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Geschlecht ist nicht an Körperteile geknüpft

Verfasst: Di 2. Apr 2019, 16:42
von Anja
Moinsen (moin)

wieder etwas von Edition F
Geschlecht kann mensch einer anderen Person nicht ansehen, egal ob die Person nicht-binär und trans* ist, eine binäre trans* Identität hat oder inter* ist.
Das Interview ist zwar schon knapp 1 Jahr alt, aber vielleicht trotzdem interessant.

Zum Weiterlesen hier entlang

Grüße
die Anja

Re: Geschlecht ist nicht an Körperteile geknüpft

Verfasst: Di 2. Apr 2019, 17:52
von Nicole Fritz
Moin Anja,

habe jetzt etwa ich mit meiner kritischen Haltung gegenüber einer HRT Dein Interesse an Enbys (nicht-binären Menschen) geweckt?

Mir kommt da gerade ein ganz anderer Aspekt in den Kopf, der erklären könnte, warum ich mit "echten" Trans-Frauen so leicht aneinander gerate. Vielleicht muss man ein gutes Stück neben dieser streng binär - also in Mann und Frau - gegliederten Gesellschaft stehen um den üblichen Trans-Weg so vehement wie ich in Frage zu stellen. Wer sich dieser Gesellschaft zugehörig fühlt, wird auch eher deren Regeln und Vorstellungen entsprechen wollen. Und wenn es dann mit dem einen Geschlecht nicht funktioniert, bleibt nur das andere. Stehe ich aber komplett neben der Gesellschaft, brauchen mich die Geschlechterrollen nicht zu interessieren.

Und wenn diese deshalb auch in meinem Gefühlsleben keinen Platz haben, warum soll ich dann die eine oder die andere komplett ausleben wollen? Vielleicht ist das der Grund dafür, dass ich mich nicht vollständig als Frau fühle. Und irgend etwas an meinem Körper verändern, nur damit ich irgendwo hin passe, würde bedeuten meine Freiheit aufzugeben. :((a

Also mache ich einfach das, was ich schon in meiner Jugend gemacht habe: Ich lasse die Haare wachsen. Und dann ziehe ich alle Sachen an, die für mich in der langen Zeit als "richtiger" Mann nicht erlaubt waren. Und wem das jetzt nicht passt, der soll weg sehen.

LG Nicole

Re: Geschlecht ist nicht an Körperteile geknüpft

Verfasst: Di 2. Apr 2019, 23:29
von ExuserIn-2020-07-10
"Geschlecht ist nicht an Körperteile geknüpft" - Diese Aussage ist falsch
Richtig wäre " Das Geschlecht ist an potenzielle Körpteile geknüft"

Im Deutschen wird viel zu wenig Geschlecht differenzierter gesehen. Was wird hier denn als Geschlecht gemeint? Die Geschlechtsidentität (also Zugehörigkeit zu einer Geschlechtsgruppe), die Geschlechtsrolle (wie die Gesellschaft Geschlechtsverhalten definiert) und der geschlechtliche Körper.

Dann gibt es das rechtliche Geschlecht, das körperliche Geschlecht und das soziale Geschlecht. Diese drei Geschlechter können bei einer Transition geändert werden.

Das Geschlecht ist grundsätzlich am Potenzial ein bestimmtes Körperteil zu besitzen geknüpft und zwar an dem was für die Fortpflanzung relevant ist.

Bei Geburt wird festgestellt Penis oder kein Penis. Danach wird erstmal angenommen Kind mit Penis hat XY Chromosome ist bei erreichen des üblichen Alters potenziell fortpflanzungsfähiges menschliches Wesen. Ein Kind ohne Penis wird grundsätzlich ein XX Chromosom bescheinigt und ist erstmal auch bei erreichen des üblichen Alters potenziell fortpflanzungsfähig. Daraus macht nun die Gesellschaft die Geschlechtsrollen Junge und Mädchen. Mädchen werden nach ihrer potenziellen Rolle als Mütter erzogen und Jungen nach ihrer Rolle als potenzielle Väter. Durch die unterschiedliche Erziehung werden unterschiedliche Areale des Gehirns trainiert. Die Gesellschaft wird durch "typisches Verhalten" in jungen Jahren (könnte ausgelöst werden durch den Hormonschub in den ersten Jahren) oder durch die spätere körperliche Entwicklung in ihrer Annahme der jeweiligen Geschlechtsrolle bestätigt und damit auch die Person an sich.

Anders ist es nur wenn das Verhalten oder die körperliche Entwicklung Geschlechtsrollen untypisch ausfällt, dann wird nach justiert mit Sanktionen, Mobbing, Disziplinarmaßnahmen etc. je nach dem wie tolerant eine Gesellschaft ist.

Erst wenn die Entwicklung selbst nach diesem Maßnahmen atypisch verläuft, werden die körperlichen Merkmale wirklich überprüft. Dann kommt vielleicht heraus das die Hormone nicht passen oder die Chromosome nicht wie angenommen lauten.

Wir sehen also, dass Geschlecht besteht aus unterschiedlichen Teilen. Das potenzielle körperliche Geschlecht nehmen wir zu erst mal an und daraufhin beurteilen wir eine Person und ordnen sie einer bestimmten Geschlechtsrolle zu. Das passiert binnen weniger Momente und ist nicht böswillig. Der Mensch kann einfach nicht anders.

Ein Outing ist dann gegeben, wenn eine Person die gesellschaftliche Geschlechtsrolle nicht annimmt die ihr zugesprochen wurde. Wenn aber die Gesellschaft ein anderes Verständnis von Geschlecht hat und eine Geschlechtsidentität (also Zugehörigkeit einer Geschlechtsgruppe) gar nicht wichtig ist, bedarf es auch keinen Outing.

Zur Aufklärung: Die Gesellschaft verbindet mit Geschlecht die Funktion der Fortpflanzung. Man spricht im Biologiuntericht auch von Fortpflanzungsorganen. Wenn man die Fortpflanzung als Fokus vom Geschlecht trennen würde, würde demnach auch Geschlecht als das Binäre wie wir es kennen an Bedeutung verlieren, bin ich überzeugt. Im Sexpositivismus spricht man da auch eher von Lustorganen, weil hier die Funkion der Lust im Fokus steht.