Sorry Mädels,
aber ich finde einen Teil der "Argumente" hier so etwas von "sachfremd", um es milde auszudrücken, oder auch ignorant, wenn Ihr das besser versteht, dass es mich schüttelt, ehrlich.


Den einen geht es um zu viel "political correctness", unterstellen ein schon absurd zwanghaftes Vermeiden von möglichen Diskriminierungen (mit mokierendem Unterton), die anderen wähnen sich erst recht ausgegrenzt, weil sie für die "Teilhabe" dann dankbar sein müssten -- hääää? --, wieder andere meinen, es wird ja schon genug getan, dass sich Handicapped nicht benachteiligt fühlen müssen. Ach ja?
In welcher Realität lebt Ihr bitte?
Nur mal ein paar FAKTEN aus dem Behinderten-Alltag:
"¢ Nur knapp ein VIERTEL (also da. 25%) ALLER Arbeitgeber, die nach Betriebsgröße und Eignung eine gesetzliche Anzahl von Behinderten-gerechten Arbeitsplätzen vorhalten müssen, kommen dem gesetzlichen Auftrag überhaupt nach! Die große Mehrheit ignoriert das Recht ohne Folgen, oder kauft sich je nach Bundesland davon "frei". Das geht seit Jahrzehnten so.
"¢ Die Mehrzahl der Behinderten müssen heute schon in abgekapselten Sonderschulen oder Einrichtungen irgendwelche, i.d.R. eher stumpfsinnigen Arbeien erledigen, weil es weder genug Plätze gibt, noch hat diese Tätigkeit viel mit real-möglichen Erfolgerlebnissen der INKLUSION zu tun. Es gibt bisher nur ganz wenige Musterprojekte, in denen diese Menschen ihren Fähigkeiten gemäß wirklich gfördert werden, sogar den Übergang in den "normalen" Arbeitsmarkt oder speziell für sie entwickelte Berufsbilder erlernen können. FÖRDERUNG statt AUFBEWAHRUNG muss die Devise lauten im 21. Jhdt.!
Und in Zeiten, wo schon wieder Rechtsextreme von (unwertem) belastendem Leben faseln. (Siehe die unfassbaren Exzesse der jüngsten Wochen seitens der AfD!)
"¢ Auch die FINAZIELLE Situation, vor allem für Menschen mittleren Alters, die einst voll und gut im Berufsleben standen, aber durch Unfall und / oder Krankheit "ausgesteuert" werden ( auch ein furchtbarer Begriff unseres öffentlichen Rechtswesens!), stürzen ganz schnell in FINAZIELLE Nöte und totale Abhängigkeiten, da sie keineswegs so abgesichert sind, wie der "Sozialstaat" es so gerne darstellt. Ein endloses Thema, das ich hier nur anreißen kann! Füllt ganze Aktenberge!
"¢ Und fast jede(r) der v.a. In BAYERN schon mal einen simplen "Behindertenausweis mit AG Kennung" beantragt hat, kann eine traurige lange Geschichte davon erzählen wie viele Hürden überwinden, Gutachten erstellen lassen, oft sogar PROZESSE er/sie am Sozialgericht führen musste, um überhaupt in den "Genuss" eines solchen zu kommen. Dabei berechtigt dieser lediglich zu in anderen Ländern selbstverständlichen "Privilegien", wie etwa dem Parken auf Behindertenparkplätzen. Und diese werden tagtäglich noch von rücksichtslosen anderen Verkehrsteilnehmern einem streitig gemacht. Auch schon mal unter giftiger Verhöhnung der Person und Androhung von Gewalt btw.
"¢ Und ich wette jede(r) Behinderte kennt die Situation, vor allem wenn er/sie in Begleitung von einem Helfer / Angehörigen ist, dass er/sie gar nicht mehr angesprochen wird -- als könnte dieser Mensch nicht mal für sich selber denken, sprechen, usw. Von wegen gut Teilhabe lernen!
Fazit: All diese wenigen, sehr typischen Beispiele zeigen Menschen mit Handicap fast täglich WAS allein das "mächtige Wort", das ultimative Etikett "BEHINDERT" signalisiert bei unbedarften Zeitgenossen. "Du gehörst nicht zu den Leistungsträgern der Gesellschaft!" -- Unterschätze niemand die Macht der Worte! Worte bestimmten unser DENKEN, führen zu Handlungen und Taten, bilden GEISTESHALTUNGEN aus. Sie wirken stärker als alle guten Vorsätze.
Würden sonst die extremistischen Ideologien überhaupt eine Chance haben in aufgeklärten Gesellschaften? Wäre da NICHT die Stigmatisierung, die VERFÜHRUNG, die MANIPULATION durch WORTE und Sprache? Denkt mal darüber nach, bitte.
LG Ronda.
