Vorstellung
Verfasst: Do 7. Mär 2019, 10:59
Vorstellung
Hallo zusammen, aufgrund meines Alters habe ich schon einen längeren Weg hinter mir. Bin aber noch nie an die Öffentlichkeit gegangen, was sich hier und heute ändern soll.
Ich bin männlich, 59 Jahre alt, verheiratet, wohne in NRW und bin schon seit meiner Jugendzeit dem tragen von weiblicher Kleidung verfallen, also Crossdresser. Wirklich in der Öffentlichkeit geoutet habe ich mich noch nie. Dementsprechend aufgewühlt bin ich. Hier also meine Geschichte so kurz wie möglich:
Eigentlich sollte ich ein Mädchen werden und Sylvia heißen (weshalb ich mich auch hier gerne Sylvia nennen möchte). Daraus wurde leider nichts, ich kam als Junge zur Welt. Meine Eltern haben mich nie als Mädchen behandelt oder angezogen. Kinder, auch Jungs, trugen damals Wollstrumpfhosen — ich habe diese kratzigen Dinger gehasst.
Ich muss vielleicht 4 oder 5 Jahre alt gewesen sein, als ich eines sonntags morgens, während meine Eltern noch schliefen, in die Küche ging und dort einen Stuhl mit Mutters Kleidung fand. Unter anderem mit ihren Nylon Strümpfen. Wie Kinder so sind, sie müssen vieles ausprobieren und ich zog die Nylon Strümpfe an und fühlte diesen wunderbaren Stoff. Das Tragegefühl dieses zarten Stoffes muss mich wie einen Blitz getroffen haben, das ich mich noch heute an diese Situation erinnern kann.
Beim Vater-Mutter-Kind-spielen mit meinen Cousinen, wollte ich auch schonmal die Mutterrolle übernehmen: "Das geht doch nicht" war die Antwort.
Als Jugendlicher begann ich irgendwann Mutters Schränke nach Kleidung zu durchstöbern und anzuziehen. Nach meiner Bundeswehrzeit wurde dieser Drang immer stärker. Bei einer Karnevalsveranstaltung bin ich einmal als Frau gegangen, war das schön! Ich zog mit meiner Freundin (meiner heutigen Frau) in eine gemeinsame Wohnung. Ich merkte irgendwas stimmt mit mir nicht, dass ich diesen unbezwingbaren Drang nach femininer Kleidung habe. Schüchtern kaufte ich mir erste eigene Frauen Kleidungsstücke. Internet gab es noch nicht und ich fand kaum Rat in Büchern. In meiner Verzweiflung begann ich Tagebuch zu führen und mich selber zu beobachten und zu analysieren. Dummerweise fand meine Freundin dieses Tagebuch und hatte es gelesen, noch bevor ich mir selber im Klaren war, was mit mir los ist. Ein riesiger Streit entstand, war standen kurz vor der Trennung. Ich müsse diesen Blödsinn lassen und vernünftig werden etc etc. Natürlich versprach ich es zu lassen und meine Sachen zu vernichten. Ihr wisst es wohl alle selber: es funktioniert nicht. Meine Verzweiflung war so groß, dass ich an Selbstmord dachte. Ich hatte die Rasierklinge schon angesetzt, aber nicht die Kraft mir die Pulsader aufzuschneiden. Meine Verzweiflung wuchs. Ich trank relativ viel Alkohol (ist ja auch männlich) und begrub mich mit Arbeit verschiedenster Art. Jahre später fand ich mit Hilfe meines Hausarztes einen Psychologen, der mir sehr hilfreich war. Ich war sein erster Patient mit so einer Geschichte. Ich musste ihm erst einmal die verschiedenen Bezeichnungen und Spielarten erklären, aber wir verstanden uns auf Anhieb sehr gut. Er konnte unser Ehe-Problem auch nicht lösen, mich aber immerhin aufbauen. Meine Frau ging leider nicht mit zu den Sitzungen, sie hoffte vielmehr, der Psychologe würde mir das Zeugs ausreden. "Wir machen eine Therapie und keine Gehirnwäsche" meinte der Psychologe dazu.
Heute trage ich so oft es geht Frauenkleidung. Ich arbeite im Schichtdienst und so ergeben sich unter der Woche Freiräume. Ich trage in der Öffentlichkeit gerne einen Stilmix aus männlicher und weiblicher Kleidung, auch wenn ich einkaufen gehe. So versuche ich möglichst viel meiner femininen Seite zu zeigen. Ich kaufe meine frauliche Kleidung selbstbewusst selber in Geschäften. Meine Frau akzeptiert mehr oder weniger, dass ich auch in der Frauenabteilung einkaufen gehe und berät mich bei online Käufen was ich besser lassen soll, damit es nicht zu sehr auffällt. Flache Frauenschuhe, Schlafanzüge, blickdichte Strumpfhosen oder Pullover und Jeans, geht noch durch. Solange es unscheinbar bleibt. Aber schminken, Unterwäsche, Röcke oder Kleider anziehen — damit ist meine Frau nicht einverstanden. Im Großen und Ganzen ist es bei uns immer noch Tabuthema. Ich bin nicht sicher, ob meine Frau weiß, dass ich, wenn sie nicht da ist auch meiner femininen freien Lauf lasse und Unterwäsche, Röcke und Kleider trage.
Der Drang das zu tun lässt nicht nach. Ich habe das Gefühl es wird eher mehr. Während einer Kur im Raum Frankfurt, habe ich mal überlegt, mich für einen Tag als Frau stylen zu lassen"¦.. Ich habe es nicht gemacht, weil ich Angst davor habe. Angst, dass dann alle Dämme brechen und ich unwiderruflich dauerhaft so leben will und es kein zurück mehr gibt. Ich weiss nicht ob ich dazu stark genug bin und ob unsere Ehe das aushält. Ich versuch "Es" "¦.. oder besser meine andere Seite im Griff zu halten. Aber der unterbewusste Steuermann ist stärker, wie ich beim Psychologen gelernt habe. Je fester man den Deckel auf einen Topf mit kochendem Wasser hält um nichts entweichen zu lassen, um so mehr hat der unbewusste Steuermann freie Hand das Lenkrad zu übernehmen und andere Ticks, Ersatzhandlungen, Spleens, Depressionen oder Verdrängungsmechanismen zu entwickeln. Ist mir alles bekannt. Aber ich weiss keinen Ausweg.
Ich blicke mit Sorge in die Zukunft: was ist, wenn wir beide in Rente sind und ich meine feminine Seite nicht mehr haben kann? Wie soll das weiter gehen? Eine Angst beschleicht mich und ich bin so einsam wie eh und je mit meinen Sorgen. Zur Zeit bin ich seit Wochen krank, ich suche nach Freiräumen für meine Gedanken und will mein Frausein mal eine zeitlang in Ruhe genießen und mir Gedanken um die Zukunft machen. Wie es der Zufall will habe ich genau jetzt Euere Internetseite gefunden. Ich habe nicht vor mich in meinem privaten Freundeskreis zu outen. Aber ich muss mich bewegen, einen Weg suchen und hoffentlich mit meiner Frau einen Ausweg finden. Ich bin nicht sicher ob ich nochmal die Kraft finde das alles zuhause neu aufzurollen. Die Psychotherapie und das ganze erklären, suchen und rechtfertigen hat mich damals an den Rand meiner Kräfte gebracht. Von dieser Erschöpfung habe ich mich nie wieder richtig erholt. Vielleicht finde ich ja bei Euch jemanden, einfach um mal Gleichgesinnte zu haben, um darüber zu reden und mal verstanden zu werden.
Neulich sprach ich mit einer Kollegin, deren Sohn Mädchensachen anziehen will. Sie läßt ihn gewähren, egal wohin das führt, sie unterstützt ihn. Bei einem Mädchen und später bei Frauen ist das keinerlei Thema, wie sie sich kleiden, oder was sie tun. Aber ich als Mann bin dem Spott und dem Hohn der Gesellschaft ausgesetzt, nur weil ich meine Kleidung und meinen Lebensstil frei wählen will. Ich beneide diesen Jungen.
Da bin ich nun, mit feuchten Augen. Ich würde mich freuen, wenn Ihr mich aufnehmen würden. Dabei weiss ich nicht einmal, welche Art Hilfe ich suche oder brauche. Vielleicht reicht es mir auch dazu zu gehören und zu wissen, dass ich nicht alleine bin und ggf jemanden ansprechen darf.
Liebe Grüße
Sylvia
Hallo zusammen, aufgrund meines Alters habe ich schon einen längeren Weg hinter mir. Bin aber noch nie an die Öffentlichkeit gegangen, was sich hier und heute ändern soll.
Ich bin männlich, 59 Jahre alt, verheiratet, wohne in NRW und bin schon seit meiner Jugendzeit dem tragen von weiblicher Kleidung verfallen, also Crossdresser. Wirklich in der Öffentlichkeit geoutet habe ich mich noch nie. Dementsprechend aufgewühlt bin ich. Hier also meine Geschichte so kurz wie möglich:
Eigentlich sollte ich ein Mädchen werden und Sylvia heißen (weshalb ich mich auch hier gerne Sylvia nennen möchte). Daraus wurde leider nichts, ich kam als Junge zur Welt. Meine Eltern haben mich nie als Mädchen behandelt oder angezogen. Kinder, auch Jungs, trugen damals Wollstrumpfhosen — ich habe diese kratzigen Dinger gehasst.
Ich muss vielleicht 4 oder 5 Jahre alt gewesen sein, als ich eines sonntags morgens, während meine Eltern noch schliefen, in die Küche ging und dort einen Stuhl mit Mutters Kleidung fand. Unter anderem mit ihren Nylon Strümpfen. Wie Kinder so sind, sie müssen vieles ausprobieren und ich zog die Nylon Strümpfe an und fühlte diesen wunderbaren Stoff. Das Tragegefühl dieses zarten Stoffes muss mich wie einen Blitz getroffen haben, das ich mich noch heute an diese Situation erinnern kann.
Beim Vater-Mutter-Kind-spielen mit meinen Cousinen, wollte ich auch schonmal die Mutterrolle übernehmen: "Das geht doch nicht" war die Antwort.
Als Jugendlicher begann ich irgendwann Mutters Schränke nach Kleidung zu durchstöbern und anzuziehen. Nach meiner Bundeswehrzeit wurde dieser Drang immer stärker. Bei einer Karnevalsveranstaltung bin ich einmal als Frau gegangen, war das schön! Ich zog mit meiner Freundin (meiner heutigen Frau) in eine gemeinsame Wohnung. Ich merkte irgendwas stimmt mit mir nicht, dass ich diesen unbezwingbaren Drang nach femininer Kleidung habe. Schüchtern kaufte ich mir erste eigene Frauen Kleidungsstücke. Internet gab es noch nicht und ich fand kaum Rat in Büchern. In meiner Verzweiflung begann ich Tagebuch zu führen und mich selber zu beobachten und zu analysieren. Dummerweise fand meine Freundin dieses Tagebuch und hatte es gelesen, noch bevor ich mir selber im Klaren war, was mit mir los ist. Ein riesiger Streit entstand, war standen kurz vor der Trennung. Ich müsse diesen Blödsinn lassen und vernünftig werden etc etc. Natürlich versprach ich es zu lassen und meine Sachen zu vernichten. Ihr wisst es wohl alle selber: es funktioniert nicht. Meine Verzweiflung war so groß, dass ich an Selbstmord dachte. Ich hatte die Rasierklinge schon angesetzt, aber nicht die Kraft mir die Pulsader aufzuschneiden. Meine Verzweiflung wuchs. Ich trank relativ viel Alkohol (ist ja auch männlich) und begrub mich mit Arbeit verschiedenster Art. Jahre später fand ich mit Hilfe meines Hausarztes einen Psychologen, der mir sehr hilfreich war. Ich war sein erster Patient mit so einer Geschichte. Ich musste ihm erst einmal die verschiedenen Bezeichnungen und Spielarten erklären, aber wir verstanden uns auf Anhieb sehr gut. Er konnte unser Ehe-Problem auch nicht lösen, mich aber immerhin aufbauen. Meine Frau ging leider nicht mit zu den Sitzungen, sie hoffte vielmehr, der Psychologe würde mir das Zeugs ausreden. "Wir machen eine Therapie und keine Gehirnwäsche" meinte der Psychologe dazu.
Heute trage ich so oft es geht Frauenkleidung. Ich arbeite im Schichtdienst und so ergeben sich unter der Woche Freiräume. Ich trage in der Öffentlichkeit gerne einen Stilmix aus männlicher und weiblicher Kleidung, auch wenn ich einkaufen gehe. So versuche ich möglichst viel meiner femininen Seite zu zeigen. Ich kaufe meine frauliche Kleidung selbstbewusst selber in Geschäften. Meine Frau akzeptiert mehr oder weniger, dass ich auch in der Frauenabteilung einkaufen gehe und berät mich bei online Käufen was ich besser lassen soll, damit es nicht zu sehr auffällt. Flache Frauenschuhe, Schlafanzüge, blickdichte Strumpfhosen oder Pullover und Jeans, geht noch durch. Solange es unscheinbar bleibt. Aber schminken, Unterwäsche, Röcke oder Kleider anziehen — damit ist meine Frau nicht einverstanden. Im Großen und Ganzen ist es bei uns immer noch Tabuthema. Ich bin nicht sicher, ob meine Frau weiß, dass ich, wenn sie nicht da ist auch meiner femininen freien Lauf lasse und Unterwäsche, Röcke und Kleider trage.
Der Drang das zu tun lässt nicht nach. Ich habe das Gefühl es wird eher mehr. Während einer Kur im Raum Frankfurt, habe ich mal überlegt, mich für einen Tag als Frau stylen zu lassen"¦.. Ich habe es nicht gemacht, weil ich Angst davor habe. Angst, dass dann alle Dämme brechen und ich unwiderruflich dauerhaft so leben will und es kein zurück mehr gibt. Ich weiss nicht ob ich dazu stark genug bin und ob unsere Ehe das aushält. Ich versuch "Es" "¦.. oder besser meine andere Seite im Griff zu halten. Aber der unterbewusste Steuermann ist stärker, wie ich beim Psychologen gelernt habe. Je fester man den Deckel auf einen Topf mit kochendem Wasser hält um nichts entweichen zu lassen, um so mehr hat der unbewusste Steuermann freie Hand das Lenkrad zu übernehmen und andere Ticks, Ersatzhandlungen, Spleens, Depressionen oder Verdrängungsmechanismen zu entwickeln. Ist mir alles bekannt. Aber ich weiss keinen Ausweg.
Ich blicke mit Sorge in die Zukunft: was ist, wenn wir beide in Rente sind und ich meine feminine Seite nicht mehr haben kann? Wie soll das weiter gehen? Eine Angst beschleicht mich und ich bin so einsam wie eh und je mit meinen Sorgen. Zur Zeit bin ich seit Wochen krank, ich suche nach Freiräumen für meine Gedanken und will mein Frausein mal eine zeitlang in Ruhe genießen und mir Gedanken um die Zukunft machen. Wie es der Zufall will habe ich genau jetzt Euere Internetseite gefunden. Ich habe nicht vor mich in meinem privaten Freundeskreis zu outen. Aber ich muss mich bewegen, einen Weg suchen und hoffentlich mit meiner Frau einen Ausweg finden. Ich bin nicht sicher ob ich nochmal die Kraft finde das alles zuhause neu aufzurollen. Die Psychotherapie und das ganze erklären, suchen und rechtfertigen hat mich damals an den Rand meiner Kräfte gebracht. Von dieser Erschöpfung habe ich mich nie wieder richtig erholt. Vielleicht finde ich ja bei Euch jemanden, einfach um mal Gleichgesinnte zu haben, um darüber zu reden und mal verstanden zu werden.
Neulich sprach ich mit einer Kollegin, deren Sohn Mädchensachen anziehen will. Sie läßt ihn gewähren, egal wohin das führt, sie unterstützt ihn. Bei einem Mädchen und später bei Frauen ist das keinerlei Thema, wie sie sich kleiden, oder was sie tun. Aber ich als Mann bin dem Spott und dem Hohn der Gesellschaft ausgesetzt, nur weil ich meine Kleidung und meinen Lebensstil frei wählen will. Ich beneide diesen Jungen.
Da bin ich nun, mit feuchten Augen. Ich würde mich freuen, wenn Ihr mich aufnehmen würden. Dabei weiss ich nicht einmal, welche Art Hilfe ich suche oder brauche. Vielleicht reicht es mir auch dazu zu gehören und zu wissen, dass ich nicht alleine bin und ggf jemanden ansprechen darf.
Liebe Grüße
Sylvia