Re: Verlange ich zu viel
Verfasst: Mo 6. Apr 2015, 12:41
Hallo Jana,
um deine Eingangsfrage gleich zu Beginn zu beantworten: aus meiner Sicht verlangst Du nicht zu viel. Dein Anspruch ist völlig in Ordnung.
So wie Du das Verhalten deiner Freunde beschreibst, ist das auch nicht OK. Ich kann mir auch gut vorstellen, wie Du dich dabei fühlst. Das sind eben keine schönen Erlebnisse.
Die Reaktionen deiner Freunde haben auch mehr mit ihnen selbst zu tun, als mit dir. Zum einen hatten sie bestimmte Erwartungen an dich und jetzt sind sie sauer, weil Du sie nicht mehr erfüllst. Zum anderen erkenne ich da viel Unsicherheit, zum Beispiel bei denen, die mit dir en femme nicht weggehen wollen.
Allerdings hätte (und habe) ich das Coming Out auch nicht so wie Du gemacht. Statt viele Freunde auf einmal und dann gleich en femme habe ich mir für jede bzw. jedes Paar einen ganzen Abend Zeit genommen und sie auch erst einmal noch als Mann empfangen. Ich habe erstmal gekocht und wir haben schön zusammen gegessen, so dass wir auch wirklich zusammen waren und eine gute Stimmung hatten. Dann haben ich ihnen erzählt, warum ich sie dieses Mal eingeladen habe und das sie mich künftig ein wenig verändert erleben würden.
Dieses Vorgehen hat für mich einige Vorteile. Zum einen sind meine Freunde nicht völlig überrascht und überrumpelt und können sich erstmal mit der neuen Situation auseinandersetzen. Dazu trägt auch das gemeinsame Essen bei, das auch Gemeinschaft stiftet. Damit habe ich insgesamt eine positive Grundstimmung, was der Sache zu Gute kommt. Wichtig war dabei für mich erst zu essen und dann darüber zu reden.
Zum anderen habe ich so auch genug Zeit auf jeden einzelnen einzugehen und seine Fragen zu beantworten. Das verlief oft recht unterschiedlich, eben weil es auch unterschiedliche Persönlichkeiten sind. Manche mussten das erst einmal verdauen, mit anderen habe ich sehr schnell über praktische Aspekte gesprochen. Dadurch das ich das so geplant hatte, konnte ich darauf mühelos eingehen. In einer Gruppe wäre das viel schwieriger gewesen.
Ich bin damit sehr gut gefahren, ich habe niemanden verloren.
Ich könnte mir daher vorstellen, dass es bei einem anderen Vorgehen, bei Dir auch anders gelaufen wäre und deine Freunde sich dann auch anders verhalten würden. Natürlich kann es immer jemanden geben, bei dem alles nix hilft, aber ich vermute mal, dass das Ausnahmen sind.
Der Satz mit den wahren Freunden hilft Dir nun nicht wirklich weiter, denn deine Freunde scheinen Dir viel zu bedeuten. Überleg doch mal, ob Du sie dir lieber nicht doch nochmal zu einzelnen Gesprächen einlädst. Dabei lässt sich bestimmt einiges klären.
Dazu noch ein kleiner Hinweis, mir ist aufgefallen, dass viele oft unsicher waren, wie sie damit umgehen sollten. In der Regel lag das an fehlendem Wissen und fehlender Erfahrung, bzw. an zum Teil falschen Vorstellungen. Ich habe immer versucht, meinen Freunden die Unsicherheit zu nehmen und dann waren die Gespräche immer sehr entspannt.
Ich hoffe, dass ich dir damit ein klein wenig helfen kann. Wie ich eingangs schrieb, dein Anspruch ist völlig berechtigt und es ist richtig, dass Du zu dir selbst stehst. Auf der anderen Seite sind deine Freunde auch Menschen, die wie immer auch mit Schwächen daherkommen. Ich drücke dir mal die Daumen, dass ihr wieder gut zusammenfindet.
Liebe Grüße
Anke
um deine Eingangsfrage gleich zu Beginn zu beantworten: aus meiner Sicht verlangst Du nicht zu viel. Dein Anspruch ist völlig in Ordnung.
So wie Du das Verhalten deiner Freunde beschreibst, ist das auch nicht OK. Ich kann mir auch gut vorstellen, wie Du dich dabei fühlst. Das sind eben keine schönen Erlebnisse.
Die Reaktionen deiner Freunde haben auch mehr mit ihnen selbst zu tun, als mit dir. Zum einen hatten sie bestimmte Erwartungen an dich und jetzt sind sie sauer, weil Du sie nicht mehr erfüllst. Zum anderen erkenne ich da viel Unsicherheit, zum Beispiel bei denen, die mit dir en femme nicht weggehen wollen.
Allerdings hätte (und habe) ich das Coming Out auch nicht so wie Du gemacht. Statt viele Freunde auf einmal und dann gleich en femme habe ich mir für jede bzw. jedes Paar einen ganzen Abend Zeit genommen und sie auch erst einmal noch als Mann empfangen. Ich habe erstmal gekocht und wir haben schön zusammen gegessen, so dass wir auch wirklich zusammen waren und eine gute Stimmung hatten. Dann haben ich ihnen erzählt, warum ich sie dieses Mal eingeladen habe und das sie mich künftig ein wenig verändert erleben würden.
Dieses Vorgehen hat für mich einige Vorteile. Zum einen sind meine Freunde nicht völlig überrascht und überrumpelt und können sich erstmal mit der neuen Situation auseinandersetzen. Dazu trägt auch das gemeinsame Essen bei, das auch Gemeinschaft stiftet. Damit habe ich insgesamt eine positive Grundstimmung, was der Sache zu Gute kommt. Wichtig war dabei für mich erst zu essen und dann darüber zu reden.
Zum anderen habe ich so auch genug Zeit auf jeden einzelnen einzugehen und seine Fragen zu beantworten. Das verlief oft recht unterschiedlich, eben weil es auch unterschiedliche Persönlichkeiten sind. Manche mussten das erst einmal verdauen, mit anderen habe ich sehr schnell über praktische Aspekte gesprochen. Dadurch das ich das so geplant hatte, konnte ich darauf mühelos eingehen. In einer Gruppe wäre das viel schwieriger gewesen.
Ich bin damit sehr gut gefahren, ich habe niemanden verloren.
Ich könnte mir daher vorstellen, dass es bei einem anderen Vorgehen, bei Dir auch anders gelaufen wäre und deine Freunde sich dann auch anders verhalten würden. Natürlich kann es immer jemanden geben, bei dem alles nix hilft, aber ich vermute mal, dass das Ausnahmen sind.
Der Satz mit den wahren Freunden hilft Dir nun nicht wirklich weiter, denn deine Freunde scheinen Dir viel zu bedeuten. Überleg doch mal, ob Du sie dir lieber nicht doch nochmal zu einzelnen Gesprächen einlädst. Dabei lässt sich bestimmt einiges klären.
Dazu noch ein kleiner Hinweis, mir ist aufgefallen, dass viele oft unsicher waren, wie sie damit umgehen sollten. In der Regel lag das an fehlendem Wissen und fehlender Erfahrung, bzw. an zum Teil falschen Vorstellungen. Ich habe immer versucht, meinen Freunden die Unsicherheit zu nehmen und dann waren die Gespräche immer sehr entspannt.
Ich hoffe, dass ich dir damit ein klein wenig helfen kann. Wie ich eingangs schrieb, dein Anspruch ist völlig berechtigt und es ist richtig, dass Du zu dir selbst stehst. Auf der anderen Seite sind deine Freunde auch Menschen, die wie immer auch mit Schwächen daherkommen. Ich drücke dir mal die Daumen, dass ihr wieder gut zusammenfindet.
Liebe Grüße
Anke