Ich bin beinharter Anhänger dessen, daß grammatischer und biologischer Genus nichts miteinander zu tun haben. Unter dieser Prämisse, denke ich, kann aus der bundesdeutschen, überhitzten, zuweilen hysterischen Diskussion viel heiße Luft herausgelassen werden. Käme beispielsweise irgendjemand auf die Idee, bei "Hund" oder "Katze" nur an ein Geschlecht zu denken?
Die von Svetlana zitierte, komplett im generischen Femininum geschrieben Grundordnung halte ich für einen klassischen Rohrkrepierer. Ist man sich einig darüber, daß der Anlaß eine Reaktion auf tatsächliche (?) Diskriminierung war, hat "man" in beispielhaft akademischen übers-Ziel-hinausschießendem Bemühen den inkriminierten Sachverhalt spiegelbildlich wiederholt, nur eben diesmal als Diskriminierung der Männer. Hysterie und missionarischer Eifer sind eben schlechte Ratgeber bzw. keine tragfähige Basis für sachliches Nachdenken, auch bei Akademikern.
Apropos Akademiker: vor einigen Jahrzehnten haben, soweit ich mich erinnere, feministisch bewegte australische Studentinnen die Änderung des Begriffs "History" in "Herstory" gefordert. Es reicht offenbar, eine starke Haltung zu haben, da hindern Intellekt bzw. etymologisches Wissen im Zweifelsfall nur.
Für ein weiteres schönes Beispiel halte ich die Haltung des/der Lann Hornscheidt (zitiert aus
http://www.deutschlandfunkkultur.de/gen ... _id=318444): Dieser Person sind die "Bewohner-Schrägstrich-/innen", "Kund-Sternchen*innen", "Sportler-Unterstrich_innen", Sozialarbeit-mit-@ und "Migrant-Klammer-(en)-Schrägerstrich-/innen noch nicht genug. Er/Sie legt Wert auf ein "x". Studierende, die ihr, der Person Hornscheidt, schreiben wollen, sollten, so sagt es die website, "zwei-gendernde" Anreden meiden, wie "Herr___" und "Frau ___", "Lieber ___" oder "Liebe ___". Möglich wäre dagegen "Sehr geehrtx Profx. Lann Hornscheidt".
Darauf muss man erst mal kommen. Und wer sich nicht an die Hornscheidtschen Vorgaben hält, wird auf strenge Weise zurechtgewiesen und bekommt erst dann eine Antwort, wenn er, sie, es oder x es korrekt gemacht hat (Zitatende).
Wohlgemerkt: diese(r) Hornscheidt hatte bis 1.12.16 die Professur für- Gender Studies- und- Sprachanalyse- am Zentrum für- transdisziplinäre- Geschlechterstudien der- Humboldt-Universität, Berlin,- inne. Interessant, wie diese Person rein subjektive Haltungen innerhalb einer vom Steuerzahler alimentierten Professur soweit treiben konnte, ohne offenbar Bekanntschaft mit dem Disziplinarrecht zu bekommen oder medizinisch untersucht zu werden.
Ein Vorschlag: Das deutsche Pluralpronomen "sie" ist identisch mit der weiblichen Singularform. Wir wäre es, wenn Männer in gleicher Vehemenz und Hysterie, wie es allenthalben vorgemacht wird, dagegen Sturm laufen und eine grundlegende Änderung forderten, weil diese Identität zwischen Pluralpronomen und weiblicher Singularform diskriminierend ist? Ob sich da Feministinnen fänden, die dies unterstützten?
Viele Grüße,
Yvette