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Stellenausschreibung "m/w/d" „ d steht für "divers"

Verfasst: Fr 2. Nov 2018, 12:48
von Olivia
Mancher rieb sich die Augen, als er die Ausschreibung für den wichtigen Posten des Kulturreferenten der Stadt Regensburg gesehen hat. Gesucht wird nicht nur eine kulturell gut vernetzte und kreative Person, die Regensburg in Sachen Kultur und Welterbe weiter voranbringt. Sondern auch eine, die entweder männlich oder weiblich ist, sondern auch "divers" sein kann.

https://www.wochenblatt.de/politik/rege ... referenten

Re: Stellenausschreibung "m/w/d" „ d steht für "divers"

Verfasst: Fr 2. Nov 2018, 13:30
von Jaddy
Gleich mal Feedback gegeben von wegen "divers == intersex" und "drittes Geschlecht"...

Re: Stellenausschreibung "m/w/d" „ d steht für "divers"

Verfasst: Fr 2. Nov 2018, 13:41
von ExuserIn-2018-12-09
tjo

man sollte sich auch einmal an den duden setzen, diesen ggf überarbeiten.
Synonyme zu divers:
allerlei, eine Menge, einige, ein paar, manch, mancherlei, mehrere, reichlich, verschieden, verschiedenerlei, viel, vielerlei; (gehoben) ein gerüttelt Maß; (umgangssprachlich) allerhand, alles Mögliche, mehrerlei, ziemlich; (veraltend) allerart, etliche

vom prinzip her hätte man divers auch unter "das" setzen können.
irgend ein ding .....
nur weil sich keiner sein maul verbrennen möchte mit einer spezifischen zuordnung-namensgebung sind wir eben viehzeug.

Re: Stellenausschreibung "m/w/d" „ d steht für "divers"

Verfasst: Fr 2. Nov 2018, 14:57
von Jaddy
@Sahara65: Deshalb sind wir ja auch bei der Aktion Standesamt 2018 noch lange nicht fertig, selbst wenn das Gesetz zur dritten Option ohne Beschränkung auf med. Nachweise durchkommen sollte. So sehr ich den Wunsch von Verwaltungen nach klaren, einfachen Klassifizierungen nachvollziehen kann, so wenig bilden sie die Bandbreite ab.

"Divers" wäre auch nicht meine erste Wahl, allerdings immerhin besser als "Anders" oder "Weitere". Und mit einem frei-wählbaren Zusatz wäre es schon mal nicht ganz so schlecht. In meinem Antrag steht "divers/abinär". Wir werden sehen :)

Letztlich ist es aber nur ein Eintrag auf Papier. So wie Gleichstellungsgesetze, Sprachregelungen, etc. Der eigentliche Wandel muss in den Köpfen der Menschen stattfinden. Nach meiner Überzeugung wird das nur durch andauernde, geduldige Aufklärung und Sichtbarkeit passieren.

Re: Stellenausschreibung "m/w/d" „ d steht für "divers"

Verfasst: Mi 7. Dez 2022, 17:10
von scheue_Sarah
Da bin ich doch gerade über eine Projektausschreibung gestolpert, die ich so noch nicht gesehen habe:

Projektcontroller (M/E/N/S/C/H)*

Fine ich eine sehr gute Lösung (ap)
Sarah

Re: Stellenausschreibung "m/w/d" „ d steht für "divers"

Verfasst: Mi 7. Dez 2022, 17:17
von Lucky70
Stellenausschreibungen müssen aufgrund des AGG (allgemeinen Gleichstellungsgesetz) geschlechtsneutral ausgeschrieben werden, das beinhaltet auch divers. Daher ist das m/w/d schon länger Praxis und ganz normal - wohl nur noch nicht in der Provinz angekommen


Lucy

Re: Stellenausschreibung "m/w/d" „ d steht für "divers"

Verfasst: Mi 7. Dez 2022, 17:18
von Jaddy
scheue_Sarah hat geschrieben: Mi 7. Dez 2022, 17:10 Da bin ich doch gerade über eine Projektausschreibung gestolpert, die ich so noch nicht gesehen habe:

Projektcontroller (M/E/N/S/C/H)*

Fine ich eine sehr gute Lösung (ap)
Sarah
Klingt lustig, aber den Laden würde ich mir mal ganz genau ansehen, was publizierte und praktizierte Diversität angeht.

Re: Stellenausschreibung "m/w/d" „ d steht für "divers"

Verfasst: Mi 7. Dez 2022, 18:13
von Martina-NB
Also was manche Leute hier an Problemen haben...
"m/w/d" steht heutzutage bei eigentlich ALLEN Stellenausschreibungen, wer das jetzt erst merkt, sollte sich wirklich mal die Augen reiben.

Per Gesetzt gibt es eben diese drei Geschlechtseintragungen, also müssen sie in Stellenausschreibungen erwähnt werden. - Was ist jetzt daran so verkehrt?
Jedenfalls ist es nicht die "Schuld" (was für eine Schuld auch immer) des jeweiligen Arbeitgebers, der macht was er tun muss.

Re: Stellenausschreibung "m/w/d" „ d steht für "divers"

Verfasst: Mi 7. Dez 2022, 18:35
von Jaddy
Martina-NB hat geschrieben: Mi 7. Dez 2022, 18:13 Also was manche Leute hier an Problemen haben...
"m/w/d" steht heutzutage bei eigentlich ALLEN Stellenausschreibungen, wer das jetzt erst merkt, sollte sich wirklich mal die Augen reiben.

Per Gesetzt gibt es eben diese drei Geschlechtseintragungen, also müssen sie in Stellenausschreibungen erwähnt werden. - Was ist jetzt daran so verkehrt?
Jedenfalls ist es nicht die "Schuld" (was für eine Schuld auch immer) des jeweiligen Arbeitgebers, der macht was er tun muss.
Das eine ist der inzwischen eingespielte Formalismus, das "(m/w/d)", in Klammern natürlich... Der erspart Abmahnungen. Das ist erst mal das wichtigste. Übrigens muss es nicht "(m/w/d)" sein. "Schlosserei-Fachkraft" oder "Pfleger*in" geht auch. Der amtliche Eintrag ist auch da weniger bedeutsam, als dass an Vielfalt im voraus gedacht wird.

Das andere ist die tatsächliche Umsetzung (nicht nur) geschlechtlicher Vielfalt im Unternehmen. Einmal die Verlautbarungen von Geschäftsleitung und Personalabteilung, einmal die gelebte Praxis. Geht los mit der Namenspolitik. Anreden, E-Mailadressen, Türschilder, Verzeichnisse, Personal- und Schichtpläne. Wie kann hier auch geändert werden? Wie ist der Kundykontakt geregelt? Werden da Anreden vorausgesetzt? Darf ich die korrigieren und auf meinen trans und_oder nichtbinären Status hinweisen?

Gibt es eine Kleiderordnung? Ja, gibt es häufig noch. Nicht nur in Produktionsbetrieben, auch im Consultingbereich und die ist häufig nicht angenehm für nicht-männlcihe Menschen.

Als nichtbinäre Person würde ich gleich im Interview mal Toilettenbedarf anmelden und die Reaktion genau beobachten. Haben die da schon dran gedacht? Ist das allgemein kommuniziert, oder basteln sie dann schnell ne Sonderlocke? Sofern ich, wenn ich auf das "d" hinweise, überhaupt eingeladen werde.

Überhaupt: An wen wende ich mich denn, wenn ich mich ungerecht behandelt fühle? Kann ich das anonym tun? Muss die Stelle das "nach oben" melden?

Und schliesslich würde ich beim Rundgang mal drauf achten, wer da sonst noch so arbeitet. Wie divers sind die Abteilungen denn? Nicht nur nach präsentiertem Gender.

Das "(m/w/d)" ist einfach. Copy, paste, done. Sogar, einmal im Jahr ein paar Regenbogenflaggen aufzuhängen passiert häufiger mal. "Das macht unsere HR-Gedöns-Beauftragte". Das ist aber noch lange keine absichtlich diverse Umgebung.

Re: Stellenausschreibung "m/w/d" „ d steht für "divers"

Verfasst: Mi 7. Dez 2022, 18:40
von Juliane
Moin zusammen.

Solange m / w / d nicht für männlich, weiß, deutsch steht, ist für mich schon in Ordnung so.

Re: Stellenausschreibung "m/w/d" „ d steht für "divers"

Verfasst: Mi 7. Dez 2022, 19:34
von Dietlind
Wenn wir Intersex Menschen nach Paragraph 45 B des Personenstandsgesetzes unseren Namen, bzw. unser Geschlecht ändern wollen, steht es uns absolut frei entweder M, W, oder D als Geschlecht zu wählen, und das unabhängig von unserem Namen und dem Aussehen. Ich weiss allerdings nicht, wie man in Deutschland eine Person, die D ist, anreden sollte. In der englischsprachigen Welt hat sich das Mx etabliert.


Linde

Re: Stellenausschreibung "m/w/d" „ d steht für "divers"

Verfasst: Mi 7. Dez 2022, 23:08
von Jaddy
Dietlind hat geschrieben: Mi 7. Dez 2022, 19:34Ich weiss allerdings nicht, wie man in Deutschland eine Person, die D ist, anreden sollte. In der englischsprachigen Welt hat sich das Mx etabliert.
Also falls nicht bekannt oder erfragt, dann mich und die meisten nichtbinären Menschen, die ich kenne: Mit dem Namen.
Egal ob mit "d" (wie ich) oder nicht, endo oder inter.
Keine Anrede. Und bei mir (agender) bestimmt keine genderisierende Anrede.

Auch in der englischsprachigen Welt - ich lese reichlich Fedi, reddit und andere Treffpunkte nichtbinärer Wesen - ist weder Mx noch they/them allgemeinverbindlich.
Allgemein wird in den Enby Bubbles noch experimentiert, weil so wenig da ist, auf das wir aufbauen können.

D.h. am besten höflich fragen. "Hallo, mein Name ist ..., ich verwende ... Pronomen, wie darf ich Sie ansprechen?"

Und ich möchte nochmal drauf hinweisen, dass Menschen auch Anspruch auf nichtbinäre Anrede haben, wenn sie keine Personenstandsänderung haben vornehmen lassen. Ich bin sehr froh, dass das in D sogar grichtlich mehrfach bestätigt wurde :)

Re: Stellenausschreibung "m/w/d" „ d steht für "divers"

Verfasst: Mi 7. Dez 2022, 23:21
von Dietlind
Bezieht sich das deutsche Gesetz zur Personenstandsänderung (Para. 45 B) mit M, F, und D nicht ausdrücklich auf Menschen mit einer Variante der Geschlechtsentwicklung, als auf Intersex Menschen?


Linde

Re: Stellenausschreibung "m/w/d" „ d steht für "divers"

Verfasst: Do 8. Dez 2022, 09:08
von Anne-Mette
Guten Morgen,

es gilt für die Menschen, die eine ärztliche Bescheinigung über das Vorhandensein einer Variante der Geschlechtsentwicklung vorweisen.

Re: Stellenausschreibung "m/w/d" „ d steht für "divers"

Verfasst: Do 8. Dez 2022, 10:35
von Jaddy
Anne-Mette hat geschrieben: Do 8. Dez 2022, 09:08 es gilt für die Menschen, die eine ärztliche Bescheinigung über das Vorhandensein einer Variante der Geschlechtsentwicklung vorweisen.
Das ist eine äusserst weise Formulierung :wink:
Dietlind hat geschrieben: Mi 7. Dez 2022, 23:21 Bezieht sich das deutsche Gesetz zur Personenstandsänderung (Para. 45 B) mit M, F, und D nicht ausdrücklich auf Menschen mit einer Variante der Geschlechtsentwicklung, als auf Intersex Menschen?
Der -§45b PStG regelt eine von zwei regulären Möglichkeiten, Personenstand und optional Vornamen zu ändern.
Der zweite reguläre Weg ist das TSG.
Und dann gibt es noch die generelle Möglichkeit, über -§47 oder -§48 PStG über eine gerichtliche Anordnung aus anderen Gründen zu erreichen.

Egal welcher Weg, haben die Nutzenden (theoretisch) die freie Auswahl aus den vier Optionen in -§22.3 PStG: Weiblich, männlich, divers oder Streichung.
Die Streichung wurde schon 2013 eingeführt...

Beim TSG oder -§47/48 ist die Zieloption in der Regel beim Start festgelegt und muss ja auch begründet werden.
Bei -§45b geht eins mit dem ärztlichen Zettel hin und sagt einfach, was einzutragen ist und ist nach max. 30 Minuten wieder draussen.
Also so, wie es das geplante Selbstbestimmungsgesetz auch anstrebt.


P.S. Ja, es gibt vier Optionen und die vierte, die es länger gibt als "divers", wird zB in den Textbausteinen der Stellenanzeigen idR nicht angegeben. Wir sind gespannt, wann das abgemahnt wird und vielleicht mal dazu führt, dass die Leute tatsächlich neutral schreiben, statt in Floskeln.