Eine andere Welt?
Verfasst: Mi 13. Mai 2020, 15:09
Hallo Helga...Helga hat geschrieben: Di 12. Mai 2020, 15:26 Liebe Marie,
ich fühle mich wahrhaftig geschmeichelt, dass du jeden meiner Beiträge so ausführlich featurest. Zeigt es mir doch, dass du diesen eine gewisse Relevanz beimisst.
Mit den provokant eingestreuten Sätzen habe ich versucht mögliche Gedankengänge einer Partnerin aufzuzeigen, die sich mehr oder weniger plötzlich mit der weiblichen Seite eines Menschen konfrontiert sieht, mit dem Sie schon Jahre oder gar Jahrzehnte zusammengelebt hat. Ich kenne die Frau von Jen nicht, aber Sätze in dieser Art habe ich von meiner eigenen Frau (akademische Ausbildung, Doktortitel, selbstbewusst und gleichberechtigt) empfangen. In der privaten Beziehung werden die Partnerinnen nicht zwangsläufig Gendergerectigkeit wahren. Der Wunsch nach Verlässlichkeit und Stabilität dürfte auch in den allermeisten gleichberechtigten Beziehungen vorherrschen. Das hat nichts mit irgendwelchen althergebrachten Familienklischees zu tun.
Bei uns im Forum ist es normal, dass eine Frau in einem männlichen Körper geboren wird, der größte Teil der cis- Welt da draußen, zu der die meisten Partner*innen gehören, kann mit diesem Gedanken wenig anfangen. Die cis- Welt sieht einen Mann, der eine Frau werden will. Die nach Jahren oder Jahrzehnten vorgetragene Beichte, dass "er" eigentlich schon immer eine Frau war, dürfte für sehr vielen Partnerinnen eine sehr schwere Kränkung sein, durch die jegliche Beziehung zerstört wird.
Wir müssen unsere Partnerinnen so nehmen wie sind, und sie ganz behutsam mitnehmen auch wenn dies heisst ab und zu stehen zu bleiben oder sogar einige Schritte zurück zu treten. Oder wir müssen uns von ihnen trennen.
Liebe Grüße
Helga
da ich Jen's Thread nicht sprengen möchte, mache ich einfach nochmal einen neuen auf.
Natürlich messe ich deinen Beiträgen Relevanz bei-du siehst ja das ich sie gerne kommentiere.
Ich habe einen anderen Blick auf die Dinge als du und das möchte ich auch gerne zum Ausdruck bringen..
stör dich nicht daran-alle dürfen ihre Meinung schreiben und diskutieren.
Das gilt auch für Gefühle, Erlebnisse, Einschätzungen-einfach für alles was in einem Menschen und dem
Umfeld vorgeht. Was ich nicht gerne mag sind pauschale Aussagen, Generalisierungen oder das wiederholen
von Dingen die man mal irgendwo aufgeschnappt hat-kurz ich stehe auf eine eigene Meinung.
Und die sag und schreibe ich auch..also berichte ich dir mal kurz zusammengefasst meine Erfahrung.
Ich schicke noch voraus, ich habe nie behauptet ich bin ein Mann und die Rolle erfühlt und erfüllt habe ich
wohl kaum-eine Psychologin hat es ungefähr so formuliert: das Erfüllen der männlichen Rolle ist gescheitert.
Trotz das ich pansexuell und eine Trans* Frau bin habe ich seit 18 Jahren eine glückliche Beziehung mit
einer anderen Frau-das heisst nicht, das wir uns immer einig sind, aber wir können uns das Leben ohne
die andere nicht vorstellen. Und Verlässlichkeit ist eine der Eigenschaften die uns sehr wichtig ist.
Verlässlichkeit ist aber ein Charakterzug und hat nun rein gar nichts mit Gender oder Geschlecht zu tun.
Spürt man da hin, merkt man das auch-ganz speziell für mich ist das wichtig, da ich Menschen nicht
über sexuelle oder äussere Attraktivität einordne, sondern nur unter dem Gesichtspunkt fühle ich mich in
der Gegenwart wohl.
Meine Liebste (sie hat zwar nur einen Magistertitel, ist Waldorflehrerin, Mediengestalterin und Unternehmerin)
hat mir offen gezeigt das sie Konkurrenz empfindet, aber hat nie mich als Person in Frage gestellt oder gar einen
abfälligen Kommentar geäussert. Das ist eine Säule unserer Beziehung die Anerkennung der anderen als
eigenständiges und eigenverantwortliches Wesen.
So hatte ich nichts zu beichten, sondern konnte immer recht direkt sagen, was ich grade fühle und was mein Wunsch
ist oder was ich möchte. So auch, das ich eine Frau bin, als ich selbst wirklich bereit dazu war.
Unsere Beziehung ist nicht zerstört sondern hat ganz im Gegenteil einen fruchtbaren Boden-für uns beide.
Es ist eine Wachstums und keine Stillstandsbeziehung und wir haben Reibungspunkte...und trotzdem ist eine
Trennung nicht mal am Horizont in Sicht.
Ich habe schon oft betont, das ich alle mit auf die Reise genommen habe, unsere Freunde, Familien und Bekannte
diese sehen immer den Punkt am dem ich in meiner Entwicklung stehe, doch nie hat jemand in Frage gestellt,
das ich eine Frau bin. Ich glaube die CIS-Welt sieht mehr und weiss mehr als du so manchmal darstellst..
aber ich möchte auch eine Frage stellen..
manchmal habe ich tatsächlich das Gefühl, ich lebe in einer anderen Welt, da ich im Grunde ein sehr
positives Erleben meines Seins empfinde. Ich fühle mich angenommen und nicht nur akzeptiert..lebe
ich am Ende vom Regenbogen?
Alles Liebe Marie