So, jetzt gab es endlich den "Daumen hoch"-Knopf ...
Ich habe schnell noch ein Buch über "Energiediebe" beenden müssen und habe Arno Gruen begonnen zu lesen. "Der Verrat am eigenen Selbst, Die Angst vor Autonomie bei Mann und Frau". Habe zwar erst ein Drittel gelesen, aber ich finde, dass es richtig gut ist. Warum werden die Erkenntnisse von solchen Menschen, die ja im Kern schon Jahrtausende alt sind, nicht gehört und ernst genommen ? Das Buch gibt auch hierzu Antworten.
Kernthema ist die Autonomie, die Gruen wie folgt beschreibt:
Autonomie ist derjenige Zustand der Integration, in dem ein Mensch in voller Übereinstimmung mit seinen eigenen Gefühlen und Bedürfnissen ist. Im allgemeinen verstehen wir unter Autonomie etwas anderes, nämlich etwas, was mit der Behauptung der eigenen Wichtigkeit und Unabhängigkeit zu tun hat.
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Was dann mit Autonomie bezeichnet wird, ist die Freiheit, sich und den anderen ständig Beweise der Stärke und Überlegenheit liefern zu müssen. Ob es ein Beweisen für oder gegen die Normen ist, macht keinen Unterschied.
Was sich daraus ergibt ist wirklich lesenswert. Er zeigt, wie die gesamte Gesellschaftsstruktur daran krankt, dass wir seit frühester Kindheit darauf dressiert werden, uns von unseren Gefühlen und Bedürfnissen zu entfernen, in dem wir lernen sie, u.a. durch Liebesentzug zu verleugnen. Bereits hier geht das wahre Ich verloren und wir werden zu Marionetten, die in jeder Phase ihres Lebens genau das nach- und vorleben, das so ungesund für jeden von uns ist.
Was mich so stark anspricht, ist die Anwendbarkeit auf mich selber, u.a. auch auf das Thema Trans mit seinen ganzen Scham- und Schuldgefühlen. Mir ist noch nicht klar, ob diese ihre Ursache in der allgemeinen gesellschaftlichen Nichtanerkennung oder, durch die Ablehnung der eigenen Gefühle, in mir selber liegen.
Wie oft habe ich selber schon gedacht oder bei anderen gelesen, dass man keine Frauenkleider anziehen "dürfe", ja die Entscheidung sogar anderen, teilweise wildfremden, Menschen überlässt. Aber was passiert, wenn man die eigenen Gefühle und Bedürfnisse ernst nimmt ? Man bekommt Angst, denn das bedeutet einen radikalen Wandel des eigenen Lebens. Man bekommt buchstäblich am eigenen Leib zu spüren, wie sehr das eigene Ich mit seinen Potentialen im Widerspruch zu Einflussnahmen von außen steht. Man kann sich dann nicht mehr ungestraft auf irgendwelche Regeln berufen, sondern ist sich selber voll verantwortlich. Und genau darin liegt unsere Freiheit.
Fragen sich nicht viele TV, ob sie nicht vielleicht doch TS sind ? Getreu nach dem Motto: Der Unterschied zwischen TV und TS sind 2 Jahre. Die Angst davor, TS zu sein lähmt. Das ganze Leben würde durch diese Erkenntnis aus der Bahn geworfen werden. Auch alle Kontakte werden in Frage gestellt. Sie basieren ja nicht auf den eigenen Bedürfnissen, sondern auf einem ungeschriebenen Regelwerk, das auch durch diese Kontakte repräsentiert wird. Warum reagieren Frau, Freunde, Nachbarn i.d.R. irritiert auf einen Mann, der eine Frau sein möchte ? Warum sagen sie sehr oft nicht, dass sie es toll finden, dass jemand zu sich selber findet ? Ich denke, das hat viel damit zu tun, dass dem Regelwerk mehr Bedeutung beigemessen wird als dem Leben, auch dem eigenen.
Wie müsste jede von uns handeln, wenn sie ernsthaft ihre wahren Bedürfnisse und Gefühle ergründete ?