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taz: "Transgeschlechtlichkeit und Mutterschaft „ Können Frauen alles sein?"
Verfasst: Sa 9. Mär 2019, 14:08
von Jaddy
Von
Franziska Ewert, die gerade auch ein
Buch herausgebracht hat. (Ich finde sie manchmal etwas anstrengend aggressiv, aber ich habe auch nicht ihren Erlebnishintergrund)
Mein Kind hat zwei leibliche Mütter. Meine Frau und mich. Als meine Frau noch schwanger war, kam es des Öfteren zu wundervollen Sätzen wie "Kennen Sie den Samenspender persönlich?", "Ist die Blutgruppe des Vaters bekannt und gab es irgendwelche familiären Vorerkrankungen in dessen Familie?". Wir sagten dann gerne: "Die SamenspenderIN steht vor Ihnen." Ich habe auf die Frage nach der Blutgruppe und nach Erkrankungen oft selbst geantwortet, was mir meist fragende Blicke einbrachte.
Zumindest sind wir aber einer Kinderärztin begegnet, die so weit sensibilisiert war, dass sie uns zunächst ohne große Erklärungen "gebärende und zweite Mama" nannte. Auch nachdem wir mehr erklärt hatten, sagte sie nur: "Zwei leibliche Mütter? Wie praktisch, so ganz ohne notwendigen Mann." Wir sind immer noch ganz angetan von ihr.
Es geht aber weiter, dass es ansonsten so ziemlich gar nicht funktioniert und den beiden viele Probleme gemacht werden, weil das Konzept einfach noch nirgendwo vorkommt.
https://www.taz.de/Transgeschlechtlichk ... /!5573254/
Re: taz: "Transgeschlechtlichkeit und Mutterschaft „ Können Frauen alles sein?"
Verfasst: Sa 9. Mär 2019, 14:33
von Lavendellöwin
Jaddy hat geschrieben: Sa 9. Mär 2019, 14:08
Es geht aber weiter, dass es ansonsten so ziemlich gar nicht funktioniert und den beiden viele Probleme gemacht werden, weil das Konzept einfach noch nirgendwo vorkommt.
Hi Jaddy,
puh, eigentlich wollte ich mich heute an meine Steuererklärung setzen-jetzt hast du mir erfolgreich
einen Gedanken ins Gehirn gepflanzt!
Ich könnte dich dafür umarmen, aber auch genauso gut verteufeln.
Ich habe mich ja bewusst dagegen entschieden Samen einfrieren zu lassen, da ich es ablehne die
biologische Vaterrolle einzunehmen. Punkt, Fakt, dabei verknoten sich meine Gehirnwindungen.
Vielleicht sollte der Gedankengang aber ein anderer sein. Und das sage ich als jetzt nicht
mehr werden könnende Möchtegernmama.
Es braucht 2 Wesen und technisch gesehen 1 neues Wesen auf den Weg zu bringen.
Aber auch gedanklich ist das neue Wesen ja Kind von beiden.
Wenn ich also verkürzt darstellen würde, beide haben einen genetischen Teil beigetragen
es ist aber egal in welche Form der verpackt war, sind doch beide beides, oder?
Bufferoverflow....
tilt...
Alles Liebe Marie

Re: taz: "Transgeschlechtlichkeit und Mutterschaft „ Können Frauen alles sein?"
Verfasst: So 10. Mär 2019, 14:33
von Anke
Hallo,
das ist ein ganz schön schwieriges Thema. Das geht schon damit los, was wir unter dem Begriff "Mutter" verstehen. Ist das die Person, die das Kind ausgetragen und auf die Welt gebracht hat. Oder ist es die weibliche Person, die die Mutterrolle angenommen, gelebt und sich in entsprechender Weise um das Kinde gekümmert hat. Oder gar nur die Kombination aus beidem.
Begrifflich kommt es aus meine Sicht auf den Kontext an. Wenn es um das Austragen und die Geburt geht, dann können Transfrauen derzeit auf keinen Fall Mütter sein. Pech gehabt. Vielleicht ist die Medizin irgendwann mal soweit, uns das zu ermöglichen. Doch ich befürchte, dass ich das nicht mehr erleben werde.
Wenn es um dem zweiten Teil, die Mutterrolle geht, dann sieht die Welt ganz anders aus. Adoptierte Kinder sagen ganz selbstverständlich zu der weiblichen Person, die sie adoptiert hat "Mutter". Kontextbezogenen wird dann der Begriff zu "Adoptivmutter" erweitert. Trotzdem wird in der Regel im täglichen Umgang von Mutter gesprochen.
Nicht nur deshalb denke ich, dass auch Transfrauen Mütter sein können. Nur eben nicht als gebärende Mutter.
Allerdings geht es hier nicht nur um die weibliche Person. Es geht natürlich auch und vor allem um die Kinder. Und da wird es für mich sehr persönlich. Meine Töchter sind derzeit 28 und 25 Jahre alt. Ich wäre sehr gerne ihre Mutter und ich wäre sehr glücklich, wenn sie mich auch so ansprechen würden. Doch sie sind ganz anders aufgewachsen, haben mich früher ganz anders und in einer anderen Rolle erlebt. Für sie war die Umstellung, der Wechsel nicht leicht zu verkraften. Gemeinsam haben wir das geschafft. Doch für die beiden ist und bleibt die Frau, die sie auf die Welt gebracht hat und sie als Kinder in der Mutterrolle begleitet ihre Mutter. Würde ich versuchen meine Wünsche und Vorstellung um- und durchzusetzen, dann würde ich die beiden sehr irritieren und vermutlich einiges an Schaden anrichten.
Deshalb gehe ich einen anderen Weg, versuche jetzt eine gute Freundin zu sein, die immer für die beiden da ist.
Ich bin der Meinung, dass sich die Ausgangsfrage nicht immer einheitlich beantworten lässt. Grundsätzlich kann es gehen, im Einzelfall kann es Gründe geben, die es verhindern.
Das Buch habe ich nicht gelesen und das was ich in diesem Artikel gefunden habe, motiviert mich nicht es zu tun. Da wird mir viel zu sehr aus individuellen Schwierigkeiten verallgemeinernde Rückschlüsse gezogen und pauschalisiert. Dass das deutsche Personenstandsrecht einer starken Überarbeitung bedarf, ja einverstanden, sehe ich auch so. Dass deshalb alle Cis-Menschen eine dem aktuellen Stand des Rechts entsprechende Einstellung haben, das leuchtet mir nicht ein. Abgesehen davon helfen solche pauschalen Verurteilungen nicht weiter. Darauf lässt sich keine konstruktive Diskussion führen.
Liebe Grüße
Anke
Re: taz: "Transgeschlechtlichkeit und Mutterschaft „ Können Frauen alles sein?"
Verfasst: So 10. Mär 2019, 15:02
von Jaddy
Anke hat geschrieben: So 10. Mär 2019, 14:33Wenn es um das Austragen und die Geburt geht, dann können Transfrauen derzeit auf keinen Fall Mütter sein. Pech gehabt. Vielleicht ist die Medizin irgendwann mal soweit, uns das zu ermöglichen. Doch ich befürchte, dass ich das nicht mehr erleben werde.
Das bist du vielleicht zu pessimistisch:
1.
https://www.nytimes.com/2017/12/02/heal ... -baby.html
2.
https://en.wikipedia.org/wiki/Uterus_transplantation
So weit sind wir da nicht weg. Neulich gab es einen Artikel mit Aussage von Fachmenschen, dass sie "jetzt jederzeit" soetwas machen könnten. Mit entsprechendem Risiko, weil noch nicht so gut geübt, denke ich mal. Aber in 10 Jahren?
(Korrektur zu meinem Satz heute morgen an anderer Stelle: Die Transplantation 2001/2002 in SA führte nicht zu einer Geburt. Das Organ musste nach 99 Tagen wegen Nekrosen entfernt werden, hatte vorher aber inklusive Menstruationszyklen funktioniert)
Re: taz: "Transgeschlechtlichkeit und Mutterschaft „ Können Frauen alles sein?"
Verfasst: So 10. Mär 2019, 16:24
von Das_Känguru
Anke hat geschrieben: So 10. Mär 2019, 14:33
Das geht schon damit los, was wir unter dem Begriff "Mutter" verstehen
Für mich sind Mütter die Frauen, die ein Kind aufziehen, es ernähren, zu Kita/Schule/Sport fahren, einfach einen Teil ihres eigenen Lebens für das Kind aufgeben. Selbes gilt für Väter bei Männern. Mutter ist für mich eine soziale Rolle. Die beiden Menschen die ihr Erbgut gegeben haben damit daraus ein Kind entsteht nenn ich Erzeuger*innen. Das können die selben Menschen sein die Mutter und/oder Vater genannt werden, oder auch nicht.
Mit folgender Überlegung:
Ein Kind welches direkt nach der Geburt adoptiert wird, wird zu den Adoptiveltern Mama und/oder Papa sagen, zu seinen Erzeuger*innen aber kein besonderes Verhältnis haben. Ein Kind welches mit 10 Jahren adoptiert wird hat zuerst zu seinen Erzeuger*innen Mama/Papa gesagt und wird vielleicht, vielleicht auch nicht zu den Adoptiveltern Mama/Papa sagen. Ein Kind welches mit 15 adoptiert wird wird wahrscheinlich den neuen Eltern an den Kopf werfen, dass sie nicht seine Eltern sind.
Ein Kind dessen Erzeuger vor oder kurz nach der Geburt geflohen ist wird diesen auch nicht Papa nennen. Ein Kind das in einer polyamoren Beziehung mehrerer Menschen aufwächst wird wahrscheinlich zu allen Mama/Papa sagen (kenne so ein Kind, zwei Mamas, ein Papa)
Also ist dem Kind wichtig, wer in den ersten Jahren da ist, nicht wie es entstanden ist. Und diese Menschen sind für mich Mütter und Väter.
Und ich weis, dass das etwas pauschalisiert ist und das es tausende andere Möglichkeiten gibt wie ein Kind aufwächst, aber ich bleibe dabei, Mütter und Väter sind die, die für das Kind da sind.
Und damit können natürlich zwei Frauen Mütter eines Kindes sein und damit können eine Cis- und eine Trans-Frau auch beide Erzeugerinnen eines Kindes sein.
Re: taz: "Transgeschlechtlichkeit und Mutterschaft „ Können Frauen alles sein?"
Verfasst: So 10. Mär 2019, 16:27
von Anke
Hallo,
diese Berichte kenne ich, doch die ändern meine Einschätzung nicht.
Es fängt damit an, dass nur der Uterus verpflanzt werden kann, für die Eierstöcke gibt es derzeit keinen Lösungsansatz. Das bedeutet, dass maximal das Austragen eines "fremden" Babies möglich ist.
Dazu kommt, dass auch der Geburtskanal noch ein Problem darstellt. Bei Transsexuellen, die sich nicht bereits in ihrer Jugend einer Hormontherapie unterziehen, ist der definitiv zu eng. Damit bliebe dann nur der Kaiserschnitt.
Außerdem ist es so, dass so eine Organtransplantation mit erheblichen Problemen behaftet ist. Es braucht die passender Spenderorgane, der Eingriff ist riskant und der Körper muss mit den Abstoßungsreaktionen klar kommen. Organempfänger nehmen ihr leben lang Medikamente, die nicht gerade unproblematisch sind. Bei einem Patienten, der ohne Herztransplantation sterben würde, ist das das geringere Übel. Bei einem ansonsten gesunden Menschen, der "nur" gerne schwanger werden möchte, würde ich das anders bewerten.
Derzeit kann so eine Uterustransplantation sicherlich nur ein Einzelfall sein. Vielleicht wird das in naher Zukunft für eine einzelne Transfrau auch mal gemacht. Aber als flächendeckende Option wie die GAOP sehe ich das in den nächsten Jahrzehnten nicht.
Der einzige Erfolg versprechende Ansatz den ich bisher kenne, ist das versucht wird, Organe auf Basis von beim Patienten entnommenen eigenen Zellmaterial zu züchten und dann einzusetzen. Vor ein paar Jahren habe ich jemanden kennengelernt, die in der entsprechenden Forschung arbeitet. Allerdings steckt das alles in den Kinderschuhen, sie meinte dass das möglich wäre, aber noch Jahrzehnte dauern würde.
Liebe Grüße
Anke
Re: taz: "Transgeschlechtlichkeit und Mutterschaft „ Können Frauen alles sein?"
Verfasst: Mo 11. Mär 2019, 23:06
von Michi
Anke hat geschrieben: So 10. Mär 2019, 16:27
Außerdem ist es so, dass so eine Organtransplantation mit erheblichen Problemen behaftet ist. Es braucht die passender Spenderorgane, der Eingriff ist riskant und der Körper muss mit den Abstoßungsreaktionen klar kommen. Organempfänger nehmen ihr leben lang Medikamente, die nicht gerade unproblematisch sind. Bei einem Patienten, der ohne Herztransplantation sterben würde, ist das das geringere Übel. Bei einem ansonsten gesunden Menschen, der "nur" gerne schwanger werden möchte, würde ich das anders bewerten.
Hallo Anke,
ich hatte dazu neulich mal etwas gelesen .. über Frauen, denen ein Uterus transplantiert wurde, um ein Kind austragen zu können. Das Transplantat wurde wegen eben dieser Abstoßungsreaktion nach der Schwangerschaft wieder entfernt. Es war also nur kurzfristig im Einsatz und zum einmaligen Gebrauch bestimmt.
Hab noch mal schnell gesucht, und etwas dazu gefunden:
https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4905466
Liebe Grüße
Michi