-Marlene hat geschrieben: Sa 11. Jul 2020, 08:55
MichiWell hat geschrieben: Sa 11. Jul 2020, 00:42
Olivia hat geschrieben: Fr 10. Jul 2020, 13:17
Die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen von 20 Prozent ...
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Liebe Michi,
es gibt verschiedene Berechnungen, die solche beruflichen und Laufbahnunterschiede berücksichtigen. Aber selbst die vorsichtigsten Berechnungen belegen einen Unterschied von ungefähr 17% für das Jahr 2018.
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Ich weiß, dass wir nicht den selben Standpunkt haben, bin aber ziemlich sicher, dass wir auf der selben Seite kämpfen...
Liebe Marlene,
ich weiß, dass wir auf der selben Seite kämpfen, und grundsätzlich wohl auch auf der Seite, auf der die Ministerin steht. Aber ich halte nichts von den Mitteln, derer man sich da bedient. Falschinformation ist das Werkzeug der Feinde der Demokratie. Davon sollte man tunlichst die Finger lassen, denn man kann so nicht gegen die Feinde der Demokratie gewinnen. Man wird sie im Gegenteil nur stärken.
Mich würde mal die Quelle deiner 17% interessieren, denn ohne hat diese Zahl keine Aussagekraft.
Und bis dahin fange ich erst mal an .. von was sprechen wir bei der Zahl der Ministerin?
Unbereinigter Gender Pay Gap:
Beim unbereinigten Gender Pay Gap wird die Differenz zwischen den durchschnittlichen Bruttoverdiensten von Frauen und Männern gebildet. Dabei fließen in die Berechnung des durchschnittlichen Bruttostundenverdienstes nicht nur Angaben von Vollzeitbeschäftigten ein, sondern es werden auch die Verdienste von Arbeitnehmern in (Alters-)Teilzeit, von geringfügig Beschäftigten sowie Auszubildenden und Praktikanten berücksichtigt.
Was bedeutet das konkret:
1. Zwei Personen arbeiten für den selben Stundenlohn. Person A arbeitet 8 Stunden, und Person B in Teilzeit nur 6 Stunden. Der monatliche Bruttoverdienst von Person B ist 25% geringer.
Nach Gender-Pay-Gap-Rechnung wird Person B angeblich diskriminiert.
2. Zwei Personen arbeiten für den selben Stundenlohn und beide 8 Stunden. Person A arbeitet in einem Unternehmen, dass ein 13. Monatsgehalt zahlt. Im Unternehmen von Person B gibt es das nicht. Der monatliche Bruttoverdienst von Person B ist ca. 8% geringer.
Nach Gender-Pay-Gap-Rechnung wird Person B angeblich diskriminiert.
3. Zwei Personen arbeiten für den selben Stundenlohn und beide 8 Stunden. Person A arbeitet im Schichtdienst, und bekommt entsprechend Zuschläge. Der monatliche Bruttoverdienst von Person B ist um xx% geringer.
Nach Gender-Pay-Gap-Rechnung wird Person B angeblich diskriminiert.
4. Zwei Personen arbeiten für den selben Stundenlohn und beide 8 Stunden. Person A arbeitet auf Montage, und bekommt Zuschläge für Übernachtung und Verpflegungsmehraufwand, weil er/sie die Übernachtung am fernen Arbeitsort finanzieren muss, während Person B nach Feierabend nach Hause gehen kann. Der monatliche Bruttoverdienst von Person B ist um xx% geringer.
Nach Gender-Pay-Gap-Rechnung wird Person B angeblich diskriminiert.
Und so könnte ich das noch weiter führen, aber wen es interessiert, der/die hat es spätestens jetzt verstanden, und die es nicht verstehen wollen, werde ich auch mit mehr Beispielen n überzeugen können.
Ein realistischer, also ein bereinigter Gender Pay Gap muss zwangsläufig deutlich unter den gebetsmühlenartig verbreiteten 20% liegen, wenn ich nur das Folgende betrachte:
Frauen: Deutlich öfter in Teilzeitjobs als Männer (Telepolis, Heise)
Deutschland liegt über dem EU-Durchschnitt. In den Niederlanden ist die Teilzeit-Quote der Frauen am höchsten. Begründet wird dies dort mit einem Lebensstil, der Wert auf Freizeit legt
In Deutschland sind weitaus mehr Frauen als Männer in Teilzeit beschäftigt. Beinahe die Hälfte, nämlich 46,8 Prozent, der Frauen hierzulande arbeiten laut der europäischen Statistikbehörde Eurostat, in Teilzeitjobs. Bei den Männern sind es 8,1 Prozent. Damit liegt Deutschland über dem EU-Durchschnitt. Nur die Niederlande und Österreich hätten eine höhere Quote, so eine Meldung, die heute von vielen Medien beachtet wird.
Der Durchschnitt in der EU beträgt 31,1 Prozent. Österreich liegt mit 47,9 Prozent nicht wirklich weit von Deutschlands Teilzeitquote der Frauen entfernt, dagegen sticht der Wert der Niederlande hervor. Da sind es nämlich beachtliche 74,1 Prozent.
Unter Berücksichtigung allein dieser Bedingungen muss doch klar sein, dass man Bruttoverdienste nicht ohne Berücksichtigung der Arbeitszeiten in einen Topf werfen kann.
Und dann kommt übrigens auch noch dazu, dass von höheren Brutto-Verdiensten wegen der Progression auch mehr Steuern abgezogen werden. Das führt dazu, dass bei gleichem Stundenlohn eine Person, die Vollzeit arbeitet, ein geringeres Nettoeinkommen pro Stunde hat, als eine Person, die Teilzeit arbeitet.
Man sieht also, dass die Welt nicht so simpel ist, wie sie uns dargestellt wird.
Zu Olivia wäre noch zu sagen, dass ich ihr in der Vergangenheit bereits mehrfach dargelegt hatte, warum die Zahlen und die damit verbundenen Aussagen falsch bzw. irreführend sind, die sie hier wiederholt unkommentiert verbreitet hat. Und dennoch macht sie weiter so wie bisher, sodass ich nicht umhin kann, zu konstatieren, dass sie mit ihrer Renitenz der Sache wohl mehr schadet als nützt.
Soweit für den Moment.
Liebe Grüße und lass es dir gut gehen
Michi
Edit: Typos