First day of my life
Verfasst: Fr 12. Feb 2016, 23:11
Meine derzeitige Gefühlswelt und meinen Status fast der Song First day of my life ganz eindrücklich zusammen. Ich höre das Lied daher zurzeit sehr gern und öfters.
So I found a reason to stay alive,
Try a little harder, see the other side.
Talking to myself -
Too many sleepless nights,
Trying to find a meaning to this stupid life.
Jahre, Jahrzehnte habe ich versucht als Mann zu funktionieren. Es hat ganz ordentlich funktioniert. Ich habe eine sehr gute Ausbildung genossen, tolle Jobs gehabt und eine schöne und intelligente Frau geheiratet. Wir haben eine wunderbare Familie, tolle und interessante Freunde, ein schönes Haus mit grossem Garten und ein redliches Auskommen.
Aber war ich jemals glücklich, richtig glücklich? Nein, das war ich sicherlich nicht.
Aber jetzt, da ich zu meinem richtigen Geschlecht stehe, verspüre ich immer öfters richtige Glücksgefühle. Es entwickelt sich alles total schön und ich habe ein riesen Glück mit meiner Frau und meinem Umfeld.
Ich bin ja eine Spätzünderin, habe erst vor einem Jahr meine weibliche Seele zugelassen und mich Schritt für Schritt meinem richtigen Geschlecht geöffnet. Jahrzehnte lang hatte ich dagegen angekämpft. Ich hatte schon in den neunziger und nuller Jahren Frauenkleidung gekauft, diese aber immer nur heimlich getragen und dann immer wieder fort gegeben, weil ich meinte dagegen ankämpfen und Mann sein zu müssen. Aber das alles stimmt nicht. Ich bin im falschen Körper oder anders gesagt, dass mir bei der Geburt zugeordnete Geschlecht stimmt nicht.
Ich merke meine Veränderung an so vielen kleinen Dingen. Angefangen mit der Kleidung. Ich trage (ausser in der Firma) ausschliesslich weibliche Kleidung, von Kopf bis Fuss. Und ich trage auf keinen Fall Hosen, niemals mehr. Aber es ist vielmehr als das. Seit ich vor einem Jahr aufgehört habe Alpha-Männchen zu sein, läuft es im Job einfach nur noch super gut. Wir hatten vor drei Wochen einen Workshop mit allen Führungskräften von unserem Standort. Da gab es auch eine Face-to-Face Feedback Session. Mich hat es fast aus den Schuhen gehauen, was für ein super tolles Feedback ich von allen bekommen habe. Das sah früher beim Alpha-Männchen ganz anders aus. Da gab es ständig Konflikte und entsprechend kritisches Feedback, heute nicht mehr. Ich bin in der Firma nicht geoutet, aber ich habe seit einem Jahr mein ganzes Verhalten geändert und das zahlt sich jetzt aus.
Und dann sind da noch viele andere Kleinigkeiten. Der Sportwagen zum Beispiel. Als Tobias dachte ich, ich müsste unbedingt so ein Auto haben. Das ganze Thema Status-Symbol war mir zwar nie eigen, aber irgendwie dachte ich dennoch ich müsste so ein Auto haben, so wie es sich halt alle kleinen grossen Jungs erträumen. Heute bedeutet mir das Auto nichts, ich denke ernsthaft darüber nach, es zu verkaufen. Interessanterweise bremst mich meine Frau. Sie sagt, es sei einer der letzten mit dem grossen Saugmotor, die sind selten und werden an Wert gewinnen. Da ist sie vielleicht etwas pragmatischer als ich. Aber eben mich beschäftigen andere Dinge viel mehr. Und so tuckere ich mit dem kleinen Diesel jeden Tag zu Arbeit und bin happy und die teure Kiste steht in der Garage.
Ich habe meine ganze Ernährung völlig umgestellt. Von einer sehr Fleischlastigen und zu fetten Ernährung bin ich heute auf eine sehr vegetarische Ernährung umgestiegen und ich fühle mich super und kann es mir gar nicht mehr anders vorstellen. Ein Fast-Food Restaurant habe ich ewig nicht mehr betreten.
Freundschaften und Kontakte pflegen, Menschen treffen, das ist mir heute sehr wichtig. Ein gutes Buch lesen ebenso. Fernsehen dagegen tue ich fasst gar nicht mehr. Ich denke ich werde den Fernseher abschaffen, ich brauche ihn nicht mehr wirklich (früher habe ich immer gesagt, eine Ehe funktioniert nur mit zwei Fernsehern. Aber meine Frau kann ihren ja ruhig behalten, macht nichts). Und dann heule ich heute bei jeder emotionalen Begebenheit. Früher war ich unfähig zu weinen, heute kullern öfters mal die Tränen.
Das sind alles Veränderungen, die ich als total positiv empfinde und ich denke, die wären so nicht passiert, wenn ich weiter versucht hätte, in dem mir zugeordneten Geschlecht weiter zu leben. Und auf einmal macht auch meine grosse Sensibilität Sinn. Viele, einschliesslich meiner Frau, konnten meine grosse Sensibilität nie mit dem Mann, den sie vor sich sahen in Einklang bringen. Jetzt ist es klar und verständlich.
I don't want your sympathy,
Mir war es nie wichtig, was die Leute von mir denken. Ich war immer unabhängig, bin alleine klar gekommen. Heute kümmert es mich noch viiiiieeeeel weniger. Scheiss auf die Leute, who cares? Das ist mein Leben und es ist kurz und die kurze Zeit möchte ich die sein, die ich bin. Auf meinem Grabstein steht einmal Frau Katarina und nicht Herr sowieso. Der kleine Fehler der Natur wird jetzt einfach korrigiert.
Sometimes I don't know who to be.
Klar gab und gibt es auch bei mir dunkle Stunden, wenn die Abendende kalt und dunkel sind und die Tage trist und die Gedanken kreisen. Traurig bin ich, wenn ich denke wie es sein könnte, wenn ich mich schon vor dreissig Jahren auf den Weg gemacht hätte. Sehr schwer fällt es mir auch, wenn ich junge Bio-Frauen sehe, mit tollen langen Haaren und einer Modelfigur wie aus dem Katalog. Da geht es mir nicht gut, denn ich wäre auch gerne so schön, hübsch und anmutig. Aber das muss ich abhacken, ich bin eine Transfrau. Ich darf mich nicht an den Models aus der Werbung messen, die ständig strahlen und in allem gut aussehen, was auch immer sie an haben. Ich muss die positiven Dinge sehen und ich finde für mein Alter habe ich immer noch eine sehr feine Haut (Bio-Frauen kämpfen in dem Alter meist längst mit Cellulitis), schöne Beine und gar nicht mal so schlechte Kurven. Also, alles in allem bin ich ganz passabel unterwegs.
Hey what ya looking for?
No one has the answer -
They just want more
Hey who's gonna make it back?
This could be the first
Day of my life
Endlich Frau sein, wie befreiend dies ist. Als Katarina habe ich im Januar meinen ersten Geburtstag gefeiert. Ich war mit meiner Frau in einem tollen Restaurant essen und wir haben einen sehr schönen Abend verbracht. Was für ein toller Geburtstag das war!
Nie wieder Hosen. Nie, nie wieder Hosen. Ich liiiieeeeebe Röcke und dazu eine schöne Bluse und schöne Schuhe, that"™s it, that"™s me! Ich werde nie wieder Hosen tragen, nur vorläufig noch meine 'Uniform' bei der Arbeit. Aber hey, eine Pilotin oder Polizistin zieht sich auch jeden Morgen die Uniform an und geht zur Arbeit. Dann kann ich das auch. Igitt, wie schrecklich, muss aber leider wohl erst mal noch so sein. Eine sehr nette Dame von der Beratungsstelle meinte mit einem Schmunzeln im Gesicht: du verdienst im Moment noch als Mann das Geld und gibst es als Frau wieder aus. Wie recht sie doch hat! Und Esprit, Vero Moda, Douglas und Co. nehmen es dankbar an!
So I found a reason
To let it go
Tell you that I'm smiling
But I still need to grow.
Yes, I still need to grow. Aber ich habe eine Plan und der wird jetzt Punkt für Punkt abgearbeitet.
Termin bei der Hausärztin: erledigt
Wouw, wie verständnisvoll und einfühlsam war meine Hausärztin. Die Überweisung zum Psychiater, Endokrinologen und Dermatologen habe ich sofort erhalten und noch viel mehr Rat und Unterstützung.
Termin beim Psychiater: erledigt, der Termin ist Mitte März
Ein ganz toller Psychiater wurde mir empfohlen und weil ich über eine TG Beratungsstelle empfohlen wurde, klappt ein Termin sogar recht bald. Ansonsten hätte ich bis Juli warten müssen. Und das schöne war, er hat mich gleich mit Frau angesprochen. Einfach toll.
Termin beim Endokrinologen: kommt die Tage
Die Überweisung kommt in den nächsten Tagen von der Hausärztin und dann braucht es noch den Befund des Psychiaters. Ab dem Frühsommer werde ich dann mit der Hormontherapie beginnen können. Ich kann es kaum erwarten!
Termin beim Dermatologen: kommt auch die Tage
Ich kann es kaum erwarten endlich diese Schweiss-Gesichtsbehaarung weglasern zu lassen. Goodbye Bart, dich werde ich nicht vermissen!
Outing in der Familie: erledigt
Etwas mulmig war es mir doch, mich vor meinen Eltern zu outen. Aber ich habe es kurz und bündig auf den Punkt gebracht, euer Sohn wollte schon immer eine Tochter sein. Meiner Mutter schossen die Tränen in die Augen und mein Vater gucke auch ganz betroffen aus der Wäsche. Was sie mir nie erzählt hatten, meine Mutter hatte sich eine Tochter gewünscht, es wurde aber ein Junge und nun kehrt es sich. Die Schwiegereltern haben auch sehr schön reagiert und mir viel positives mit auf den Weg gegeben.
Einvernehmen mit meiner Frau: so weit so gut
Wir haben in den letzten Wochen über mich und meine Veränderung gesprochen. Sie kennt mich ja schon seit langer Zeit nur noch in weiblicher Kleidung und sagt selber öfters über mich, ich passe nicht in die männliche Gender-Schublade. Also das Tragen von weiblicher Kleidung durch mich, war nie ein Thema für sie und das ich mein Äusseres nun auch meinem richtigen Geschlecht anpassen möchte, versteht und unterstützt sie auch. Ihre einzige wirkliche Sorge ist, ob sich durch die Hormone mein Charakter verändert. Von dem was ich darüber bisher weiss, kann ich sagen, dies wird nicht der Fall sein. Ich bleibe derselbe Mensch. Aber das werden die Gespräche beim Psychiater und Endokrinologen weiter klären. Ich denke, ich konnte ihr genügend Komfort geben. Sie braucht halt unseren Save-Haven mit dem Haus und dem Garten und allem drum herum und den haben und pflegen wir weiterhin gemeinsam und das versteht sie auch so. Bis anhin ist also bei der Ehe alles im grünen Bereich und eigentlich besser als vorher. Was für ein Glück ich doch habe!
Outing bei Freunden und Bekannten: schon lange erledigt
Alle Verwandte, Freunde, Bekannte, Nachbarn, usw. kennen mich nun seit einer ganzen Weile in weiblichen Outfits. Das einzige was ich noch kurz erklären muss ist, dass ich von nun an als Frau lebe und sie mich mit Katarina und nicht mehr mit Tobias ansprechen möchten. Da sehe ich aber bei niemanden ein Problem. Wie einfach doch alles sein kann!
Vernetzung: ist in Arbeit
Früher war ich keine gute Networkerin, ich bin ja vom Alter her eine Babyboomerin, also in der Prä-Facebook-Zeit gross geworden. Nun aber macht es mir auf einmal Spass, mich zu vernetzen. Zwar nicht auf Facebook, was ich immer noch doof finde, aber im Leben ausserhalb des Internets. Ich gehe zu TG Stammtischen und habe da meinen Spass, bin Mitglied in einem TG Netzwerk geworden und werde im OK für eine Transtagung mitarbeiten. Transfrau zu sein ist ok, Hauptsache man hat Spass dabei und fühlt sich gut!
Outing am Arbeitsplatz: muss leider noch etwas warten
Alle mit denen ich bisher gesprochen habe sagen, ich soll noch etwas abwarten. Ich muss erst noch mein Äusseres mehr weiblicher gestalten und die Sache gut vorbereiten. Auch wenn es mich jeden Morgen anscheisst die Hosen und das Hemd (meine Uniform) anzuziehen, will ich mich aber dennoch in Geduld üben. Ist wahrscheinlich auch im Moment besser so, die Firma hat mich für die Entwicklung auf die nächst höhere Managementstufe nominiert und da will ich im Moment mit dem Gender Thema mal nicht quer schiessen. Eine Pilotin oder Polizistin zieht sich ja auch jeden Morgen die Uniform an und geht zum Dienst und das mach ich auch so. Kopf hoch, Augen zu und durch. Vom Verhalten her bin ich eh seit längerem weiblich und das zahlt sich in sehr vielen positiven Feedbacks aus und in sehr guter Zusammenarbeit mit meinem Chef und meinem Team und vielen anderen im Unternehmen und ausserhalb.
Will I find salvation in the arms of love?
Will it stop me searching? Will it be enough?
I don't want your sympathy.
Sometimes I don't know who to be.
Hey what ya looking for?
No one has the answer, you just want more
Hey who's gonna make it back?
This could be the first day of my life.
Ich kann es gar nicht genau sagen, wann mein first day of my life war. Ich kann nur soviel sagen, es war nicht an einem grauen Januarmorgen Ende der sechziger Jahre, sondern liegt nur wenige Wochen zurück.
The first time to really feel alive
The first time to break the chain
The first time to walk away from pain
Yes, I am really feel alive, die Ketten sind weg gesprengt, ich kann endlich die sein, die ich schon immer sein wollte und ganz tief verborgen auch immer war.
Seit ich die Dinge ins Rollen gebracht habe, schwimme ich auf einer tollen positiven emotionalen Welle. Ich denke oft, TG ist ja gar nicht so schwierig. Scheisse, warum bist du erst jetzt dazu bereit gewesen? Aber mir geht es so gut, keine Zeit zum Trübsal blasen.
Es ist so unglaublich befreiend, ich kann es kaum in Worte fassen. Jahrzehnte lang war ich eingesperrt. Und jetzt endlich kann ich raus. Und alle sehen es und verstehen es und unterstützen mich. Ich bin so happy, ich kann es gar nicht anders sagen. Ich bin eine Frau, Yippie!
Katarina
PS: Ganz ausdrücklich möchte ich mich noch bei Dolores bedanken. Sie hat mir tolle PNs gesandt, die mich wunderbar unterstützen und aufbauen. Liebe Dolores, ganz herzlichen Dank dafür!
So I found a reason to stay alive,
Try a little harder, see the other side.
Talking to myself -
Too many sleepless nights,
Trying to find a meaning to this stupid life.
Jahre, Jahrzehnte habe ich versucht als Mann zu funktionieren. Es hat ganz ordentlich funktioniert. Ich habe eine sehr gute Ausbildung genossen, tolle Jobs gehabt und eine schöne und intelligente Frau geheiratet. Wir haben eine wunderbare Familie, tolle und interessante Freunde, ein schönes Haus mit grossem Garten und ein redliches Auskommen.
Aber war ich jemals glücklich, richtig glücklich? Nein, das war ich sicherlich nicht.
Aber jetzt, da ich zu meinem richtigen Geschlecht stehe, verspüre ich immer öfters richtige Glücksgefühle. Es entwickelt sich alles total schön und ich habe ein riesen Glück mit meiner Frau und meinem Umfeld.
Ich bin ja eine Spätzünderin, habe erst vor einem Jahr meine weibliche Seele zugelassen und mich Schritt für Schritt meinem richtigen Geschlecht geöffnet. Jahrzehnte lang hatte ich dagegen angekämpft. Ich hatte schon in den neunziger und nuller Jahren Frauenkleidung gekauft, diese aber immer nur heimlich getragen und dann immer wieder fort gegeben, weil ich meinte dagegen ankämpfen und Mann sein zu müssen. Aber das alles stimmt nicht. Ich bin im falschen Körper oder anders gesagt, dass mir bei der Geburt zugeordnete Geschlecht stimmt nicht.
Ich merke meine Veränderung an so vielen kleinen Dingen. Angefangen mit der Kleidung. Ich trage (ausser in der Firma) ausschliesslich weibliche Kleidung, von Kopf bis Fuss. Und ich trage auf keinen Fall Hosen, niemals mehr. Aber es ist vielmehr als das. Seit ich vor einem Jahr aufgehört habe Alpha-Männchen zu sein, läuft es im Job einfach nur noch super gut. Wir hatten vor drei Wochen einen Workshop mit allen Führungskräften von unserem Standort. Da gab es auch eine Face-to-Face Feedback Session. Mich hat es fast aus den Schuhen gehauen, was für ein super tolles Feedback ich von allen bekommen habe. Das sah früher beim Alpha-Männchen ganz anders aus. Da gab es ständig Konflikte und entsprechend kritisches Feedback, heute nicht mehr. Ich bin in der Firma nicht geoutet, aber ich habe seit einem Jahr mein ganzes Verhalten geändert und das zahlt sich jetzt aus.
Und dann sind da noch viele andere Kleinigkeiten. Der Sportwagen zum Beispiel. Als Tobias dachte ich, ich müsste unbedingt so ein Auto haben. Das ganze Thema Status-Symbol war mir zwar nie eigen, aber irgendwie dachte ich dennoch ich müsste so ein Auto haben, so wie es sich halt alle kleinen grossen Jungs erträumen. Heute bedeutet mir das Auto nichts, ich denke ernsthaft darüber nach, es zu verkaufen. Interessanterweise bremst mich meine Frau. Sie sagt, es sei einer der letzten mit dem grossen Saugmotor, die sind selten und werden an Wert gewinnen. Da ist sie vielleicht etwas pragmatischer als ich. Aber eben mich beschäftigen andere Dinge viel mehr. Und so tuckere ich mit dem kleinen Diesel jeden Tag zu Arbeit und bin happy und die teure Kiste steht in der Garage.
Ich habe meine ganze Ernährung völlig umgestellt. Von einer sehr Fleischlastigen und zu fetten Ernährung bin ich heute auf eine sehr vegetarische Ernährung umgestiegen und ich fühle mich super und kann es mir gar nicht mehr anders vorstellen. Ein Fast-Food Restaurant habe ich ewig nicht mehr betreten.
Freundschaften und Kontakte pflegen, Menschen treffen, das ist mir heute sehr wichtig. Ein gutes Buch lesen ebenso. Fernsehen dagegen tue ich fasst gar nicht mehr. Ich denke ich werde den Fernseher abschaffen, ich brauche ihn nicht mehr wirklich (früher habe ich immer gesagt, eine Ehe funktioniert nur mit zwei Fernsehern. Aber meine Frau kann ihren ja ruhig behalten, macht nichts). Und dann heule ich heute bei jeder emotionalen Begebenheit. Früher war ich unfähig zu weinen, heute kullern öfters mal die Tränen.
Das sind alles Veränderungen, die ich als total positiv empfinde und ich denke, die wären so nicht passiert, wenn ich weiter versucht hätte, in dem mir zugeordneten Geschlecht weiter zu leben. Und auf einmal macht auch meine grosse Sensibilität Sinn. Viele, einschliesslich meiner Frau, konnten meine grosse Sensibilität nie mit dem Mann, den sie vor sich sahen in Einklang bringen. Jetzt ist es klar und verständlich.
I don't want your sympathy,
Mir war es nie wichtig, was die Leute von mir denken. Ich war immer unabhängig, bin alleine klar gekommen. Heute kümmert es mich noch viiiiieeeeel weniger. Scheiss auf die Leute, who cares? Das ist mein Leben und es ist kurz und die kurze Zeit möchte ich die sein, die ich bin. Auf meinem Grabstein steht einmal Frau Katarina und nicht Herr sowieso. Der kleine Fehler der Natur wird jetzt einfach korrigiert.
Sometimes I don't know who to be.
Klar gab und gibt es auch bei mir dunkle Stunden, wenn die Abendende kalt und dunkel sind und die Tage trist und die Gedanken kreisen. Traurig bin ich, wenn ich denke wie es sein könnte, wenn ich mich schon vor dreissig Jahren auf den Weg gemacht hätte. Sehr schwer fällt es mir auch, wenn ich junge Bio-Frauen sehe, mit tollen langen Haaren und einer Modelfigur wie aus dem Katalog. Da geht es mir nicht gut, denn ich wäre auch gerne so schön, hübsch und anmutig. Aber das muss ich abhacken, ich bin eine Transfrau. Ich darf mich nicht an den Models aus der Werbung messen, die ständig strahlen und in allem gut aussehen, was auch immer sie an haben. Ich muss die positiven Dinge sehen und ich finde für mein Alter habe ich immer noch eine sehr feine Haut (Bio-Frauen kämpfen in dem Alter meist längst mit Cellulitis), schöne Beine und gar nicht mal so schlechte Kurven. Also, alles in allem bin ich ganz passabel unterwegs.
Hey what ya looking for?
No one has the answer -
They just want more
Hey who's gonna make it back?
This could be the first
Day of my life
Endlich Frau sein, wie befreiend dies ist. Als Katarina habe ich im Januar meinen ersten Geburtstag gefeiert. Ich war mit meiner Frau in einem tollen Restaurant essen und wir haben einen sehr schönen Abend verbracht. Was für ein toller Geburtstag das war!
Nie wieder Hosen. Nie, nie wieder Hosen. Ich liiiieeeeebe Röcke und dazu eine schöne Bluse und schöne Schuhe, that"™s it, that"™s me! Ich werde nie wieder Hosen tragen, nur vorläufig noch meine 'Uniform' bei der Arbeit. Aber hey, eine Pilotin oder Polizistin zieht sich auch jeden Morgen die Uniform an und geht zur Arbeit. Dann kann ich das auch. Igitt, wie schrecklich, muss aber leider wohl erst mal noch so sein. Eine sehr nette Dame von der Beratungsstelle meinte mit einem Schmunzeln im Gesicht: du verdienst im Moment noch als Mann das Geld und gibst es als Frau wieder aus. Wie recht sie doch hat! Und Esprit, Vero Moda, Douglas und Co. nehmen es dankbar an!
So I found a reason
To let it go
Tell you that I'm smiling
But I still need to grow.
Yes, I still need to grow. Aber ich habe eine Plan und der wird jetzt Punkt für Punkt abgearbeitet.
Termin bei der Hausärztin: erledigt
Wouw, wie verständnisvoll und einfühlsam war meine Hausärztin. Die Überweisung zum Psychiater, Endokrinologen und Dermatologen habe ich sofort erhalten und noch viel mehr Rat und Unterstützung.
Termin beim Psychiater: erledigt, der Termin ist Mitte März
Ein ganz toller Psychiater wurde mir empfohlen und weil ich über eine TG Beratungsstelle empfohlen wurde, klappt ein Termin sogar recht bald. Ansonsten hätte ich bis Juli warten müssen. Und das schöne war, er hat mich gleich mit Frau angesprochen. Einfach toll.
Termin beim Endokrinologen: kommt die Tage
Die Überweisung kommt in den nächsten Tagen von der Hausärztin und dann braucht es noch den Befund des Psychiaters. Ab dem Frühsommer werde ich dann mit der Hormontherapie beginnen können. Ich kann es kaum erwarten!
Termin beim Dermatologen: kommt auch die Tage
Ich kann es kaum erwarten endlich diese Schweiss-Gesichtsbehaarung weglasern zu lassen. Goodbye Bart, dich werde ich nicht vermissen!
Outing in der Familie: erledigt
Etwas mulmig war es mir doch, mich vor meinen Eltern zu outen. Aber ich habe es kurz und bündig auf den Punkt gebracht, euer Sohn wollte schon immer eine Tochter sein. Meiner Mutter schossen die Tränen in die Augen und mein Vater gucke auch ganz betroffen aus der Wäsche. Was sie mir nie erzählt hatten, meine Mutter hatte sich eine Tochter gewünscht, es wurde aber ein Junge und nun kehrt es sich. Die Schwiegereltern haben auch sehr schön reagiert und mir viel positives mit auf den Weg gegeben.
Einvernehmen mit meiner Frau: so weit so gut
Wir haben in den letzten Wochen über mich und meine Veränderung gesprochen. Sie kennt mich ja schon seit langer Zeit nur noch in weiblicher Kleidung und sagt selber öfters über mich, ich passe nicht in die männliche Gender-Schublade. Also das Tragen von weiblicher Kleidung durch mich, war nie ein Thema für sie und das ich mein Äusseres nun auch meinem richtigen Geschlecht anpassen möchte, versteht und unterstützt sie auch. Ihre einzige wirkliche Sorge ist, ob sich durch die Hormone mein Charakter verändert. Von dem was ich darüber bisher weiss, kann ich sagen, dies wird nicht der Fall sein. Ich bleibe derselbe Mensch. Aber das werden die Gespräche beim Psychiater und Endokrinologen weiter klären. Ich denke, ich konnte ihr genügend Komfort geben. Sie braucht halt unseren Save-Haven mit dem Haus und dem Garten und allem drum herum und den haben und pflegen wir weiterhin gemeinsam und das versteht sie auch so. Bis anhin ist also bei der Ehe alles im grünen Bereich und eigentlich besser als vorher. Was für ein Glück ich doch habe!
Outing bei Freunden und Bekannten: schon lange erledigt
Alle Verwandte, Freunde, Bekannte, Nachbarn, usw. kennen mich nun seit einer ganzen Weile in weiblichen Outfits. Das einzige was ich noch kurz erklären muss ist, dass ich von nun an als Frau lebe und sie mich mit Katarina und nicht mehr mit Tobias ansprechen möchten. Da sehe ich aber bei niemanden ein Problem. Wie einfach doch alles sein kann!
Vernetzung: ist in Arbeit
Früher war ich keine gute Networkerin, ich bin ja vom Alter her eine Babyboomerin, also in der Prä-Facebook-Zeit gross geworden. Nun aber macht es mir auf einmal Spass, mich zu vernetzen. Zwar nicht auf Facebook, was ich immer noch doof finde, aber im Leben ausserhalb des Internets. Ich gehe zu TG Stammtischen und habe da meinen Spass, bin Mitglied in einem TG Netzwerk geworden und werde im OK für eine Transtagung mitarbeiten. Transfrau zu sein ist ok, Hauptsache man hat Spass dabei und fühlt sich gut!
Outing am Arbeitsplatz: muss leider noch etwas warten
Alle mit denen ich bisher gesprochen habe sagen, ich soll noch etwas abwarten. Ich muss erst noch mein Äusseres mehr weiblicher gestalten und die Sache gut vorbereiten. Auch wenn es mich jeden Morgen anscheisst die Hosen und das Hemd (meine Uniform) anzuziehen, will ich mich aber dennoch in Geduld üben. Ist wahrscheinlich auch im Moment besser so, die Firma hat mich für die Entwicklung auf die nächst höhere Managementstufe nominiert und da will ich im Moment mit dem Gender Thema mal nicht quer schiessen. Eine Pilotin oder Polizistin zieht sich ja auch jeden Morgen die Uniform an und geht zum Dienst und das mach ich auch so. Kopf hoch, Augen zu und durch. Vom Verhalten her bin ich eh seit längerem weiblich und das zahlt sich in sehr vielen positiven Feedbacks aus und in sehr guter Zusammenarbeit mit meinem Chef und meinem Team und vielen anderen im Unternehmen und ausserhalb.
Will I find salvation in the arms of love?
Will it stop me searching? Will it be enough?
I don't want your sympathy.
Sometimes I don't know who to be.
Hey what ya looking for?
No one has the answer, you just want more
Hey who's gonna make it back?
This could be the first day of my life.
Ich kann es gar nicht genau sagen, wann mein first day of my life war. Ich kann nur soviel sagen, es war nicht an einem grauen Januarmorgen Ende der sechziger Jahre, sondern liegt nur wenige Wochen zurück.
The first time to really feel alive
The first time to break the chain
The first time to walk away from pain
Yes, I am really feel alive, die Ketten sind weg gesprengt, ich kann endlich die sein, die ich schon immer sein wollte und ganz tief verborgen auch immer war.
Seit ich die Dinge ins Rollen gebracht habe, schwimme ich auf einer tollen positiven emotionalen Welle. Ich denke oft, TG ist ja gar nicht so schwierig. Scheisse, warum bist du erst jetzt dazu bereit gewesen? Aber mir geht es so gut, keine Zeit zum Trübsal blasen.
Es ist so unglaublich befreiend, ich kann es kaum in Worte fassen. Jahrzehnte lang war ich eingesperrt. Und jetzt endlich kann ich raus. Und alle sehen es und verstehen es und unterstützen mich. Ich bin so happy, ich kann es gar nicht anders sagen. Ich bin eine Frau, Yippie!
Katarina
PS: Ganz ausdrücklich möchte ich mich noch bei Dolores bedanken. Sie hat mir tolle PNs gesandt, die mich wunderbar unterstützen und aufbauen. Liebe Dolores, ganz herzlichen Dank dafür!