Dünne Haut oder sinnvolle Sensibilität?
Verfasst: Fr 16. Nov 2018, 14:08
In der letzten Zeit habe unter anderem ich den Vorwurf bekommen, zu dünnhäutig, zu leicht beleidigt und zu kritisch zu sein.
Das hat in mir die Frage aufkommen lassen, wie sensibel wir auf unbewusst weitergetragene Vorurteile und bewusst reißerisch formulierte Schlagzeilen reagieren sollten.
Wann ist es besser, darüber hinweg zu sehen, wann ist es sinnvoll offen zu reagieren?
Wann treffe ich den anderen mit offener Kritik und wie kann ich diese für beide Seiten sinnvoll äußern?
Hier ging es für mich oft um die Frage der sexuellen Orientierung und deren verinnerlichter Wertung. Ich habe an mancher Stelle gedacht, wenn ich hier statt heterosexuell weiß oder deutsch einsetzen würde, würde jede*r sofort verstehen, was ich meine. Allerdings wäre das auch die Garantie den Menschen, der eine kritisierte Formulierung gewählt hat so zu verletzen, dass er keine andere Wahl als Gegenangriff hat. Ich gehe bei jede*r der sich hier Beteiligenden davon aus, dass sie oder er keine bewussten Vorurteile gegen andere queere (dafür gibt es einfach kein deutsches Wort) Menschen hat.
Mit einem ähnlichen Problem beschäftgt sich die Gruppe Gender Equallity Media (https://genderequalitymedia.org/), die unter dem hashtag #unfollowpatriarchy Sexismus in den Medien aufgreift und klarstellt.
So haben sie zum Beispiel die Überschrift in der Bildzeitung "Friedensnobelpreis für Ex-Isis-Sexsklavin und Arzt" in die Aussagen zerlegt, die damit transportiert werden.
-Nicht die Kämpferin gegen sexualisierte Gewalt und starke Frau sondern das Opfer, das die "Arbeit" einer Sexsklavin "geleistet" hat steht dem Arzt gegenüber.
Hier kommt wohl keine*r mehr von uns auf die Idee zu sagen, dass doch nur ein allgemein gültiges Bild der Frau in der Gesellschaft unbewusst übernommen werde und Kritiker nicht so empfindlich sein sollten.
Die Gefahr der unterschwelligen Borschaften gegenüber Frauen ist zwar allgegenwärtig, wird aber zuznehmend bewusst.
Niemand unterstellt den Menschen, die Bild hier kritisieren, dass sie davon ausgehen, dass Bild Vergewaltigungen und Frauenfeindlichkeit bewusst gut heißen.
Das begründet nun die Seite, warum ich mich so gegen ungewollte Botschaften, die auch bei uns einfließen, engagiere. Sie hilft mir aber nicht bei der Frage, ob und wie ich den richtigen Ton treffe und deutlich mache, was ich meine, ohne den anderen zu verletzen. Es beantwortet mir nicht die Frage, wie viel von den heftigen Reaktionen, die ich stellenweise auslöse durch zu scharfe Formulierungen von mir kommen und wie viel der Aggressionen in eigenen Unsicherheiten der Antwortenden liegen.
Wie seht Ihr dieses Problem? Habt Ihr ähnliche Fragen an die eigene Vorgehensweise in Diskussionen?
Das hat in mir die Frage aufkommen lassen, wie sensibel wir auf unbewusst weitergetragene Vorurteile und bewusst reißerisch formulierte Schlagzeilen reagieren sollten.
Wann ist es besser, darüber hinweg zu sehen, wann ist es sinnvoll offen zu reagieren?
Wann treffe ich den anderen mit offener Kritik und wie kann ich diese für beide Seiten sinnvoll äußern?
Hier ging es für mich oft um die Frage der sexuellen Orientierung und deren verinnerlichter Wertung. Ich habe an mancher Stelle gedacht, wenn ich hier statt heterosexuell weiß oder deutsch einsetzen würde, würde jede*r sofort verstehen, was ich meine. Allerdings wäre das auch die Garantie den Menschen, der eine kritisierte Formulierung gewählt hat so zu verletzen, dass er keine andere Wahl als Gegenangriff hat. Ich gehe bei jede*r der sich hier Beteiligenden davon aus, dass sie oder er keine bewussten Vorurteile gegen andere queere (dafür gibt es einfach kein deutsches Wort) Menschen hat.
Mit einem ähnlichen Problem beschäftgt sich die Gruppe Gender Equallity Media (https://genderequalitymedia.org/), die unter dem hashtag #unfollowpatriarchy Sexismus in den Medien aufgreift und klarstellt.
So haben sie zum Beispiel die Überschrift in der Bildzeitung "Friedensnobelpreis für Ex-Isis-Sexsklavin und Arzt" in die Aussagen zerlegt, die damit transportiert werden.
-Nicht die Kämpferin gegen sexualisierte Gewalt und starke Frau sondern das Opfer, das die "Arbeit" einer Sexsklavin "geleistet" hat steht dem Arzt gegenüber.
Hier kommt wohl keine*r mehr von uns auf die Idee zu sagen, dass doch nur ein allgemein gültiges Bild der Frau in der Gesellschaft unbewusst übernommen werde und Kritiker nicht so empfindlich sein sollten.
Die Gefahr der unterschwelligen Borschaften gegenüber Frauen ist zwar allgegenwärtig, wird aber zuznehmend bewusst.
Niemand unterstellt den Menschen, die Bild hier kritisieren, dass sie davon ausgehen, dass Bild Vergewaltigungen und Frauenfeindlichkeit bewusst gut heißen.
Das begründet nun die Seite, warum ich mich so gegen ungewollte Botschaften, die auch bei uns einfließen, engagiere. Sie hilft mir aber nicht bei der Frage, ob und wie ich den richtigen Ton treffe und deutlich mache, was ich meine, ohne den anderen zu verletzen. Es beantwortet mir nicht die Frage, wie viel von den heftigen Reaktionen, die ich stellenweise auslöse durch zu scharfe Formulierungen von mir kommen und wie viel der Aggressionen in eigenen Unsicherheiten der Antwortenden liegen.
Wie seht Ihr dieses Problem? Habt Ihr ähnliche Fragen an die eigene Vorgehensweise in Diskussionen?